Reich der Spiele

Browserspiele spielen – Alternative oder Vereinsamung?

von

Online-Spiele erleben einen großen Zuspruch

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Gesellschaftsspiele sind unser ein und alles. Wir lieben es, mit Menschen an einem Tisch zu sitzen, Spielfiguren hin- und herzuschieben, Karten zu dreschen oder einfach nur Punkt zu sammeln. Nebenbei wird gegessen, getrunken, geredet und gelacht. Wir spielen gern und haben das schönste Hobby. Wie ist es zu erklären, dass trotzdem immer mehr Menschen Browserspiele spielen und keine Lust mehr auf Kommunikation untereinander beim Spielen zu haben scheinen?

Sind Browserspiele nur ein Zeitvertreib für zwischendurch oder steckt mehr dahinter?  Und dürfen Spieler, also Brettspieler, wirklich mit der Nase rümpfen, wenn andere Menschen lieber am Bildschirm spielen statt am Spieltisch? Sind letztlich Browserspiele nicht sogar eine konsequente Weiterentwicklung des klassischen Spiels?

Einen Haken haben Browserspiele in meinen Augen tatsächlich. Man spielt allein. Selten genug, dass es dort Mitspieler gibt. Ausnahmen sind die Multiplayerspiele wie zum Beispiel das preisgekrönte Siedler Online oder das Onlinespiel World Of Warcraft. Dort gibt es mit Gildenkollegen oder im Team ordentlich Spaß. Anders geht es auf Brettspiel-Plattformen wie Brettspielwelt auch nicht zu. Andere typische Browserspiele wie Billard, Bubble-Shooter und weitere Spiele sind aber reine Minispiele für einen allein. Etwas Geklicke, etwas Geschick und Konzentration, aber keine Interaktion. Dennoch punkten solche Spiele bei vielen Menschen wegen der kurzen Spielzeit und einer schönen Grafik. Das haben die meisten Brettspielumsetzungen nicht zu bieten.

Vereinsamen die Spieler von Browserspielen aber gleich, nur weil sie allein spielen? Ich meine nein. Das ist ein schönes Vorurteil der Brettspielszene. Es ist ein gänzlich anderes Spielen, das den Schwerpunkt auf Zeitvertreib setzt. Gesellschaftsspiele kommen aber auf dem Tisch, um mit anderen Menschen ein Erlebnis zu teilen. In dem Sinne sind Brettspiele sozial. Wobei ich da auch schon anderes gehört habe.

Der Vorteil von kleinen Browserspielen ist aber noch ein anderer. Während die Preise für Brettspiele steigen, gibt es die meisten der Online-Spiele und Browserspiele kostenlos. Zumindest in der Basisversion lassen sie sich gratis spielen. Nur bei einigen Spielen kommen für Premium-Accounts oder besondere Zahlungsmittel Kosten auf die Spieler zu. Nötig sind solche Ergänzungen in der Regel aber nicht.

Vielleicht sind Browserspiele ein Ausdruck des gesellschaftlichen Wandels. Viele Menschen wollen den kleinen Spiele-Snack, keinen großen Spieleabend, sie wollen am PC ein bisschen daddeln und sich nicht intensiv mit einer Aufgabe auseinandersetzen. Sie wollen kein Geld für diesen Spaß ausgeben und finden in Browserspielen eine gute und schön gemachte Alternative. Am Ende sind es zum Teil sogar die gleichen Spiele, denn Klassiker wie Schach, Mühle, Dame und moderne Varianten von Gesellschaftsspielen sind auf einigen der vielen Browserspiel-Portale ebenfalls zu finden. Wer weiß, vielleicht hilft es ja sogar, den einen oder anderen an unser heiß geliebtes Hobby heranzuführen.

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2 Kommentare

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Jost aus Soest 7. Februar 2012 at 13:38

…sondern "Sowohl als auch" heißt die Devise!  ;o)

Ich kann Spiele auf allen Medien geniessen, wenn sie denn interessant und gut gemacht sind: Natürlich Brettspiele in netter Gesellschaft, Online-Spiele mit/gegen virtuelle/echte Gegner (mein wahrscheinich meistgespieltes Spiel: "Schlacht um Mittelerde"), Konsolen-Spiele (wann kommt denn endlich das neue "Tomb Raider"?), Browser-Spiele (etwa zur Überbrückung der Mittagspause, solange es nicht das x-te Moorhuhn oder 3-Farben-Puzzle ist) und neuerdings auch gerne Spiele auf dem Smartphone (mobil, klein, immer verfügbar und inzwischen mit einer riesigen Auswahl auch an anspruchsvollen Spielen).

Manche Spielegenres lassen sich auch gar nicht "in Echt" am Spieltisch simulieren. Wie soll man etwa die strategische Aufbaukomponente von z. B. "Tower Defense"-Spielen ohne Rechnerhilfe erleben? (Es müssen ja nun wirklich nicht diese langweiligen "Ballerspiele" sein!)

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