Winning Moves: neue strategische Ausrichtung

Geschäftsleiter Matthias Mierau im Interview

ein Spiele-Artikel von Jörg Deutesfeld - 09.02.2012
Matthias Mierau von Winning Moves
Lesezeit: ca. 6 Minuten

Winning Moves hat zur Spielwarenmesse in Nürnberg angekündigt, sich neu auszurichten. Damit verbunden sind mehrere Personalveränderungen. Zum 1. März 2012 übernimmt Matthias Mierau die Geschäftsleitung der Winning Moves Deutschland GmbH. Matthias Mierau arbeitete bereits von Mai 2007 bis Januar 2011 für Winning Moves, zunächst als Int. Product Manager für Top Trumps, anschließend in den Positionen Head of Marketing sowie Director B2B/ Custom Games. Zuletzt war er bei der Bazooka Candy Brands International (Division of The Topps Company Inc. New York) als International Business Development Manager in der Süßwarenbranche tätig. Matthias Mierau übernimmt damit die Geschäftsleitung von Thierry Karpiel, Managing Director der Winning Moves France.

Der langjährige Geschäftsführer Michel M. Matschoss hat sich im Oktober 2011 in den Ruhestand verabschiedet. Zuletzt leitete Michel Matschoss die Spieleredaktion. Die Redaktionsstelle wird vorerst nicht neu besetzt; redaktionelle Aufgaben werden von Michael Tschiggerl, verantwortlich für Medien & PR, wahrgenommen. Nach Abgang des Art Directors Jürgen van Straelen im Dezember 2011 hat Kathrin Piel die Leitung der Produktentwicklung des Hauses übernommen. Sie arbeitet seit Dezember 2010 bei Winning Moves.

Im Rahmen einer neuen strategischen Ausrichtung des Verlages hat sich auch die Vertriebsstruktur bei Winning Moves verändert. Frau Birgit Bandlow, seit Juni 2007 bei Winning Moves, hat die Leitung des Key Accounts/Area Sales übernommen. Ihr zur Seite stehen als Key Account Manager der langjährige Vertriebsdirektor Stefan Gschlecht sowie Friedhelm Keris. Die Area Sales Manager Holger Hecht und Maria Grasruck hatten Winning Moves zum Jahresende verlassen.

Die Winning Moves Deutschland GmbH verändert sich aber nicht nur personell mit dem Beginn des Jahres 2012, sondern wird sich mit der neuen Geschäftsleitung von Matthias Mierau auch strategisch neu ausrichten. Im Interview gibt Matthias Mierau einige Einblicke in die ausstehenden Änderungen und Herausforderungen:

Herr Mierau, Sie übernehmen zum 1. März die Geschäftsleitung der Winning Moves Deutschland GmbH. Was wird sich künftig bei Winning Moves ändern?
„Unser bisheriges Produktportfolio bestand aus den drei Säulen Top Trumps, Familienspiele und Städte- und Regional-Monopoly. Wir werden jetzt eine vierte Säule in das Winning-Moves-Gebäude einziehen: Hasbro-Lizenzeditionen. Diesen Spielen gilt unsere verstärkte Aufmerksamkeit. Unser Angebot an Winning-Moves-Familienspielen, – das heißt Autorenspiele, German-Type-Games, Kartenspiele – werden wir dafür stark einschränken. Aber auch zu Top Trumps werden wir auf der Messe einige neue, spannende Produktlinien vorstellen.“

Wieso werden Hasbro-Lizenzspiele eine stärke Rolle spielen?
„Es gibt eine neue internationale Abmachung zwischen Hasbro und Winning Moves International. Durch die Lizenz für Städte- und Regional-Monopoly Spiele haben wir seit Gründung von Winning Moves eine sehr gut funktionierende Partnerschaft mit Hasbro. Diese wird nun weiter ausgebaut und um Spieleklassiker aus dem Hause Hasbro, kombiniert mit Lizenzthemen, erweitert.“

Welche Spiele werden das sein?
„Zum Anfang denken wir an Klassiker wie Cluedo, Twister, 4 Gewinnt und Wer ist es?. Bereits 2011 haben wir für Toys’R‘Us erfolgreich Twister, 4 gewinnt und Monopoly mit der Lizenz Hello Kitty umgesetzt. Davon wird es in Zukunft mehr bei Winning Moves geben. Zudem werden wir diese Spiele auch als „B2B/Custom Games“ Firmen und Vereinen anbieten können. Natürlich ausschließlich in Absprache mit Hasbro.“

Gibt es denn in Deutschland einen Markt für diese Spiele?
„Definitiv. Die Erfahrungen unserer Schwesterfirma Winning Moves UK zeigen, dass besonders Großkunden auf der Suche nach Spielen sind, die bekannt und wenig erklärungsbedürftig sind und die durch Lizenzen einen zusätzlichen aktuellen Mehrwert besitzen. Und der Bereich „B2B/Custom Games“ hat sich seit seiner Einführung 2010 so schnell und erfolgreich entwickelt, dass wir auch hier erfreut sind, unseren Kunden diese Produkterweiterungen anbieten zu können.“

Ändert sich dadurch der Vertrieb bei Winning Moves?
„Ja, der Key Account wird durch die Neuausrichtung eine größere Rolle spielen. Das war für einige Vertriebsmitarbeiter, die hauptsächlich Fachkunden in ihren Gebieten betreuten, ein Grund, Winning Moves zu verlassen. Wir werden mit Birgit Bandlow, Stefan Gschlecht und Friedhelm Keris zukünftig drei Key Account Manager haben, die sich verstärkt um Schlüsselkunden kümmern und neue akquirieren. Aus diesen Gründen wurde auch zur Optimierung eine Neuaufteilung des Vertriebsgebiets vorgenommen.“

Hat der kleine Fachhändler in Zukunft keine Heimat mehr bei Winning Moves?
„Jeder Kunde ist immer herzlich bei uns willkommen. Die Zusammenarbeit mit dem Fachhandel war immer sehr gut. Und unser Anliegen ist es, dies auch so weiterzuführen. Daher wird sich unser Customer Service in Zukunft verstärkt aktiv um Fachhändler kümmern. Das heißt weniger persönliche Besuche vor Ort, dafür eine kompetente aktive Beratung und Kommunikation per Telefon und E-Mail.“

Was wird aus den klassischen Autorenspielen, die viel zum guten Qualitätsimage von Winning Moves beigetragen haben? Wird es sie in Zukunft nicht mehr geben?
„Nachdem sich Michel Matschoss, der in sich in den vergangenen 12 Jahren um die redaktionelle Arbeit kümmerte, im Oktober vergangenen Jahres in den Ruhestand verabschiedet hat, haben wir uns diese Frage auch gestellt. In 2012 werden wir voraussichtlich auf neue Autorenspiele verzichten, um den neuen Geschäftszweig der Lizenzspiele nachhaltig aufzubauen. Zudem haben wir noch sehr viele gute Spiele auf Lager, die ihre Existenzberechtigung nicht verloren haben. Wir werden diese Spiele abverkaufen und die Besten selbstverständlich im Programm behalten. Für die weitere Zukunft möchte ich jedoch nichts ausschließen. Anfragen nehmen wir daher auch weiterhin gerne entgegen.“

Winning Moves gilt als einer der Top 15 der deutschen Spieleverlage. 2009 wurden Sie noch vom Magazin "Markt intern" zum Aufsteiger des Jahres gekürt. Verlässt Winning Moves mit der Umstrukturierung nicht einen erfolgreichen Weg? Ist die Kursänderung nötig?
„Man muss differenzieren. Wir möchten und werden auch weiterhin verlässlicher Partner des Handels sein. Doch die Probleme der Branche sind ja bekannt. Die jährliche Neuheitenflut der vergangenen Jahre hat das Verhältnis zwischen Verlagen und Handel belastet. Auch wir haben in den vergangenen zwei Jahren an diesem Trend teilgehabt. Viele Kunden begünstigen diejenigen Verlage, die ohnehin die größte Marktmacht und Hoheit über die Regalflächen haben. Da gehören wir nicht dazu. Es gestaltet sich immer schwieriger neue Autorenspiele zu verkaufen.“

Trotz Umsatzzuwächsen, die die Fachgruppe Spiel verzeichnet, der Sie ja auch angehören?
„Ja, trotzdem. Auch wir haben 2011 ein Umsatzplus von 10 % im Vergleich zum Vorjahr erwirtschaftet. Doch dieser Zuwachs war bei uns nicht den German-Type-Games zu verdanken. Die Kundennachfrage hat sich im Verlaufe der letzten Jahre geändert und der Handel reagiert entsprechend darauf. Ich bin daher fest davon überzeugt, dass auch für Winning Moves die Zeit gekommen ist, ebenfalls darauf zu reagieren und sich entsprechend seiner Stärken breiter aufzustellen.“

Herr Mierau, Sie selbst haben schon zwischen 2007 und Anfang 2011 für Winning Moves in verschiedenen Positionen gearbeitet. Wie kommt es, dass Sie jetzt in den Verlag zurückkehren und die Geschäftsleitung übernehmen?
Mierau: „Da ich in jenen Jahren für die Marke Top Trumps und den Aufbau des B2B/Custom Games Geschäfts verantwortlich war, pflegte ich einen ausgezeichneten Kontakt zu Tom Liddell, der neben der Geschäftsführung von Winning Moves UK seit 2011 auch die Leitung des International Executive Boards von Winning Moves International übernommen hat. Tom rief mich vor einigen Monaten an und fragte, ob ich mir zutraue diesen neuen Weg einzuleiten. Eine große Herausforderung, die ich mit Begeisterung und Herzblut angehe – wie schon die früheren Aufgaben.“