Psycho Kick

Das Original

eine Spielerezension von Verena Segert - 30.08.2018
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Psycho Kick - Foto von Lambertus Verlag
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Was verstehst Du unter „glücklich sein“? Mit welcher Fähigkeit würdest Du morgen gerne aufwachen? Wärst Du ausgeglichener und ruhiger, wenn es keine Uhren gäbe?
In dem Kommunikationsspiel Psycho Kick (Lambertus-Verlag) von Peter Thiesen sind die Spieler ab 14 Jahren dazu eingeladen, sich anhand von über 100 Fragen und Aufgabenstellungen mit der eigenen Lebenswelt auseinanderzusetzen und darüber ins Gespräch zu kommen. 

Psycho Kick- ein Kartenspiel?

Psycho Kick ist kein normales Kartenspiel, bei dem die Spieler die Regeln lernen und drauf los spielen. Vielmehr unterstützen die Karten Gruppen dabei, mit anderen ins Gespräch zu kommen und sich besser kennen zu lernen. In der kurzen und verständlichen Anleitung stehen daher zunächst wichtige Hinweise zu der Verwendung der Karten. So heißt es dort unter anderem: „Alle TeilnehmerInnen sind bereit, sich während des Spiels zu öffnen.“ Obgleich es den Spielern freisteht, Fragen auch nicht zu beantworten, ist es für ein gutes Gruppengefühl wichtig, dass sich alle auf die Situation einlassen und respektvoll miteinander umgehen. Die Spieler offenbaren durch ehrliche Antworten sehr persönliche Ansichten und Erlebnisse und werden dadurch eben auch angreifbar. Die Freiwilligkeit sollte deshalb vor Beginn besonders betont werden. 

Wie kann Psycho Kick verwendet werden?

Psycho Kick lässt sich im Freundeskreis spielen, eignet sich aber vor allem für Gruppenstunden, Interaktionsübungen in der Arbeit mit Jugendlichen oder Erwachsenen und auch im therapeutischen Kontext. Im Freundeskreis werden die Fragekarten einfach in die Mitte des Tisches gelegt, die Spieler ziehen nacheinander eine Karte und beantworten diese untereinander. Im pädagogischen Setting sollte es einen Spielleiter geben, welcher den Verlauf der Aktion steuert. Dieser erklärt zu Beginn die Voraussetzungen für die Übung und erläutert den Ablauf. Je nach Gruppenkonstellation können durch den Spielleiter Nachfragen, weitere Impulse oder auch Diskussionen moderiert werden. Der Spielleiter sollte vor Beginn außerdem, je nach Gruppenzusammensetzung, einzelne Karten aussortierten bzw. nur gezielte Themenbereiche ins Spiel bringen. Denn einige der Fragen sind sehr intim („Kannst Du uns von einem besonders romantischen Augenblick in deinem Leben erzählen?“), andere können gerade bei Jugendlichen in der Pubertät wunde Punkte treffen („Gibt es etwas, das ein Schönheitschirurg bei Dir ändern sollte?“) und für die Beantwortung von etlichen Karten ist vor allem Mut und Selbstvertrauen gefragt („Bitte zwei Mitspielende um Rückmeldung, welchen Eindruck sie von Dir bei der ersten Begegnung hatten.“). Mit jüngeren Jugendlichen oder in Gruppen, die sich kaum kennen, ist es daher wichtig, eine Vorauswahl zu treffen, um allen Teilnehmern ein gutes Erlebnis zu ermöglichen. Ein Ende des Spiels gibt es nicht, die Gruppe sollte selbst entscheiden, wann genügend Fragen beantwortet wurden. 

Für wen lohnt sich Psycho Kick?

Wer auf der Suche nach einem Spiel für den Freundeskreis oder die Familie ist, bei dem man sich durch lockeres Spielen besser kennen lernen kann, sollte sich lieber nach anderen Spielen umsehen. Das bloße Beantworten der Fragen hat leider keinen hohen Wiederspielreiz und macht Psycho Kick vor allem zu einem Hilfsmittel der Kommunikation untereinander. Daran können auch die bunten Karten und die kompakte Verpackung nicht viel ändern. Die Testrunden in meinem Freundeskreis wurden jeweils sehr schnell durch Desinteresse beendet und es kam die Frage auf, ob wir nun auch noch etwas Richtiges spielen können.

Der Verlag, bei dem dieses Spiel veröffentlicht wurde, zeigt allerdings schon, für welche Zielgruppe es vor allem gedacht ist. So ist der Lambertus-Verlag kein Verlag für Spiele, sondern u. a. für Fachbücher im sozialen Bereich. Und auch in diesem Kontext ist Psycho Kick einzuordnen. Denn im therapeutischen und pädagogischen Zusammenhang, findet das Kommunikationsspiel seine Anwendung. Als Einstieg in Gruppenstunden, Auflockerungseinheit bei Seminaren oder für gemütliche Gesprächsrunden auf Freizeiten eignet sich ein Großteil der Fragen sehr gut. Auch in meinem Arbeitsfeld, der außerschulischen Jugendbildung, finden ähnliche Materialien in verschiedenen Settings immer mal wieder Anwendung. Psycho Kick kann somit für einige Berufsgruppen im sozialen Bereich ein praktisches Werkzeug für den Arbeitsalltag sein und ist in einem Methodenkoffer nicht fehl am Platz. Denn mit tiefsinnigen, ernsten aber auch humorvollen Fragen kann Psycho Kick im passenden Rahmen den Spielern eine tolle Selbsterfahrung ermöglichen und die Gruppenmitglieder füreinander sensibilisieren.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2+
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
14
Jahrgang: 
2018
Spielkategorisierung
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