Und es geht doch!

Spiele in Medien

ein Spiele-Artikel von Riemi - 09.03.2008
Frank Riemenschneider von Frank Riemenschneider
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Eine Buchbesprechung im Radio ist immer etwas sehr Intellektuelles. Da wird über die Protagonisten gesprochen, der Schreibstil wird bewertet, die Autoren durchleuchtet und eine oder keine Kaufempfehlung ausgesprochen. Aber nie wird das Ende verraten. „Da möchte ich nicht vorgreifen“ oder „Dann wäre die Spannung weg“, lautet es immer wieder.

Letztendlich ist eine Buchbesprechung eine Einzelbewertung. Kein Rezensent würde im Radio auf die Idee kommen, zusammen mit drei anderen Lesern ein Buch zu lesen und nach Rücksprache seinen Senf dazugeben. Bei Krimis reißen sich die Radiosender sogar ein Bein aus. Es gibt eigene Sendeformate, in denen die Hörer anrufen können und Experten empfehlen dann entsprechende Krimis.

Und bei Gesellschaftsspielen? Bei Spielen im Radio ist das etwas ganz anderes. Ein O-Ton mit Würfelgeräuschen und dabei die natürlich sehr subjektiven Meinungen der Spieler. Anschließend das Resümee: Das Spiel ist gut oder ist nicht gut. Ein kleines Portrait des Autors fehlt meistens. Aber genau so etwas würde ich gerne mal im Radio hören. Ich möchte wie bei Büchern neugierig gemacht werden. Wie spielt es sich, ist der Autor ein Neuling oder ein alter Hase im Geschäft, wie sieht die Illustration aus, wer hat sie geschaffen, was für ein Verlag steckt dahinter?

So wie es aussieht, trauen sich Radioredakteure nicht an dieses Thema heran – zu langweilig oder sind sich Kritiker im Radio zu schade für Gesellschaftsspiele? Bei Spielen mit Auflagen von über Hunderttausend, spricht kein Mensch von Verkaufschlagern und sie tauchen auch in keiner Stern- oder Spiegelbestsellerlisten auf. Eigentlich nicht verständlich.

Und es geht doch! In einem großen Warenkaufhaus in Duisburg hängt so eine "Bestsellerliste" für Gesellschaftsspiele in der Spielwarenabteilung aus. Duisburg hat außerdem den lokalen Fernsehsender „Kanal 47“. Dort werden regelmäßig Spiele von einem örtlichen Spielefachhändler vorgestellt und mit anwesenden Zuschauern gespielt – Medien und Gesellschaftsspiele gehen also doch! Und das nicht nur zur Messe in Essen oder Nürnberg. Und sicher nicht nur in Duisburg.

Und Spiele lassen sich vor allem auch anders in den Medien rüberbringen. Das Würfelgeklapper und eine Spielermeinung sind kein Maßstab. O-Töne vom Verleger, ein Porträt des Autors, eine Erklärung des Designers - das macht solche Berichte ansprechend. Also, mehr Spiele in die Medien. Und im Radio lässt man dann zum Beispiel die Siegbedingung offen, damit die Kritiker sagen können: „Das müssen die Spieler schon selber herausfinden“.