Vom Vierer-Team zum Club mit 100 Leuten
Die Anfänge des Eiswürfel Brettspielclubs gehen auf das Jahr 2001 zurück, dem Gründungsjahr von Reich der Spiele. Die Eiswürfel sind seitdem kräftig gewachsen und heute einer der Motoren der Spieleszene in Krefeld und darüber hinaus. Wir gehen der Sache auf den Grund: Wie entsteht so ein Brettspielclub, welche Ziele verfolgen die Macher und was bringt das eigentlich alles? Gefragt zu den vielen Aktivitäten haben wir Ralf Schneiderwind, bei dem die meisten Fäden zusammenlaufen. Übrigens sind für Interessierte weitere Informationen und die Kontaktmöglichkeiten auf der Webseite des Clubs zu finden: www.brettspielclub-eiswuerfel.de
Das Spielen als Impuls für die Entwicklung
Ralf, du bist einer der Köpfe, wenn nicht der Kopf hinter dem Eiswürfel Brettspielclub. Zu Beginn gleich eine Frage zum Namen: Warum Eiswürfel?
„Danach werde ich oft gefragt. Die Keimzelle des Clubs war ein Team, welches ich mir 2001 zusammengesucht hatte, um damit beim Vorentscheid zu den deutschen Meisterschaften im Brettspiel (DMMiB) anzutreten. So ein Team braucht natürlich einen Namen. Auch wenn man das Turnierthema nicht zu ernst nehmen sollte, war ein kurzer, prägnanter und unverbrauchter Name durchaus gewünscht, mit dem man sich auch in der Öffentlichkeit sehen lassen konnte. Inspiration erhielten wir durch den damals durch eine Brausehersteller verwendeten Werbeslogan ‚Eiswürfel im Bauchnabel‘ welcher uns bei unseren Stammimbiss immer ins Auge fiel. Da der Slogan als ganzes zu lang und vielleicht auch etwas anstößig wirkte, blieb am Ende ‚Eiswürfel‘ übrig, denn hierin steckt das Wort ‚Würfel‘ und Krefeld ist eine Eissportstadt, was dann den örtlichen Bezug ergab. Zudem hatte zu selbst zuvor beim Team ‚Staying Cool‘ mitgespielt (damaliger Teamchef war Frank ‚Riemi‘ Riemenschneider), was dann auch für mich persönlich schön passte.“
Eiswürfel Brettspielclub: vom Wettbewerb zum vernetzten Spielen
Eure Geschichte beginnt im Jahr 2001. Was ist damals geschehen und wie ist daraus dann der Brettspielclub entstanden?
„Das Team Eiswürfel bestand ursprünglich aus vier Spielern und einer Reservespielerin. Außer mir hatte keiner Vorerfahrung mit der DMMiB, allerdings waren zwei Turnier-Schachspieler dabei. So rechnete denn auch keiner von uns damit, dass wir auf Anhieb die Qualifikation zur Finalrunde schaffen und noch weniger damit, dass wir dieses Finale auch noch gewinnen würden. Als wir 2003 deutscher Vizemeister und sogar Europameister wurden, war ein gewisses Interesse in der Umgebung geweckt. Weitere Interessenten wollten an den Vorausscheidungsturnieren teilnehmen und weil immer nur vier Spieler pro Team antreten können, verteilen wir alle Spielwilligen ab 2004 auf mehrere Mannschaften. Aus dem Team Eiswürfel wurden die ‚Brettspielgruppe Eiswürfel‘.
Bald wollten auch Interessenten ohne Turnierambitionen an unseren Spieltischen Platz nehmen. Die Gruppe wuchs. Die erste Internetpräsenz brachte weiteren Zulauf und bei den Turnieren trugen wir Kleidung mit dem Eiswürfel-Gruppenlogo. 2020 hatten wir nach kontinuierlichem Wachstum etwa 50 Mitglieder.
Interessanterweise haben wir das alles ohne einen regelmäßigen Spieletreff hinbekommen. Unsere Spielrunden fanden nur im privaten Umfeld statt. Organisiert wurde es über eine E-Mail-Terminliste, welche von einem Mitglied bereut wurde. Mit dem Ende der Pandemie haben wir auch regelmäßig offenen Treffen eingerichtet und sind bei öffentlichen Veranstaltungen präsent, auch wenn diese meisten gar nicht Brettspiele als Kernthema haben. So haben wir unsere Mitgliederzahl innerhalb weniger Jahre verdoppelt. Und die E-Mail-Terminliste wurde von einem zeitgemäßen Onlinekalender abgelöst, denn private Spielrunden sind immer noch sehr wichtig für uns.“
Der Überbau als Weg zur individuellen Wunscherfüllung
Was ist Ziel der Organisation? Können alle Menschen bei euch mitmachen?
„Der Kern unserer Aktivitäten zielt darauf ab, Leute, die gerne brettspielen, zusammen zu bringen. Wir schaffen den organisatorischen Überbau, damit der Einzelne es möglich einfach seinen Wunsch umzusetzen. Darüber hinaus bieten wir verschiedene Zusatzaspekte an (Spielewochenende, Turniere, eigene offene Veranstaltungen und die Clubspielothek), um das Thema Brettspielen vielleicht mal aus einem anderen Blickwickel zu erleben, so dass es auch diese Weise interessant bleibt oder wird.
Mit diesem Angebot wollen wir möglichst viele Menschen erreichen und überzeugen, denn jedes Mitglied kann wieder neue Impulse bringen. Insofern können alle bei uns mitmachen, die sich näher für das Brettspielen interessieren.“
Neulinge willkommen beim Eiswürfel Brettspielclub
Wie muss man sich eure offenen Treffen vorstellen: Kann da jeder kommen und was wird in der Regel gespielt?
„Wir haben immer eine größere Auswahl an Spielen verschiedener Art und Komplexität dabei, die wir quasi ausstellen. Vom Einsteiger bis zum Expertenspiel ist also alles vorhanden.
Natürlich kann jeder mitmachen, der möchte. Neulinge werden an die Hand genommen und in die sich bildenden Spielrunden integriert. D. h., wer zu uns kommt, wird auf Wunsch beraten und bekommt auch die Regeln erklärt. Natürlich spielen wir dann auch gemeinsam. Man will sich ja auch gegenseitig kennen lernen. Freie Tische sind i. d. R. ausreichend vorhanden. Die Erfahreneren organisieren sich dagegen oft selbst.“
Eiswürfel ist längst mehr als nur ein Spieletreff von Gleichgesinnten. Ihr veranstaltet jede Menge Events und richtet unter anderem Spiele der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft im Brettspiel aus. Welche Events sind das und in welcher Größenordnung bewegt ihr dabei Spielende?
„Wir haben sicherlich einige Aktivitäten in Petto, wobei wir meistens von anderen Veranstaltern angefragt werden, ob wir deren Events mit dem Thema Brettspielen bereichern wollen. Das kann z. B. ein großes Straßenfest oder ein Rollenspieler-Con sein. Das sind dann in der Regel Mitmach-Aktionen, die recht ähnlich wie die offenen Treffen gestaltet werden. D. h., wir bieten unsere Spiele zum Ausprobieren an und nahmen das Publikum dabei ein wenig an die Hand (=> Beratung und Regelerklärung). Diese Veranstaltungen können ein paar Hundert Besucher haben oder auch Tausende. Highlights sind natürlich unsere eigenen Events wie die Ausrichtung von ‚Stadt-Land-Spielt‘ oder – neu seit diesen Jahr – die ‚Krefelder Spieltage‘. Letztere haben wir kombiniert mit der erwähnten Austragung einer regionalen Vorausscheidung zur deutschen Mannschaftmeisterschaft im Brettspiel. Da beides unter einem Dach stattfindet, können die Wettkämpfer in den Pausen z. B. ein wenig durch unsere Spielauswahl stöbern, während die anderen Gäste sich einen Eindruck davon verschaffen können, wie so eine Meisterschaft abläuft. Wir sind sehr zufrieden, dass unser Wettkampf mit 20 Teams ausgebucht war und etwa 150 weitere Gäste das offene Event besuchten.“
Kostenlos, aber es geht nur mit helfenden Menschen
Wie organisiert ihr das alles? Es sind ja viele Details zu berücksichtigen wie Verpflegung, Spieleangebot usw. Nehmt ihr Eintrittsgeld?
„Ohne viele ehrenamtliche Helfer lassen sich solche Dinge nicht durchführen. Die organisatorischen Fäden laufen im Vorstand zusammen, aber auch jeder andere kann Verantwortung für bestimmte Bereiche übernehmen, wie z. B. das Catering oder den Spiele-Flohmarkt. Die meisten Unterstützer fungieren als Erklärbär, wobei sie teilweise eigene Spiele mitbringen oder auf den Spielfundus des Clubs zurückgreifen.
Um bei interessanten Events dabei zu sein oder an geeignete Locations für eigene Veranstaltungen zu kommen, muss man eigentlich ganzjährige Kontakte aufbauen und pflegen. Das ist besonders wichtig, weil wir ohne Beitrag auskommen wollen. D. h., auf der einen Seiten stehen uns keine eigene Mittel z. B. fürs Anmieten oder ähnliches zur Verfügung, wollen aber auf der anderen Seite auch möglichst keine Eintrittsgelder erheben. Aktuell schaffen wir es noch, alles über Spenden zu finanzieren.
Bei Events, bei denen wir ‚nur‘ unterstützende Mittäter sind, brauchen wir uns um viele Bereiche natürlich nicht zu kümmern, trotzdem bleibt auch im Vorfeld genug Arbeit.“
Gemeinsam, aber (fast) ohne Vereinsstruktur
Spätestens jetzt muss ich nach der Organisationsform fragen: Ihr macht das alles „privat“. Warum habt ihr für Eiswürfel nicht eine Vereinsform gewählt, wie es viele andere Clubs machen? Wäre das nicht auch rechtlich der bessere Weg?
„Von den kleinen Anfängen bis jetzt haben sich nach und nach vereinsähnliche Strukturen gebildet. Anfangs war der Aufgabenbestand überschaubar und ich habe quasi alles allein gemanagt. Schließlich wurde es immer mehr Leute und damit kamen auch Ideen, was man so machen könnte, aber es gelang mir, einzelnen Bereiche abzugeben. Seit ca. fünf Jahren gibt es einen gewählten Vorstand, denn mit den Events kam auch Verantwortung nach außen.
Ein Verein bringt natürlich Vorteile und Absicherung, wenn größere finanziell Beträge ins Spiel kommen als derzeit und man z. B. an Fördermittel gelangen möchte. Aber die Gründung und die Verwaltung sind zusätzlicher Aufwand, der auch einige Kenntnisse erfordert. Zudem sind unsere Mitglieder an wenig Bürokratie gewöhnt. Ob man dann im Falle eines Falles alle im Boot halten kann, ist fraglich. Also aktuell steht eine Vereinsgründung nicht an, aber ich will keineswegs ausschließen, dass wir mal an diesen Punkt kommen.“
Ich höre heraus, dass all eure Aktivitäten eine Gemeinsamkeit haben: Ihr wollt Menschen spielerisch zusammenbringen und sie Spaß haben lassen. Was bedeutet es euch, wenn das gelingt? Gibt es auch Situationen, wo ihr denkt: Das hätten wir gern anders erlebt?
„Bei allem nötigen organisatorischen Drumherum geht es im Kern natürlich darum, die Menschen zum gemeinsamen Erlebnis an die Spieltische zu locken. Um möglichst vielen unterschiedliche Charaktere und (Spiel-)Wünsche gerecht zu werden, haben wir wie beschrieben eine Reihe von Aktivitäten entwickelt. Wir freuen uns dann immer sehr, wenn diese Angebote auch genutzt werden. Auch sehr schön ist, wenn man mit fremden Leuten ins Gespräch kommt und diese schon mal über andere Kanäle von uns gehört haben.
Wo Menschen zusammenkommen, da menschelt es auch. D. h., es gibt auch mal Unstimmigkeiten. Das kommt aber glücklicherweise sehr selten vor und in der Regen lassen sich die Dinge schnell aus der Welt schaffen.
Ab und an wüscht man sich, unser Hobby würde in Öffentlichkeit und den Medien etwas mehr Anerkennung finden. Denn obwohl es vermutlich nur wenige Haushalte gibt, wo es nicht die bunten Spieleschachteln gibt, tun es doch viele als Kinderkram oder Zeitverschwendung ab.“
Ziel: Titelverteidigung
Wenn du heute auf die 24 Jahre Eiswürfel zurückblickst: Was ist dein schönstes Erlebnis und was würdest du nicht missen wollen? Und: Was möchtest du noch mit „den Eiswürfeln“ erreichen?
„Ich bin manchmal immer noch erstaunt darüber, wie sich aus dem kleinen Vierer-Team ein ganzer Club mit über 100 Mitglieder und den ganzen Aktivitäten entwickelt hat. Sehr dankbar bin ich für die vielen Mitglieder, die das durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit möglich gemacht haben.
Daneben sind für mich persönlich die sportlichen Titel DM und EM von besonderem Wert. Hättest du mich vor etwas mehr als einem Jahr gefragt, was ich noch erleben möchte, hätte ich vermutlich gesagt, ‚Nach all den Jahren des vergeblichen Versuchens, würde ich gerne noch einmal einen großen Titel holen.‘ Das wurde 2024 geschafft. Natürlich darf sich das auch noch mal wiederholen 😉
Toll wäre es auch, wenn sich die in diesem Jahr gestarteten Krefelder Spieletage zu einer festen und gerne auch wachsenden Einrichtung entwickeln würden.“
