Witches

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 26.07.2015
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Kartenspiel Witches - Foto von Amigo Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Mit Hexen und so Zeugs muss man mir normalerweise nicht kommen, die sind eigentlich nicht so mein Ding. Dasselbe gilt für die Verbrett- oder -kartenspielung von PC-Games, die halt leider nicht immer zu besonders herausragenden Ergebnissen führt. Aber Spielekritiker und die mitbeteiligten Testgenossinnen und -genossen sind hart im Nehmen. Und so haben wir uns trotz allen Vorurteilen und Abwehrreflexen hinter Witches von Ken Fisher und Joe Andrews (Amigo Spiele) geklemmt um zu ergründen, was es an diesem kleinen Karten- und Stichspiel in der bewährten Aufmachung von Wizard so alles festzustellen und zu rühmen oder eben auch zu kritisieren gibt.

Alles klar: Witches ist kein Wizard, sondern Hearts

Als erstes einmal fällt auf, das der ersten Blick auf die Schachtel auffallend schnell Gedanken an Wizard aufkommen lässt (vgl. oben), der anschließende Gang durch die Anleitung dann aber eher an Hearts erinnert. Hearts ist bekanntlich (?!) ein mehr oder weniger bekanntes PC-Spiel, das mit Windows mitgeliefert wird und entsprechend weit verbreitet ist. Es gilt dabei, in mehreren Spielrunden möglichst wenige Strafpunkte zu sammeln, wobei eine bestimmte Kartensorte (Herz) sowie die Pik-Dame in den eigenen Stichen ungut zu Buche schlagen. Schafft jemand dagegen einen Durchmarsch und sammelt er in einer Runde gleich sämtliche dieser Punktekarten, werden alle übrigen Spieler mit je 26 Strafpunkten belastet, was allerdings nicht ganz einfach zu bewerkstelligen und entsprechend riskant ist.

So funktioniert das Kartenspiel Witches

Das alles gibt es mehr oder weniger unverändert auch bei Witches und ist entsprechend rasch verstanden und gut geläufig. Allerdings haben einige Karten Sonderfunktionen, was Witches vielfältiger, aber auch etwas unübersichtlicher als Hearts macht und daher nicht nur positiv zu beurteilen ist. Und auch die Gestaltung der Karten (die eben ausschauen wie Ableger von Wizard, aber das nur so nebenbei) ist nicht über alle Zweifel erhaben. Das Spiel besteht aus 60 Zahlenkarten in vier Farben, die je von 0-14 durchnummeriert sind. Die vier Karten mit dem Wert 0 sind dabei Zauberer und eigentliche Joker, da sie auf alle Farben gelegt werden dürfen. Weshalb sie trotzdem in einer der Spielfarben und nicht neutraler gehalten sind, entzieht sich dabei dem Verständnis des Spielekritikers. Aber das ist noch nicht das größte der Probleme.

Zu Beginn werden alle Karten ausgeteilt. Anschließend darf jeder eine bestimmte Anzahl Handkarten verdeckt einem vorgegebenen Gegner zuschieben. Dabei werden sinnvollerweise schon mal die größten Risiken in Form von hohen oder Herzkarten abgebaut oder aber ein möglicher Durchmarsch vorbereitet. Dann beginnen die eigentlichen Stichrunden. Die ausgespielte Farbe muss dabei bedient werden, weshalb Zauberer nützlich sein können, um einen Stich voller Herzkarten zu vermeiden. Der höchste Wert der zuerst ausgespielten Farbe gewinnt nämlich den Stich mit allen darin befindlichen Karten. Das geht so lange bis alles ausgespielt ist. Dann werden die Strafpunkte ermittelt.

Die Wertung der Stiche bei Witches

Feuerkarten (Farbe rot) in den eigenen Stichen zählen je minus 1. Die Erd- und die Lufthexe reduzieren einzelne Punkte, während die Feuer- und die Wasserhexe (alle Zahlenwert 11) sowie die Pygmäen-Königin (grüne 12) für weitere Strafpunkte sorgen. Zusätzlich gibt es durchmarsch-ähnliche Kartenkonstellationen, bei denen die Gegner Minuspunkte aufgebrummt erhalten. Sobald ein Spieler bei 70 oder mehr Miesen ist, endet das Spiel und der Spieler mit den wenigsten Feuerpunkten gewinnt.

Kein Zugang für Hexen: Urteil über das Stichspiel Witches

Leider ist das alles einfacher geschrieben, als verstanden und umgesetzt. Insbesondere das Handling der Hexen und ihrer Wirkungen ist nicht besonders intuitiv. Diese sind zwar mit Symbolen auf den Karten vermerkt, allerdings in nicht ganz selbsterklärender Weise. Zudem ist das ganze Wertungssystem reichlich kompliziert. So bringt die Wasserhexe fünf Minuspunkte und die Pygmäen-Königin zehn davon. Die Erdhexe reduziert die eigenen Feuerpunkte um fünf, während die Lufthexe die Minuspunkte der Wasserhexe und/oder der Pygmäen-Königin neutralisiert. Außerdem ergibt die Kombination der Wasserhexe mit allen roten Feuerkarten 20 Strafpunkte für alle Gegner, während die Feuerkarten zusammen mit der Pygmäen-Königin 25 und die Feuerkarten mit der Wasserhexe und der Pygmäen-Königin gar 30 Punkte eintragen. Aber welches war noch mal die Wasser- und welches die Lufthexe? Und was für eine Karte benötige ich, um die Folgen der Pygmäen-Königin entweder tilgen oder aber optimal nutzen zu können?

Witches führt besonders in den ersten Runden zu rauchenden Köpfen und einem regelmäßigen Griff zur Anleitung. Und auch wenn später die Symbolik der Karten und deren Funktionen besser sitzen, spielt sich das ganze immer noch reichlich verkrampft und bleibt trotzdem nicht wirklich steuerbar. Unter dem Strich bleibt so ein Kartenspiel, das ein bestehendes Produkt (Hearts) verbessern wollte, damit aber doch eher über das Ziel hinaus- oder zumindest daran vorbeigeschossen hat. Hexen kommen mir jedenfalls weiterhin möglichst nicht ins Haus.

Video: 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
3-6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2014
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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