Antike Verbindungstechnik

Christian Fiore und Knut Happel über ihr Spiel Via Romana

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 14.10.2008
Via Romana - Spielsituation von Goldsieber
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Christian und Knut, um was geht es bei eurem Spiel Via Romana, das zur Spiel '08 vorgestellt wird?
Via Romana ist ein Brettspiel für zwei bis vier Spieler ab acht Jahren. Die Spieler nehmen teil am Aufbau des Straßennetzes in den römischen Provinzen Galliens. Durch sorgsam geplante Straßen und mächtige Kastelle verbinden sie die wichtigsten Städte und sichern die römische Vorherrschaft in den neuen Gebieten. Dabei wetteifern sie darum, den größten Anteil am Bau der jeweiligen Straßen zu haben, möglichst bedeutende Städte anzuschließen und mächtige Kastelle zu erbauen.“

Via Romana - Schachtelgrafik von GoldsieberWas hat euch gereizt, die Via Romana als Thema zu wählen?
„Eine gewisse Affinität zum alten Rom hat uns wahrscheinlich schon unser Lateinlehrer eingeimpft. Und so war es sicherlich kein Zufall, dass Pecunia non olet, unser erstes gemeinsames Spiel, diesen Hintergrund hatte. Die knollennasigen Römer haben uns irgendwie gefehlt. Schließlich konnten die nicht nur auf der Latrine hocken, sondern mussten sich ums Expandieren ihres Reiches kümmern.“

Via Romana - Spielkarte von GoldsieberWie findet das Thema Eingang ins Spiel, mit welchen Mechanismen setzt ihr es um? Welche sind die wichtigsten für euch?
„Grob vereinfacht könnte man Via Romana als eine Zusammenführung von Streckenbau- und Mehrheitenspiel bezeichnen. Durch das Ausspielen von Karten werden Spielsteine auf die Straßen gesetzt. Sind alle Felder von einer Stadt zu einer anderen mit Spielsteinen belegt, wird die Straße gewertet. Der Spieler mit den meisten Spielsteinen darf sich einen der siegpunktbringenden Stadtmarker nehmen, die anderen Spieler dürfen Karten aus der offenen Auslage nachziehen, um so gezielt bestimmte Karten zu erhalten. Kastelle in den Städten erbringen bei Spielende ebenso weitere Siegpunkte wie das Erfüllen von Auftragstafeln mit bestimmten Wertungen.“

Worauf sollten die Spieler in ihrer ersten Partie besonders achten?
„Da es unmöglich ist, bei allen Straßen die Mehrheit zu haben, gilt es abzuschätzen, bei welcher Straße man unbedingt gewinnen, bei welcher man sich mit dem Erhalt einiger Karten vom offenen Vorrat begnügen und bei welcher Straße man lieber die anderen Spieler ‚die Arbeit machen’ lassen sollte.
Außerdem sollte man darauf achten, alle Möglichkeiten zu nutzen, um Siegpunkte zu erlangen. Wer vergißt, sich rechtzeitig um das Erfüllen seiner Auftragstafeln und das Einsetzen seiner Kastelle zu kümmern, wird gegen Spielende reichlich Probleme bekommen.“

Via Romana - Spielkarte von GoldsieberIhr entwickelt beide als Team seit Jahren Spiele. Wie kam es zu eurer Zusammenarbeit, was reizt euch, als Team aufzutreten?
„Wir sind seit unseren Kindertagen gute Freunde und wohnen im selben kleinen Dorf in Rheinhessen. Über gemeinsame Rollenspiel- und Spieleabende wurde dann irgendwann der Schritt zum eigenen Spiel getan. Viele Ideen später war es Pecunia non olet, mit welchem wir einen Verlag begeistern konnten.
Uns macht die Arbeit im Team einen Heidenspaß, zumal wir eigentlich sowohl beim Spielen als auch beim Spieleentwickeln recht unterschiedliche Charaktere sind. Christian hat meist spontane, witzige Ideen, Knut tüftelt an seinen Geistesblitzen lange herum, bevor er sie Christian vorstellt. Dieses gemeinsame erste Spielen oder Besprechen einer Spielidee überstehen die meisten (scheinbar genialen) Ideen übrigens nicht. Darin sehen wir aber auch den großen Vorteil unserer Zusammenarbeit: Keiner von uns verrennt sich in eine Idee, die dann letztlich aus vielleicht banalen Gründen doch nicht funktioniert. Hauptantrieb ist aber schlicht der große Spaß, den wir am Entwickeln der Spiele haben.“

Via Romana - Spielkarte von GoldsieberEure Spiele erscheinen bei Goldsieber. Wie kam es zu dieser Kooperation und was ist eure Aufgabe für die Marke von Noris?
„’Damit Spielen einfach Spaß macht.’ So lautet das Motto von Goldsieber. Und dieses Wortspiel beschreibt die Zielrichtung von Goldsieber wie auch unsere recht treffend. Außerhalb der ‚Spieleszene’ wird Spielspaß nach unseren Erfahrungen wesentlich auch über die Leichtigkeit des Zugangs zu einem Spiel beurteilt. Ein gutes Spiel hat nach unserer Einschätzung überschaubare, ‚leichte’ Regeln, erlaubt aber daraus vielfache, interessante Entscheidungen. Mit dieser Einschätzung liegen wir auf einer Linie mit der Philosophie von Noris/Goldsieber.
Ein bemerkenswerter Aspekt der Zusammenarbeit mit Goldsieber ist deren Offenheit bei Materialfragen. Auch wenn wir mit außergewöhnlichen Ideen wie den vielen Holzsäulen bei Die Säulen von Venedig oder dem dreidimensionalen Palast bei Saba – Palast der Königin ankommen, hört sich der Verlag erst die Gestaltungsidee an und prüft dann die Machbarkeit.“