Autorennamen gehören VORNE auf die Schachtel, Foto Riemi
Reich der Spiele BeiträgeDie Namen der Entwickler gehören auf die Schachtel!

Die Namen der Entwickler gehören auf die Schachtel!

von Riemi
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Wir brauchen eine neue Bierdeckelproklamation

Hand aufs Herz. Ich bin mir sicher, die meisten Leute aus der Spielewelt kennen die Verlagsnamen sehr gut. Zumindest, wenn sie einen Namen hören. Aber ist das auch der Fall, wenn Autorinnen und Autoren der Spiele genannt werden? Ich fürchte: Eher nicht! Zufall? Oder ist es sogar von den Spieleverlagen gewollt? Um den Namen der eigenen Marke in den Vordergrund zu stellen und nicht die Namen derer bekannter zu machen, die das Spiel entwickelt haben?

Ein Spiel ohne Autor – das kann wohl kaum sein

Mir ist die Stellung von Autorinnen und Autoren mal wieder bewusst geworden, als ich mich mit dem neuen Lego-Spiel Brick Like This! von dem Autor Luca Bellini beschäftigt habe. Den Verlag dazu nenne ich jetzt einfach mal nicht. Spielt eigentlich auch keine Rolle, denn ich möchte einfach nur die Situation verdeutlichen.

Wenn Informationen, die nicht nur meiner Meinung nach deutlich sichtbar zu einem Spiel gehören, nicht benannt werden, sind die Angaben eben erst mal nicht komplett. So wie bei diesem Beispiel von Luca Bellini. Er ist ein bekannter, mehrfach mit Preisen ausgezeichneter italienischer Spieleautor. Sein Spiel Brick Like This! hat 2025 den Dänischen Spielpreis Guldbrikken in der Kategorie Familie gewonnen. Reputation ist also mehr als genügend vorhanden. Trotzdem wird er als Entwickler auf der Schachtel nicht benannt. Auf der Rückseite, ganz unten rechts steht: Spielkonzept: Luca Bellini.

Das geht eindeutig besser – und prominenter!

Für uns in Deutschland klingt das fremd. Ein Konzept ist ein Plan oder aufgearbeiteter Entwurf. Da kommt man nicht auf einen Spieleautor. Eher so: Da hatte ein Luca Bellini eine Idee, den großen Rest haben andere gemacht. Dabei ist dieses Spiel eine Neuauflage des Titels Brick Party aus dem Jahr 2015. Selbstverständlich haben die damaligen Verlage, Post Scriptum und Heidelberger Spieleverlag, den Namen des Autors Luca Bellini deutlich auf der Spieleschachtel veröffentlicht. Das macht man einfach so.

Brick Party: Gesellschaftspiel, Schachtel, Bild von Heidelberger Spieleverlag

Die Bierdeckelproklamation ist auch heute noch relevant

Es gab die berühmte Bierdeckelproklamation im Jahr 1988 zur Nürnberger Spielwarenmesse. Damals war die Situation so, dass die Autorinnen und Autoren zum großen Teil gar nicht auf Schachteln benannt wurden. Es wurde folgendes auf einen Bierdeckel beschlossen:

Keiner von uns gibt ein Spiel an einen Verlag, wenn sein Name nicht oben auf der Schachtel steht.

Dies führte dazu, dass heute im Jahr 2025 eine Nennung auf Schachteln als selbstverständlich angesehen wird. Wenn der Name vorne fehlt, kommt direkt der Verdacht auf, das hat der Verlag selber oder ein Studio entwickelt. Ich selber fange dann an, die Schachtel zu drehen und zu wenden. Meistens taucht dann doch noch ein Name auf. Manchmal fitzelig klein, an der Seite. Es sind aber leider immer dieselben Verlage, die das machen.

Die SAZ kämpft weiter um die Autorenrechte

Und deswegen arbeitet die Spieleautorenzunft (SAZ) immer noch an den selben Forderungen wie vor fast vierzig Jahren. Mittlerweile ist die SAZ europäisch aufgestellt und hat mit gut 750 Mitgliedern und Schwesterverbänden in Italien und den Niederlanden eine breite Basis. Es wird deswegen wieder Zeit, einen neuen, größeren Deckel zu schreiben! In Erinnerung an an die Proklamation am sogenannten Perlhuhn-Abend am 04.02.1988. Denn es gibt immer noch Redebedarf. Man stelle sich vor, ein Roman wird veröffentlicht, ohne den Namen des Autors auf das Cover zu drucken …

Fordert die Nennung der Namen ein!

Reich der Spiele fordert deswegen jeden einzelnen auf, dem irgendetwas an Brett- und Kartenspielen liegt, darauf zu achten und zu fordern, dass den Autorinnen und Autoren von Gesellschaftsspielen die Wertschätzung entgegengebracht wird, die sie verdienen.

Sprecht es in euren Rezensionen, Podcast und Blogs an, wenn der Name nicht vorne auf der Schachtel zu sehen ist.

Das ist nur ein kurzer Satz. Aber es ist ein wichtiger Satz. Denn so wird jedem Menschen bewusst: Gesellschaftsspiele erfinden sich nicht von alleine! Der entsprechende Name gehört vorne auf die Schachtel und wir alle achten drauf! Das ist das Mindeste, was wir als die sogenannte Brettspielszene machen können.

1 Kommentar

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KK 29. Dezember 2025 - 16:52

„Man stelle sich vor, ein Roman wird veröffentlicht, ohne den Namen des Autors auf das Cover zu drucken …“

Leider fällt die Belebung der berechtigten Forderung der Autorennennung in die Unzeit der KI-generierten, gern aus Wikipedia und anderen Quellen zusammengetragener und allenfalls oberflächlicher sog. Scheinliteratur, die als Autoren einfach Phantasienamen auf dem Deckel tragen, weil es auch da eben keine Regeln gibt und so ein Autor suggeriert wird, wo es keinen gibt.
Es müsste nicht nur verpflichtend sein, Autoren anzugeben, sondern auch das Vortäuschen eines Autors verboten werden – denn die Zeit wird ganz sicher kommen, da werden auch Spiele von KI entwickelt werden…

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