„Behaltet auf jeden Fall den Sauerstoff im Blick“

Der Autor Tomáš Holek ist spätestens seit seinem Spiel SETI in der Szene bekannt. Von ihm stammen aber auch Titel wie Galileo Galilei oder Tea Garden. Zur Spielemesse in Essen 2025 wird Aquaria erscheinen. Dieses Brettspiel scheint einerseits familientauglich, andererseits sind Altersangabe (ab 12 Jahren) und Spieldauer (90-120 Minuten) eher etwas für erfahrene Spielende. Zudem hat der deutsche Verlag Skellig Games das Cover geändert, das original sehr im Retrodesign erschien. Das ist Anlass genug, um Uwe Bursik, Geschäftsführer von Skellig Games, ein paar Fragen zu stellen.
Das Fischbecken kommt zu Skellig Games
Uwe, Skellig Games veröffentlicht voraussichtlich im November das Brettspiel Aquaria. Gleich vorab die Frage für Messebesucher der SPIEL in Essen. Wird der Titel vor Ort bereits zu kaufen sein?
„Ja, die Zusammenarbeit mit Delicious Games war hervorragend, die Produktion lief perfekt, und das Spiel wird in Essen auf Deutsch erhältlich sein.“

Ihr veröffentlicht bei euch immer wieder lokalisierte Spiele. Kannst du uns bitte einen Einblick geben, wie ihr für gewöhnlich auf diese Spiele aufmerksam werdet und wie speziell Aquaria zu euch gekommen ist?
„Das sind sehr unterschiedliche Wege. Wir scouten natürlich selber ständig, in den sozialen Medien, über BGG und andere Quellen. Aber wir bekommen auch unheimlich viele, sehr wertvolle Tipps von Menschen, die uns gewogen sind und sich für manche Spiele wünschen, dass es eine deutsche Version geben soll. Das hilft und wirklich extrem. Bei Aquaria war es so, dass uns der Originalverlag angeschrieben und einfach gefragt hat. Auch das kommt häufiger vor.“
Aquaria lockt mit einem thematisch schönen Bonussystem

Im Spiel schlüpfen die Spielenden in die Rolle von Mitgliedern eines Aquaristenvereins. Kannst du das Thema bitte etwas ausführen? Geht es mehr Details des Vereinslebens oder eher um das Anlagen von Aquarien? Was genau ist die Aufgabe?
„Es geht darum, ein eigenes Aquarium aufzubauen. Dabei muss man die Anordnung und Kombination der Inhalte im Blick behalten. Der Sauerstoff ist ein wichtiger Faktor, dazu muss natürlich immer genügend Futter vorhanden sein. Es gibt Filter für die Pumpe, die sich zu einem interessanten Bonus-System aufbauen. Außerdem kann man sein Wissen erweitern und so weitere Boni verdienen. Das Spiel ist wirklich schön thematisch gestaltet, und die Verzahnung der Mechanismen ist wieder extrem gelungen. Man kann mittlerweile schon sagen: ‚Ein typischer Holek‘.“
Aktion, Arbeiter, Wohlfühlen

Welchen Hauptmechanismen treiben das Spiel? Wie schafft es Tomáš Holek, das Thema zu einer spannenden Sache am Tisch werden zu lassen?
„Wir haben hier eine Mischung aus Action Selection und Worker Placement. Wie oben erwähnt ist es wie bei vielen Spielen auch hier die Verzahnung und die Tatsache, dass man immer mehr machen will oder müsste, als man kann. Es fühlt sich alles einfach sehr passend an und man freut sich, wenn das eigene Aquarium wächst und gedeiht.

Hast du vielleicht einen Tipp, was die Leute in der ersten Partie beachten oder gar unbedingt vermeiden sollten?
„Behaltet auf jeden Fall den Sauerstoff im Blick und arbeitet gut mit den Filtern, da ist eine Menge drin.“
Der Anspruch: Aquaria ist ein Kennerspiel

„Wie würdest du die Zielgruppe beschreiben? Richtet sich Aquaria wieder an erfahrene Fans oder ist es familientauglich?
„Wir würden es in den Bereich Kennerspiele einordnen. Es ist kein Familienspiel mehr, dafür ist es zu komplex, aber auch kein wirkliches Expertenspiel. Vielleicht kann es wegen des schönen Themas ein Gateway-Spiel sein für Familien, die auch mal etwas Komplexeres versuchen wollen.“
Bunte Wasserwelt statt Retrodesign – der Schachtelwechsel bei Aquaria

In dem Zusammenhang ist das Cover interessant. Die Originalversion zeigt ein Bild, das eher nach dem klassischen Anglerspiel im Retrodesign aussieht. Ihr habt die Illustration verändert? Was war das Ziel und betrifft das auch weitere Komponenten des Spiels?
„Das betrifft nur das Cover. Wir mussten feststellen, dass dieser Punkt sehr kontrovers diskutiert wird. Die Meinungen sind aus unserer Sicht etwa gleich verteilt. Das alte Cover war natürlich sehr originell, aber wir haben in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass solche Cover nur für Kunden funktionieren, die ohnehin wissen, was sie da vor sich haben. Um Interesse zu wecken, etwa an einem Verkaufsregal oder -tisch, muss es etwas plakativer sein. Deshalb haben wir das Cover nach unseren Wünschen neu zeichnen lassen. Wir finden es sehr gelungen, auch wenn es natürlich etwas mehr Mainstream und plakativer ist.“

Die Herbstneuheiten: Skellig Games bringt noch mehr mit zur Spiel nach Essen
In Essen auf der Spiel stellt ihr dieses Jahr nicht nur Aquaria vor. Welche Highlights habt ihr für die Messebesucher und alle anderen Spielefans im Herbst noch im Programm?
„Wir bieten dieses Jahr wieder ein tolles Programm. Neben den Lizenzspielen Daitoshi, Transgalactica und eben Aquaria haben wir vier Eigenentwicklungen dabei: Five Families von Friedemann Friese, Click A Tree von Uwe Rosenberg, Norsemen von zwei tollen griechischen Autoren und das diesjährige offizielle Spiel der Messe, Fair Enough, ebenfalls von Friedemann Friese. Und man kann auch schon unseren letzten Kickstarter, das wunderbare Prestige von Stefan Kretschmann, auf der Messe ausprobieren.“
