Zeitreise durch das 20. Jahrhundert

eine Spielerezension von Frank Riemenschneider - 31.10.2005
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Zeitreise durch das 20. Jahrhunderts von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg wurden im Februar 2005 die spielenden Senioren entdeckt. Unter dem Stichwort „Senioren“ gibt es im Internet bei einer bekannten Suchmaschine schlappe 5,6 Millionen Meldungen. Wird noch ein „-Gesellschaftsspiele“ angefügt, sinkt die Zahl allerdings auf kümmerliche vier (!) Einträge, von denen zwei Internetadressen nicht aufrufbar waren. Dazu passt die Beobachtung im Verwandtenkreis, wenn Senioren überhaupt spielen, dann einfachste Spiele wie Mensch Ärger dich nicht oder Mau Mau. Abgesehen von den Spieleaktivisten der 70er Jahre haben die Rentner aus dem 21. Jahrhundert mit unbekannten Spielen nichts am Hut. Zusammen mit dieser Zielgruppe soll daher eine kommunikative Zeitreise durch das 20. Jahrhundert unternommen werden, man darf gespannt sein.

Der erste Eindruck, dem man von diesem Spiel bekommt: Der Inhalt der Schachtel, würde mit einem Faltplan gut und gerne auch mit der Hälfte des Platzes auskommen. Mit einem Würfel werden griffige und große Spielfiguren über einen Spielplan bewegt. Die farbigen quadratischen Felder auf dem Spielplan dienen dazu, verschiedene Farbkarten (rot, grün, blau) zu sammeln. Auf ein farbiges rechteckiges Feld dürfen die Spieler nur mit der entsprechenden Farbkarte ziehen - und hier beginnt es kommunikativ zu werden. Je nach Farbvorgabe müssen verschiedene Ereignisse aus dem eigenen Blickwinkel erzählt werden. Beispiel gefällig: 1950 bediente am Staatsbrückenkopf (Salzburg) ein Polizist die erste Ampelanlage. Können sie sich an ähnliche Ampelanlagen erinnern, die von einem Polizisten bedient worden sind? Da leuchten den Senioren die Augen! Alle, die erheblich jüngeren Baudatums sind, können zu solchen Fragen nur dicke Backen machen. Aber genau darum geht es: Jeder Spieler soll seine Erfahrung an die Gruppe weitergeben, selbst dann, wenn keine Erfahrung vorhanden ist. Damit die Geschichten nicht ausarten, soll ein Moderator die Rededauer im Auge behalten und gegebenenfalls regulierend eingreifen. Grundsätzlich sind zwei Minuten Redezeit pro Person einzuplanen. Weil jeder gern von sich erzählt, wird die Zeitvorgabe des Spiels von 60 Minuten locker gesprengt.

Die Spielregel ist für ältere Senioren, selbst mit Erläuterung des Moderators, schon eine Herausforderung. Was während des Regelstudiums richtig eingetrichtert wird, ist der Verlagsname. Entweder sind es VIA-Spielfiguren die bewegt werden müssen oder ein VIA-Symbol spielt eine Rolle, immer wieder wird der Verlagsname in der Spielregel auf diese Weise wiederholt. Probleme durch die unterschiedlichen Felder mit verschiedenen Handlungsweisen machte der Spielplan. Er wurde als zu kompliziert empfunden. Positiv aufgefallen sind dagegen die Fragen oder die Stichwörter, die echten 100 Wörter des Jahrhunderts.

Höhepunkt des Spieles sind die Erzählrunden, die allen Spaß machen. Nur ausgerechnet da muss die Euphorie gedrosselt werden. Wer alle Felder (rot, grün und blau) besucht und die kommunikativen Aufgaben erfüllt hat, darf sich zum Ziel würfeln. Da es bei dieser Art von Spiel nicht möglich ist, mit einer taktischen Meisterleistung zu glänzen, interessiert die Schlusswertung eigentlich keinen so wirklich. Überhaupt ist das Spiel nur Mittel zum Zweck, der auch ohne Spiel in den Mittelpunkt einer geselligen Runde rücken kann - einfach fragen: Wie war das denn damals?

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
3 - 8
Spieldauer (Minuten): 
60
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
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