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Zug um Zug: Legenden des Westens

Zug um Zug - Legenden des Westens - Ausschnitt - Foto von Asmodee

Wer Zug um Zug gerne als Kampagne gespielt hätte, hätte dies mit den bisher erschienenen Map Collections 1-7 in Eigenregie gut selbst gestalten können. Rechtzeitig zur SPIEL ’23 haben Days of Wonder und allen voran die Autoren Rob Daviau, Matt Leacock und natürlich Alan R. Moon nicht etwa eine neue Map Collection herausgebracht, sondern Zug um Zug Legacy: Legenden des Westens. Das erste Zug-um-Zug-Spiel, das anders aufhört, als es begonnen hat.

Wir gehen davon aus, dass das Spielprinzip von Zug um Zug bekannt ist. Wenn nicht, lest bitte gerne die Rezension von Zug um Zug Amerika.

Was ist eine Legacy-Rezension?

Um dem Legacy-Spielerlebnis gerecht zu werden, ist diese Rezension ebenfalls eine Legacy-Rezension. Das bedeutet, dass Ihr hier in (möglichst kurzen) Zeitabständen Ergänzungen der Spielbesprechung findet, nämlich immer dann, wenn wir wieder ein paar Partien gespielt haben.

Ein dickes Paket

Die Spieleschachtel ist vielversprechend groß und mit über 4 kg verheißungsvoll schwer. Tatsächlich ist das Innere nicht nur vollge-, sondern auch ansprechend verpackt. In einer schicken Kampagnenbox finden sich außer den bereits bekannten Ziel- und Wagenkarten Post- und ereigniskarten, Bankbelege für die Punkteabrechnung der einzelnen Partien und eine Karte je Eisenbahngesellschaft: die Gesellschaftsbonuskarten. Alles fein säuberlich durch Karteileinteilungen sortiert.

Dazu kommen schön designte Schachteln, in denen jeder Spieler bestimmte Materialien für spätere Partien aufhebt, weitere ebenso hübsche Schachteln mit zusätzlichem Spielmaterial, die erst nach und nach geöffnet werden und natürlich die Waggons in fünf Farben. Neuerdings gibt es auch Münzen, die für die Punktezählung benötigt werden. Eine Punktezählleiste gibt es ja nicht (s. u.).

Zug um Zug Legacy: Legenden des Westens - Schachtelinhalt | Foto: Axel Bungart
Zug um Zug Legacy: Legenden des Westens – Schachtelinhalt | Foto: Axel Bungart

Doch bevor man sich auf das Material stürzt, um es auszupöppeln, wird man erst mal ausgebremst. „STOPP!“, heißt es unübersehbar, „Lest zuerst diese Anweisungen.“ Auch wer Zug um Zug gut kennt, soll nach dem Set-Up zunächst die Anleitung komplett lesen, da es Abweichungen zum normalen Zug um Zug gibt.

Der Zug Richtung Westen

Einen Spielplan mit Zählleiste sucht man zunächst vergebens. Vielmehr gibt es fünf Spielplanteile, aus denen man den Osten Nordamerikas zusammenpuzzelt. Die Reise in den Rest der USA kann beginnen, was auch dadurch deutlich wird, dass der Spielplan nach Westen und Süden hin offene Verbindungen zeigt. Zu allem anderen Material ist der Zugang zunächst strikt untersagt! Auf dem nun sichtbaren Teil des Gesamtplans finden sich bereits zahlreiche Strecken, doch keine ist länger als vier Wagenlängen. Die Aufträge dazu sind entsprechend kurz, mit nur wenigen lassen sich mehr als zehn Punkte machen. Und es gibt nun tatsächlich sogar 1-Punkt-Aufträge.

Zug um Zug Legacy: Legenden des Westens - Spielplan | Foto: Axel Bungart
Zug um Zug Legacy: Legenden des Westens – Spielplan | Foto: Axel Bungart

Auch das ist neu: Punkte gibt es nicht mehr sofort für genutzte Verbindungen. Alle Zielkarten geben erst am Ende einer Partie Punkte in Form von Geld. Ausnahme: Es gibt sofort (zwei) Münzen, wenn man eine Verbindung in der eigenen Spielerfarbe nutzt.

Die Zielkarten weisen neben den Streckenzielen zusätzliche Texte und Symbole aus, die erst im Laufe der Kampagne an Bedeutung gewinnen. Sie werden zunächst ignoriert.

Volldampf voraus

Hat man sich mit den (neuen) Regeln vertraut gemacht, geht das Ganze ziemlich bekannt weiter. Mit sechs statt acht Wagenkartenfarben versucht man Streckenverbindungen zu nutzen, damit Aufträge zu erfüllen und sich möglichst aus dem Getummel herauszuhalten, damit andere einem keine Strecken verbauen. Wie üblich ist das aber mehr eine vage Hoffnung und ohnedies bei der anfangs doch übersichtlichen Landkarte sehr unwahrscheinlich. Beim Anschluss einer Großstadt erhält der Erbauer zumindest mal eine zusätzliche Wagenkarte als Bonus.

Ab und an kommen beim Nachziehen Ereigniskarten ins Spiel. Da soll man zum Beispiel plötzlich eine zusätzliche Karte beim Nutzen einer Strecke ausspielen oder darf eine Wagenkartenfarbe als Jokerfarbe nutzen. Gut und Böse hielten sich bei unseren Partien bisher die Waage.

Eine Partie endet wie gewohnt, wenn einer nur noch zwei oder weniger Waggons übrighat. Dann wird abgerechnet, und auch hier gibt es zunächst nichts Neues. Erfüllte Aufträge bringen Geld, mit unerfüllten verliert man etwas. Einen mitunter üppigen Bonus erhält aber, wer möglichst viele seiner Waggons verbaut hat. Wer keinen mehr übrighat, erhält 16 Dollar (= Punkte). Dafür müsste man schon eine Menge strecken bauen.

Die gesammelten Punkte notiert jeder für sich auf einem Bankbeleg und steckt diesen dann in die persönliche Spielerschachtel, aus der man sie auch nicht mehr rausbekommt. Erst am Ende der Kampagne ergibt sich aus den gesammelten Bankbelegen der Gesamtsieger.

Die Reise beginnt

Zug um Zug Legacy: Legenden des Westens - Spielsituation | Foto: Axel Bungart
Zug um Zug Legacy: Legenden des Westens – Spielsituation | Foto: Axel Bungart

Unsere Erwartungen an Zug um Zug Legacy: Legenden des Westens waren groß. Als Freund der Zug-um-Zug-Reihe knüpft man gewisse Erwartungen an ein solches Vorhaben. Die bisherigen Versionen und Map Collections haben zwar auch immer wieder Neuerungen eingeführt (z. B. Tunnels, Fähren, schwere Strecken), doch auch manchmal etwas enttäuscht.

Zug um Zug Legacy: Legenden des Westens - Spielregelseite | Foto: Axel Bungart
Zug um Zug Legacy: Legenden des Westens – Spielregelseite | Foto: Axel Bungart

Nach den ersten beiden Partien werden auf jeden Fall zwei Dinge klar:

  1. Die Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Das sehr schön gestaltete Spielmaterial und die Aufmachung der Spieleschachtel (innen wie außen) verströmen eine erste einladende Duftnote. Es gibt einiges Neues, das man aber erst im Laufe der zwölf Partien entdecken muss. Selbst in der Spielregel sind leere Passagen, die erst nach und nach durch Sticker ergänzt werden. Das schürt die Neugier und Spannung.
  2. Bereits ab Partie zwei wird klar, dass man das Spiel nach den zwölf-Kampagnen-Partien in der Form nicht wieder verwenden können wird. Es wird Spielmaterial verändert, um nicht zu sagen beschädigt, was den späteren Einsatz kaum noch ermöglichen dürfte. Auch hier wächst die Spannung, ob man dem in den letzten Partien der Kampagne entgegenwirkt. Möglich wär’s.

Ansonsten ist Zug um Zug Legacy: Legenden des Westens ganz viel Bekanntes. Es wird kaum jemand erwarten, dass man damit ein komplett anderes Spielerlebnis hat. Aber der Legacy-Gedanke erzeugt ein spürbares Kribbeln ob der verschiedenen Andeutungen und Ideen, die offenbar noch in der Kampagne stecken, und macht es damit doch zu einem neuen Erlebnis. Unsere feste Spielrunde ist jedenfalls gespannt, wie es weitergeht.

 

Zug um Zug - Legenden des Westens - viele kleine Schachteln - Foto von Asmodee
Zug um Zug – Legenden des Westens – viele kleine Schachteln – Foto von Asmodee

 

Legacy-Update I – Partien drei und vier: Er wächst

Alles auf Anfang. Das heißt: So richtig ja nicht. Die Spieler öffnen Ihre persönlichen Boxen, in denen sie ihr Spielmaterial verstaut haben: Bonuskarte, Startkapital, Waggons (wenn sie wollen) und Material, das sie vielleicht aus Partie zwei noch haben und später einsetzen können.

Erstmals kommt ein neuer Spielplanteil ins Spiel, den der Gewinner der letzten Partie aussuchen und anlegen darf. Erstmals wächst der Spielplan. Das heißt natürlich auch, dass neue Zielkarten ins Spiel kommen. Man spielt mit mehr Waggons, Punkteausbeute und Spieldauer steigen.

Und die Spieler dürfen bzw. müssen sich mit neuen Spielregeln vertraut machen. Diese werden in die Spielregel geklebt, möglichst feinsäuberlich, man will ja nichts verhunzen. Waren alle Spielelemente bisher bekannt, kommt ab Partie drei etwas hinzu, das es bisher in keiner Version gab: Die Personalkarten sind kleine Erleichterungen, die man ab jetzt für eine Partie erhält.

Ein Spannungsbogen aus Neuerungen

Das Spielgefühl bleibt gleich, aber was steigt, ist die Spannung. Dieses Prinzip der stetig dazukommenden Kleinigkeiten steigert die Erwartung enorm. Und seien es nur die neuen Spielregeln. Auch, dass die Spieler Partie um Partie die kleinen Abrechnungsbögen in den Tresor stecken und diese vor dem Ende der kompletten Kampagne nicht mehr zu Gesicht bekommen werden, ist ein bisschen geheimniskrämerisch.

Zug um Zug - Legenden des Westens - die große Box - Foto von Asmodee
Zug um Zug – Legenden des Westens – die große Box – Foto von Asmodee

Was aber auch klar wird: So einfach weiterspielen nach einer beendeten Partie ist nicht. Erst wollen das neue Material integriert, die neuen Regeln eingeklebt und gelesen und die nächste Partie vorbereitet sein. Manchmal werden neue Karten eingemischt. Man sollte die Regeln dazu immer wieder zur Hand nehmen, um nicht eine Regel zu vergessen. Das braucht seine Zeit, bis es weitergehen kann. Aber es geht weiter …

Legacy-Update II – Partien fünf und sechs: Transformationen

Der Spielplan wächst und wächst. Jetzt sind es schon vier Teile mehr als am Anfang. Die Strecken werden länger. Und es kommen neue Punktequellen ins Spiel: Aktien. Die kennt man schon aus der Zug-um-Zug-Pennsylvania-Ausgabe, funktionieren aber ein bisschen anders. Und: Nach der Partie verschwinden sie bis auf Weiteres im Tresor.

Aus Kleinstädten werden große, aus fremden eigene. Und plötzliche fühlt man sich an Catan erinnert, weil ein Gangster herumsteht, der einem nicht gut gesonnen ist. Nur dass hier keine 7 gewürfelt werden muss, um sie zu versetzen.

Trotz aller Spielelemente, die neu für ein Zug um Zug sind, bleibt das Spielgefühl erhalten. Was wir in unseren Tresor stecken müssen, bleibt uns erhalten, verschwindet aber zunächst aus den Augen (und aus dem Sinn). Bis es dann am Kampagnenende wieder auftaucht, vielleicht ein bisschen als Überraschung. Auch die Spannung bleibt aufrecht: Was kommt als nächstes? Kann man Städte für sich beanspruchen, die einem Erträge bringen? Wie kann man sein eigenes Streckennetz noch ausbauen? Auch das bringt einen Ertrag. Wer in einer Partie hinten lag, will es in der nächsten Partie besser machen. Das ist nichts Spezielles für Zug um Zug. Aber wer (wie wir) üblicherweise dieselben Spiele nicht so häufig hintereinander spielt, erlebt nun mehr das Fieber auf die nächste Runde. Das macht Spaß.

Info: Diese Rezension wird nach den weiteren Stationen der Reise durch den Westen fortgesetzt. Bleibt dran!

Infos zu Zug um Zug: Legenden des Westens

  • Titel: Zug um Zug Legacy
  • Untertitel: Legenden des Westens
  • Verlag: Days of Wonder, Asmodee
  • Autor: Alan R. Moon, Matt Leacock, Rob Daviau
  • Spieleranzahl (von bis): 2-5
  • Alter (ab oder von bis in Jahren): 10
  • Dauer in Minuten: 20-90
  • Jahrgang: 2023

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1 Kommentar

Riemi
Riemi 19. Oktober 2023 at 15:44

Spannende Idee. Ich freue mich auf mehr.

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