Sich in die Karawane würfeln

Sebastien Pauchon über sein Spiel Yspahan

ein spielerischer Artikel von Michael Weber - 08.10.2006
Yspahan von Ystari
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Sebastien, du hast letztes Jahr den Förderpreis für Nachwuchsautoren in Göttingen gewonnen. Was hat sich seitdem in der Spieleszene für dich verändert?
"Göttingen zu gewinnen, hat einen deutlichen Unterschied gemacht, und zwar so: Kaum anderthalb Jahre sind vorbei und schon kenne ich ein ganz großen Teil der Szene, was ohne diesen Preis sicher nicht möglich gewesen wäre. Die Praktika waren toll und haben mir natürlich auch sehr geholfen, Leute kennenzulernen.
Da ich kurz danach am Boulogne-Billancourt-Wettbewerb 2005 prämiert worden bin, haben beide Sachen genug Eindruck auf die Presse unserer Gegend gemacht, und ich war mehrmals in allen Medien (Zeitung, Radio, TV). Danach kamen ein paar Bestellungen für Werbespiele, deswegen haben ich mit Malcolm Braff die GameWorks GmbH gegründet. Wir haben jetzt ein paar Spiele, die wir veröffentlichen werden, die wir zu dritt mit Bruno Cathala entwickelt haben. Dieses Jahr wurde ich wieder in Boulogne prämiert, und ich glaube, dieser ganzer Schwung kommt von meinem ersten Göttinger Autorentreffen, also letztes Jahr."

In Göttingen hattest du 2005 Califes & Merchants vorgestellt, das zur Spiel 2006 als Yspahan veröffentlicht wird. Hat der Verlag Ystari das Spiel noch stark bearbeitet? Was hat sich verändert?
"Viel und wenig. Ystari hat bei allen Regeln etwas geändert, aber eben wenig. So sind zum Beispiel die Karten vereinfacht worden, die Punkte eines Stadtteils feingeschliffen worden und es gab weitere kleine Regeländerungen hier und dort."

Thematisch geht es um Handel mit Karawanen. Was macht für dich den Reiz dieses Themas aus?
"Ich finde das Thema einfach toll, weil es einen sofort an Handel, 1001 Nacht, Abenteuer und so weiter denken lässt. Dazu finde ich es gut, heutzutage ab und zu diesen Aspekt des Orients vorzuziehen, denn die internationale Lage gibt uns im Moment nur noch grausame Nachrichten aus diesem Teil der Welt."

Sebastien Pauchon freut sich auf sein fertiges Spiel Yspahan von Reich der Spiele

Der Mechanismus wird unter anderem von Würfeln getragen. Ist Yspahan ein reines Glücksspiel?
"Nein, gar nicht. Gut, natürlich ist es ab und zu möglich, den tollsten Wurf zum perfekten Zeitpunkt zu machen. Ebenso kann man einmal wirklich Pech haben, aber die Würfel bringen vor allem Taktik ins Spiel. Da jeder 'Tag', also Wurf, völlig anders aussehen kann wie der vorherige und der nächste. So muss man jede neue Lage schnell abschätzen können, flexibel bleiben und die Würfel halt so gut wie möglich ausnutzen können."

Worauf müssen die Spieler besonders achten, wenn sie erfolgreich abschneiden wollen? Was müssen sie vermeiden?
"Tja, wie gesagt, es gibt - also so viel ich weiß ;-) - keine feste oder beste Strategie. Viel mehr geht es um Taktik. Jeder Wurf kann das Ganze kippen und man muss einfach einen anderen Weg zum Sieg finden. Was man vielleicht vermeiden sollte, ist die Karawane zu vergessen und in ihr gar nicht vertreten zu sein. Mit der Zeit kann sie nämlich ganz viele Punkte bringen, da sie mehrmals abgezählt wird.
Außerdem muss man zwar den besten Zug für sich finden, der aber sollte auch den anderen etwas wegnehmen. Aggressiv zu spielen, ist ok ein oder maximal zwei Mal im Spiel, aber man muss schon bedenken, dass jeder Spieler nur 21 Mal am Zug ist. Zu viel Energie gegen die anderen zu verwenden, kann am Ende schon etwas kosten."

Die Spielatmosphäre wird von einer sehr gelungenen Grafik unterstützt. Wer war dafür verantwortlich?
"Das Ystari-Team hat die Grafik von A bis Z gemacht. Arnaud Demaegd ist der Illustrator, und Cyril Demaegd der Grafiker. Sie haben sich zwar sehr stark an meinen Prototypen angelehnt, aber der Stil bleibt ganz klar 'ystarisch'."

Was würdest du persönlich als besondere Stärke des Spiels bezeichnen?
"Der Würfelmechanismus, der wie gesagt rein zufällig ist - Würfel sind ja Würfel -, aber trotzdem kein Glücksspiel aus dem Spiel macht. Ich bin auch zufrieden, dass Yspahan kein Mehrheitenspiel mehr ist, was Calife & Marchands noch war. Cyril war vom Anfang an sehr begeistert vom Spiel, aber wollte kein Mehrheitsspiel. Da habe ich das gesamte Punktesystem neu bearbeitet (eigentlich bin ich zu einer früheren Idee zurückgegangen). So bin ich von dem Merheitenmechanismus weggekommen, was ich cool finde, denn Mehrheit ist eben das, was man am schnellsten 'erfindet', wenn man Klötzchen oder Waren oder Männer oder Einheiten in ein Gebiet stellt."

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