#Mundaufmachen – warum wir nicht schweigen dürfen

Spielen ist das internationale Hobby

ein spielerischer Artikel von Michael Weber - 31.08.2015
#Mundaufmachen

Joko und Klaas sind nicht gerade die TV-Prominenten, die ich mir gern ansehe. Aber letzte Woche haben sie ein Video veröffentlicht, in dem die beiden Entertainer Klartext sprechen. Beeindruckend deutlich in Aussage und Zielrichtung.

#mundaufmachen von Joko & Klaas

Kurz zusammengefasst prangern Joko und Klaas Gewalt gegen Flüchtlinge und Asylbewerber an, sie sprechen den Menschen, die dumpfen Parolen hinterherlaufen Verstand ab und fordern diese auf, dass sie auch im Social-Media-Bereich Abstand zu den beiden halten sollen. Fazit: „Ihr bleibt erbärmliche Trottel, die sich auf Kosten der Ärmsten der Armen profilieren wollen …“ und „… keine Fernsehquote und kein Shitstorm kann jemals so schlimm sein, wie der Applaus von Leuten, die auch dann laut klatschen, wenn ein Flüchtlingsboot mit 800 Menschen im Mittelmeer versinkt.“

… und jetzt wir?!

Ich habe lange überlegt, ob wir uns dem damit verbundenen Hashtag anschließen sollen. Am Ende stand ein klares Ja. Das haben wir bereits am Ende der letzten Woche nach einer Idee von unseren Kollegen von Spielkult umgesetzt. In einem kleinen und beschaulichen Rahmen, aber mit ebenso klarer Intention und Aussage heißt es bei uns „miteinander spielen, nicht gegeneinander hetzen“.

Spielen verbindet

Aber warum? Ganz einfach: Das Hobby Gesellschaftsspiele verbindet wie kaum ein anderes Menschen aus allen Ländern, verschiedener Religionen, Kulturen, Hautfarben und Geschlechter. Wenn wir gemeinsam am Spieltisch sitzen, dann spielen wir gemeinsam. Wir erleben eine Zeit des Miteinanders, auch mal ein Gegeneinander auf dem Spielbrett. Aber niemals hetzen wir persönlich gegen die Menschen, die uns in diesem Moment so nahe sind. Das lässt sich erleben auf Spielemessen wie der Spiel in Essen, offenen Spieleveranstaltungen oder im kleinen Rahmen des regelmäßigen Spieleabends. Unser Hobby ist es, das einem klaren Gedanken folgt: Gemeinsam am Tisch erleben wir die Spielewelt. Dieses "gemeinsam" kennt keine Grenzen, kein Rassismus, keinen Ausländerhass und keine Gewalt.

„Ja, aber …“? Nein!

Was am Spieltisch klappt, muss auch in der Gesellschaft möglich sind. Dabei kann und darf man über das Thema Asyl und Flüchtlingspolitik geteilter Meinung sein. Die Politik ist auch gut beraten, die Ängste und Sorgen der Menschen ernst zu nehmen. Dennoch passieren hier in Deutschland derzeit Dinge, die einfach nur erschreckend und widerlich sind. Da sind Mordanschläge durch Unterkünfte in Flammen steckende Molotowcocktails nur der schlimmste Auswuchs. Im gesamten Land gibt es immer wieder Aktionen, die aufs Schärfste verurteilt und per Gesetz verfolgt werden müssen. Leider habe ich das Gefühl, dass ein größerer Teil der Bevölkerung alles einfach so hinnimmt, innerlich sogar zustimmt oder eben sogar öffentlich applaudiert.

Daher ist es auch für ein Online-Magazin über das Menschen miteinander verbindende Hobby Gesellschaftsspiele durchaus angemessen, einfach mal den Mund aufzumachen und zu sagen: So nicht! Obwohl Reich der Spiele unpolitisch ist und bleibt, ist es an der Zeit, Haltung zu zeigen. Zu zeigen, dass es für solche Verbrechen keinen Millimeter Verständnis geben darf. Kein Spieler muss deshalb Flüchtlinge oder Asylbewerber aus vollem Herzen willkommen heißen. Aber wer stumm, leise oder laut Straftaten gutheißt, der gehört nicht an unseren Spieltisch und den möchten wir nicht unter unseren Lesern wissen. Es gibt dabei kein „ja, aber …“, es gibt dazu von uns nur ein klares und bedingungsloses Nein.

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