Alexander Pfister über Longsdale in Aufruhr

Erweiterter Aufschrei über besessene Güter

ein spielerischer Artikel von Michael Weber - 10.09.2016
Oh My Goods - Cover - Foto Lookout Spiele

Alexander, in Essen auf der Spielemesse 2016 wird es eine Erweiterung zu deinem Spiel Oh My Goods (Du meine Güter) geben. Da nicht alle Leser das Spiel kennen werden: Kannst du uns zunächst bitte grob sagen, worum es in dem Spiel geht und was der wesentliche Mechanismus bei Oh My Goods ist?
"Oh My Goods packt das Spielgefühl eines großen Wirtschaftsspiels in eine kleine Packung mit relativ kurzer Spieldauer (10-15 Minuten pro Spieler). Es ist für 2-4 Spieler, mit der Erweiterung läßt es sich auch solo spielen. Wenn man zwei Exemplare zusammenmischt, kann man es auch zu fünft oder sechst spielen.
Und so funktioniert es überblicksmäßig: Jede Runde können wir in einem unserer Gebäude arbeiten gehen und die betreffende Ware herstellen. Zu Beginn haben wir nur eine Köhlerei, die billige Kohle produziert. Also gilt es, schnell bessere Gebäude zu bauen. Ob wir bei der Produktion erfolgreich sind, hängt ein wenig vom Glück ab, betrifft aber alle Spieler. Die Gebäude sollten gut zueinander passen. Z .B. wer mit einer Mühle Mehl produziert, der sollte auch eine Bäckerei zu bauen. Weiter können wir auch Bretter, Glas, Fenster, Leder, Fleisch, Schuhe etc. produzieren und komplexe Produktionsketten aufbauen. Auch sollte man versuchen, Gehilfen anzuheuern, damit man später in mehreren Betrieben produzieren kann. Es gibt viele verschiedene Strategien und wenn man mal nicht passende Karten hat, kann man immer zu Rundenbeginn seine ganze Kartenhand tauschen."

Oh My Goods wird zugleich eine Neuauflage erleben. Unter anderem gibt es einige Regeländerungen. Warum waren diese erforderlich?
"Erforderlich waren sie nicht. Zuerst war das Ziel eher die Port-Royal-Fans anzusprechen: Kurze Spieldauer und einfache Regeln waren da wichtig. Es kam jedoch auch bei Vielspielern gut an. Nur ist den Vielspielern die Spieldauer nicht so wichtig, sie wollen mehr Kontrolle über das eigene Schicksal. Insbesondere die Möglichkeit, gezielter nach Karten 'suchen' zu können und der Aufbau einer langen Produktionskette wurde gewünscht. Deshalb wurden bei der zweiten Auflage die Regeln leicht überarbeitet, nicht aber das restliche Material. So können auch alle Besitzer der ersten Auflage das Spiel mit den strategischeren Regeln spielen."

Welche Regelanpassungen hältst du für besonders wichtig und warum?
"Diese zwei neuen Regeln ändern sehr viel: Zu Rundenbeginn kann man seine ganze Kartenhand tauschen. Damit kann man gezielt nach Karten suchen. Die andere wichtige Änderung: Bei Spielende darf man alle seine Produktionsketten nutzen. Das stellt sicher, dass man zumindest einmal im Spiel seine 'Engine' nutzen kann."

Was wird die Erweiterung zu Oh My Goods beinhalten? Welche Zusatzkomponenten kommen in das Spiel?
"Für die Erweiterung namens Longsdale in Aufruhr habe ich ein neues Spielsystem entwickelt, ich nenne es 'dynamischer Eventkartenstapel'. Das wird also nicht einfach nur eine Erweiterung sein, sondern wir spielen über fünf Kapitel eine Geschichte nach und können diese auch beeinflussen. Wer keine Geschichte mag, spielt einfach das Kapitel 'All inclusive' - darin sind alle Gebäude enthalten. Die Erweiterung ist alleine sehr gut spielbar. Und um das geht es: Unruhen machen sich in der Hauptstadt Longsdale breit. Es gibt Gerüchte, es könne bald Krieg geben. Und dann auch noch die Rebelen. Der König braucht eure Hilfe ..."

Was bedeutet das für den Spielverlauf? Wird Oh My Goods durch Longsdale in Aufruhr komplexer bzw. anspruchsvoller oder einfach nur durch neue Ideen im Wortsinn erweitert?
"Über fünf Kapitel hinweg werden neue Gebäude eingeführt. So können wir Wachtürme errichten, Wein anbauen, Maisfelder kaufen usw. Über die dynamischen Events kommen diese neuen Gebäude erst nach und nach ins Spiel. Nach der ersten Partie wird man nur einen Bruchteil der neuen Karten kennengelernt haben. Da ein paar Regeln sogar weggelassen wurden, wird Oh My Goods durch die Erweiterung sogar etwas einfacher. Außerdem spielen jetzt auch ein paar Persönlichkeiten mit wie z. B. Tony Merz, der Berater des Königs, oder Rabbit, Anführer der Aufständischen."

Wird diese Erweiterung regulär im Handel sein oder nur über Lookout Spiele zu bekommen sein?
"Es wird klein, günstig und wahrscheinlich nur über Lookout Spiele erhältlich sein. Ein Sammlerobjekt."

Wie stehst du generell zu Erweiterungen. Wann sind diese sinnvoll, wann überflüssig oder gar Geldmacherei? Wo sind deine Grenzen für deine eigenen Spiele?
"Longsdale in Aufruhr wird günstig und nur in kleiner Stückzahl verkauft werden. Da springt für niemanden viel raus. Für mich persönlich war es trotz kleiner Erweiterung viel Arbeit. Aber es hat Spaß gemacht, war mal wegen der Geschichte was anderes. Es bringt ein neues Spielgefühl. Man hat jetzt konkrete Ziele und weiß beispielsweise warum man beim Bau der Kathedrale mithilft."

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