Nie zu alt zum Spielen?

Gedanken zur grauhaarigen Tablet- und Smartphonegeneration

ein Spiele-Artikel von Riemi - 15.09.2013
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Lesezeit: ca. 2 Minuten

Silver Ager wurden sie vor Jahren noch genannt. Menschen ab 50 die zum klassischen Brettspiel hingezogen werden sollten. Das Wort Senioren haben unsere Spieleverlage damals tunlichst nicht verwendet. Keiner der älteren Spieler sollte schließlich mit seinem Alter konfrontiert werden. Die Idee: Ältere Menschen mit Zeit und Geld sollten sich der Spieleleidenschaft hingeben. Leider war diesem Konzept nicht der Erfolg gegönnt. Zum Spielen braucht man bekannterweise mindestens zwei Spieler.

Deswegen wundert mich auch eine aktuelle Meldung nicht, das Tablet und Smartphone den Einstieg einer grauhaarigen Spielergeneration in die Spielewelt erleichtern sollen. Ich nenne es: Spielen gegen die Einsamkeit. Der Vorteil der Spiele auf Tablet und Co. ist nämlich: Sie werden zum ganz großen Teil alleine gespielt. Die Freizeitgestaltung meiner Großeltern reduzierte sich irgendwann auf das Fernsehen. Heute haben Rentner noch die Möglichkeit Tetris, Angry Bird, Skat und Doppelkopf zu spielen: „Serious Games“ und nicht Seniorenspiele genannt. Ein Fortschritt?

Wird irgendwann das Bild, das wir aus dem öffentlichen Nahverkehr kennen, wo jeder in sein Smartphone schaut und nicht sieht, was rechts und links von einem passiert, in den zukünftigen Alters- und Pflegeheim zu finden sein? Bettlägerige Patienten, die endlich was zu tun haben? Prima, dann könnte das Pflegepersonal sich die Beschäftigungstherapie sparen und nur noch zum Akku aufladen in die Zimmer schauen. Warum nicht mit seinen Eltern spielen? Es ist zwar nicht immer einfach, ihnen die Regeln zu erklären, aber man spielt dann gemeinsam. So zu tun, als wäre das Spielen mit einem Tablet oder Smartphone für Ältere die Offenbarung gegen die Langeweile und fehlenden Besuch, halte ich eher für einen Versuch der Computerspielbranche, weiter Kasse zu machen. Keine Frage: Wenn die Brettspielbranche es könnte, würde sie es natürlich auch so machen. Nur, wer soll die Studien bezahlen, um bei den nichtspielenden Medien ins Gespräch zu kommen? Eine Studie zum Thema: „Klassische Brettspiele verringern die Einsamkeit im Alter“, wäre bestimmt eine Meldung wert.