Messenachlese zur Spiel 25 - Foto von Dirk Janßen
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Nachlese zur Spiel ’25: Mehr und doch alles beim alten

von Dirk Janßen
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Aus, aus, die SPIEL ist aus!

Die SPIEL 2025 ist vorbei. 948 Aussteller aus 50 Nationen von 4 Kontinenten haben vier Tage lang über 1700 Neuheiten präsentiert. Erstmals dabei waren Aussteller aus den Philippinen und wieder dabei Aussteller aus Irland und Vietnam. Diese Vielfalt sorgte dafür, dass die Messe dieses Jahr an allen vier Tagen ausverkauft war und somit 220.000 Besucher Teil des Events waren. Damit übertraf man die Besucherzahl des Vorjahres um 16.000 Besucher und stellte auch den Besucherrekord des Jahres 2019 ein.

Aber nicht nur die SPIEL in Essen, sondern auch die Spielebranche allgemein reitet weiterhin auf der Erfolgswelle und verzeichnet stetiges Wachstum. Summa summarum wird in Deutschland gerne und viel gespielt – unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Bildung oder Beruf. Eines lässt sich schon vorwegnehmen: Die SPIEL in Essen war erneut erfrischend divers.

Die Neuheitenschau geht stimmungsvoll mit einem Trailer zu vier Tagen Spielemesse los.
Die Neuheitenschau geht stimmungsvoll mit einem Trailer zu vier Tagen Spielemesse los.

Ein wenig überraschend ist es schon, dass die Messe dieses Jahr an allen Tagen ausverkauft war. Denn es rief viel Kritik und Unmut hervor, als man vor der Messe verkündete, dieses Jahr sowohl keine Dauertickets als auch keinen Ticketverkauf vor Ort anzubieten. Die Reaktionen in den sozialen Medien aber auch im privaten Umfeld ließen vermuten, dass einige aus Protest die Messe nicht besuchen würden. Fakt ist: Die Hütte war an allen Tagen voll!

Für alle Tage hat es aber bei mir nicht gereicht. Nur von Mittwoch bis Samstag hat Essen mich dieses Jahr gesehen. Aber fangen wir vorne an. Meine persönliche Nachlese zur SPIEL 25.

Messetag 0: Dem Spielesüppchen fehlt noch Salz

Für die Medienschaffenden geht es wie jedes Jahr bereits am Mittwoch los. Pressetag. Die Creme de la Creme der Spiele-Journalisten, Influencer, Content Kreaturen und meine Nichtigkeit lauschen an diesem Mittwochmorgen erst gebannt Fakten, Fakten, Fakten, bevor es zum gemütlichen Teil mit Maskottchen Meeps, SPIELbotschafterin Mháire Stritter und der Verleihung des Deutschen Spielepreis 2025 übergeht. Auf der Bühne wird von allen Beteiligten ohne große Patzer performt und vor der Bühne immer passend in die Hände geklatscht. Überraschend wenige Nachfragen werden gestellt und wenn dann doch jemand tiefer bohrt, dann verweist man auf Hermann Hutter. Der wird das schon beantworten können.

Die Neuheitenschau bietet viel Glitzer, Gebrabbel und Gepreise, aber aus der Masse an Neuheiten sticht auch nach stundenlagen Gegrase nichts heraus.
Die Neuheitenschau bietet viel Glitzer, Gebrabbel und Gepreise, aber aus der Masse an Neuheiten sticht auch nach stundenlagen Gegrase nichts heraus.

Nach dieser Kurzweil bummelt man geschlossen in Halle 8, die fast 950 der zuvor erwähnten 1.700 Neuheiten vorhält. Manch ein Spiel, das dabei auf der eigenen Neuheitenliste war, fliegt nach einem zweiten Blick wieder von dieser. Andere werden genauer unter die Lupe genommen und fürs Anspielen in den nächsten Tagen vorgemerkt. Allerdings will sich an diesem Morgen kein wirkliches Oh-, Ah- oder Aha-Erlebnis einstellen. Das muss in den nächsten Tagen besser werden.

Auf der Neuheitenschau werden einige Spiele schon stimmungsvoll und mit viel Raum präsentiert. An andere Stelle fehlt hingegen ordentlich Lametta und Kugeln. Battle of Hoth ist an der Stelle premium.
Auf der Neuheitenschau werden einige Spiele stimmungsvoll und mit viel Raum präsentiert. An andere Stelle fehlt hingegen ordentlich Lametta und Kugeln. Battle of Hoth ist an der Stelle premium.

Messetag 1: Stau, Schlangen und Rohrkrepierer

Sturmböen und Regen sind die Vorboten für den ersten “wahren” Messetag. Punkt 7:45 Uhr starten wir zu viert von Korschenbroich Richtung Essen, stellen aber spätestens ab Düsseldorf fest, dass heute zahlreiche Menschen den Wurm fangen wollen. Dieser Wurm ist heute auch im Navi, denn um den Stau auf der Autobahn vor uns zu umfahren, führt Kollege Google uns auf dunklen Pfaden früher als geplant von der Autobahn direkt in den nächsten Stau. Aber immerhin innerstädtisch. Und selbst als wir nur noch knapp 500 Meter vom Ziel, dem Messeparkplatz P1, entfernt sind, lässt er sich noch einige Umwege einfallen – auf die wir allerdings nicht mehr reinfallen.

Lange Schlangen schon vor offiziellem Einlass. Hier bei Feya's Swamp am Stand von Fractal Juegos. Warum? Weil das Spiel von Helge Ostertag ist, dem Autor von Terra Mystica. Das reicht schon für einen Run auf den Titel.
Lange Schlangen schon vor offiziellem Einlass. Hier bei Feya’s Swamp am Stand von Fractal Juegos. Warum? Weil das Spiel von Helge Ostertag ist, dem Autor von Terra Mystica. Das reicht schon für einen Run auf den Titel.

So schaffe ich es pünktlich um 9:30 Uhr die Messehallen zu betreten, um vor offiziellem Start die letzten Vorbereitungen an den Messeständen, aber auch schon die ersten Menschenschlangen zu bewundern. Besonders die Schlange in Halle 5 beim Stand von Fractal Juegos wird mir in Erinnerung bleiben. Objekt der Begierde: Feya’s Swamp von Helge Ostertag, einem der Autoren von Terra Mystica.

Der erste Stopp an diesem Morgen ist allerdings bei einem Schnäppchenschlauch, der wie jedes Jahr Titel von Heidelbär aus den vergangen Spielejahren verkloppt. Die Reserven an Decipher, Sanctum und Tiny Turbo Cars scheinen allerdings so gewaltig, dass man sie vermutlich irgendwann ins All schießen muss, um die Lagerflächen zu räumen. Interessanter wären sicherlich die zahlreichen Battlestar Galactica für 20 Euro, wenn sie nicht in Polnisch oder Italienisch wären. Dennoch verschwende ich zu viel Zeit an diesem Ort, denn anschließend sind die Hallen bereits mit Menschen geflutet und Tische zum Anspielen rar.

Die Schlangen an den Ständen wachsen bereits bedenklich und “wurmen” sich durch die Gänge. Bewundernswert, mit welcher Gleichgültigkeit die Menschen hier verharren, ohne zu wissen, ob sie überhaupt noch eins der ersehnten Exemplare ergattern. Womöglich wissen einige nicht einmal, wofür sie sich anstellen. Anstellen als Nervenkitzel. Wie bei Wundertüten. Oder wenn man im Urlaub bei der örtlichen Pizzeria bestellt. An einigen Ständen kleben auch schon die ersten “Sold-out”-Schilder. Am ersten Messetag. Um kurz nach 10 Uhr!

Menschenmassen am Stand von Kosmos. Sieht aus wie am Frankfurter Flughafen, wenn aufgrund eines"Softwarefehlers" nichts mehr geht.
Menschenmassen am Stand von Kosmos. Sieht aus wie am Frankfurter Flughafen, wenn aufgrund eines „Softwarefehlers“ nichts mehr geht.

Staying Alive? Staying Awake!

In Halle 7 hat Kosmos zwar wie immer eine gigantische Fläche zum Anspielen neuer und vergangener Titel gemietet, dennoch findet hier nicht jeder Popes seinen Stuhl. Nach überschaubarer Wartezeit wird immerhin ein Tisch bei Staying Alive frei, einer Neuheit, mit der wir wie nach einem Baldriantee in den Spieletag starten. Dabei befinden wir uns bei Staying Alive in der Zombieapokalypse und versuchen, uns in Sicherheit zu bringen. Kooperativ mit eingeschränkter Kommunikation. Heißt, es darf nur der aktive Spieler sprechen. Und zwei Aktionen in seinem Zug tätigen. Was meistens aus dem Weiterreichen von Karten besteht oder in guten Momenten auch mal zur Vernichtung eines Zombies führt. Nebenbei läuft noch eine Sanduhr, die im Auge behalten und kurz vor Ablauf umgedreht werden will.

Ein bisschen junger John Travolta hätte dem Spiel Staying Alive gut getan. Das kooperatige Spiel kommt leider etwas hüftsteif daher.
Ein bisschen junger John Travolta hätte dem Spiel Staying Alive gut getan. Das kooperative Spiel kommt leider etwas hüftsteif daher.

Staying Alive hätte besser „Staying Awake“ geheißen, denn das ist bei diesem Spiel die größte Herausforderung. Vielleicht liegt es daran, dass wir nur zu dritt spielen. Möglicherweise ist es auch noch zu früh am Tag. Oder die Umgebung zu laut. Aber Staying Alive fällt bei allen komplett durch. Ohne Netz und doppelten Boden. Schmerzhaft auf die Kauleiste.

Kavango!? Flop!

Just den Zombies entkommen verschlägt es uns bei Schmidt Spiele in einen Traum in Beige. Auch Kavango setzt auf Naturthema. Diesmal in Afrika, wo wir ein eigenes Reservat aufbauen. Inklusive Klima- und Artenschutz. Was bedeutet, dass wir wieder Symbole sammeln und Klötzchen platzieren, um Voraussetzungen zu schaffen, damit bestimmte Karten gespielt und Punkte gesammelt werden können. Da der Spieltisch für Kavango zu dritt zu klein ist, sieht das alles nach einer Partie wie ein Schlachtfeld aus.

Breiig-beige wie die Erbsensuppe von Mutter Beimer präsentiert sich Kavango von Schmidt Spiele. Breiigen Spielspaß hinterlässt Kavango auch nach der ersten Partie. Hatte nicht irgendwer etwas von einem Flügelschlag-Killer gemeint?!
Breiig-beige wie die Erbsensuppe von Mutter Beimer präsentiert sich Kavango von Schmidt Spiele. Breiigen Spielspaß hinterlässt Kavango auch nach der ersten Partie. Hatte nicht irgendwer etwas von einem Flügelschlag-Killer gemeint?!

Und tatsächlich bleibt dies als Bild hängen. Viel Beige, ein paar Symbole und Holzklötzchen. Welche Tiere gespielt werden, geht hierbei vollkommen unter. Dass wir bei Kavango teils parallel spielen, macht es nur noch schlimmer. Mechanisch wie Fabrikarbeiter bestellen wir unser Spielertableau und am Ende gewinnt irgendwer. Kavango fehlt irgendein besonderer Kniff, Spannung, ein besonderer Moment. Und Farbe. Und somit floppt auch diese Nummer bei uns.

Brennender Ehrgeiz am Tisch vermiest das gefällige Wispwood

Im Wald die Katze haust, ihr es vor Kürbissuppe graust. Das ist mir reichlich egal, weil mit ein nerviges Mitspieler da Spiel versaut. Hussa!
Im Wald die Katze haust, ihr es vor Kürbissuppe graust. Das ist mir reichlich egal, weil mir ein nerviger Mitspieler das Spiel versaut. Hussa!

Letztes Jahr noch mit knapp 3 ½ Kilo Spiel im Gewicht setzt CGE dieses Jahr mit Wispwood nicht nur auf der Waage, sondern auch bei der Komplexität eher auf gesundes Spielgewicht. Bei Wispwood versucht jeder, eine Katze in einen magischen Wald zu locken, indem er Irrlichter so platziert, dass sie den Wald am hellsten erstrahlen lassen. Mechanisch ist es ein typisches Plättchenlegespiel, bei dem Zielkarten vorgeben, wie die unterschiedlichen Plättchen platziert werden müssen, um bei den Wertungen die meisten Punkte zu erhalten. Dabei bedienen wir uns bei einer gemeinsamen Auslage und wählen dabei nicht nur aus verschiedenen Irrlichtern, sondern bestimmen hierüber auch, in welcher Formation aus Bäumen ein Irrlicht platziert wird. Nach drei Runden gewinnt wie immer der Spieler mit den meisten Punkten.

Wispwood ist nicht nur ein hübsches, sondern auch ein kurzweiliges Spiel. Dass es bei uns nicht punktet, liegt an der etwas gequälten Erklärung und einem nervigen Mitspieler, der nicht nur alles besser weiß, sondern auch vor Ehrgeiz beinahe durch den Messeboden brennt.

Tulliko? Überraschend gut!

Neben schönen farbenrohen Spielsteinen gibt es bei Tulliko auch noch das erste kleine"Aha"-Erlebnis an diesem Tag.
Neben schönen farbenrohen Spielsteinen gibt es bei Tulikko auch noch das erste kleine „Aha“-Erlebnis an diesem Tag.

Entspannter wird es anschließend am Stand von Studio H. Auch bei Tulikko werden Plättchen gelegt, eine Hintergrundgeschichte wird beim Erklären erst gar nicht angeboten. Hingucker ist ein zentrales Board, in welches man an allen vier Seiten Plättchen rein- und andere Plättchen hinausschiebt. Die hinausgeschobenen Plättchen legt man auf dem persönlichen Board ab, um Vorgaben zu erfüllen. Erfüllt man diese, darf man Tier- oder Flußtoken ablegen. Gewonnen hat das Spiel der Spieler, der zuerst seine Token losgeworden ist.

Tulikko glänzt mit toller Optik und kurzer Spieldauer, hat dabei aber auch Tiefe, die sich in der ersten Partie nur erahnen lässt. Außerdem ist es schön, wieder mal ein Spiel mit Renncharakter und ohne Punkteschlacht zu spielen. Überraschend das bisher beste Spiel an diesem Tag.

Alpaka? Mein erstes Deckbauspiel wäre passender …

Das mit den Alpakas ist ein großes Missverständnis. Sie brauchen und wollen keine Aufmerksamkeit durch den Menschen. Und vor allen Dingen wollen sie nicht angegrabbelt und durch die Gegend geschleppt werden. Da sind sie wie Kinder in der Pubertät. Vermutlich wollen sie auch in keinem Brettspiel vorkommen. Also, die Alpakas.
Das mit den Alpakas ist ein großes Missverständnis. Sie brauchen und wollen keine Aufmerksamkeit durch den Menschen. Und vor allen Dingen wollen sie nicht angegrabbelt und durch die Gegend geschleift werden. Da sind sie wie Kinder in der Pubertät. Vermutlich wollen sie auch in keinem Brettspiel vorkommen. Also, die Alpakas.

Inzwischen auf vier Personen angewachsen, lassen wir uns von einem süßen Alpaka an den Stand von Game Factory locken. Nach einer freundlichen, aber lückenhaften Erklärung zu Alpaka betreiben wir minimalstes Deckbuilding, das an eine rudimentäre Version von Dominion erinnert. Wir nutzen also unsere Alpaka-Karten, um neue Alpaka-Karten zu kaufen, Alpaka-Karten in Gehegen zu platzieren oder Spezialeffekte der Karten zu nutzen. Sobald jemand alle vier Gehege gefüllt hat, endet das Spiel und es gewinnt derjenige mit den meisten Punkten.

Vier Personen und eine einheitliche Meinung: Für uns ist das nichts. Zur Verteidigung des Spiels muss man allerdings sagen, dass die Zielgruppe definitiv nicht Vielspieler sind. Alpaka könnte auch mit dem Untertitel “Mein erstes Dominion” verkauft werden. Kinder erfreuen sich sicherlich nicht nur an den süßen Alpakas, sondern finden über Alpaka auch ihren Weg ins Deckbuilding.

Die große Reise – wagemutig in den Süden? Ein echtes Spiel rund um Zugvögel

Das hätte mir vorher auch keiner erzählen dürfen, dass ein Spiel über Zugvögel mit zu den Highlights der diesjährigen Messe gehört. Und dann auch noch von Game Factory.
Das hätte mir vorher auch keiner erzählen dürfen, dass ein Spiel über Zugvögel mit zu den Highlights der diesjährigen Messe gehört.

Einen Tisch weiter dürfen wir als Zugvögel Die große Reise – wagemutig in den Süden antreten. Wählen kann man dabei aus acht verschiedenen Zugvögeln, die alle ihre Stärken und Schwächen auf dem Weg in sonnige Gefilde präsentieren. Denn der Weg nach Süden ist lang und voller Gefahren. Die Gefahren tragen wir auf unserem jeweiligen Playerboard ab. Erreichen wir dabei in einer der Kategorien das Limit, stürzen wir vorzeitig ab und rücken mit unserem Vogel auf der zentralen Landkarte nicht weiter vor. Dies kann man verhindern, indem man rechtzeitig landet und aus der Runde aussteigt. Denn im Kern ist Die große Reise ein Push-your-luck-Spiel, bei dem wir uns herrlich verzocken können. Dank der verschiedenen Vögel sogar mit asymmetrischen Charakteren – allerdings auf einem simplen Niveau. Und auch wenn das Spiel etwas altbacken aussieht, hat jeder am Tisch seinen Spaß. Wirklich nicht schlecht.

Trekking – Reise um die Welt? Dann doch lieber per Flug!

Wie damals Deutschlandreise nur in Besser und ohne dass man mit spitzen Fähnchen das arme Spielbrett pierct: Trekking - Reise um die Welt.
Wie damals Deutschlandreise nur in Besser und ohne dass man mit spitzen Fähnchen das arme Spielbrett pierct: Trekking – Reise um die Welt.

Motiviert nehmen wir eine weitere Neuheit von Game Factory in Augenschein: Trekking – Reise um die Welt, Nachfolger von Trekking – Reise durch die Zeit. Ebenso wie beim Vorgänger gibt es Karten (hier Sehenswürdigkeiten), die man sammeln muss und die am Ende Punkte geben. Um diese Karten zu erlangen, sammelt man vorher farbige Reisekarten, mit denen man sich von einem Ort zum anderen bewegen und die Sehenswürdigkeiten erwerben kann. An Orten wiederum sammelt man farbige Holzmarker, die einem ebenfalls zum Schluss Punkte geben, wenn man die Mehrheit in einer Farbe besitzt. Außerdem gibt es noch Punkte dafür, wenn man von einem Kontinent den letzten Holzmarker entfernt.

Irgendwie hat man das alles schon einmal gesehen, aber auch hier sorgt das Planen der Routen und das Wettrennen um Marker und Sehenswürdigkeiten durchaus für Spaß. Trekking – Reise um die Welt ist keine Offenbarung, aber kann Familien durchaus für kurzweilige Partien an den Tisch bringen. Am Stand von Game Factory den Schnabel vorne haben aber die Zugvögel.

Spiele von Loosey Goosey Games werden vom Chef erklärt

Gesund geschrumpft auf zwei Personen testen wir bei Loosey Goosey Games die zwei Neuheiten Troublebot und Yum Yum Trouble Gum. Der Verlag hat sich auf kleine, schnelle Spiele zum Ab- und Versacken spezialisiert, deren Titel häufig an Trash-Filme erinnern. Erklärung bekommen wie von Cheffe Andreas Preis, der gut aufgelegt durchs Programm führt.

Bei Troublebot nimmt der aktive Spieler immer eine Karte. Und er spielt auch eine Karte, deren Effekt er umgehend ausführt. Ziel des Spiels ist es, möglichst viele Sämlinge mit hohen Punkten zu sammeln. Denn wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt. Typisch für ein Take-That-Spiel kann man seinen Mitspielern dabei ordentlich in die Parade fahren. Was letztendlich den Reiz des Spiels ausmacht, harmoniesüchtige Menschen hingegen abschreckt.

Ebenfalls mit gehörigem Ärgerfaktor ist Yum Yum Trouble Gum versehen, bei dem wir durch das Ausspielen geeigneter Karten nicht nur erfolgreich einen Bankraub vornehmen, sondern unsere Mitspieler hinter Gitter bringen wollen. Auch wenn wir nur zu zweit spielen, duellieren wir uns bis zum bitteren Ende, wobei es uns immer wieder gelingt, die Attacken des Mitspielers abzuwehren und Konter anzusetzen. Vermutlich eine perfekte Partie. Gutes Ding.

Wieso muss ich bei dem Titel Yum Yum Trouble Gum nur an Kaugummiautomaten denken, bei denen man erst nach dem Ziehen der heißtersehnten Kaugummis festgestellt hat, dass jemand vorher in den Schacht gespuckt hat?
Wieso muss ich bei dem Titel Yum Yum Trouble Gum nur an Kaugummiautomaten denken, bei denen man erst nach dem Ziehen der heißtersehnten Kaugummis festgestellt hat, dass jemand vorher in den Schacht gespuckt hat?

Der Turm stürzt ein!

Zum Finale des ersten Tages lassen wir am Stand von Blackrock Games bei Le Chat et la Tour (The Cat and the Tower) die schwarze Katze Neko einen wackeligen Turm hochklettern. Kooperativ bauen wir dünne Pappteile, die unterschiedlich hoch sind, zu einem fragilen, schiefen Gebilde zusammen, das schließlich die erforderlichen 10 Stockwerke umfasst. Beim Platzieren von Neko auf der Spitze des Turms bricht dieser schließlich charakterlos und unbefriedigend zusammen. Was uns aber endlich wieder atmen lässt.

Cat and the Tower lässt sich sowohl kooperativ als auch kompetitiv spielen und schlägt hierbei in eine ähnliche Kerbe wie Menara oder Rhino Hero Super Battle. Da nur noch wenige Exemplare am Stand verfügbar sind und man das Spiel auf zahlreichen Lootbildern im Netz sehen kann, scheint es auch 2025 hierfür immer noch ein Publikum zu geben. Ich gehöre definitiv dazu.

Sand, Nadelöhr und die Suche nach den Perlen

Zum Start des ersten Messetages war ordentlich Sand im Getriebe. Direkt zwei Neuheiten, die es auf meine private Geeklist geschafft hatten, enttäuschten. Leider stach auch sonst kein Spiel außergewöhnlich hervor, sodass der erste Tag dahingehend als mau bezeichnet werden muss. Und während es draußen stürmte und regnete, fluteten Menschenmassen die Hallen, sodass zumindest am Vormittag der Eindruck entstand, dass die Messe noch nie so überlaufen war. Halle 3 war hierbei wieder das bekannte Nadelöhr, sodass man sich die frühere Hallenaufteilung zurückwünscht. Summa summarum kann der Donnerstag mit Spaß und Flair des vergangenen Jahres nicht mithalten. Und der Messehype bzw. das Messespiel scheint ebenfalls nicht existent. Was mir auf der Suche nach kleinen, kurzweiligen Perlen entgegenkommt.

Messetag 2: Sonnenschein auf den Straßen und Glanz in den Hallen

Heute geht es ungefähr zur gleichen Zeit wie am Vortag nach Essen, aber nicht nur das Wetter ist weniger trüb, sondern auch die Stimmung ist irgendwie gelöster. Gut, die erste Person fällt schon krankheitsbedingt aus, aber dafür ist mehr Platz im Auto, falls irgendwer in Kaufraserei verfällt und Kartons auf der Rückbank stapeln muss.

Bei Sonnenschein scheint auch die A52 recht frei. Beinahe ohne den Fuß vom Gas zu nehmen, sind wir in Rekordzeit am Messeparkplatz angekommen. Und auch das Navi hat seinen Verstand wiedergefunden. Das wird ein guter Tag.

Man reiche uns Popcorn!

Bei Popcorn von iello hat man nicht das Gefühl, nur dabei zu sein, sondern man ist mittendrin in der Welt des Zelluloid und der klebrigen Finger.
Bei Popcorn von iello hat man nicht das Gefühl, nur dabei zu sein, sondern man ist mittendrin in der Welt des Zelluloids und der klebrigen Finger.

Und diesen guten Tag beginnen wir bei iello mit einer Partie Popcorn, einem Tableau- und Bagbuilder, bei dem wir möglichst das richtige Publikum mit attraktiven Filmen in unsere Kinosäle locken wollen. Dazu investieren wir nicht nur Runde für Runde in bessere Filme, sondern pimpen auch unsere Kinosessel auf und versuchen, unseren Beutel, aus dem wir die Gäste ziehen, zu optimieren. Denn wenn wir farbig passende Gäste (Meeple) aus unserem Beutel ziehen, schüttet es Punkte und Geld.

Gespielt wird das Spiel mit einem gut aufgelegten Paar aus der Schweiz, bei dem sie den Mitspielern gerne einmal einen einschenkt. Einschenken kann man bei Popcorn, indem man “schlechte” Gäste (Farbe weiß) in die Beutel der anderen streut. Oder seinen Mitspielern wertvolle Gäste aus der Wartezone stiehlt. Und das ist auch ein nettes Gimmick bei Popcorn, das sich sonst eher als typischer Genrevertreter entpuppt, bei dem das Thema zumindest für mich gut durchkommt. Zumal nicht der Spieler mit den meisten Punkten, sondern mit dem meisten Popcorn gewinnt. Unbedingt haben muss ich es nicht, aber ich würde zu einer weiteren Partie nicht Nein sagen.

Foxy? Memo On The Run

Bei Foxy denkt manch einer sicherlich an die Actrice Theresa O., aber bei dem Kinderspiel Foxy geht es nicht um korizontale Kunst, sondern um ein gutes Gedächnis. Wobei es manchmal auch eine Gnade sein kann, wenn man gewisse Dinge vergisst. Teresa wer?
Bei Foxy denkt manch einer sicherlich an die Actrice Theresa O., aber bei dem Kinderspiel Foxy geht es nicht um horizontale Kunst, sondern um ein gutes Gedächnis. Wobei es manchmal auch eine Gnade sein kann, wenn man gewisse Dinge vergisst. Teresa wer?

Da meine Begleitung immer auf der Suche nach Kinderspielen ist, probieren wir einmal Foxy bei GateOnGames aus. Hierbei handelt es sich um ein Beobachtungs- und Memoryspiel, bei dem wir 20 Runden lang aufschreiben müssen, wie viele Tiere einer bestimmten Art wir bisher gesehen haben. Dazu wird in jeder Runde eine Karte aufgedeckt, auf der ein oder mehrere Tiere verschiedener Tierarten abgebildet werden. Das kann bspw. auf der ersten Karte ein Bär und ein Hase sein. Dann würden wir eine 2 schreiben. Auf der nächsten Karte könnte es eine Katze sein. Dann würden wir lediglich eine 1 schreiben. Würden auf der nächsten Karte eine Katze, ein Bär und ein Hase sein, dann würden wir eine 6 schreiben, da auf allen bisher gezeigten Katzen insgesamt 2 x der Bär, 2 x der Hase und 2 x die Katze zu sehen waren. Bei neun unterschiedlichen Tierarten in vier verschiedenen Umgebungen und 20 Runden kann man sich vielleicht vorstellen, dass man irgendwann komplett den Überblick verliert.

Solange man bei seiner Einschätzung nicht über die tatsächliche Zahl hinausgeht, behält man seine Punkte bei der Schlusswertung. Ansonsten muss man sie komplett streichen. Außerdem erhält man einmal im Spiel die Chance, eine Einschätzung zu umkreisen. Trifft diese genau, erhält man sogar die doppelte Punktzahl.

Faszinierend, dass man im Genre der Memospiele noch einen neuen Kniff findet. Und dann so einen simplen, der dennoch neu und frisch wirkt. Hinzu kommt natürlich die tolle Aufmachung, die Jung und Alt anspricht. Nicht umsonst war Foxy auf der Empfehlungsliste für das Spiel des Jahres 2025.

Neben Foxy hat der Verlag noch andere Spiele im Repertoire, die sich Produktdesign und Wording teilen –  Birdie, Squeaky und das zuvor besprochene Alpaka gehören dazu.

Halle 3, ein gewaltiger Hürden- und Hindernislauf über Rollkoffer, Bollerwagen, Hunde, Kinderagen und Menschen, die plötzlich vergessen haben, wozu die beiden Fleischstelze an ihrem Unterleib sind. Man muss es einfach lieben!
Halle 3, ein gewaltiger Hürden- und Hindernislauf über Rollkoffer, Bollerwagen, Hunde, Kinderwagen und Menschen, die plötzlich vergessen haben, wozu die beiden Fleischstelze an ihrem Unterleib sind. Man muss es einfach lieben!

Gefahrenvolle Eindrücke

In Halle 3 ist Freitag nur schwer durchkommen. Und noch schwerer fällt es, irgendetwas zu spielen. Die gesamte Chose wirkt wie ein Weltrekord, bei dem man möglichst viele Menschen spielend und sabbelnd in einer großen Halle vereint. Man weiß teils gar nicht, wohin man seinen Blick richten soll. Verweilt dieser zu lange an den Messeständen um einen herum, besteht die Gefahr, über einen Koffer, Bollerwagen oder ein Kleinkind zu fallen.

Tortenträume? Reserviertes Durchbrennen mit Chaos am Tisch

Tortenträume - nichts für steife Händer, steife Gedanken und steife Gemüter.
Tortenträume – nichts für steife Hände, steife Gedanken und steife Gemüter.

Bei Pegasus scheren wir schließlich aus und lassen uns auf den erstbesten freien Platz fallen. Vor uns liegen viele bunte Pappteile, die zum Spiel Tortenträume gehören. Zu uns stößt ein junges Pärchen, er reserviert, aber sie voller Tatendrang. Gemeinsam stapeln wir Pappteile zu bunten Torten auf jeweils einer Hand, versuchen, dabei entweder Auftragskarten zu erfüllen oder möglichst schnell eine gewisse Höhe zu erreichen. Es braucht nicht einmal eine Minute, bis das absolute Chaos am Tisch ausbricht. Im Akkord fliegen uns Pappteile, Holzklötze und Flüche um die Ohren. Und mittendrin immer ein Klingeln, wenn jemand erfolgreich einen Auftrag erfüllt hat. Stress und Hektik in reinster Vollendung. Hätte ich am Vortag nicht schon The Cat and the Tower eingepackt, würde ich den Torten ein neues Zuhause geben. Der Reservierte taut bis zum Schluss nicht mehr auf, bei seiner Lebensgefährtin erwarte ich hingegen, dass bei ihr endgültig die Sicherungen durchbrennen. Gegensätze ziehen sich bekanntlich an.

Tax The Rich? Jede Revolution fängt klein an

Ein politisches Stichspiel, dessen Spielgefühl nicht nur in Essen die Gemüter erhitzte, sondern dessen Message auf BGG auch die Kommentarspalte zum Beben brachte.
Ein politisches Stichspiel, dessen Spielgefühl nicht nur in Essen die Gemüter erhitzte, sondern dessen Message auf BGG auch die Kommentarspalte zum Beben brachte.

Den verbissenen Analytiker lernen wir kurze Zeit später bei Tax the Rich am Tisch kennen. Das Stichspiel von Alion ist die ideale Nährlösung hierfür, denn zwei Spieler versuchen gemeinsam eine vorher prognostizierte Menge an Stichen zu erreichen – wobei einer der Spieler nicht unbedingt freiwillig hieran teilnimmt. Sonderkarten und ein Kniff bringen zusätzliche Würze in das Spiel. Zu Beginn nehmen wir von den Sonderkarten nur zwei rein, sodass eine 12 nie zu Beginn einer Runde gespielt und eine 11 immer mit einer zuvor gespielten Karten vertauscht werden darf. Immer dabei ist der Kniff, dass man eine Revolution ausrufen kann, wenn man nur noch niedrige Karten auf der Hand hat. Diese sind mit Flaggen gekennzeichnet. Ruft man die Revolution aus, deckt man als Revolutionär seine Handkarten auf und spielt bis zum Ende der Runde mit offenen Karten. Außerdem wird die Wertigkeit der Karten umgedreht. Die zuvor niedrigen Karten haben nun die höchsten Werte und umgekehrt.

Dieser Kniff und die Sonderkarten machen das Spiel schwer zu kalkulieren. Zuvor sicher geglaubte Stiche entgleiten einem. Umso größer die Freude, wenn man seine Ansage durchbringt. Oder wenn es einem gelingt, dem verbissenen Analytiker den sicher geglaubten Sieg zu entreißen. Zu diesem Zeitpunkt ist Tax the Rich schon lange ausverkauft. Ich bin mir aber nicht sicher, ob dies wirklich das beste Stichspiel der diesjährigen Messe ist.

My Park? Gemessen an der uninspirierten Erklärung landet es auf dem Grabbeltisch

My Park oder My Quark? Ganz egal. Das Spiel lässt sich nicht einmal als spielerische Schonkost verkaufen.
My Park oder My Quark? Ganz egal. Das Spiel lässt sich nicht einmal als spielerische Schonkost verkaufen.

Da Halle 3 einfach zu voll ist, ziehen wir uns wieder in die “ruhigen” Hallen zurück. Bei Game Factory steht noch die Neuheit My Park aus, die an einen einzelnen Stehtisch verbannt wurde. Dass man dem Spiel keine große Performance zutraut, zeigt sich auch an der halbgaren und lieblosen Erklärung, die zumindest einen Teil der Regeln außen vor lässt. Daher kann ich selbst nach einem Versuch, das Spiel zu spielen, wenig über My Park sagen, außer das es ein sehr simples, schnelles Draftingspiel ist, bei dem wir parallel aus Karten einen Vergnügungspark nach einfachen Legeregeln aufbauen und nach jedem Ausspielen die Kartenhand weitergeben. Nachdem 9 Karten gespielt worden sind, endet das Spiel und man wertet nach einer bestimmten Vorgabe.

Auf den ersten Blick hatte ich mir ein Castle Combo mit Vergnügungspark-Thema erhofft. Nach einer uninspirierten Runde riecht das Ding hier eher nach dem Grabbeltisch.

Tag Team? Ich weiß nicht, wie mir geschieht!

Tag Team, ein smarter Auto Battler für zwei Personen, darf auch rückblickend als eines der Highlights der diesjährigen Messe bezeichnet werden. Selten strahlte in Essen dieses Jahr die Sonne so hell.
Tag Team, ein smarter Auto Battler für zwei Personen, darf auch rückblickend als eines der Highlights der diesjährigen Messe bezeichnet werden. Selten strahlte in Essen dieses Jahr die Sonne so hell.

Während meine Begleitung Einkäufe zum Auto bringt, habe ich bei Kosmos die Gelegenheit, einen der Topseller der Messe zu spielen: Tag Team. 2-Personen-Spiele sind eigentlich nicht mein Ding. Und Auto-Battler auch nicht. Tag Team macht aber irgendetwas richtig. Es sieht nicht so grauenvoll wie Challengers aus, die Regeln sind in drei Minuten erklärt und die erste Partie dauert maximal 10 Minuten. Auch wenn ich nicht weiß, wie mir geschieht und warum ich gewinne, hat es Spaß gemacht. Und ich habe direkt Lust auf weitere Partien. Um weitere Charaktere und ihre Fähigkeiten auszuprobieren.

Dabei ist das Spielprinzip einfach: Wir steuern jeweils zwei Charaktere, die sich auf die Omme geben. Nach jeder Runde ziehen wir drei Karten von deren Nachziehstapel, suchen uns eine Karte aus, sortieren diese in das gemeinsame Deck unserer Charaktere und schieben die anderen Karten unter den entsprechenden Nachziehstapel. Danach geben wir uns wieder auf die Omme. Und hoffen, dass unser Plan aufgeht und der Gegner irgendwann in die Knie geht. So einfach ist das.

Da Tag Team zwölf verschiedene Charaktere mit unterschiedlichen Fähigkeiten hat, die man beliebig kombinieren kann, ist erst einmal für reichlich Spielspaß gesorgt. Und da Tag Team sich wie geschnitten Brot verkauft hat, kann man davon ausgehen, dass Kosmos sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen wird, reichlich zusätzlichen Content zu produzieren. Da klingeln wieder die Kassen in Stuttgart.

Spiele von Sugorokuya mit herzerwärmendem Lächeln, verblüffenden Erkenntnissen und minimalistischen Zügen

Dem Charme einiger junger Japanerinnen erliegen wir anschließend am Stand von Sugorokuya. Dort gibt es nicht nur Lächeln, die unsere Herzen erwärmen, sondern auch drei kleine Kartenspiele, von denen wir höflich zustimmen, zwei auszuprobieren. Und reichlich verblüfft sind.

Peas, ein einfaches 2-Personen-Stichspiel mit simplen Regeln, das aber beim Spielen einige Rauchkringel erzeugt.
Peas, ein einfaches 2-Personen-Stichspiel mit simplen Regeln, das aber beim Spielen einige Rauchkringel erzeugt.

Fangen wir an mit Peas. Natürlich ein Stichspiel. Aber für genau zwei Personen. Hier liegen in der Mitte 10 Erbsenkarten mit positiven und negativen Werten. Positive Erbsenkarten wollen wir mit unseren Stichen gewinnen, negative natürlich nicht. Unsere Handkarten liegen dabei in vier Farben vor mit Werten von 1-6. In seinem Zug kann der aktive Spieler seine Handkarte an einer beliebigen Erbsenkarte auf seiner Seite platzieren. Wenn möglich, muss er dabei die Farbe einer bereits auf der anderen Seite platzierten Karte bedienen. Dies machen beide Spieler abwechselnd, bis sie alle ihre Handkarten gespielt haben. Der Spieler, der als erstes eine seiner Handkarten an die erste Karte der Erbsenreihe spielt, erhält die Stängelkarte. Diese zeigt an, auf welcher Seite die Wertung beginnt. Diese Seite stellt die Trumpffarbe. Verliert die Seite mit der Stängelkarte im Verlauf der Wertung einen Stich, wandert die Stängelkarte auf die andere Seite. Nun stellt diese die Trumpffarbe bis zum nächsten Wechsel.

Nachdem alle Erbsenkarten verteilt wurden, werden ihre Werte summiert. Der Spieler mit dem höchsten Wert gewinnt die Runde. Das Spiel gewinnt schließlich der Spieler, der zwei Runden gewonnen hat.

Einfaches Spielprinzip, minimalistisches Spielmaterial und rauchende Köpfe. Wir sind angefixt und probieren mit Cerealian das zweite Stichspiel, das noch minimalistischer daherkommt. Es ist zwar im Gegensatz zu Peas für 3-4 Spieler, enthält aber nur 12 Stich- und 4 Wertungskarten. Das genaue Gegenteil von “überproduziert”.

Mutter sagte immer, dass mit dem Essen nicht gespielt wird. Aber in meiner Erinnerung gab es das Wort Cerealien nocht gar nicht. Also kann Muttern das nicht gemeint haben.
Mutter sagte immer, dass mit dem Essen nicht gespielt wird. Aber in meiner Erinnerung gab es das Wort Cerealian damals noch gar nicht. Also kann Muttern das nicht gemeint haben.

Cerealian wird solange gespielt, bis der erste Spieler sieben oder mehr Punkte hat. Es gelten typische Stichspielregeln, d. h. die erste gespielte Karte legt die zu bedienende Farbe fest. Der Gewinner des Stichs darf sich eine Karte im Stich aussuchen und in seine Auslage legen. Die anderen Spieler folgen in Höhe ihrer Karten, wobei Karten in der Stichfarbe vorrang haben. Ab dem zweiten Stich können sich alle Spieler, bis auf den Startspieler, aussuchen, ob sie Karten von der Hand oder aus einer beliebigen Auslage spielen. Aus Auslagen darf man allerdings nur Karten mit der aktuellen Stichfarbe spielen. Eine Runde endet, sobald ein Spieler die dritte Karte in seine Auslage legt. Dann wird gewertet:

  • Liegen weniger als 2 Karten in der Auslage, gibt dies keine Punkte
  • Liegen zwei Karten in der Auslage, wird die Differenz zwischen diesen Karten berechnet. Der Spieler mit der höchsten Differenz erhält 3 Punkte, der nächste Spieler 2 Punkte, usw.
  • Hat ein Spieler 3 aufeinanderfolgende Karten in der Auslage, erhält er 7 Punkte.

Hat nach einer Runde kein Spieler 7 oder mehr Punkte, spielt man eine neue Runde. Simple as that.

Ghost Life? Das heiße Ding am Stand 9 3/4, das niemand kennt und alle haben wollen

Wie das Gleis 9 3/4: Der Stand in Essen, an dem man das legendäre Nokosu Dice kaufen kann. Das ist aber bereits Schnee von vorvorgerstern, denn jetzt gibt es Ghost Lift.
Wie das Gleis 9 3/4: Der Stand in Essen, an dem man das legendäre Nokosu Dice kaufen kann. Das ist aber bereits Schnee von vorvorgerstern, denn jetzt gibt es Ghost Lift.

Einmal angekommen in japanischen Spielwelten springen wir rüber zum Stand von Engame, die seit beinahe 10 Jahren mit Nokosu Dice einen Geheimtipp ihr Eigen nennen, der ehrfürchtig per Flüsterpost in Vielspielerkreisen weitergetragen wird. Nokosu Dice kann man dieses Jahr in Essen sogar kaufen, ohne dass man ab 6 Uhr vor den Messehallen campieren muss. Ausgefuchst wie die Japaner sind, haben sie mit Ghost Lift aber einen neuen heiligen Gral geschaffen, den kommende Spielergenerationen vermutlich über Jahre zu finden versuchen werden. Das Ding gibt es nämlich täglich auch nur in geringer Auflage, sodass die wenigen Exemplare von Ausstellern und Medienschaffenden bereits vor offiziellem Einlass aufgekauft sind.

Davon wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Wir sind lediglich auf den Geschmack japanischer Spielkunst gekommen und wollen nach Peas und Cerealian mehr, mehr und noch mehr.

In Ghost Lift begeben wir uns als Spieler in ein Geisterhaus, in dem ein Lift von Geistern gesteuert wird, die versuchen, ihren Weg zurück zu ihren Appartements zu finden. Damit wir nicht bis an unser Lebensende von diesen Geistern verfolgt werden, müssen wir sie auf den richtigen Etagen herauslassen. Das zum Thema.

Mechanisch ist Ghost Lift ein sogenanntes Ladder-Climbing-Spiel und erinnert dabei an Scout, d. h., wir müssen die aktuell ausliegende(n) Karte(n) entweder über- oder unterbieten. Die Richtung wird dabei durch eine Fahrstuhlanzeige vorgegeben. Zeigt die Anzeige nach “unten”, müssen Karten mit niedrigeren Werten als die aktuelle Karte ausgespielt werden. Zeigt sie nach oben, dann müssen höhere Werte gespielt werden. Dabei können ähnlich wie bei Scout auch mehrere Karten gespielt werden, wobei die Anzahl maximal 1 mehr als die aktuell ausliegende Anzahl an Karten sein darf. Außerdem kann ich mir nach jedem Zug Karten eines Werts aus einer offenen Auslage nehmen.

Sobald ein Spieler alle seine Handkarten losgeworden ist, endet die Runde. Für jeden Wert auf seiner Hand erhält ein Spieler ein Geistertoken mit dem entsprechenden Wert. Hat er bereits ein Token dieses Werts, wird der Geist auf die grüne Seite gedreht. Ist das Token auch schon auf der grünen Seite, verliert der Spieler das Spiel sofort. Ein Spieler verliert das Spiel auch sofort, wenn er drei oder mehr grüne Geister hat. Die anderen Spieler gewinnen gemeinsam das Spiel.

Wir spielen Ghost Lift mit einem befreundeten Pärchen und haben dabei die emotionalste Partie an diesem Tag, da es ein Auf und Ab ist. Dabei ist es gar nicht so einfach, in das Spiel reinzukommen, da der Wortschatz unseres japanischen Erklärer lediglich aus den Worten “take that”, “win”, “loose” und “haunted” besteht. Mit diesen Worten schafft er es aber, uns das Spiel so weit zu erklären, dass wir mit Unterstützung der englischsprachigen Anleitung solange spielen, bis einer von uns am Boden liegt. Danach wollen wir das Spiel haben und erfahren, dass es ausverkauft ist, aber morgen aus dem Nichts maximal 100 neue Exemplare erscheinen sollen. Ich komme mir vor wie in einem Remake von “Versprochen ist versprochen”.

Odin? As d’or statt gesuchte Auflage

Bei Mjolnir, Odin ist auch ein nettes, kleines Ding.
Bei Mjolnir, Odin ist auch ein nettes, kleines Ding.

Mit schwerer Birne spielen wir am Stand von Helvetiq mit Odin ein weiteres Ladder Climbing-Spiel. Odin spielt sich dabei recht ähnlich zu Ghost Lift. Auch hier kann man immer gleich viele Karten oder eine Karte mehr als die vorher gespielten Karten ablegen. Dabei können mehrere Karten der gleichen Farbe oder des gleichen Werts gespielt werden, wenn man mit den Zahlenwerten der Karte eine Zahl schafft, die höher als die ausliegende Zahl ist. Liegen beispielsweise zwei Vieren aus, muss ich mit meinen Karten eine 44 überbieten. Dies könnte ich bspw. mit den rosa Karten 2,6 und 1 machen, da ich hiermit eine 621 erschaffe. Man kann außerdem alle Handkarten ablegen, wenn man nur noch Karten in einer Farbe auf der Hand hat.

Eine Runde endet, sobald ein Spieler keine Karten mehr auf der Hand hat. Alle anderen Spieler erhalten pro verbliebener Handkarte einen Punkt. Das Spiel endet, sobald jemand 15 oder mehr Punkte hat. Es gewinnt der Spieler mit den wenigsten Punkten.

Odin hat dieses Jahr in Cannes den As d’or gewonnen, also den französischen Kritikerpreis für Gesellschaftsspiele, aber kann in Essen nicht den gleichen Hype wie Ghost Lift generieren. Allerdings gibt es auch keinen Mangel an diesem Spiel. Und die SPIEL stellt auch nicht die einzige Gelegenheit dar, an dieses kleine Kartenspiel in den nächsten Jahren zu kommen.

Driving me crazy? Zwischen schockierend groß und einem Autor mit Hang zu „Konfetti“

Klarer Anwärter für die Spieleverpackung des Jahres 2025: Driving me crazy von Simplexity Games.
Klarer Anwärter für die Spieleverpackung des Jahres 2025: Driving me crazy von Simplexity Games.

Letzter Stopp ist der Stand des Verlags Simplexity Games in Halle 5. Dessen diesjährigen Output Driving me crazy hatte ich sogar erst auf meiner Liste von Spielen, die ich mir auf der SPIEL anschauen wollte. Und zwar weil mich Einfachheit, Thema und Aufmachung des Spiels ansprachen. Warum es heruntergefallen ist, weiß ich gar nicht mehr. Allerdings bin ich beinahe geschockt, wie groß das Spiel tatsächlich ist. Denn erwartet hatte ich ein Kartenspiel für die Hosentasche und nicht eine Box in der Größe eines Meerschweinchens. Wobei die Box schon einiges hermacht, stellt sie doch einen Kleinbus dar, dessen Kofferraum man öffnen kann, um an die Karten zu kommen. Das ist auf jeden Fall ein Hingucker.

Ein Hingucker ist auch Spieldesigner Dixon Block, der selbst zu fortgeschrittener Stunde auf der Messe für sein Spiel brennt und einen immensen Wortschwall auf uns niederprasseln lässt. Etwas zu viel Engagement für unsere ermatteten Hirne. Stellt Euch einfach vor, ihr seid nach einer langen Partynacht gerade aufgewacht, Jack Black betritt Euer Schlafzimmer und spielt einen Schnellredner, der einen Vortrag über Quantenphysik hält.

Dabei ist Driving me crazy getreu dem Verlagsmotto ein recht einfaches Kartenspiel. Ziel ist es, als erstes das gemeinsame Ferienhaus zu erreichen, wofür wir je nach Spieleranzahl 700 – 1.000 km fahren müssen. Und zwar auf den Kilometer genau. Da Driving me crazy ein Kartenspiel ist, wird die Strecke durch Kilometerkarten dargestellt. Diese spielen wir von unserer Hand vor uns ab. Eine Karte pro Zug. Da dies alleine langweilig wäre, gibt es noch Aktionskarten, die entweder uns selbst Vor- oder unseren Mitspielern Nachteile bringen – wozu Ampeln, Mautstationen, Abkürzungen und Rennautos gehören. Nicht selten pfeffert ein Mitspieler einem eine Karte vor die Nase, die das sicher geglaubte Ziel erneut in weite Ferne rückt.

Ob dies allerdings wirklich Laune macht, finde ich nicht heraus. Dafür bin ich zu diesem Zeitpunkt am dritten Messetag einfach zu platt. Driving me crazy wird seinem Titel nicht gerecht – es macht mich nicht verrückt, sondern lässt mich kalt. Und das tut mir leid, weil Dixon Block uns die Nummer mit großem Engagement präsentiert. Aber irgendwie auch mit viel zu viel Engagement. Es ist einfach zu viel Information und zu viel Konfetti um diese Uhrzeit. Ich werde dem Spiel aber eine zweite Chance geben.

Damit endet der zweite Messetag, bei dem, getreu meines diesjährigen Messemottos, viele kleine und teils auch gemeine Spiele angespielt wurden. Gerade die japanischen Kartenspiele jenseits des Mainstreams haben mir dabei besonders gut gefallen. Die Dinger sind zwar keine Augenweide, aber sie brauchen schlicht keine besondere Optik oder ein außergewöhnliches Thema, um von eventuellen spielerischen Mängeln abzulenken. Ich freue mich auf jeden Fall sehr darauf, einige der Spiele zuhause auf ihren Langzeitspaß zu prüfen.

Messetag 3: Grauen, Gerüche und ganz viel Gezocke

Am dritten Messetag beginnt das Spielerleben am Stand von Grand Gamers Guild, die u. a. Kokeshi zum Anspielen anbieten. Kokeshi springt uns hierbei in erster Linie durch sein zuckersüßes Artwork und Spielmaterial ins Auge. Neben bedruckten Meeples, gibt es Spielsteine aus (vermutlich) Kunstharz, die sich nicht nur wunderbar anfühlen, sondern in dem Beutel, aus dem sie gezogen werden, geräuschvoll aneinander klacken. Zumindest wird unsere Erklärerin nicht müde, dies immer wieder zu betonen.

Warum ins Weltall fliegen, Drachen bekämpfen oder uns durch Zombiehorden wüten, wenn wir auch gemütlich Spielzeugpuppen herstellen können? Kokeshi macht es möglich.
Warum ins Weltall fliegen, Drachen bekämpfen oder uns durch Zombiehorden wüten, wenn wir auch gemütlich Spielzeugpuppen herstellen können? Kokeshi macht es möglich.

In Kokeshi stellen wir japanische Künstler dar, die ihre Fähigkeit, Holzpuppen (die namensgebenden Kokeshi) anzufertigen versuchen weiterzuentwickeln. Denn je versierter die Puppe, umso glücklicher ist der Mensch, der sie geschaffen hat, und der Mensch, der sie irgendwann erhält. Und wer am meisten Glück verbreitet, gewinnt das Spiel. Da lässt sich erst einmal nichts dagegen einwenden.

Mechanisch handelt es sich hierbei um einen Engine Builder, bei dem wir die Spielsteine Runde für Runde in fünf Spalten in unserem eigenen Board auslegen, damit diese von den jeweiligen Spielfiguren beim darüber gleiten aktiviert werden. Was wiederum andere Meeple aktivieren kann. Was dann irgendwie dazu führen soll, dass es Glückspunkte regnet.

Da wir Kokeshi nur anspielen (dürfen), erschließt sich das Potenzial des Spiels nicht auf Anhieb, aber weil es hübsch aussieht, sich gut anfühlt (die Spielsteine!) und man Kettenzüge basteln kann, nimmt jeder ein Exemplar von Kokeshi mit.

La Cuenta? Der Messestand brennt ab!

Noch eine Portion Pimientos de Padrón. Und noch einmal Patatas Bravas. Und zwei Flaschen Wein dazu. Oh Nein, jetzt hat der Koch die Chorizo verbrannt. Ich bin mal schnell auf Klo. Schaut ihr mal, wer in La Cuenta die Rechnung zahlt.
Noch eine Portion Pimientos de Padrón. Und noch einmal Patatas Bravas. Und zwei Flaschen Wein dazu. Oh Nein, jetzt hat der Koch die Chorizo verbrannt. Ich bin schnell auf Klo. Schaut ihr mal, wer in La Cuenta die Rechnung zahlt.

Da Handwerk hungrig macht, zieht es uns zum Tapas-Essen an den Stand von 2 Potatoe Games. Hier spielen wir erst zu dritt und anschließend zu fünft das Kartenspiel La Cuenta, womit auf Deutsch schlicht die Rechnung gemeint ist. Und darum geht es auch bei La Cuenta. Wir sitzen in einem Tapas-Restaurant, geben uns der Völlerei hin und versuchen, uns schließlich vor der Rechnung zu drücken. Dazu spielen wir möglichst viele teure Tapa- und Weinkarten auf den Tisch. Sobald uns diese ausgehen, müssen wir die Rechnung kommen lassen. Und alleine bezahlen. Es sei denn, man hat noch Sonderkarten, die es ermöglichen, die Kosten zu teilen. Außerdem gibt es auch die Möglichkeit, sich auf die Toilette zu verpieseln oder bei einem Kaffee das Zahlen einfach auszusitzen.

In der Fünferrunde brennt La Cuenta den Messestand ab. Weil das Thema durchkommt und dieses kleine Kartenspiel schlicht gemein ist. Schadenfreude pur, wenn einer ordentlich zur Kasse gebeten wird. Dabei hat La Cuenta zwei Probleme: Zum einen ist die Kartenqualität echt mies. Zum anderen kennt niemand am Stand die finalen Regeln, sodass einem das Spiel bei Nachfragen immer anders erklärt wird. Was dem Spielspaß aber keinen Abbruch tut. Wir machen uns die Regeln einfach selbst. Und La Cuenta wandert anschließend mehrmals über die Ladentheke.

Twisted Trumpets? Es kommt nicht nur auf die Länge an!

Bei Twisted Trumpets sieht das Spielbrett nach einer Partie aus, wie mein Schreibblock nach einer langweiligen Besprechung. Aber beiden kann man zugute halten, dass sie den Alltag entschleunigen.
Bei Twisted Trumpets sieht das Spielbrett nach einer Partie aus, wie mein Schreibblock nach einer langweiligen Besprechung. Aber beiden kann man zugute halten, dass sie den Alltag entschleunigen.

Regelsicher zeigt sich hingegen Matthew Rodela bei Twisted Trumpets. Das darf man auch erwarten, schließlich ist er der Autor des Spiels. Twisted Trumpets ist zudem ein simples Plättchenlegespiel, bei dem wir die skurrilste Trompete im Königreich zusammenlegen. Dabei lassen sich natürlich wieder zahlreiche Bedingungen erfüllen, für die es zum Schluss Punkte gibt. Auch wenn die wachsende Trompete ins Auge springt, läuft das Spiel arm an Interaktion und Höhepunkten ab. Irgendwann hat irgendwer gewonnen. Und man hat das Gefühl, dass alles schon einmal gespielt zu haben. Nur die sich windende Trompete ist neu. Aber es kommt nicht nur auf die Länge an.

Legions? Einiges bleibt (besser) im Dunkeln

Legions strahlt in vielen bunten Farben, aber wirklich aufgegangen ist uns hierbei kein Licht. Vielmehr legt sich der Schleier des Vergessens über das 2-Personen-Spiel von Bombyx.
Legions strahlt in vielen bunten Farben, aber wirklich aufgegangen ist uns hierbei kein Licht. Vielmehr legt sich der Schleier des Vergessens über das 2-Personen-Spiel von Bombyx.

Bei Bombyx wollen wir uns beim 2-Personen-Spiel Legions ordentlich auf die Rübe geben, haben aber eine ungünstige Zeit erwischt, da der Stand gut besucht, ein Teil des Personals aber in der verdienten und wichtigen Mittagspause ist. Die anschließende Erklärung verfängt nur zum Teil, weshalb unserer Partie Improvisation, Naivität und Zufall innewohnt. Dass das Spiel im Abyss-Universum spielt, hilft uns auch nicht, da wir beide weder das Universum noch das dazugehörige Spiel kennen. Optisch alles recht düster, aber durchaus ansprechend, bleibt das Spiel auch im Nachgang im Dunkeln. So dunkel, dass ich mich zu meiner eigenen Überraschung nicht mehr an den Spielablauf erinnern kann. Das sagt vermutlich auch etwas über das Spiel aus.

Liars & Looters? Groupies und Fluchtinstinkt

Kraut und Rüben bei Liars & Looters. Und auch Wochen später noch das Gefühl, Teil einer Folge Frauentausch gewesen zu sein.
Kraut und Rüben bei Liars & Looters. Und auch Wochen später noch das Gefühl, Teil einer Folge Frauentausch gewesen zu sein.

Ähnlich wirr starten wir zu fünft in eine Partie Liars & Looters. Unsere drei Mitspieler wirken wie Groupies des Verlags, da sie nicht zum ersten Mal den Stand besuchen und auch das Spiel schon ihr Eigen nennen. Zu meiner Irritation trägt außerdem das Verhalten der Gruppe bei, die direkt einer RTL2-Reality-Soap entsprungen zu sein scheint. Liars & Looters als boshaftes Social Deduction Game, bei dem wir uns beinahe permanent belügen, verstärkt diesen Eindruck noch. Irgendein absonderlicher Geruch am Tisch setzt dem unangenehmen Gesamteindruck noch das Kackhäufchen auf.

Was ich trotz Fluchttrieb mitbekomme, ist, dass wir versuchen, Karten zu tauschen, um Aufträge zu erfüllen. Da wir natürlich vermeiden wollen, dass dies unseren Mitspielern gelingt, wird oft und gerne etwas vorgetäuscht. Da dies alleine recht öde wäre, gibt es noch Sonderkarten für jede Runde, die zusätzliche Regeln einführen. Der Rest des Spiels zieht an mir vorbei – einzig der üble Geruch bleibt.

Carnival of Sins? Das Spiel von der Tanke auf dem Weg zum Stadion

Carnival of Sins - sicher ein gutes Kartenspiel, aber der postapokalyptische Zustand des Messestands hinterließ einen zwiespältigen Eindruck.
Carnival of Sins – sicher ein gutes Kartenspiel, aber der postapokalyptische Zustand des Messestands hinterließ einen zwiespältigen Eindruck.

Ein paar flinke Ecken weiter bewundern wir den Stand von Tranjis Games, der aussieht wie eine Tankstelle, nachdem eine Horde durstiger Fußballfans sie geplündert hat. Alle Spiele sind ausverkauft und man versucht gar nicht mehr, ein gutes Licht auf das eigene Material zu werfen. Erklärer und Erklärerinnen haben auch schon das Weite gesucht,sodass wir uns zu viert selbst behelfen und nach kurzem Studium der Spielregeln mit Carnival of Sin starten.

Regeln sind schnell erklärt. Zu Beginn jeder Runde wirft derjenige mit der „Teufel“-Karte die ausliegenden Würfel. Die Würfel haben dabei unterschiedlich viele Seiten. Anschließend wählen alle geheim eine von ihren Sünden-Karten und decken sie dann der Reihe nach auf, um Würfel zu sammeln, Punkte zu machen und gegnerische Pläne zu durchkreuzen. Wer nach der sieben Runden die meisten Punkte erzielt hat, gewinnt das Ding.

Optisch ganz nett, spielerisch holt es mich aber nicht aus dem zuvor erlebten Albtraum. Würde ich aber noch einmal spielen.

Happy Biiirthday? Lebensbejahend zum Blackout

Ein äußerst verstörendes Erlebnis gibt es bei Happy Biiirthday. Aber dafür fährt man schließlich einmal im Jahr nach Essen und zahlt dafür.
Ein äußerst verstörendes Erlebnis gibt es bei Happy Biiirthday. Aber dafür fährt man schließlich einmal im Jahr nach Essen und zahlt dafür.

Nach drei äußerst düsteren Spielen sehnt mein Gemüt sich nach einem lebensbejahenden Spielerlebnis. Manchmal sollte man seinem Sehnen nicht nachgeben, denn bei Taiwan Boardgame Design werden wir in ein Kartenspiel hineingezogen, bei dem man singen muss. Und zwar „Happy Birthday“. Mal alleine, mal mit allen zusammen, möglichst in unterschiedlichen Sprachen usw.

Die Erklärung ist nur knapp über dem Niveau von Ghost Lift am Tag zuvor, sodass wir mit Hütchen auf dem Kopf irgendwann irgendwas (meistens aber „Happy Birthday“) singen. Oder was man so singen nennt. Getriggert wird dies durch die ausgespielten Karten. Aber wirklich verstanden hat dies keiner von uns. Und in der letzten Runde ereilt mich auch noch ein Blackout, sodass ich aus dem Nichts die Melodie von „Happy Birthday“ vergesse und sich gefühlt die gesamte Halle nach mir umdreht. Wer sich gerne zum Narren macht, sollte einmal Happy Biiirthday ausprobieren.

Buzzin’ Picnic? Idyllisch und doch trügerisch

Buzzin Picnic verspricht geistige Erholung. Ein wenig Heidi, ein wenig Andy Borg, ein wenig familiäre Geborgenheit. Bis wir mit hämischen Grinsen Wespen zu Brei kloppen.
Buzzin Picnic verspricht geistige Erholung. Ein wenig Heidi, ein wenig Andy Borg, ein wenig familiäre Geborgenheit. Bis wir mit hämischen Grinsen Wespen zu Brei kloppen.

Blumenwiese, Blumenwiese, Blumenwiese. Eine Blumenwiese muss den Tag retten. Und Buzzin’ Picnic sieht so freundlich und friedlich aus, dass wir uns nur zu gerne mit der jungen Dame in ihrer Tracht an den Tisch setzen. Das Spielmaterial lässt Großes erwarten, bietet dann aber recht einfache Kartenspielkost für Familien. Allerdings gibt es doch ein verstörendes Element. Denn während wir durch das Ausspielen von Blumenkarten versuchen, Insekten anzulocken und Punkte zu generieren, können wir auch Wespen, die durch Speisen angelockt werden, in der Mitte des Tisches erschlagen. Je mehr, umso besser. Uff! Mama und Papa werden sicherlich die Augen verdrehen, wenn das Spiel den gern gemeinten Rat, nicht nach Bienen und Wespen zu schlagen, hops nimmt. Und so ein Wespenmord kann in Deutschland auch teuer werden.

Spielerisch ist Buzzin’ Picnic aber besser als erwartet. Es ist schnell gespielt, hat ein paar gemeine Elemente und weiß kurz zu unterhalten. Zum Mitnehmen ist das aber dennoch zu wenig.

Collect!? Schönheit für die Hosentasche

Der König der Tiere weist uns den Weg zum Ausgang. Collect! strahlt noch einmal unwiderstehlich zum Abschied.
Der König der Tiere weist uns den Weg zum Ausgang. Collect! strahlt noch einmal unwiderstehlich zum Abschied.

CMON hat sich vor allem einen Namen damit gemacht, dass sie ihre Spiele mit Miniaturen schmücken. Daneben haben sie aber auch einfache Kartenspiele im Sortiment, wie bspw. Collect!.

In Collect! sammeln wir, wie der Name sagt, Tierkarten vor uns in einer Reihe, um Allianzen zu bilden. Eine Allianz besteht dabei aus vier gleichen Tieren nebeneinander. Mit einem Löwen in der Reihe erreicht man eine Allianz auch, wenn man sieben verschiedene Tiere in seiner Reihe hat. Hat man den Oktopus in seiner Reihe, reichen auch drei Pärchen.

In seinem Zug zieht man eine Tierkarte von einem der zwei Kartenstapel, behält sie oder legt sie wieder zurück. Legt man sie zurück, muss man eine Karte vom anderen Stapel ziehen. Die Tiere haben dabei verschiedene Fähigkeiten. So frisst ein Krokodil eine andere Karte. Ein Chamäleon imitiert eine andere Karte. Und der Papagei versucht eine Karte vorherzusagen. Das sorgt natürlich für Zufall, fiese Aktionen und gebrochene Träume. Durch die hübschen Tierkarten aber alles freundlich verpackt.

Aufgrund der schmalen Regeln sitzt die Erklärung auch kurz vor Messeschluss schnell, das Spiel entwickelt durchaus seinen Reiz und die Karten sehen einfach toll aus. Das perfekte Spiel für die Hosentasche. Wird also mitgenommen.

Mit diesem Kauf endet der Samstag, der dieses Jahr mein finaler Messetag ist. Traurig bin ich nicht. Die Füße brennen, der Kopf rauscht und der Magen sehnt sich nach vernünftiger Nahrung. Dennoch ist es Zeit, ein Fazit zu ziehen.

Ein Fazit: Mehr Fläche, mehr Menschen, mehr … nicht!

Die Messe Essen wächst weiter. Die neue Halle 7 hat sich still und leise in das Event integriert und wirkt, als wäre sie immer schon da gewesen. Bei 220.000 Besuchern war sie aber auch dringend nötig, denn an allen Tagen war es ordentlich voll. Und “ordentlich” liegt hier genau zwischen “angenehm” und “nicht mehr zu ertragen”.

Wer nicht unbedingt den populären Shit erwerben oder anspielen wollte, tat gut daran, die Halle 3 zu meiden und den Fokus auf die anderen Hallen zu legen. Dort an den Ständen fanden sich Exoten, die man selbst in gut sortierten Brettspielläden vergeblich suchen wird.

In Halle 8 stehenden sich die Geeks die Füße platt. Halle 8 morgens kurz nach 9 Uhr schon gut gefüllt. Sehnsucht, Erwartungen und manch anderes hängt bereits in der Luft.
IHier stehen sich die Geeks die Füße platt. Denn die Halle 8 war morgens kurz nach 9 Uhr schon gut gefüllt. Sehnsucht, Erwartungen und manch anderes hängt bereits in der Luft.

Das Wetter spielte dieses Jahr leider nicht mit. Es ist zwar nett, wenn man aufgrund von Regen und Sturm draußen nichts verpasst, aber leider konnte man zwischendurch auch keine Pausen an der frischen Luft und in der Sonne einlegen. Dies dürften auch die Foodtrucks bemerkt haben. Ärgerlich war die Situation aufgrund dessen auch für die Besucher, die mit den Shuttlebussen zwischen den Hallen und dem Messeparkplatz P10 gependelt sind.

Die Spiel 2025 musste ohne den Hypetitel auskommen. Die Vielspieler hatten aber ein paar Titel ausgeguckt, die großes Interesse geweckt hatten, z. B. Orloj: The Prague Astronomical Clock.
Die SPIEL 2025 musste ohne den Hypetitel auskommen. Die Vielspieler hatten aber ein paar Titel ausgeguckt, die großes Interesse geweckt hatten, z. B. Orloj: The Prague Astronomical Clock.

Der Hypetrain kommt ohne Kohle nicht aus dem Messekeller

Was war eigentlich mit dem Hypetrain dieses Jahr los? Keine Kohlen für das Feuer? Ich kann mich nicht erinnern, wann zuletzt so wenig Hype vor, während und nach der Messe angesagt war. Was waren denn die Hypetitel für die SPIEL 2025? Klar gab es wieder ein paar Dinger, die schnell ausverkauft waren. Und es gab auch wieder zahlreiche Schlangen. Aber den Titel, der auf ewig mit der SPIEL 2025 verbunden sein wird, gab es nicht. Zumindest ist er mir bis heute nicht zu Ohren gekommen.

Natürlich gab es nicht nur Gesellschaftsspiele in Essen, sondern auch jede Menge anderes Zeugs, mit dem man sich seine Freizeit vertreiben kann, z. B. Puzzle. Solche Stände sind übrigens immer ganz nützlich, um den Gängerambos zu entkommen.
Natürlich gab es nicht nur Gesellschaftsspiele in Essen, sondern auch jede Menge anderes Zeugs, mit dem man sich seine Freizeit vertreiben kann, z. B. Puzzle. Solche Stände sind übrigens immer ganz nützlich, um den Gänge-Rambos zu entkommen.

Alte Bekannte machen die SPIEL erst zur SPIEL

Dafür gab es andere alte Bekannte. Es gab die Rücksichtslosen, die einem ihre Rollkoffer in die Haken hauen und dann den Mund nicht einmal für eine Entschuldigung aufbekommen. Es gab die, die ihren kompletten Hausstand in Bollerwagen über die Messe schieben und immer Vorfahrt hatten. Und es gab die, die der festen Überzeugung sind, dass einmal in der Woche duschen und ein Satz Klamotten für vier Tage Messe vollkommen ausreichend sind. Nicht zu vergessen die Leute, die sich jedes Jahr über die Essen- und Trinkpreise aufregen, als wäre nicht bekannt, dass die Preise auf Messen etwas höher ausfallen. Wann lernt ihr es endlich, ein paar Stullen und ein paar Flaschen Wasser mitzunehmen? Dafür muss doch noch Platz in euren Vehikeln sein. Aber ehrlich: Leute, ohne Euch wäre die SPIEL nicht die SPIEL.

Wer einfach einmal eine Auszeit brauchte, es draußen aber zu kalt und nass fand, der konnte sich vor der neuen Bühne Vorträge anhören - und dabei mal in Ruhe ins mitgebrachte Brot beißen.
Wer einfach einmal eine Auszeit brauchte, es draußen aber zu kalt und nass fand, der konnte sich vor der neuen Bühne Vorträge anhören – und dabei mal in Ruhe ins mitgebrachte Brot beißen.

Bei 220.000 Menschen fallen solche Menschen aber nicht ins Gewicht. Denn es gibt gut gelaunte Erklärerinnen und Erklärer, nette Mitspieler und jede Menge Menschen, die auf andere Acht geben und wissen, wie man Durschgel, Zahnpasta und Deo anwendet.

Summa summarum war die SPIEL damit auch 2025 ein tolles Event, auf dem es – wenn man sich darauf eingelassen hat – viel mehr zu sehen gab als Zeit zur Verfügung stand. Freuen wir uns auf das kommende Jahr.

2 Kommentare

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KK 26. November 2025 - 02:16

„…dass ein Spiel über Zugvögel mit zu den Highlights der diesjährigen Messe gehört“

Wieso, Spiele mit Zügen gehen doch immer, und mit Vögeln sowieso!

„Driving Me Crazy“ erinnert mich dann doch irgendwie an „Mille Bornes/1000 Kilometer“, das ich schon vor rund 50 Jahren als Kind gespielt habe…

Nee, Messen sind mir zu stressig, die hab ich mir schon lange abgewöhnt.

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Riemi
Riemi 26. November 2025 - 15:45

Wenn ich nicht selber da gewesen wäre, würde ich sagen: „Was für ein Wahnsinn!“ Aber es ist halt immer wuselig in Essen.
Deswegen verständlich, wenn sich das nicht jeder antun möchte.

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