Feste druff

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 31.12.2006
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Feste druff von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Wie der Titel und die Aufmachung der Schachtel unschwer erahnen lassen, wird bei diesem Ablegespiel heftig gestritten und unerbittlich zugeschlagen. Jeder kämpft gegen jeden, unter Zuhilfenahme von allerlei Waffen und Schlag- oder Stichtechniken, die den Gegner möglichst rasch und dauerhaft in die Knie zwingen sollen. Fairness oder gar Mitgefühl haben dabei nichts zu suchen und wären nur hinderlich, einem bereits angeschlagenen Widersacher den finalen Hieb zu versetzen. Zimperliche Gemüter sollten demzufolge besser die Finger lassen von diesem Gemetzel, während alle anderen ungeniert weiterlesen dürfen …

Leute wie du und ich suchen also das harte Duell von Mann gegen Mann (Frauen kommen im Spiel selber einzig im Pflegebereich vor). Gekämpft wird dabei "bloß" mit 110 anschaulich illustrierten Spielkarten mit Abbildungen von diversen Kämpfertypen, Waffen und Kampftechniken. Auf kleinen Übersichtstafeln werden die jeweiligen Eigenschaften der Recken mit einem Startguthaben von 20 Trefferpunkten markiert. Nach dem Austeilen von sieben Spielkarten beginnt der Käufer des Spiels und wählt einen ersten Gegner aus, den er attackieren möchte.

Die einzelnen Spielzüge bestehen aus dem eigentlichen Angriff, gefolgt von einer eventuellen Abwehr des Attackierten und, in seltenen Fällen, einem unmittelbaren Gegenangriff. Die auf den ausgespielten Angriffskarten vermerkten Trefferpunkte werden dem gegnerischen Kämpfer angelastet, sofern dieser den Angriff nicht abzuwehren vermag. Verstärkungs-, Waffen- und Kampfstilkarten können die Wirkung der Attacken weiter erhöhen. Einzig mit passenden Verteidigungskarten kann der Angriff ganz oder zumindest teilweise abgeblockt und unter Umständen gar ein Gegenangriff gestartet werden. Heilungskarten erlauben eine gewisse Regeneration der Kämpfer und führen zu einer (zumindest kurzfristigen) Erhöhung des Trefferpunkteguthabens. Ist dieses trotzdem aufgebraucht, scheidet der entsprechende Kämpfer vorzeitig aus, bis zuletzt nur noch ein einziger Recke in der Arena steht und so das Spiel gewinnt.

Das Spiel entspricht allenfalls nicht ganz den landläufigen Vorstellungen von Korrektheit und Anstand, macht aber durchaus Spaß. Wer will sich schon ohne Not die Chance entgehen lassen, sein Gegenüber mal nach allen Regeln der Kunst vermöbeln zu dürfen? Leider erschwert die ausgesprochen unübersichtliche und wenig sorgfältig formulierte Anleitung den Einstieg ins Spiel und lässt verschiedene Fragen offen. Zudem sind die mitgelieferten Abdeckplättchen zu groß für eine korrekte Anzeige der Trefferpunkte der einzelnen Kämpfer.

Sind diese Schwierigkeiten indessen gemeinsam überwunden, steht einer lustvollen Metzelei auf dem Stubentisch nichts mehr entgegen, wobei rasch klar wird, dass beispielsweise bei einem hinterhältig, schwungvoll und gedreht mit der Streitaxt vorgetragenen Stichangriff des Barbaren kein Gras mehr zu wachsen und erst recht kaum noch ein Kämpfer auf den Beinen zu bleiben vermag. Schön für jene, die sich an derartigen Vorkommnissen ergötzen können, während alle übrigen bekanntlich nach der Lektüre des erstens Abschnitts dieses Berichts bereits ausgestiegen sind.

 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
9
Jahrgang: 
2005
Spielkategorisierung
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