Spielgefühl: Witches

Verhextes Kartenspiel

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 02.10.2014
Kartenspiel Witches - Foto von Amigo Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Vorfreude auf die Spiel'14 in Essen mit einem Kartenspiel? Ne. Boah, was war ich am Fluchen nach einer Partie Witches. Nein, ich habe verstanden, wie Witches gespielt wird. Also die Spielregeln zumindest. Ist ja auch nicht schwer. Jeder bekommt gleich viele Karten auf die Hand. Zwei zum Mitspieler geschoben und los. Vier Farben, vier neutrale Nullen (Hey, Amigo Spiele, die hätten niemals die Spielfarben bekommen dürfen!) und dann wird normal gestochen, keine Trumpffarbe im Spiel. So weit, so gut. Rot ist böse, denn Rot ist Feuer. Und Feuer frisst die Seele auf. Intuitiv. Daher ist Rot zu vermeiden wie de Pest. Auch gut. Verstehe ich. Aber dann schlägt Witches mit bösen Zaubern zu.

Wenn alle Karten gespielt sind, wird abgerechnet. Oh, hier fehlt der Mittelteil, der mich um den Verstand bringt. Hexen sind auch im Spiel, deshalb heißt es ja Witches. Erinnert übrigens designmäßig an Wizard, was wiederum passt und dann doch nicht. Nur die Karten sind mir zu klein. Zu den Hexen. Die haben den Wert 11 von maximal 14. Sind also extrem blöd zu spielen in einem Stichspiel. Aber zurück zur Abrechnung bei Witches.

Die doppelte Abrechnung: das Hexenwerk von Witches

Jetzt gibt es Minuspunkte für Feuerkarten. Klar. Feuer frisst Seele und so. Die Feuerhexe verdoppelt diese Punktzahl. Klar. Aber nur bis maximal 15. Himmel, warum das denn? Also: 8 x 2 = 15. Wenn das ein Mathelehrer sieht! Wer soll sich das merken? Aber es kommt besser. Die grüne Wasserhexe bringt fünf weitere Feuerpunkte. Klar, ist ja eine Wasserhexe. Und sie ist grün. Häh?! Die Pygmäenkönigin, auch grün, bringt zehn Feuerpunkte. Aha. Ist ja klar, alles Grüne ist wie Feuer, oder was? Die Erdhexe dagegen verstehe ich. Die reduziert den Feuerschaden. Intuitiv, denn Erde löscht Feuer. Besser für die Seele. Die Lufthexe, die wiederum alle für die Wasserhexe halten, weil sie blau ist, reduziert den Schaden durch die grünen Karten. Hm. So langsam wird es eng im Kopf. Irgendwie hat Witches da einen bösen Zauber auf mich gelegt. Was für ein verhextes Spiel.

Ach ja, Zauber. Natürlich lässt sich auch ein Durchmarsch spielen. Wer alle Feuerkarten sammeln kann, bringt allen (!) anderen Mitspielern Minuspunkte. Das wird noch durch eine oder beide der grünen „Damen“ (Wasserhexe und Pygmäenkönigin) verstärkt. Kommt nicht oft vor, ist dann aber besonders fies.

Witches: Handwerkliche Mängel sind unübersehbar

Aber ganz am Ende ist man platt. Klar, nach und nach versteht jeder, was wie zu zählen hat. Aber ehrlich: Das Kartenspiel Witches ist handwerklich an der Grenze, der Mechanismus ist überladen von Rechnerei und die bösen Hexen grafisch nicht besonders erkennbar. Das Spielgefühl nach den ersten Runden sagt mir: Nein, ich will nicht verhext sein! Lieber greife ich zu Die Sieben Siegel/Wizard Extreme. Das ist intuitiver, schöner und spannender als Witches.