Diese Spiele-Neuheiten sind beachtenswert
Eigentlich könnte man es sich einfach machen und den Einleitungstext vom eigenen Vorbericht der letzten Messe in Essen einfach kopieren. Die persönlichen Gefühle und Erwartungen sind vor der Spiel 26 in Essen gleichgeblieben. Auch das Mindset vom letzten Jahr hat sein Verfallsdatum noch nicht erreicht. Bedeutet, dass Vorfreude wie immer da ist, aber die Erwartung, die Bundeslade, das Bernsteinzimmer oder zumindest ein Battlestar Galactica zu einem akzeptablen Preis zu finden, ist äußerst gering. Seit Arche Nova gab es zumindest für mich nicht mehr den Überflieger im Brettspielkosmos. Was nicht heißen soll, dass in den Messehallen nur Pferde ihre Äpfel hinterlassen haben.
Manch einer spricht bereits von einer Krise am Brettspielmarkt, aber ich finde, das geht definitiv zu weit. Doch eine Übersättigung nach den fetten Jahren lässt sich in der Szene zumindest bei denen feststellen, die schon seit langem Bollerwagen durch die Messeflure ziehen und deren DHL-Bote den dritten Bandscheibenvorfall gerade auskuriert hat. Wer beim Lesen von Anleitungen oder Schauen von Regelvideos das gleiche Gefühl hat wie beim Schauen von neuen Star Wars Filmen, der weiß, was ich meine. Die Darsteller werden ausgetauscht, aber Geschichte und Mechanismen kommen einem bekannt vor.

Jäger des verlorenen Schatzes
Als auf Boardgamegeek die jährliche GeekPreview-Liste kam, hatten sich in den ersten Wochen über 100 Neuheiten in meiner persönlichen Liste in den Kategorien “Interested” und “Undecided” gesammelt. Es dauerte weitere Wochen, in denen sich das erste vorsichtige “Must have” eingefunden hatte. Wenn ich jetzt auf diese Liste schaue, die zugegebenermaßen nicht mehr aktuell ist, sind von diesen über 100 Einträgen vielleicht ca. 30 % geblieben. Hierbei sind sogar von der YouTube- und Influencer-Szene propagierte Highlights wie Timespan oder Drillers runtergeflogen. Bei mir ist einfach nicht das Licht angegangen.
Dafür wanderten plötzlich Spiele auf die Liste, die vor Jahren noch undenkbar waren. Abstrakte Spiele, kooperative Spiele und entspannende Spiele. Spiele, die von den selbsternannten Gralshütern vermutlich als langweilig oder zu simpel bezeichnet werden würden, die aber in meinen ebenfalls mit diesem Völlegefühl geschlagenen Gruppen für “Spielgefühl” sorgen könnten. Bei einer gut gewachsenen Sammlung kommt halt irgendwann der Moment, wo man innehält und sich fragt, ob es der nächste angebliche Kracher mit dem üblichen Leistengeschube in anderem Gewand sein muss oder man lieber ein Spiel rausholt, was zwar schon ein paar Kerben in den Karten hat, aber dessen Geheimnisse noch nicht vollständig enthüllt wurden.

Blick in den Rückspiegel
Interessant ist an dieser Stelle einmal ein Blick zurück. Zurück zu meinem Spieletipp-Artikel zur SPIEL 2025. Wenn ich mich nicht verzählt habe, habe ich damals versucht, die Aufmerksamkeit auf 34 Titel zu lenken. Von diesen Titeln habe ich schließlich elf auf und vier nach der Messe gespielt. In meinen Besitz sind von diesen 34 Titeln nur sieben gewandert. Und bei diesen sieben Titeln sind drei Titel, die ich in Essen gespielt habe. So resümierend könnte man sich schon fragen, warum man sich vorher die Mühe einer intensiven Recherche macht. Aber irgendwie gehört das doch dazu. Vorfreude ist bekanntlich immer noch die oder zumindest eine der schönsten Freuden.
Kommen wir nun zu den Spielen, bei denen ich selbst zumindest einen Blick riskieren will bzw. bei denen das eine oder andere Spiel vor oder nach der Messe ins Regal und auf den Tisch ziehen könnte. Den Anfang machen die Spiele, bei denen mich irgendetwas besonders getriggert hat und bei denen die Lust, sie auszuprobieren, erfreulich groß ist. Vielleicht setze ich das eine oder andere sogar auf meinen Wunschzettel fürs Christkind. Danach kommen die, bei denen ich zumindest einmal reinschnuppern möchte. Alle Tipps sind mit Vorsicht zu genießen. Denn nicht alles, was auf dem Papier nach einer Mordsgaudi klingt, zündet später am Tisch die Wunderkerzen an.
Persönliche Vorfreude-Highlights
Täglich grüßt der Nadelwald
Reforest
Auch wenn das Naturthema inzwischen bis auf den Stiel runtergelutscht wurde, wanzt sich Reforest als Tableau Builder für die Hosentasche an. Die Parallelen zu Mischwald sind dabei nicht zu leugnen. Und das liegt nicht nur am Thema, sondern an den zwei möglichen Aktionen: Karten auf die Hand ziehen oder Karten in seine Ablage spielen. Doch scheint Reforest aufgrund einer eingeschränkten Ablage und zahlreichen Synergieeffekten zwischen den Karten doch genug Eigenständigkeit mitzubringen, dass Freunde des Themas und der Mechanik einen Blick riskieren sollten.
Reforest ist ein Spiel von Sébastien Bernier-Wong. Grünzeug pflanzen kann man bei Board Game Circus am Stand 2C130.

Ein Spiel über Hot Dogs und Resterampe
Rooms & Roomies
Rooms & Roomies ist ein Plättchenlegespiel, das sowohl mit Thema als auch Material punktet. Über vier Runden (Tage) besuchen wir ein Möbelhaus, in dem wir nicht nur die Einrichtung für unser Haus kaufen, sondern auch neue Bewohner mitnehmen. Am Ende des Spiels punktet man, indem man die Einrichtungswünsche seiner Mitbewohner erfüllt. Das Thema ist frisch, Optik und Material grandios. Wenn das Gameplay auch noch mitzieht, hat Rooms & Roomies das Zeug, das Cozy Game der diesjährigen Messe zu werden.
Rooms & Roomies ist ein Spiel von Juri Alexander. Im Möbelhaus eskaliert man am besten bei Deep Print Games am Stand 3B300.

Endlich was mit magischen Perlen
12 Rivers
12 Rivers war schon letztes Jahr Kandidat meiner Spieletipps. Auf der Messe habe ich aber keine Hand an das Spiel bekommen. Dieses Jahr erscheint eine lokalisierte Variante bei Pegasus.
Bei 12 Rivers geht ohne magische Perlen nichts. Und diese rollen in Flüssen den Berg hinunter und wollen von uns, Oberhäuptern aus Adelsfamilien, eingesammelt werden. Dazu manipulieren wir den Flusslauf. Wortwörtlich. Denn 12 Rivers zeichnet sich durch eine schräge Spielfläche aus, auf der Murmeln hinunterrollen und durch geschicktes Setzen von Barrieren dahin laufen, wo wir sie einsammeln können.
Optisch auf jeden Fall ein Hingucker. Wäre schön, wenn es auch als gehobenes Familienspiel oder seichtes Kennerspiel überzeugen könnte.
12 Rivers ist ein Spiel von Romain Caterdjian. Gemurmelt wird am Stand 3M120 bei Pegasus.

Thrash oder Trash? Hauptsache Poker!
Trash Poker
Ein Pokerspiel für Spieler, die kein Poker können? Ja, bei Trash Poker muss man kein geübter Pokerspieler sein, um am Ende die Nase vorn zu haben. Statt zu bluffen, versucht man, möglichst starke Kartenkombinationen zu bilden und damit wertvolle Chips zu sammeln. Im Laufe des Spiels verändert man sein eigenes Deck, wirft gezielt unerwünschte Karten in den Trash und verbessert so seine Möglichkeiten von Runde zu Runde. Besondere Joker und Upgrades eröffnen dabei immer neue Kombinationen und Strategien. Wer eine Runde schlechter abschneidet, kann früher auf neue Verbesserungen zugreifen – und so vielleicht schon in der nächsten Runde zurückschlagen. Am Ende gewinnt, wer sein Deck am cleversten optimiert und die meisten Chips gesammelt hat.
Ideengeber für Trash Poker ist das Videospiel Balatro. Die Ideen in Spielform gebracht haben Frank Noack und Rico Besteher. Nicht gepokert wird bei Corax Games am Stand 2E440.

Wenn Spieletitel körperlich schmerzen
Go West
Wem bei dem Titel Go West instant Neil Tennant und Chris Lowe ins Ohr schwappen, hat auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Wer von den Klängen verschont bleibt, kann Go West sicherlich mehr genießen. Und ein Genuss könnte Go West sein. Klar, auch hier haben wir es mit einem weiteren dieser Spiele zu tun, bei dem wir Plättchen auf eine Landschaft puzzeln. Aber anders als bei vielen modernen Polyomino-Spielen puzzeln wir nicht auf eigenen Tableaus, sondern gemeinsam auf einer immer enger werdenden Landkarte. Dabei nehmen wir uns nicht nur attraktive Bauplätze weg – geschickt platzierte Gebäude können auch von den Bauten der Konkurrenz profitieren. Man hört dieses Wort bei modernen Gesellschaftsspielen selten, aber hier scheint es angebracht: Interaktion. Und was auch für Go West spricht, ist das Thema. Zumindest für mich, denn es geht in den Wilden Westen, wo wir Farmen, Minen, Städte und Produktionsgebäude errichten. Skellig Games, Ihr habt mich am Haken.
Go West ist von Stefan Freund. Und wer Unsere kleine Farm mag, sollte einmal am Stand 3C300 vorbeischauen.

Gemeinsam gegen die Ewigkeit
Eternal Decks
Nach Bomb Busters und Take Time steht uns dieses Jahr mit Eternal Decks der nächste abstrakte Koop-Kracher ins Haus. Und obwohl die Spielfläche wie eine Picknickdecke auf dem Wave Gotik Treffen aussieht, wird das 2025 erschienene Original heftig abgefeiert. Strohmann Games hat feines Gespür bewiesen, als sie sich den Zuschlag für den deutschen Markt gesichert haben. Aber was macht man in Eternal Decks?
Bei Eternal Decks versucht man, gemeinsam eine von mehreren unterschiedlichen Aufgaben („Stages“) zu lösen. Zu Beginn startet man mit einem kleinen Deck aus nur fünf Karten und kann im Laufe der Partie Karten aus den besonderen Decks der sogenannten Eternals hinzugewinnen.
Meist legt man Zahlenkarten in drei Reihen aus, wobei bestimmte Legeregeln gelten – zum Beispiel dürfen gleiche Farben oder gleiche Zahlen nicht direkt nebeneinander liegen. Dabei hat man in seinem Zug die folgenden Optionen: Man spielt eine Karte, erzeugt ein Juwel oder gibt einer anderen Person eine Karte. Die Juwelen helfen dabei, negative Effekte der Eternals abzuwehren. Natürlich ist die Kommunikation darüber, welche Karten man besitzt, eingeschränkt.
Das Besondere ist, dass sich Regeln und Ziele über die sechs Stages deutlich verändern – mal sammelt man Punkte, mal bewegt man sich durch ein Labyrinth oder tritt gegen einen Boss an.
Der Reiz besteht bei Eternal Decks daraus, wie man die begrenzten Karten möglichst clever zusammen spielt.
Autor Hiroken hat bereits den nächsten Kracher im Ärmel, der mit Eternal Sevens nicht nur namentlich, sondern auch von der Optik stark an Eternal Decks angelegt ist. Allerdings spielt man Eternal Sevens kompetitiv.
Wer auf kooperatives Kartenkloppen steht, kann dies bei Strohmann Games am Stand 3T600 machen.

Weitere Lichter am Spielehimmel
Irgendwas mit Autos oder anderen Vehikeln
Vroom
Wer The Mind mag, könnte Vroom lieben. Hier versuchen wir, gemeinsam unsere Rennautos in der richtigen Reihenfolge ins Ziel zu bringen. Der Clou ist, dass es keine Rennstrecke gibt, sondern lediglich ein Ziel. Pro Runde erhält jeder Spieler verdeckt eine Karte, die eine Geschwindigkeit von 1-7 anzeigt. Jeder Spieler zieht nun sein Auto so weit Richtung Ziel, wie er meint, dass das Auto anhand der Geschwindigkeit fahren müsste. Nach fünf Runden werden bei jedem Spieler die Werte auf seinen Karten zusammengezählt und ermittelt, ob die Reihenfolge der Autos richtig ist. Ereignisse und Zusatzmodule fügen dem Spiel Extras hinzu.
Vroom ist ein Spiel von Antonin Boccara. Über die Ziellinie kann man bei Big Moustache Games am Stand 6G400 fahren.

Tornado Splash
Ebenso wie 12 Rivers stand auch Tornado Splash auf meiner Spieletipp-Liste für die Messe im letzten Jahr. Und ebenso wie bei 12 Rivers habe ich auch an dieses Spiel keine Hand bekommen. Erfreulich, dass MM-Spiele zur Messe eine deutsche Version des Spiels herausbringen werden.
Bei Tornado Splash liefern wir uns ein rasantes Jet-Ski-Rennen und versuchen, als Erster die Ziellinie zu überqueren. Dafür legen wir schmale Rennkarten vor unseren Jet-Ski und bauen damit direkt auf dem Tisch unsere eigene Fahrspur.
Wir können die Karten gerade anlegen oder über die eingezeichneten Linien abwinkeln und müssen so geschickt durch die Kurven und an unseren Konkurrenten vorbeikommen.
Normalerweise bewegen wir uns pro Runde bis zu drei Schritte, doch einmal im Rennen können wir unseren Boost zünden und noch weiter fahren. Wer zuerst die Ziellinie überquert, gewinnt das Rennen.
Tornado Splash klingt nach einem einfachen Spiel für Familien, kann aber auch in einer launigen Erwachsenenrunde zünden. Die Idee hierzu hatte Moyuki Adisawa. Ein feuchtes Fahrgefühl erlebt man am Stand 6B300.

Carpet Racers
Freunde von Spielen wie Die wandelnden Türme oder Hexentanz könnte Carpet Racers ansprechen. Hier versuchen bis zu fünf Spieler ihr ferngesteuertes Auto vor allen anderen ins Ziel zu bringen. Das Problem: Man weiß nicht, welches Auto man steuert und versucht, dies u. a. in einer Partie herauszufinden. Mittels Karten bewegt man dabei nicht nur die Autos über die Strecke, sondern kann auch für den anderen Spieler Fallen stellen, Boni und Hinweise einsammeln.
Ob Carpet Racers sich in die Ruhmeshalle der Rennspiele einreiht oder noch Jahre später verramscht wird wie Tiny Turbo Cars, lässt sich aktuell noch nicht sagen. Dass Carpet Racers von Shootingstar Tomáš Holek ist, dürfte dem Spiel zumindest einen kleinen Bonus einbringen.
Über Spielteppiche brettern kann man bei Pink Troubadour am Stand 4G515.

Tiere und Natur und so gehen auch immer
Nacht im Zoo
Dank SETI und mit Unterstützung von Galileo Galilei und Tea Garden hat sich Tomáš Holek 2024 als Autor einen Namen in der Spieleszene gemacht. Froschteich und Aquaria konnten im Folgejahr nicht an den Erfolg anknüpfen, aber sein neuster Streich Nacht im Zoo riecht schon nach Sold out.
Während vor einigen Jahren bei Kuzooka Tiere versucht haben, aus einem Zoo auszubrechen, wollen bei Nacht im Zoo Tiere wieder zurück in ihr Gehege, nachdem sie den Zoo heimlich verlassen hatten. Dabei versuchen die Spieler durch geschicktes Auslegen von Plättchen im Zoo und den besonderen Eigenschaften der einzelnen Tiere, diese möglichst flott wieder in ihre Gehege zu bringen.
Das leichtgewichtige Strategiespiel klingt auf dem Zettel erst einmal interessant. Wäre schön, wenn sich das Spielgefühl dem anschließen würde.
Den Tieren den Weg weisen kann man bei Albi am Stand 4D400.
Wildscape
Und nochmal Naturthema. Diesmal geht es nach Afrika, wo wir aus kargem Land wieder blühende Landschaften machen – Tiere inklusive. Auf den ersten Blick sieht Wildscape durch die Landschaftsplättchen wie ein Cascadia-Klon aus. Nach dem Regelstudium lässt sich aber sagen, dass man es hier mit einem komplexen Kennerspiel, wenn nicht sogar schon einem Expertenspiel zu tun hat. Dreh- und Angelpunkt ist hierbei ein Rondell in der Mitte, über welches man nicht nur die Landschaftsplättchen und Ressourcen erhält, sondern auch Ressourcen für weitere Aktionen einsetzen kann. Dies ermöglicht es Spielern nicht nur, lange Kettenzüge zu spielen, sondern sicherlich auch in ewige Analysephasen zu verfallen. Aufgrund der Komplexität und weil auch Tiere dabei sind, schwadronieren einige Rezensenten schon vom Arche-Nova-Killer. Clickbait wäre übrigens auch einmal ein spannendes Thema für ein Brettspiel.
Autor von Wildscape ist Sebastian Bleasdale. Wer komplexe Spiele mit Naturthema sucht, könnte dieses Jahr am Stand von Karma Games fündig werden.

Mischwald: Smoky Mountains
Mischwald ist ebenso wie Flügelschlag oder Dorfromantik noch lange nicht ausgereizt. Von Catan und Carcassonne wollen wir erst gar nicht reden. Allerdings ist all diesen Spielen gemein, dass viele Fans der ursprünglichen Version nach neuem Material lechzen. Und solange den Autoren Neues einfällt und die Leute nach dem Kauf zufrieden sind, warum nicht?! Und Smoky Mountains bringt nicht nur neue Tiere und Pflanzen, sondern auch zum ersten Mal Flüsse, die man sowohl eigenständig als auch unter Bäume spielen kann. Und dann gibt es natürlich auch … Fische!!
Mischwald ist immer noch von Autor Kosch. Und wer Wälder in Nordamerika pflanzen will, kann dies am Stand von Lookout (7C111 oder 3V300) tun.

Mountain Goats: Saga
Der Reiz von Mountain Goats oder dem nun vorliegenden kampagnenbasierten Mountain Goats: Saga erschließt sich mir beim Lesen noch nicht so ganz. Es klingt einfach nur banal, denn schließlich würfeln wir in jedem Zug nur vier Würfel und kombinieren ihre Ergebnisse, um unsere Ziegen auf verschiedenen Bergen nach oben zu bewegen. Erreichen wir einen Gipfel, erhalten wir dort Punktekarten; bleiben wir oben und können die entsprechende Bergzahl erneut bilden, sammeln wir weitere Punkte. Allerdings kann immer nur eine Ziege auf einem Gipfel stehen – erreicht eine andere Ziege den Gipfel, wird unsere wieder an den Fuß des Berges geschickt.
Warum es mich dennoch interessiert? Weil die Saga-Variante bei Boardgamegeek einen hohen Score hat, es also Spaß machen muss. Zumindest in der Saga-Variante, die über mehrere Kapitel leichte Änderungen mitbringt. Eventuell ist Mountain Goats: Saga ein kleines Juwel, welches sowohl bei Nicht-, Gelegenheits- und Vielspielern gleichermaßen gut ankommt.
Alex Cutler, Michael Mihealsick und Stefan Risthaus heißen die Menschen, die Mountain Goats: Saga erfunden haben. Den Ziegenpeter spielen kann man am Stand von Ostia Spiele (4J500).

Cagones
Okay, das hier ist thematisch wieder einmal ein absurdes Ding. Denn es dreht sich bei dem Kartenspiel Cagones um das Fress- und Verdauungsverhalten eines Eisbären und Kaninchens – und darum, wer sich am besten merken kann, was die beiden gerade im Magen haben. Reihum werden Fische beziehungsweise Karotten verfüttert oder wieder ausgeschieden, wobei man sich merken muss, wer was im Magen und in die Heide gebollert hat. Und hier liegt dann der Witz: Herausforderungskarten ermöglichen es, einen Mitspieler zu fragen, was denn gerade im Magen der Tiere ist. Fehler, aber auch falsche Anschuldigungen werden hierbei bestraft. Spezialkarten sorgen zusätzlich für Verwirrung. Mit einer Erbrechenkarte kann man die Rechnung sogar zurücksetzen, und ein Nickerchen lässt Eisbär und Kaninchen samt unterschiedlicher Magenkapazität die Rollen tauschen. Gewonnen hat schließlich, wer als Erstes seine Karten loswird.
Das Pipikaka-Spiel der diesjährigen Messe kommt definitiv von José Carlos Carmona Baena und Antonio Rodriguez Vega. Die Hosen runterlassen kann man bei GDM Games am Stand 3G120.

Spiele über böse Buben
Stibitzt!
Das englische Original Pinched! war letztes Jahr bereits ein Hingucker auf der Spiel und schafft es dieses Jahr eingedeutscht durch Frosted Games unter dem Titel Stibitzt! erneut auf die Messe. Stibitzt! ist ein klassisches Familienspiel, bei dem wir in die Rolle von Meisterdieben schlüpfen und Reiche bestehlen wollen. Jede Runde übernimmt ein Spieler die Rolle des Superhirns, während die anderen Spieler versuchen zu erahnen, wo das Superhirn zuschlagen wird. Die Spieler, die den richtigen Ort erraten, werden am Coup beteiligt. Errät kein Spieler den richtigen Ort, sackt sich das Superhirn alle Wertgegenstände allein ein und bekommt obendrauf noch einen fetten Bonus.
Schließlich werden Gruppen von Gegenständen verkauft. Das Sammeln von Gegenständen in Gruppen und ihr anschließender Verkauf erinnert dabei an den Klassiker Bohnanza.
Das Spiel gewinnt, wer zum Schluss die meiste Kohle hat.
Das Spielprinzip von Stibitzt! ist recht einfach, aber die süße taktische Note und das farbenfrohe Spielbrett dürften gerade Familien und Wenigspieler einladen. Würde mich nicht wundern, wenn Frosted Games im nächsten Jahr zumindest auch mit einem Titel beim Spiel des Jahres vertreten ist.
David Gordon und Jonathan Gilmour-Long sind die Autoren von Stibitzt!. Einbrechen könnt Ihr bei Frosted Games am Stand 3G300.

Whacktown
Freunde von direkter Interaktion und “Auf die Fresse”-Spiele wie King of Tokyo sollten einen Blick auf Whacktown werfen. 2-4 Spieler steuern eine Gang in einer aus 5 x 4 Ortskarten bestehenden Stadt und versuchen dort das Spiel entweder durch das Eliminieren der anderen Gangs oder durch das Erreichen von zehn Reputationspunkten für sich zu entscheiden. Grundsätzlich ist das Spiel einfach gehalten: Man zieht auf eine Ortskarte, führt deren Effekt aus und spielt anschließend optional noch eine Handkarte mit zusätzlichen Effekten aus. Anschließend zieht man zwei Karten nach. Effekte der Ortskarten werden häufig, wie bei King of Tokyo, durch Würfel bestimmt, sodass dem Spiel auch ein gewisser Glücksfaktor innewohnt. 76 verschiedene Ortskarten, 23 Profikarten und 58 Handkarten versprechen Abwechslung. Mit einer Spieldauer von 30-45 Minuten riecht dies nach einem kurzweiligen Vergnügen.
Whacktown ist ein Spiel des Autors Daniel Piechnick und erscheint bei Funtails. Blutige Bandenkriege könnt Ihr am Stand 3M215 vom Zaun brechen.

Batman: Gotham City Crimes
Michael Menzel hat mit Die Legenden von Andor und Die Abenteuer des Robin Hood gezeigt, dass er Erzählspiele für die Familie beherrscht. Mit Batman: Gotham City Crimes widmet er sich nun dem Dunklen Ritter aus den DC Comics. Die Spieler schlüpfen dabei in die Rollen von Batman und anderen Helden, um gemeinsam eine Geschichte zu erleben und gegen DC Bösewichte anzutreten. Wie von Michael Menzel gewohnt, lernt man die Regeln beim Spielen. Viel mehr ist allerdings noch nicht über das Spiel bekannt.
Ob Autor Michael Menzel sich als Comic Fan mit dem Spiel in erster Linie einen persönlichen Traum erfüllt oder ob das Spiel um den Mann in Strumpfhosen wirklich was kann, könnt Ihr bei Kosmos am Stand 7E311 ermitteln.

Helden, Orks, Trolle und andere Fantasy-Gestalten
Impro Quest
Zum Spiel Impro Quest von Thomas Baumann und Benjamin Schultz gibt es wenig Informationen. Es soll ein Partyspiel für Rollenspieler bzw. ein Rollenspiel für Partyspieler sein. Auf einem Facebook Eintrag zum Spiel schreibt der Verlag: “[…] erzählt, inspiriert von eurem geheimen Würfelwurf und den Story Karten, wie ihr die Herausforderungen der Quest meistert. Ob die Geschichte danach heroisch oder dramatisch weitergeht, liegt jedoch nicht an eurem Würfelwurf, sondern daran, ob eure Heldengruppe die Erzählung richtig einschätzt.” Hoffen wir mal, dass das Ding sich nicht zwischen die Stühle setzt und keine der beiden Parteien abholt.
Wenn Ihr herausfinden wollt, was tatsächlich hinter Impro Quest steckt, solltet Ihr die Taverne am Stand von Boardgame Racoon (3G610) aufsuchen.

Yonder
Worker-Placement-Spiele gibt es wie Sand am Meer. Und so braucht es schon etwas Besonderes, um in diesem Genre aufzufallen. Yonder versucht dies über Optik und auch Mechanik. Denn auch wenn wir in Yonder in einem typischen Fantasy Setting landen, in dem wir eine neue Landschaft besiedeln, so ist der Look eben nicht typisch. Da sind zum einen die verschiedenen Worker, die u. a. Zwerge, Elfen und Oger darstellen, aber lediglich Augen, aber keine Münder und Nasen besitzen. Und sie besiedeln eine Landschaft, die wie aus einer poppig-bunten Computerwelt ausgebrochen scheint.
Aber auch mechanisch ist Yonder interessant, denn verschiedene Arten von Worker haben auch verschiedene Fähigkeiten. Und Worker müssen gefüttert werden und gehen auch schon mal verloren. Dafür kommen neue Worker über Schiffe nach. Außerdem kann jeder Spieler Gebäude bauen, die wiederum auch von anderen Spielern genutzt werden können.
Yonder ist von Haakon Gaarder. Oger, Goblins und Zwerge könnt Ihr bei B-Rex Entertainment am Stand 2E430 füttern.

Orcs Up!
Auch wenn ich in meinen Gruppen ein einsamer Anhänger von Geschicklichkeitsspielen bin, gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass dieses Genre auch bei den anderen einmal zündet und suche daher jedes Jahr nach neuen Genrevertretern auf der Messe. Dieses Jahr sticht hierbei Orcs Up! von Luca Bellini und Sara Valentino mittig ins Auge. Wegen Thema und Optik, denn bei Orcs Up! versuchen wir, tollpatschige Orks eine leicht schräge Burgmauer erklimmen zu lassen.
Dazu spielen wir Karten aus und platzieren entsprechend geformte Belagerungsteile – etwa Leitern, Bögen oder Figuren – auf der Mauer und anschließend eigene Orks darauf. Fallen dabei Figuren herunter, gibt es Nachteile. Besonders gemein ist hierbei aber der Felsbrocken, mit dem man gezielt gegnerische Orks von der Konstruktion kegeln und dafür Punkte erhalten kann. Sobald jemand alle eigenen Orks verbaut hat, wird gewertet, wobei höher platzierte Orks mehr Punkte bringen.
Spannend an Orcs Up! finde ich die Mischung aus Balancierspiel und direkter Interaktion: Man baut gemeinsam an einer zunehmend instabilen 3D-Konstruktion, versucht aber zugleich, die gegnerischen Figuren zum Absturz zu bringen.
Orcs Up! würde ich als sehr zugängliches Party- und Familienspiel beschreiben, bei dem Chaos und Häme gerne gesehen sind.
Die Orks auf uns losgelassen haben Luca Bellini (II) und Sara Valentino. Helms Klamm erobern kann man bei Cranio Creations am Stand 3T400.

Bloom Kingdom
In Bloom Kingdom von Christian Kudahl und Thomas Weber bevölkern zehn unterschiedliche Charaktere ein farbenprächtiges, von Blumenwesen bewohntes Königreich. Über drei Durchgänge spielen alle Spieler gleichzeitig Karten (Charaktere) aus ihrer Hand in eine gemeinsame Auslage, wobei einige Karten mit Soforteffekten deren Zusammensetzung noch einmal kräftig durcheinanderbringen können. Der Clou: Nur die letzten beiden Karten auf der eigenen Hand werden gewertet, und ihr Wert hängt davon ab, welche und wie viele Karten inzwischen in der Tischmitte liegen. Damit steckt man ständig im Dilemma, eine passende Karte auszuspielen und so ihren Charakter wertvoller zu machen – oder sie für die eigene Wertung zurückzuhalten. Klingt nach einem kurzweiligen, schnellen Kartenspiel, bei dem man sich gegenseitig in den Blumengarten spucken und den Puls hochtreiben kann.
Wer the dark side of the bloom mag, findet sein Bloomagumma bei Pegasus am Stand 3M200.

Katastrophen & Co
Ashes & Ambers
Ashes & Ambers ist ein kartengetriebenes Zivilisationsspiel. Durch fünf Epochen führen die Spieler ihre Zivilisation – von der Vorgeschichte bis in die Moderne.
In jeder Epoche bauen wir Zivilisationen vertikal auf, indem wir Karten (Kultur, Industrie, Wissen) zu Stapeln aufeinanderlegen, die unsere Städte repräsentieren. Der Kern jeder Stadt ist dabei unsere “Amber”-Karte, die es zu schützen gilt. Sie stellt die Resilienz und das kollektive Gedächtnis unseres Volkes dar. Außerdem gibt sie am Spielende in Kombination mit geschichtlichen Errungenschaften die entscheidenden Siegpunkte. Allerdings treten am Ende einer Epoche Katastrophen ein. Ungeschützte Karten verbrennen und werden durch wertlose “Asche”-Karten ersetzt.
Ashes & Ambers scheint kein Spiel mit direkter Interaktion. Kämpfe zwischen den Spielern gibt es nicht. Solitär baut jeder Spieler seine eigenen Kartenstädte. Für den Bau kann man sich hierbei aus 500 einzigartigen Karten bedienen.
Autor von Ashes & Ambers ist David Falla de Acebo. Städte abfackeln könnt Ihr auf der Spiel am Stand von David’s Games (4D125).
Kalypso
In Kalypso hat das Meer das Land verschluckt. Was übrig bleibt, sind Trümmer, aus denen die Überlebenden, also die Spieler, schwimmende Siedlungen bauen.
Bevor dies zu hohe Erwartungen weckt: Kalypso ist ein weiteres Puzzlespiel, in dem wir Polyomino-Plättchen Runde um Runde in eine Wasserlandschaft legen. Passende Materialien auf den Plättchen ermöglichen den Bau von Gebäuden und damit neue Fähigkeiten, während auch bewusst gelassene Lücken – etwa zum Fangen von Fischen – wichtig sein können. Kalypso lässt sich kompetitiv, kooperativ oder solo spielen. Besonders an Kalypso sind die rutschfesten Spielpläne und Plättchen. Die Punktevergabe nach jeder Runde und am Ende des Spiels hat hingegen schon etwas von einer Orgie.
Kalypso bietet nicht wirklich viel Neues, scheint aber das Thema gut zu transportieren.
Ob Pegasus mit Kalypso von Gilles Turbide baden geht, entscheidet Ihr am Stand 3M120.

Mich sticht der Hafer
Tricky Time Crisis
Auch dieses Jahr dominieren wieder Stichspiele die Neuerscheinungen. Und ich bin dem inzwischen etwas über, sodass ich in meinen Tipps eigentlich keine Stichspiele nennen wollte. Aber eins hat sich doch eingeschlichen, nämlich Tricky Time Crisis. Wobei es auch kein typisches Stichspiel ist.
Bei Tricky Time Crisis reisen wir als Superhelden durch die Zeit und versuchen, den finsteren Dr. Tricky-Time aufzuhalten. In jedem Stich müssen wir eine andere Farbe (Figur) spielen als alle vor uns – ist dies nicht möglich, entsteht ein Zeitparadoxon und die Runde endet. Wer Dr. Tricky-Time spielt, tritt allein gegen die übrigen Helden an, deren Kartenwerte zusammengerechnet werden, um den Schurken zu besiegen.
Nach jedem Stich wählen wir gespielte Karten für unsere eigene Auslage, wobei eine einzelne Karte einer Farbe besonders viele Punkte bringen kann, weitere Karten derselben Farbe ihren Wert aber drastisch reduzieren. Hat man genau eine Karte einer Farbe, erhält man deren aufgedruckten Kartenwert. Hat man dagegen mehr als eine Karte derselben Farbe, werden die aufgedruckten Werte ignoriert und jede dieser Karten ist nur 2 Punkte wert.
Spannung zieht Tricky Time Crisis aus den Entscheidungen: Agiere ich in dieser Runde als Dr. Tricky-Time oder unterstütze ich die anderen Helden durch eine Karte? Und welche Karte wähle ich am Ende eines Stichs, um zum Spielende möglichst viele Punkte zu erhalten? Tricky Time Crisis könnte so ein kleines, feines Ding sein, was gerade in ausgelassener Runde gut zieht.
Tricky Time Crisis ist von Jon Barron, erscheint bei Musoka Studio und kann am Stand 4F510 ausprobiert werden.
BigWig – Trick the Gods!
Eins ist keins, also noch schnell ein Stichspiel hinterher. Bei BigWig – Trick the Gods! versuchen wir, über Stiche in der Mitte ausliegende Punktekarten zu erlangen, die außerdem die Trumpffarben für die Runde angeben. Das Besondere ist, dass bei Gleichstand die begehrten Punktekarten zunächst unter dem „Altar“ (Spielschachtel) gesammelt werden und die Spieler in späteren Runden durch direkte Duelle an diese versteckten Punktekarten gelangen können. Zusätzlich bringen Sonderkarten und „Mímirs Brunnen“ zum Nachziehen von Handkarten Würze ins ansonsten klassische Stichspiel.
BigWig ist von Mario Mittermüller und Dominik Artefex und erscheint bei Haba. Statt Obstgarten könnt Ihr um den BigWig, das mächtige Artefakt in der Welt der nordischen Götter, am Stand 8A300 spielen.
Hier explodiert irgendwas
Star Trek: Space Hunt
Es muss 2016 gewesen sein, als ich Captain Sonar auf der Spiel in Essen als Last Minute Panikkauf mitgenommen habe. Seitdem ist es einmal auf den Tisch gekommen! Was sehr schade ist, denn die Idee hinter Captain Sonar, das klassische Schiffe versenken hochzujazzen auf eine Echtzeit Variante mit vielen Effekten, finde ich heute noch sehr spannend. Aber es braucht halt acht willige Spieler.
Star Trek: Space Hunt greift das Prinzip von Captain Sonar auf, transportiert es in das Star Trek Universum und bricht es auf vier Spieler herunter. Es spielen also nur noch zwei Spieler gegen zwei Spieler. Wobei eine Gruppe die Föderation übernimmt und die andere Gruppe irgendwelche bad guys. Bei beiden Gruppen kann man dabei unterschiedliche Charaktere wählen. Außerdem kann man bei Star Trek: Space Hunt auch in den Subraum springen, was schnellere Bewegung ermöglicht. Ansonsten wurde das Spielprinzip ein wenig vereinfacht, sodass jeweils zwei Spieler ausreichen, um ein Raumschiff zu steuern.
Hinter Star Trek: Space Hunt stecken die Autoren Roberto Fraga, Yohan Lemonnier und Delphine Lemonnier. Hitzige Weltraumschlachten in real time kann man sich bei Matagot am Stand 3F110 liefern.

POP!
Das Kartenspiel Pop! ist eine Mischung aus 6 Nimmt und Candy Crush. Ebenso wie bei 6 Nimmt legen Spieler in jeder Runde verdeckt eine Zahlenkarte vor sich ab. Nach dem Aufdecken werden die Karten entweder in auf- oder absteigender Rolle in ein Raster gelegt. Der Clou ist, dass die Karten auch farbig sind. Grenzen mehrere Karten mit gleichen Farben aneinander, “explodieren” diese Karten. Dadurch fallen Karten, die sich darüber befinden, nach unten, was weitere Explosionen auslösen kann. Pop! kommt außerdem mit einem Solomodus, bei dem man wie bei Candy Crush möglichst viele Explosionen auslösen will.
Pop! erscheint bei Asmodee und ist von Kamoto und Mr. Kou. Knallen lassen kann man es am Stand von Asmodee in Halle 7.
Über den Wolken und in spanischen Bars
Paragliders
Bei Paragliders bin ich mir nicht sicher, ob das spielerisch wirklich ein Muss ist. Aber das Thema ist spannend. Denn bei Paragliders versuchen wir, mit einem Gleitschirm drei Antennen zu überfliegen und anschließend möglichst erfolgreich am zentralen Ziel zu landen. Dabei bringen uns unterwegs Landmarken und Kunststücke Punkte. Das Besondere ist, dass Höhe praktisch die einzige Ressource im Spiel ist: Wer schnell vorankommen will, verliert Höhe, während u. a. Umwege über Berge oder unter Wolken wieder Auftrieb bringen können. Dadurch entsteht weniger ein klassisches Wettrennen als ein räumliches Navigationspuzzle, bei dem man individuelle Routen über eine jedes Mal neu zusammengesetzte Landschaft plant und sie an wechselndes Wetter anpassen muss.
Paragliders ist auf jeden Fall thematisch dicht, sicherlich auch knifflig und überschreitet schon die Grenze zum Kennerspiel.
Paragliders erfunden hat Alban Nanty. Und wer trotz Höhenangst einmal frei über oder unter den Wolken fliegen will, sollte auf seiner Tour durch die Hallen Stand 4E415 einplanen.
La Cuenta
La Cuenta wurde bereits auf der letzten Messe gespielt und erworben. Und das Spiel erfreut sich auch nach einem Jahr immer noch großer Beliebtheit in meinen Spielgruppen. Einziger Haken ist die schlechte, äußerst klein gedruckte Anleitung. Dieses Jahr erscheint das Spiel in einer deutschen Auflage bei Pegasus und erhält daher noch einmal eine Erwähnung. Und hoffentlich eine überarbeitete Anleitung.
Im Kartenspiel La Cuenta gehen 3-8 Spieler gemeinsam in eine Tapasbar, wobei sie möglichst maßlos Tapas und Wein bestellen. Der Clou: Alle versuchen sich schließlich vor der Rechnung zu drücken. Und wenn sie kommt, dann die Summe möglichst noch mit Trinkgeld hochzujagen. Denn wem als erstes das Geld ausgeht, der verliert La Cuenta.
La Cuenta ist so simpel wie spaßig. Und irgendwie tierisch immersiv. Denn wenn alle am Tisch sich lautstark mit ihren Gerichten überbieten, um sich dann bei drohender Rechnung Richtung Toilette zu schleichen oder die Bezahlung mit einem Kaffee auszusitzen, ist man in besagter Tapasbar. Nur mit leerem Magen.
Autor dieser kleinen Perle ist Litus Carreras. Jemand anderem die Rechnung zuschieben kann man am Stand 3M120.

Scharfe Wölfe und wölfisch scharf
Amarok
Die Story hinter dem Spiel Amarok ist so dünn wie das Kartendeck. Irgendwas mit einem Wolfgeist. Aber das ist für das Spiel auch komplett unwichtig. Denn Amarok ist ein einfaches Deduktionsspiel, indem wir das Spiel gewinnen, wenn wir drei Runden gewinnen. Eine Runde zu gewinnen ist auch einfach: Man muss nur die besten zwei Karten vor sich ausliegen haben. Damit man die besten zwei Karten vor sich auslegen kann, braucht es ein wenig Glück und gutes deduktives Denkvermögen.
Bei Amarok hat jeder Spieler zwei Karten auf der Hand. Handkarten gibt es in den Farben blau und rot sowie mit den Zahlenwerten 0-9. Außerdem haben manche Karten zusätzliche Funktionen. Eine dieser Funktionen ist es, zu bestimmen, ob die höchste oder niedrigste ausgespielte Kartensumme eine Runde gewinnt.
Ist man am Zug, muss man eine Karte in seine Auslage spielen: Entweder von der Hand, aus dem Fluss (offene Auslage von zwei Karten), die oberste Karte vom verdeckten Nachziehstapel oder die Handkarte eines Mitspielers. Liegen zwei Herzkarten in der eigenen Auslage, gewinnt man die Runde sofort.
Würze bekommt das Spiel nicht nur durch die Sonderkarten, die einem bspw. erlauben, andere Karten zu zerstören bzw. verhindern, dass man eine Runde gewinnt, sondern Bedingungen, die sich verändern, wenn man eine Runde gewinnt. Nach der ersten Runde sieht man nur noch eine seiner Handkarten. Die andere hält man so herum, dass alle anderen sie sehen, nur man selbst nicht. Gewinnt man zwei Runden, dann sind die Handkarten nur noch für die anderen sichtbar.
Von den Mechanismen her ist Amarok eine Mischung aus Love Letter und Hanabi, ohne seine Eigenständigkeit zu verlieren. Wer solch kleine, schnelle Bluff- und Deduktionsspiele mag, sollte das Spiel von Charlène Chaps bei Huch! am Stand 6B300 einmal ausprobieren.

All you can chili
Wer Push-your-luck-Spiele wie bspw. Can’t stop, Dead man’s draw oder Flip 7 mag, sollte einen Blick auf All you can chili werfen. Hier nehmen die Spieler an einem Wettbewerb teil, bei dem es um das Verspeisen von scharfen Speisen geht. Jeder Spieler erhält dabei verdeckt eine Schärfetoleranz, die definiert, wie viel Schärfe er in Summe ertragen kann. Im Spiel darf der aktive Spieler einem anderen Spieler ein scharfes Gericht (Gerichtskarte) servieren. Übersteigt die Summe der Schärfe auf den vor dem Spieler liegenden Karten danach seine Schärfetoleranz, fliegt er aus der aktuellen Runde. Wie in anderen Push-your-luck-Spielen, kann ein Spieler vorzeitig aussteigen und sich darüber seine Punkte sichern. Und Punkte erhält man für die vor einem ausliegenden Karten.
Damit das Ganze noch mehr Pfeffer bekommt, haben einige Karten Sondereffekte, mit denen man bspw. Gerichte zwischen Spielern verschieben oder Auszahlungen blockieren kann. Gewonnen hat der Spieler, der nach drei Runden die meisten Punkte hat. Außerdem gibt es noch einen Inferno-Modus, bei dem jeder Spieler Sonderfähigkeiten erhält.
All you can chili ist keine Revolution, aber auch hier zieht das Thema und der Sog der Schadenfreude. Wer also Lust auf scharfe Speisen hat und Autor Dario Massa unterstützen will, findet für wenige Scoville sein Glück bei Giochi Uniti am Stand 3K515.

Hör mal, wer der hämmert: Spiele über Handwerkskunst
Fadenfroh
Ich gebe zu, Fadenfroh steht aus zwei bzw. drei Gründen auf der Liste. Zum einen ist es das Thema. Denn in Fadenfroh erschaffen wir Stickbilder. Das passt zum Herbst. Und klingt entspannt. Die anderen zwei Gründe sind die Autoren. Zum einen ist das Alexander Pfister, der sich sowohl mit leichtgewichtigen Spielen wie Port Royal oder Broom Service als auch mit Schwergewichten wie Great Western Trail, Mombasa oder Maracaibo einen Namen gemacht hat. Zum anderen ist es Autor Jordy Adan, dessen Namen von der Schachtel von Der Kartograph strahlt. Wenn diese zwei Menschen an diesem Thema arbeiten, muss doch irgendetwas Besonderes herauskommen.
Leider gibt es aktuell weder eine Spielanleitung noch ein Erklärvideo zu dem Spiel. Was man aber weiß, ist, dass wir aus Stoffkarten eigene Stickbilder erstellen. Die Karten zeigen dabei verschiedene Motive und Farben, die möglichst geschickt miteinander kombiniert werden wollen. Dafür sammelt man zunächst Materialien und entscheidet selbst, wann man sie gegen eine der verfügbaren Karten eintauscht. Wer zu lange wartet, riskiert allerdings, dass ein Mitspieler die gewünschte Karte vorher nimmt. Welche Muster besonders viele Punkte bringen, bestimmen wechselnde Wertungskarten, sodass in jeder Partie andere Kombinationen gefragt sind.
Wo der Unique Selling Point bei Fadenfroh liegt, lässt sich noch nicht erkennen. Auf dem Blatt erinnert es an Spiele wie Point Salad.
Dem Geheimnis auf die Spur kommen kann man bei Asmodee am Stand 7B111.
Kano
Wer auf der Suche nach einem entspannten Cozy Game ist und Spiele wie Azul oder Harmonies mag, dem könnte Kano gefallen. Bei Kano puzzeln wir uns unsere eigene Emakimono, eine handgemalte Schriftrolle, zusammen. Dabei bedienen sich die Spieler aus einer gemeinsamen Auslage von Farbtöpfen, wobei sie zwei orthogonal verbundene Farbtöpfe tauschen und Reihen oder Spalten gleichfarbiger Farbtöpfe entnehmen dürfen. Diese Farbtöpfe wiederum legt man in seine eigene Ablage und versucht hiermit, die Bedingung für Kunstwerke (Plättchen) zu erfüllen, die man in seine Schriftrolle legt. Und gepuzzelt wird, um wiederum Bedingungen für Punkte zu erfüllen. Denn wie immer gewinnt die Person, die am Ende die meisten Punkte hat.
Auch Kano bietet nicht wirklich etwas Neues im Genre der Puzzlespiele, aber Thema und Artwork wissen zu gefallen. Wer noch nicht genug Spiele für verregnete Nachmittage bei Tee und Marzipantorte hat, sollte bei Matagot einmal einen Blick riskieren.

Gesöff, Gesocks & Kneipenspiele
Spooky Bar
Familienspielig wird es bei Spooky Bar von Benjamin Schwer im Programm der Edition Spielwiese. Hier betreiben 2-4 Spieler ihre eigenen Gruselkneipen, in denen sie Gäste bewirten und eingefangene Geister als schaurige Souvenirs verkaufen. Jede Runde wählen alle gleichzeitig zwei Aktionskarten – doch wie stark eine Aktion ausfällt, hängt davon ab, wie oft die anderen dieselbe Aktion gewählt haben: Einmal gespielt wird sie einmal ausgeführt, zweimal sogar doppelt, ab drei gleichen Aktionen gehen alle leer aus. So serviert man Getränke, schickt zahlende Gäste nach Hause, lockt Geister an, fängt sie ein oder schiebt sie kurzerhand in die Kneipe der Konkurrenz. Letzteres kann besonders gemein sein, denn sammeln sich drei Geister in einer Bar, erschrecken sie dort einen Gast so sehr, dass er ohne zu bezahlen flieht.
Die simultane Aktionsauswahl und das Erraten der Aktionen der anderen machen neben der Schadenfreude, wenn eine Aktion nach hinten losgeht bzw. das Vertreiben von Gästen durch Geister, den Reiz von Spooky Bar aus. Könnte ein nettes Ding für Wenigspieler sein.
Wer in seiner Kneipe gerne die Musik von Ray Parker Jr. auflegt, kann den Wirt auch einmal am Stand 6A300 machen.

The Mix
Ich will ehrlich sein: The Mix habe ich nicht auf die Liste genommen, weil ich denke, dass es ein außergewöhnliches Spiel ist. Ich glaube, dass es ein solides, schmuckes Kennerspiel ist. Warum es aber erwähnt werden soll, ist, dass es bei HABA erscheint, dem Verlag, der uns mit Kinderspielklassikern wie Obstgarten, Lieselotte lauert oder Rhino Hero Super Battle das Herz leicht gemacht hat. Ein Schrank im Kinderzimmer meines Sohnes war voll mit gelben HABA-Kartons, diesen prägnanten Kartons, die einen auch heute noch auf jedem Kinderflohmarkt anstrahlen.
Und dieses HABA bringt nun nach wirtschaftlich schweren Jahren ein knackiges Kennerspiel (!) über das Mixen von Cocktails (!!) heraus. Ohne gelben Karton!!! Okay, ganz so verwunderlich ist das nicht, da HABA nach einem Reset eben nicht mehr nur noch auf Spiele für Kindergarten- und Grundschulkinder baut, aber The Mix ist schon wieder ein Level drüber. Aber lassen wir mal das verwunderte Augenreiben. Worum geht es bei The Mix?
Im Spiel schlüpfen wir in die Rolle angehender Barkeeper der Foxtrot Bar und versuchen, mit den passenden Zutaten die Cocktailwünsche unserer Gäste zu erfüllen. Dafür setzen wir Worker ein, kaufen Zutaten und Rezepte und verbessern nach und nach unsere Fähigkeiten und die eigene Bar. Mittels leistungsfähigerer Engine erfüllen wir auch anspruchsvollere Bestellungen. Sobald 15 Bestellungen erfüllt wurden, endet die Partie und es gewinnt, wer mit seinen Drinks und dem Ausbau der Bar die meisten Punkte gesammelt hat.
Wer gerne wie Tom Cruise in Cocktail wäre oder schlicht gerne einen schüttelt, der greift am Stand 8A300 zum Shaker.
Yubibo
Noch mal Edition Spielwiese. Diesmal mit dem Gewinner der Goldene Tatze, dem Preis für das beste Spiel, das zu Berlin Con erschienen ist. And the winner was: Yubibo.
Yubibo ist eine Art Twister für die Finger. Man zieht eine Karte, die vorgibt, welche Personen und Finger mit einem Holzstäbchen verbunden werden müssen, das anschließend gemeinsam in der Schwebe gehalten wird. Mit jeder weiteren Karte und somit jedem weiteren Stäbchen wächst das wackelige Geflecht zwischen den Händen – fällt etwas herunter, ist die Partie zu Ende. Wem der Stress noch nicht reicht, balanciert zusätzlich kleine Bälle auf den Stäbchen.
Ziemlich simpel, aber mit den richtigen Leuten auch sicherlich spaßig. Besonders, wenn sie sich gerade das Rauchen abgewöhnen und die Wirkung des Nikotinpflasters nachlässt. Oder wenn es mal wieder eine Tasse Kaffee zu viel war.
Am Stand 6A300 könnt Ihr Geschick, Geduld und Stäbchenfertigkeit beweisen.

