Bin ich ein Nostalgieopa, weil ich seit vier Jahrzehnten die Spiel in Essen besuche?
In der Messevorbereitung zur Spiel Essen 2026 hatte in einer E-Mail erwähnt: 40. Messe im 40. Jahr. Das passt nur deswegen, weil die die Messe 2020 ausgefallen ist. Daraufhin schrieb mir Michael Weber, schreib doch einfach mal was darüber. Aber was sollte ich schreiben? Auch weil ich viele Begebenheiten zeitlich gar nicht mehr so zuordnen kann. Ich habe leider kein Tagebuch geführt, nur sehr viel später Blogs zur Messe.
Daher kommt das „Nostalgieopa“
Dann habe ich die Folge 10 des Podcast der Spiel Essen gehört. Hier wurden Simon und Daniel, die offiziellen Streamer der Spiel Essen, zu den Anfängen ihrer Berichterstattung auf der Spiel gefragt. Fand ich super spannend. Bei allem Jux den die beiden auf der Messe machen: Es ist harte Arbeit und die macht sich nicht mal eben so. Wer die beiden auf der Messe sieht, kann sich einen Eindruck von der sichtbaren guten Arbeit machen. Aber da ist noch viel mehr im Hintergrund. Und es sind natürlich Profis in dem, was sie tun. Als dann Simon von den Anfängen von vor sieben Jahren (2019) berichtete, hieß es von Daniels Seite: „Nostalgieopa“. Das hat was bei mir ausgelöst. Denn was bin ich dann? Was sind die Leute, die sogar die erste Messe miterlebt haben?

Berichte über die alten Messe-Veranstaltungen: Geschichte greifbar machen
Meine erste Messe war die Spiel ’86. Über die Anfänge der Messe, in 1984, hat mir Dominique Metzler, die ehemalige Chefin der Spiel, mal zu einer Messe in Nürnberg persönlich berichtet. Wie sie in der VHS Essen die erste Veranstaltung als Deutsche Spielertage erlebt hat, so was aus erster Hand zu erfahren, grandios. Ist sie deswegen eine Nostalgieuroma? Oder ist es eher Historie aus erster Hand? Vor Jahren habe ich in einem Blog aus dem Jahr 2009 dazu aufgerufen, die Leute aus den Anfängen der Brettspielszene in Form einer Doku zu fragen, wie sie die Zeit erlebt haben. Wäre eine Doku zur Spielemesse nicht jetzt langsam mal fällig?
Mittlerweile sind einige der Zeitzeugen von damals bereits gestorben und werden schmerzlich vermisst. Deswegen finde ich die Rubrik in der Fachzeitschrift spielbox: „Was macht eigentlich …“, richtig gut. Auch gut finde ich die Spielforschung, die Ludologie, mit all ihren Facetten. Oder neue Studienzweige, um auf neue Art und Weise spezialisierten Nachwuchs, zum Beispiel für die Verlage auszubilden, die Gesellschaftsspiele veröffentlichen. Bisher waren es überwiegend Seiteneinsteiger. Die kommen aus sämtlichen Berufen die man sich vorstellen kann. Leute mit einer Tanzausbildung, Volljuristen oder Lehrerinnen. Alles dabei. Ob sich das irgendwann ändern wird? Die Zeit wird es zeigen.
Spielemesse: vom normalen Besucher zum Mitglied der Spieleszene

Meine Erinnerung an meine ersten Messejahrzehnte? Die ersten sechs Jahre war ich „normaler“ Messebesucher. Einmal im Jahr, einen Tag zur Messe. So wie viele von uns. Erst als ich 1992 auf der Messe Postspieler beim dem Postspielmagazin KSK (gibt es heute immer noch) geworden bin, ist aus mir ein Teil der Spielszene geworden. Halt der Riemi! Mein Name, den ich bewusst seit meiner Grundschulzeit trage.
Der eigene Stand des KSK auf der Messe war ab da lange Zeit mein Ankerpunkt für fünf Tage Aktivurlaub in Essen. Unserer Garderobe auf der Spiel. Wer am Mittwoch beim Aufbau geholfen hatte, konnte eine Ausstellerkarte kaufen. Sie wurden aber erst nach dem Aufbau verteilt. Ich habe jetzt 19 Deutsche Mark (9,71 Euro) bis 21 (10,74 Euro) Deutsche Mark im Kopf. Wie kam man Mittwochs auf die Messe? Man ging einfach rein! Mich hatte nie jemand gefragt wohin ich möchte. Die Tore waren für alle offen, die auf der Messe was zu tun hatten. Oder auch nicht. Denn es liefen auch schon Leute rum und kauften die ersten Spiele.
Vom Aufbau bis Restpostenverkauf auf der Spiel
Wenn der Stand fertig war, sind wir danach ebenfalls über die Messe geschlendert. Ich liebe es nach wie vor zu sehen, wie die Messe erwacht. Die Kartons in den Gängen, die Fahrzeuge und überall wird gewuselt. Am Nachmittag waren an vielen Ständen Treffen, bei Getränken und Snacks. Es gab immer ein großes „Hallo“, wenn man die Leute traf, die man nur einmal im Jahr auf der Messe sah. Der Mittwoch ist für mich immer noch der schönste Tag der Messe. Was früher auch noch gab, waren die Spieleschnäppchen am Sonntagnachmittag, da die Ausstellenden so wenig wie möglich mitnehmen wollten. Schon gar nicht die Ausstellungsspiele. Auch das ist irgendwann anders geworden.
Es wurde auch anders, als die Ausstellerkarten reglementiert wurden. Nur noch wenige Ausstellerkarten pro Stand. Ich meine, der Grund war wegen zu viel Diebstahl. Obwohl, ich habe mir meine Ausstellerkarte später immer im Messebüro abgeholt. Wie dem auch sei. Läuft heute eben alles anders. Digital.

Zwischen den Spielen gab es immer das etwas Besondere
Was mir lebhaft in Erinnerung geblieben ist, die Rollenspielerhalle und der Spielplatz. Es gab einen Spielplatz auf der Messe! So mit Klettergerüsten und Holzschnitzel auf dem Boden. Ich habe immer noch den Geruch in der Nase. Wo der Spielplatz war weiß ich nicht mehr. In einer Halle – natürlich. Dafür weiß ich noch, die Halle 9 war für die Rollen- und Larpspieler (Anmerkung des Admins: War das nicht Halle 6?). Das war eine tolle Halle, mit schönen Ständen und viel Flair, in der auch Bands spielten. Die Band Schelmisch habe ich so kennengelernt. Die CD die ich mir damals gekauft habe, läuft immer so einmal im Jahr bei mir zu Hause. Jetzt werde ich doch noch zum Nostalgieopa. Na ja, ist auch ein schmaler Grad.
Heute fehlen einige kleine Aussteller auf der Spielemesse
Geändert hatte sich die Messe mit den steigenden Preisen für die Aussteller. Für viele Kleinstände lohnte es sich irgendwann nicht mehr. Gesagt werden muss aber auch, unser KSK-Stand wurde damals, in den Anfangszeiten, sogar von der Messe finanziell unterstützt. Danke deswegen an Friedhelm Merz. Dem Gründer der Messe. Zuletzt gab es, nach einer Pause, einen KSK-Stand in 2024 auf der Messe. Wie immer finanziert durch Spenden. Aktuell ist ein Stand auf der Spiel aber nicht mehr zu organisieren. Das finanzielle Risiko ist einfach zu hoch geworden. Zum Vergleich. Es haben mal so 2000 Deutsche Mark (1022,58 Euro) für einen Stand gereicht. Aktuell müsste das KSK mit ca. 3000 Euro für einen eigenen Stand kalkulieren. Es ist wie es ist.

Das waren so ein paar Anekdoten aus meiner Anfangszeit auf der Spielemesse in Essen. Aus dem Gedächtnis. Jeder der noch was beitragen möchte, sei herzlich eingeladen es in den Kommentaren zu tun. Nicht aus Nostalgie, sondern um Geschichte und Geschichten zu den Deutschen Spielertage, Spielemesse Essen, internationale Spieltage, oder wie es jetzt heißt, Spiel Essen, erlebbar zu machen.

2 Kommentare
Du musst wirklich schon seeeeehr alt sein, seeeehr alt. Da kann ich nicht mithalten. Meine erste Messe müsste ca. 30 Jahre zurückliegen. Ich war zu der Zeit aktiver Rollenspieler. Earthdawn und Vampire: Die Maskerade. Natürlich haben wir auch Brettspiele gespielt, aber wir haben damals noch geglaubt, dass das Spiel des Jahres das beste Spiel des Jahres ist und alle anderen schlechter. Aber wie gesagt: Der Fokus lag auf dem Rollenspielzubehör. Und da gab es auf der Messe damals einiges zu finden. Und das Zubehör war günstiger als in den lokalen Läden. Man konnte noch einen „Schnapper“ machen.
Ich weiß aber auch, dass die Gänge viel leerer waren als heute. Man konnte bequem an allem schlawienern, ohne Geschiebe und Gestoße. Damals reichte auch ein Tag noch, um die für einen interessanten Dinge zu sehen.
Und es war natürlich viel günstiger. Studententicket. Ich habe irgendetwas 10 DM in Erinnerung. Die letzte Messe müsste ich dann 2006 besucht haben. Dann war erst mal Kleinkindpause, bis ich mit meinem Sohn Anfang der 2010er wieder gefahren bin. Da war schon spürbar etwas gewachsen. Es war deutlich voller, aber dennoch gut möglich, Dinge auszuprobieren und Spiele anzuspielen. Highlight für meinen Sohn war aber damals Playmais. Ich habe auf der Messe viel Zeit am Playmais-Stand verbracht. Aber auch damals reichte noch ein Tag. Der Kleene war durch all die Eindrücke auch sichtlich erschlagen. Ein paar Jahre hat er das auch 1x im Jahr noch mitgemacht. Inzwischen ist er ausgestiegen. Vielleicht kommt das irgendwann wieder. Ich habe noch Bilder, wo wir gemeinsam Eimer bei Speed Cups stapeln oder er mit einer Cosplayerin in Magic The Gathering Outfit posiert. Unvergessen auch, wie irgendein armer Kerl in einem Pikachu Outfit gestolpert ist und nicht mehr von selbst auf die Beine kam. Er war halt eine große, gelbe Kugel.
Vielen Dank für diesen Bericht; finde ich sehr spannend, obwohl ich fast die gesamte Historie schon in den einschlägigen Magazinen nachgelesen habe. Gerne mehr davon!