8 1/2

eine Spielerezension von Michael Weber - 13.02.2008
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8 1/2 von Amigo Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Es gibt Spiele, die sind Kopien von Mau Mau oder Uno oder ähnlichen Mechanismen. Das ist langweilig und macht auf Dauer natürlich keinen Spaß. Deshalb ist es schön, wenn sich mal jemand einen Ruck gibt und diese Mechanismen abwandelt. Das Ergebnis könnte zum Beispiel 8 1/2 heißen. Reihum dürfen die Spieler eine Karte ausspielen und eine von einem eigenen Stapel nachziehen. Beim Ausspielen muss der bereits ausliegende Wert mindestens erreicht werden. Das heißt, wenn eine Karte mit acht liegt, muss eine Karte mit mindestens acht gelegt werden. Ist dies nicht möglich, muss der betreffende Spieler den bisherigen Stapel mit ausgespielten Karten nehmen und an seine Seite legen. Natürlich gibt es Sonderkarten, mit denen man den Wert der letzten Karte beeinflussen kann. Mal setzen diese den Stapel auf null zurück, mal zwingen sie den folgenden Spieler unter fünf bleiben zu müssen, mal passiert nichts. Die Karte 1/2, die dem Spiel den Namen gegeben hat, erhöht den Wert des Stapels um einhalb. Allerdings läuft der Spieler, der diese Karte gespielt hat, Gefahr, den Stapel aufnehmen zu müssen. Das ist dann der Fall, wenn der folgende Spieler die direkt folgende nächste ganze Zahl ausspielen kann. Kontern nicht möglich. Und weil das alles noch nicht Abwandlung genug ist, gibt es noch die letzten sechs Karten. Drei davon liegen verdeckt, drei davon offen vor jedem Spieler. Wenn jemand keine Handkarten mehr hat, darf er zunächst versuchen, die drei offenen los zu werden. Was nicht einfach ist, weil die Mitspieler ihm die Suppe versalzen möchten. Kann er jetzt keine passende Karte legen, muss er den Spielstapel auf die Hand nehmen und erst los werden, bevor er mit seinen letzten ausliegenden Karten weiter machen darf. Sind die drei offen liegenden Karten gespielt, muss er versuchen, die verdeckten Karten zu spielen. Dabei darf er jedoch nicht unter die Karte sehen, muss also blind spielen. Das geht oft daneben und schon hat er wieder einen Stapel auf der Hand ... Am Ende gewinnt der Spieler, der als erster seine gesamten Karten losgeworden ist. Das bringt zwei Punkte. Einen Punkt bekommt der Spieler, der jetzt insgesamt die wenigsten Karten (inklusive genommene Stapel) vor sich hat. So ließe sich das über mehrere Runden fortsetzen, würde das Spiel einfach mehr Spaß machen. Und der Spaß vergeht spätestens, wenn man sich durch geschicktes Spielen bis zu den letzten vor einem ausliegenden Karten gekämpft hat. Nun wird es ein reines Glücksspiel, wie schnell die Karten ausgespielt werden können. Ein unwürdiges Ende eines ohnehin schon schwer steuerbaren Spiels. Auch nach mehrmaligem Spielen bleibt ein ungutes Gefühl. Ein Gefühl, dass der Autor hier einen Mechanismus, den jeder kennt, so verbergen wollte, dass er diesen mit unsinnigen und sperrigen Änderungen überfrachtet hat. Herausgekommen ist ein Spiel, das für "echte Spieler" zu seicht, für Freunde von Mau Mau, Uno und Vergleichbares zu überfrachtet und vor allem insgesamt einfach nicht elegant genug ist. Das Wort "überflüssig" bekommt hier eine spielerische Bedeutung: 8 1/2 ist überflüssig kompliziert und gleichzeitig einfach überflüssig.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2005
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
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