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Tribes Of The Wind

Tribes Of The Wind - Ausschnitt - Foto von HUCH

Es hat sich heimlich, still und leise ein weiterer Vincent Dutrait in mein Regal geschlichen: Tribes of the Wind (HUCH!, Joachim Thôme). Wer mit Illustrationen von Dutrait vertraut ist, kommt sich eventuell ein bisschen wie ein Brettspielkunstconnoisseur vor, wenn er die Tage durch die Brettspielabteilung schreitet, seinen unwissenden Freundinnen zunickt und sagt: Ach ja, ein Dutrait. Und auch bei Tribes of the Wind haben wir wieder wunderschöne Illustrationen von Dutrait.

Tribes of the Wind – hübsch post-apokalyptisch

Tribes of the Wind ist wider Erwarten ein post-apokalyptisches Spiel für zwei bis fünf Spielerinnen, in dem wir versuchen, unsere Welt von der Verschmutzung vergangener Tage zu befreien. Nach der Ausbeutung der Welt durch uns Menschen haben nur einige wenige Stämme in den Wäldern überlebt und nun versucht jeder Stamm, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Alle Spielerinnen starten mit leicht asymmetrischen Stämmen bzw. Spielertableaus, auf denen die Spieler Verschmutzungsmarker verteilen, Startplättchen, sieben Windreitern, die an Strohengel erinnern, vier Tempeln, fünf Baumhäusern, einer Dorfkarte und Anführerkarten. Zuerst klingt es nach einer großen Materialschlacht, aber auf den Spielertableaus ist ausreichend Platz, um alle Figuren hinzustellen und auch Ressourcen, wie Wasser zu lagern. Elementkarten, werden ausgeteilt und in die mitgelieferten Halter gut sichtbar für alle Mitspielerinnen gesteckt. Zuletzt werden Element-, Wald- und Dorfauslage vorbereitet.

Tribes Of The Wind - Aufbau - Foto von HUCH

Doppelseitiges Kartenspiel – ein eleganter neuer Mechanismus in Tribes of the Wind

Trotz vieler Holzfiguren ist der Hauptmechanismus in Tribes of the Wind angetrieben durch das Ausspielen oder Abwerfen von Elementkarten. Das Spiel kommt ganz ohne Text aus, was ich persönlich immer sehr an Spielen schätze und hat einfach zu verstehende Abbildungen. Bei jedem Zug beachten die Spielerinnen die eigenen oder auch die Elementkartenrückseiten der Mitspielerinnen. Denn je mehr sie die Anforderungen der gespielten Karte erfüllen, desto stärker wird der Zug.

Durch passendes Ausspielen werden Verschmutzungsmarker auf dem eigenen Tableau entfernt, Ressourcen wie Wasser gesammelt Es wird gebraucht, um Waldplättchen zu erwerben und diese auf die jetzt gereinigt Erdoberfläche zu bringen oder auch die Windreiter über das Tableau zu bewegen. Nicht selten muss man sich mit einem nicht optimalen Zug zufriedengeben, weil die Mitspielerinnen einfach nicht die richtigen Karten auf der Hand haben. Dann können die Karten abgeworfen werden, damit verdeckt neue Karten gezogen werden können, nur das Elementsymbol der Karten ist sichtbar, was eine Menge Glücksfaktor mit reinbringt.

Windreiter als Namensgeber

Namensgebend für das Spiel sind die hübschen gelben Holz-Windreiter, die eine Art Ressource darstellen. Windreiter werden benötigt, um die Waldplättchen bewohnbar zu machen. Erst wenn ausreichend Windreiter platziert sind, werden Waldplättchen auf die Dorfseite geflippt und es können Tempel oder auch Baumhäuser gebaut werden. Tempel bringen Siegpunkte sowie Aktionen, und für Baumhäuser erhält man Dorfkarten, auf denen Siegpunkteaufgaben oder Sofortaktionen abgebildet sind. Siegpunkteaufgaben beziehen sich auf den Aufbau des eigenen Tableaus und bringen mit die meisten Siegpunkte. Die Waldplättchen selbst geben, einmal geflippt, verschiedene Möglichkeiten wie z. B. eine Fasttravel Option, um schnell mit seinen Windreitern über das Tableau zu fliegen. Doch jeder Eingriff des Menschen, in die Natur bringt auch wieder neue Verschmutzung mit sich. Diverse Waldplättchen, mit vielen neugebauten Mechanismen, bringen neue Verschmutzung auf das Tableau, die erst wieder gereinigt werden muss, bevor neue Waldplättchen auf dem Tableau Platz finden. Außerdem sorgen sie für weniger Punkte am Ende des  Spiels, also schnell weg damit!

Tribes Of The Wind - Karten - Foto von HUCH

Tribes of the Wind – Ein klitzekleines µ Asymmetrie

Die Asymmetrie im Spiel kommt erst im Laufe des Spiels, was den Einstieg ins Spiel erleichtert. Jedes Stammtableau kommt mit vier Anführerkarten. Zwei dieser Karten können im Laufe des Spieles ausgespielt werden. Jeder Stamm hat eine präferierte Waldfarbenkombination; ist diese erreicht, nehmen die Spieler sich eine Anführerkarte. Des Weiteren hat jeder Stamm noch eine einzigartige Bedingung, eine weitere Anführerkarte zu nehmen. Diese sind recht stark und geben Zusatzaktionen oder Vergünstigungen.

Spielende

Sobald das fünfte Baumhaus gebaut ist, wird das Spielende eingeleitet. Danach werden die Punkte aus erreichten Dorfkarten, Baumhäusern, Tempeln und verbleibender Verschmutzung gezählt. Je nach Spielrunde kann das Spielende schneller kommen als gedacht. Mit etwas Spielerfahrung kann man den Fortschritt der Gegenspielerinnen gut einschätzen und das Ende etwas forcieren, wenn die Gefahr besteht, dass die Gegnerinnen deutlich mehr Punkte machen. Dann können weniger wertvolle Dorfkarten einem trotzdem zum schnellen Sieg verhelfen und es verbleiben unangenehme Verschmutzungsmarker bei den Gegnerinnen zurück.

Überraschende Themenumsetzung

Erwähnenswert sind die diversen Darstellungen der Anführer und Menschen auf den Elementkarten. Alt, jung, dick, dünn, verschiedene Ethnien und ein Mix von Geschlechtern. Jede Karte zeigt Menschen bei der Arbeit oder Zeremonien. Jede gespielten Karte, zeigt eine Aktivität, die in unserem Stamm so wirklich passiert sein kann. Da ergibt es auch Sinn, dass wir in Synergie mit anderen Stämmen leben und von ihren Elementkarten profitieren können, wenn wir im Einklang handeln. Doch bis auf den Mechanismus, dass durch das Bauen Verschmutzung auf das Brett zurückkommt, fühlt sich das Spiel auf den ersten Blick nicht sehr post-apokalyptisch an. Dafür erscheint es zu hübsch. Aber warum gibt es dann auf manchen Elementkarten Flammenwerfer? Fans des Gibli Studios werden hier schon lange die Inspirationsquelle erkannt haben: Nausicaä aus dem Tal der Winde. Nach dem ich den Film gesehen hatte, ergab das Artwork auch deutlich mehr Sinn für mich.

Wiederspielwert – Wird Tribes of the Wind bleiben?

Besonders hervorzuheben ist die Zweispieler-Variante. Hier ist die Elementauslage die zweite Hand zum Vergleichen. Durch geschicktes Ziehen der Karten, kann die Kartenauslage zum eigenen Vorteil beeinflusst werden.  Dies ermöglicht den nächsten Zug etwas besser zu planen. Diese Regelanpassung spielt sich flüssig und macht das Zweispieler Spiel zu einer gelungenen Variante.

Mit mehr Spielerinnen dauert Tribes of the Wind etwas länger. Leider gibt es keine Synergie zwischen Spielerinnen, die weiter von einem wegsitzen. Thema und Spielfluss funktionieren daher am besten bei zwei bis drei Spielerinnen. Dennoch ist Tribes of the Wind immer noch ein gutes Spiel mit fünf Spielerinnen.

Die Anführerkarten ermöglichen unterschiedliche Kombos. Manche erscheinen etwas besser als andere. Mit fast jedem Stamm habe ich allerdings gewinnen können. Die Einschätzung, ob es overpowered Anführerkombos gibt, überlasse ich gerne den Spieleanalytikerinnen.

Holz fürs Geld

Tribes Of The Wind - Schachtel - Foto von HUCH

Tribes of the Wind wird mit extra vielen Tüten und gar keinem Inlay geliefert, dies wird aber auch wirklich nicht benötigt. Eine gute Haptik ist mit den einzigartigen Holzfiguren gesichert. Es ist fast ein bisschen schade, dass Wasser und Verschmutzungsmarker Pappplättchen sind. Kartenhalter werden mitgeliefert. Das einzige, was wirklich fehlt, ist ein Block zum Punkte aufschreiben. Was ich mir als Add-on gewünscht hätte, wäre, dass die beiden Seiten der Anführertableaus unterschiedlich sind. Dies könnte den Wiederspielwert weiter erhöhen.

Fazit für Tribes of the Wind

Tribes of the Wind ist ein solides Spiel, angesiedelt irgendwo zwischen Familien- und Kennerspiel. Verschiedene Mechanismen werden leicht erlernbar verpackt. Die Regeln sind sind gut gegliedert und kompakt erklärt. Für interessierte Wenig-Spielerinnen könnte es ein interessanter Einstieg in das Hobby sein. Es ist sicher kein Hardcore-Kennerspiel, macht aber genug Spaß und hat Kombinationen genug, dass Spielerinnen jeden Levels Freude am Spielen haben können. Das Spiel ist wenig direkt konfrontativ, sondern spielt mit der Synergie zwischen verschiedenen Stämmen, die auch gerne mal durch schlechte Kartenauswahl gegen einen gerichtet sein kann.

Infos zu Tribes Of The Wind

  • Titel: Tribes of the Winde
  • Verlag: HUCH!
  • Autor: Joachim Thôme
  • Spieleranzahl (von bis): 2-5
  • Alter (ab oder von bis in Jahren): 12
  • Dauer in Minuten: 45-90
  • Jahrgang: 2023

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