Jäger + Späher

eine Spielerezension von Jürgen Strobel - 12.03.2015
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Jäger + Späher - Foto von Kosmos
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Eine scharfer Wind blies dem Schamanen in das Gesicht! Der Nordwind war zu dieser Jahreszeit besonders stark. Er beugte sich weit über das Feuer und versuchte, es am Brennen zu halten. Plötzlich stand sein Kundschafter vor ihm, ihn hatte er vor drei Tagen losgeschickt, um herauszufinden, wie weit die nächste Mammutherde entfernt ist. Er hatte wenig Hoffnung, denn die letzte erfolgreiche Jagd lag schon eine Ewigkeit zurück. Aber erst jetzt bemerkte er, wie aufgeregt sein Kundschafter sich verhielt, und der gab dem Schamanen zu verstehen, dass eine große Mammutherde nicht länger als zwei Tagesmärsche von hier durch die karge kalte Landschaft zieht. Dies war sicherlich ein Zeichen von "Mutter". So nannte sein Stamm die Göttin der Erde, die sie anbeteten. Ohne zu zögern gab er seinen Jägern ein Zeichen, die sich sofort zusammen mit dem Kundschafter auf den Weg  in Richtung Mammutherde machten. Mit der Hoffnung auf eine gute Jagd ...

So wird Jäger + Späher gespielt

Vor ca. 2,6 Millionen Jahren, jeder Spieler führt einen Stamm von Steinzeitmenschen an. In jeder Runde müssen wir uns bei Jäger + Späher von Gerhard Hecht (Kosmos) entscheiden, welche unserer Charakterkarten wir ausspielen und welche Aktion wir damit auslösen. Es gibt viele Möglichkeiten und Wege, doch dürfen wir unser Ziel nicht aus den Augen lassen. Nämlich als erster Stammesführer 24 Siegpunkte zu erreichen.

Wir beginnen das Spiel mit zwei Stammesmitgliedern, die sich bereits auf unserer Stammeskarte befinden, und fünf unterschiedlichen Charakterkarten. Wobei wir bis zum Ende des Spieles die Möglichkeit haben, unseren Stamm bis auf max. fünf Mitglieder anwachsen zu lassen. Sind wir am Zug, können wir aus drei verschiedenen Aktionen wählen: Charakter ausspielen, beliebig viele Stammesmitglieder von Ortskarten nach Hause beordern oder einen Sonnenuntergang durchführen (Zwischenwertung).

Durch Ausspielen unserer verschiedenen Charaktere können wir unsere Stammesmitglieder an bestimmte Orte entsenden. Da wären zum einen die Wildnis oder das Jagdgebiet. Dabei dürfen aber zu keinem Zeitpunkt mehr als drei Stammesmitglieder (egal von welchem Spieler) auf diesem Ort stehen. In der Wildnis finden wir Rohstoffe in Form von Holz, Stein, Gold usw.. Im Jagdgebiet legen wir uns auf die Lauer und erbeuten dadurch natürlich Fleisch und Fell. Aber wofür Sammeln wir das ganze denn? Die Rohstoffe benötigen wir, um Gegenstände wie zum Beispiel die Stiefel, das Gemüsebeet, die Lehmfigur oder aber den Mörser herzustellen. All diese Dinge generieren entweder Siegpunkte oder haben ein oder zwei Auswirkungen. Diese können ganz unterschiedlich ausfallen. Vom Ziehen zusätzlicher Gegenstände bis zum Entfernen von Hungerplättchen gibt es diese in beliebiger Kombination. Fleisch und Fell, das wir aus den Jagdgebieten erbeuten, benötigen wir zum einen zur Ernährung und zum anderen rekrutieren wir dadurch neue Stammesmitglieder, die wir aus unserem Vorrat auf das Höhlenlager (Spielplan) stellen dürfen. Die ausgespielte Charakterkarte wird dann in eine offene Auslage gelegt und zwar immer in eine Reihe mit den wenigsten. So bildet sich im laufe des Spiels eine ganz neue Auslage.

Haben wir alle unsere Figuren entsendet, können wir nun beliebig viele davon von den Ortskarten nach Hause auf unsere Stammeskarte setzen. Durch das Zurückholen haben wir nun die Möglichkeit, sofort ein oder mehrere Gegenstände zu erschaffen. Dabei wird der Rohstoff, den das Stammesmitglied gesammelt hat, mit einem Verbrauchsstein abgedeckt.

Haben wir so alle unserer Charakterkarten ausgespielt und wollen kein Stammesmitglied zurückholen, kommt es zu einer Sonnenuntergangswertung. Dabei bekommt man für jedes Mitglied, das sich auf seiner eigenen Stammeskarte oder auf Ortskarten befindet, einen Siegpunkt. Für jedes Hungerplättchen in unserem Besitz wird ein Siegpunkt abgezogen. Nach der Wertung nehmen wir uns aus der Auslage sechs Charakterkarten auf die Hand. Dabei dürfen wir aus mehreren Reihen wählen, aber immer nur die jeweils freiliegende Karte. Noch ein paar Worte zur Siegpunktleiste. Diese besteht aus 24 Feldern, drei davon sind Bonusfelder. Auf diesen Feldern kann man, wenn man entweder genau darauf oder auch darüber hinwegzieht, einen Siegpunkt zusätzlich erhalten. Dafür muss man allerdings zwei seiner erschaffenen Gegenstände auf den Ablagestapel befördern. Kann man dies nicht, so bekommt man auch den Siegpunkt nicht. Das Spiel endet, sobald ein Spieler mit seinem Siegpunktstein das Zielfeld erreicht hat.

Wie gut ist das Gesellschaftsspiel Jäger + Späher?

Jäger + Späher kann man in zwei verschiedenen Versionen spielen. Zum einen das Einführungsspiel oder vielleicht doch gleich das normale Spiel. Der Unterschied: Mehr Auswahl an Charakteren (besondere Charaktere), heilige Orte (besondere Funktionen), ein etwas anderer Spielaufbau! Zum Kennenlernen vielleicht eine Partie, aber danach würde ich auf alle Fälle nur noch das normale Spiel vorziehen. Hier entfaltet sich das volle Potenzial des Spiels Jäger + Späher.

Es gilt, in jedem Zug ganz genau abzuwägen: Was mache ich zuerst? Dabei auch immer den anderen Mitspieler im Auge behalten und gegebenenfalls ihm bestimmte Orte verwehren. Die Bonusfelder sind wichtig, die Bedingungen sollte man, wenn es geht, immer erfüllen. Immerhin sind das drei zusätzliche Siegpunkte. Auch die Charaktere sollte man mit Bedacht wählen und sich früh eine Strategie zurechtlegen. Man merkt: Es gibt viel zu überlegen und zu bedenken, daher ist Jäger + Späher auch ein etwas anspruchsvolleres Spiel aus der Kosmos 2er-Reihe. Aber genau das macht seinen Reiz aus. Keine Partie gleicht der anderen und es gibt jede Menge Strategien auszuloten und zu testen. Ein weiteres sehr gutes Spiel für zwei Personen! Absolut empfehlenswert! Man merkt gerade bei den Zwei-Personen-Spielen, dass hier ein sehr hoher Standard herrscht und das schon über Jahre hinweg. Daumen nach oben und weiter so Kosmos!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12-
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2014
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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