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Der Blick vom Siegertreppchen

von Axel Bungart
2 Minuten Lesedauer
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Gewinnertypen beim Spielen

„Das Spiel zeigt den Charakter“, heißt es. Wenn nicht das Spiel, dann jedenfalls der Sieg. Die einen genießen still, sind bescheiden und froh über den glücklichen Ausgang. Ein bisschen langweilig, aber immerhin sozial verträglich. Doch es gibt auch andere, die die Gunst der Stunde auszunutzen in der Lage sind. Und natürlich gönnt man ihnen die Sonnenstrahlen. Wenigstens muss es ja gute Verlierer geben.

Typ A – Der Alleskönner

Manchen Spielern ist kaum beizukommen. Sie gewinnen acht von zehn Partien, gleich welches Spiel man anpackt. Obwohl zu befürchten wäre, sie machten sich damit keine Freunde, sitzt man doch früher oder später wieder zusammen und spielt. Vielleicht, weil man hofft, sich von ihnen was abgucken, sie schlagen zu können? Nur wer solche Triumphe nicht überschwänglich feiert und eher bescheiden in sich hineinlächelt, verhindert auch, dass Neid und Gram bei den „Verlierern“ Überhand nehmen. Eine I-bin-I-Mentalität (in Anlehnung an das „Mir-san-Mir“ des FC Bayern) ist kein leuchtendes Beispiel und führt eher zu Verstimmung.

Typ B – Der „Nichtsversteher“

Während man Spielausgängen gegen Typ A noch mit sportlichem Ehrgeiz begegnet, ist Typ B deutlich unverträglicher. Ziemlich ärgerlich wird es nämlich, wenn der Gewinner einer Partie derjenige ist, der vorher im Minutentakt bejammert, dass er

  • a) keine Ahnung davon hat, was das Spiel von ihm will, was
  • b) dazu führt, dass er nicht weiß, was er tun und lassen soll und
  • c) er im Resultat ständig Fehler macht, wodurch er
  • d) abgeschlagen Letzter werden wird.

Er kann auch hinterher noch nicht mal sagen, warum er gewonnen hat, was geradezu einen Affront gegenüber allen anderen darstellt, die 120 Minuten geplant, geschwitzt und gerechnet haben, um die Züge so optimal auszuführen, dass bloß nichts übersehen oder gar verschenkt wird.

Pferde gibt’s nicht nur vor Apotheken

Ein Sieg mit deutlichem Abstand verleitet den Sieger mitunter zu einen Anflug von Überheblichkeit („Ich brauche Gegner, keine Opfer“ – Typ C). Und selbst ein knapper Sieg kann mehr ausgeschlachtet werden, als das der Spielverlauf meist hergab. „E joot Perd sprink‘ nit höher wie et muss*“, sagen wir im Rheinland gerne. Was so viel ausdrückt, wie dass man die ganze Zeit alles und alle unter Kontrolle hatte und sich nicht mehr Mühe geben musste, als es die Mitspieler erforderten. Schon wieder ‘ne Watschn.

Gleichwohl geht das meist meilenweit an der Realität vorbei, besonders, wenn sich das Endergebnis aus einem halben Dutzend Siegpunktquellen inkl. geheimer Aufträge und verdeckter Siegpunktplättchen errechnete, die kein Mensch so genau hätte überblicken können. Aber gut: Wer oben sitzt, sitzt oben. Für den Moment. Bei uns am Tisch wird in solchen Fällen schon nur noch gewiehert und geschnaubt. Aber man geht dann schon mal vorsichtshalber in Deckung.

 

*Hochdeutsch: Ein gutes Pferd springt nicht höher als es muss.

2 Kommentare

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KK 27. August 2026 - 18:36

Der Beitrag ist ein Plädoyer für kooperatives Spielen 😉

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Riemi
Riemi 30. August 2026 - 15:34

Ich freue mich auf die Analyse der Verlierertypen. 😁

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