Neuer Ansatz mit Deutsche Gesellschaft für Spielwissenschaft
Es gab mal eine Zeit, da wurden erwachsene Menschen belächelt, die sich in der Freizeit mit Gesellschaftsspielen beschäftigten. Auch ich habe diese Phase hinter mir. Spielen ist doch was für Kinder. Erwachsene, die Spielen, machten unsicher. Der Beruf sollte im Vordergrund stehen. Nicht die Nebenberufung. Denn wir damals junge Spielenden wollten uns nicht nur am Spielbrett austoben.
Es fehlte lange der Mut in der Szene und Branche
Mein erster Berührungspunkt zu der sogenannten Brettspielszene war ein Postspielmagazin. Das KSK existiert auch heute, im Jahr 2025, noch. Dort kann sich jeder einbringen. Sei es als Game Master für Postspiele oder als Organisator von Cons und anderen Aufgaben, wie den Messestand auf der Spiel in Essen 2024. Einige von damals arbeiten heute für Brettspielverlage, entwickeln selbst Brettspiele oder schreiben Rezensionen. Was aber lange fehlte, war das Bewusstsein, dass die Branche insgesamt mutlos war. Und damit meine ich alle, die sich mit dem Thema Spielen intensiver beschäftigen.
Die Verlage wollten Geld verdienen, die Spielenden ihrem Hobby nachgehen. Jeder war zufrieden. Lobbyarbeit gab es nur im ganz kleinen Stil. Die Computerspielbranche hat dann vorgemacht, wie es geht, und ist vorbeigerauscht. Wenn hier der deutsche Computerspielpreis verliehen wird, gibt es üppige Preisgelder. Der Pöppel der Jury Spiel des Jahres kostet die Verlage Lizenzgebühren, wenn er auf der Spieleschachtel abgedruckt werden soll.
Doch es verändert sich etwas
Es hat sich trotzdem was verändert. Das Bewusstsein zum Spielen. Vielleicht hat es etwas mit dem lebenslangen Lernen zu tun. Wir fangen unser Leben im Mutterleib mit spielerrischem Lernen an. Tasten, schmecken, bewegen und nach der Geburt sprechen – das alles lernen wir spielerisch. Ohne dass es ein Lehrplan so organisiert. Spielen ist wichtig. Auch im späteren Leben. Nur vergessen das viele. Omas Kreuzworträtsel ist übrigens auch ein Spiel. Oder das Sudoku von dem analytischen Manager. Oder die Skatrunde in der Kneipe.
Spielen ist wichtig: Ist das wissenschaftlich belegbar?
Wissenschaftler müssten her, die mit empirischen Untersuchungen belegen, dass Spielen wichtig ist. Ja, gibt es. Aber meistens sind das weniger Erkenntnisse zu Gesellschaftsspielen. Dabei stehen die als Medium im Mittelpunkt des Spielens. Und es sind Forschungsgelder erforderlich. Andere Fachgebiete haben einfach mehr Möglichkeiten, Projekte zu finanzieren. Also, es gibt zwar zarte Anfänge, aber die Ausgangslage ist dürftig. Bis jetzt.
Deutsche Gesellschaft für Spielwissenschaft gegründet
Doch es gibt trotzdem Menschen und auch Verlage, die sich davon nicht mehr aufhalten lassen. Forschen zum Thema lässt sich nämlich genug. Es gibt auch schon erfolgreiche Projekte wie Empamos. Hier kann man die gesamte Bandbreite der Möglichkeiten sehen. Einer, der anscheinend immer dabei ist, wenn es um Spielen und Forschung geht, ist Dr. Jens Junge (im Bild rechts mit Carol Rapp von der Spielemesse Essen), Professor und Leiter des Institutes für Ludologie. Comix, Computerspiele, Internet und Gesellschaftsspiele. Er hat vieles schon ganz früh ausprobiert und gehört zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Spielwissenschaft e. V. (DGSW). Gründungsdatum am 28. Juni 2025.
Ziel ist die Förderung der wissenschaftlichen und künstlerischen Lehre und Forschung rund um das Phänomen Spiel sowie deren Anwendung und transdiziplinären Ausformung.
Wer jetzt sagt: „Genau mein Ding!“, und lehrend und/oder forschend unterwegs ist, dem steht die DGSW offen. Und wie schon bei dem oben erwähnten KSK wird sich bestimmt schon eine Sache finden, die Spaß macht und erfüllt.
Vom Kinderkram zur Wissenschaft. Und damit auch zu mehr Wertschätzung? Für uns am Spieltisch mag sich erst mal nichts ändern. Das Drumherum hat es schon längst getan und wir Spielende sollten auch die spielerische Wissenschaft als Teil unseres Hobbys im Blick behalten. Viel Erfolg für die DGSW.

4 Kommentare
Ich finde das gut, auch wenn der Verein wieder mehr in Richtung „Spiel“ als übergeordnetes Thema geht. Allerdings fände ich es gut, wenn Jens Junge mal seiner Geschäftsführer-Verantwortung gerecht wird und die Spamschleuder spielen dot de, besser gesagt das Forum, etwas aufräumt. Der Anspruch von damals (wer erinnert sich noch an die geplante Spieledatenbank?) ist krachend gescheitert. Hoffen wir, dass es diesmal mit den Forschungsteam besser läuft.
Lieber Michael Weber, die Hauptverantwortung eines Geschäftsführer ist es, eine Firma überlebensfähig zu halten. 2014 hatte sich Sebastian Wenzel bereit erklärt, das spielbox-Forum von Knut Michael Wolf zu übernehmen. Problem: Sebastian glaubte, von seinem Engagement für die Brettspiele leben zu können und wollte bezahlt werden. Das funktionierte nicht. Das Forum hat nicht einmal die technischen Betriebskosten erwirtschaften können. Unsere Aufrufe in die Brettspielszene, nach Sebastians Wechsel in den Öffentlichen Dienst, ehrenamtlich Knuts Erbe weiter betreuen zu wollen, fanden keine Resonanz. Und die Datenbank? Die ist unter brettspiele dot digital als Bestandsdatenbank für die Lehr- und Forschungssammlung für Brettspiele erreichbar. Was ist da krachend gescheitert? Wenn Kritik, dann bitte einmal nachfragen und nicht nur pöbeln. Danke.
Lieber Jens, ich pöbele nicht, sondern hatte mich damals intensiv mit dem Thema beschäftigt, mit dem ihr der halben Szene in recht dussliger Art vor den Kopf gestoßen habt (ein paar Infos dazu behalte ich sogar lieber für mich, gerade auch, was das „Fragen“ angeht), was bis heute bei den Betroffenen nachhängt: https://www.reich-der-spiele.de/specials/eine-neue-macht-am-gesellschaftsspiele-himmel-0000210
Als Geschäftsführer bist du, wie du selbst sagst, für das Überleben der Firma zuständig. Auf spielen dot de werden seit Jahren Spameinträge mit rechtlich fragwürdigen Links nicht moderiert und nicht unverzüglich gelöscht. Das schreckt letztlich auch die Leute ab, das ehemals gute Forum zu besuchen. Es ist eben dein Job und deine Verantwortung.
Davon abgesehen wünsche ich wirklich viel Glück und umfassende Erkenntnisse zur wissenschaftlichen Arbeit rund ums Spielen.
Hallo Michael,
Kritik, die konstruktiv ist, ist bei mir immer willkommen. Vorwürfe ohne Nachfragen erzeugen Kopfschütteln. Vielleicht kannst Du Dir vorstellen, dass ich als Geschäftsführer mich nicht sofort um jeden Spameintrag mit Link zu illegalen Spielcasinos persönlich kümmern kann (ich habe noch ein paar andere Jobs). Wir löschen schon ständig wie die Weltmeister. Mit KI ist alles noch viel schlimmer geworden. Alternative wäre: abschalten. Da aber im alten Forum noch wunderbare Texte schlummern, haben wir Knuts Werk noch immer online und kämpfen gegen die täglichen Angriffe. Wir scheinen Deinen Qualitätsanspruch nicht erfüllen zu können, aber mehr ist mit einem Ehrenamt nicht drin.
Wenn Du „Infos“ für Dich behalten willst, ist es Deine Entscheidung. Was oder wer immer die Quellen sein mögen, Deine negativen Kommentare in meine Richtung empfinde ich ohne konkretes Nachfragen als unfair.