Pacific Rails Inc.

eine Spielerezension von Olaf Bormann - 21.01.2022
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Pacific Rails Inc. - Ausschnitt - Foto von Kobold Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Pacific Rails Inc. ist ein anspruchsvolles Strategiespiel für 2-4 Personen von Dean Morris (Kobold Spiele). Das Thema Eisenbahn ist eine konstante Größe im Brettspiel und taucht alle Jahre wieder auf. Von leicht bis komplex wird jeder Geschmack bedient, schauen wir mal, was Pacific Rails Inc. anders macht.

Worum geht es bei Pacif Rails Inc.?

Auf dem zentralen Spielplan sehen wir in der unteren Hälfte eine Karte der USA. Sie ist sehr abstrakt gehalten, tatsächlich ist sie der Wirklichkeit in keiner Weise nachempfunden. An der östlichen wie der westlichen Seite starten alle mit jeweils einem Zug. Streckenbau ist ein wichtiges Element, erlaubt dieses uns, damit Städte anzuschließen und Bauwerke zu platzieren, für die es am Ende viele Punkte gibt. Verknüpfen sich zwei Strecken von Ost nach West, egal wer diese baute, geht das Spiel zu Ende.

Wie läuft eine Partie ab?

Für die unterschiedlichen Geländearten benötigen wir unterschiedliche Baustoffe. Das kommt mir neu vor, in vielen anderen Bahnspielen verursacht schwieriges Gelände einfach nur Mehrkosten der jeweiligen Währungen. Hier brauchen wir Stahl, Holz und Schießpulver für Ebenen, Brücken und Tunnel. Diese Materialien bekommen wir in der oberen Hälfte des Spielplans in der Stadt. Diese besteht aus neun Teilen in einem dreimal drei Raster. Zwischen die Teile setzen wir unsere Figuren, um dann einen von beiden benachbarten Teilen zu nutzen. Die gewonnenen Baustoffe legen wir auf die Dächer unserer Zugdisplays, wo gerade anfangs rasch ein Platzproblem entsteht. An anderen Stellen können die Baustoffe umgewandelt werden.

Pacific Rails Inc. - Material des Eisenbahnspiels - Foto von Kobold Spiele

Suboptimale Regel

Hier greife ich kurz auf das Unglück dieses Spiels vor: die Regel. Statt von Umwandlung ist die Rede von bauen. Nun kenne ich das von unzähligen Spielen, dass Bauen impliziert, das Gebaute auf den Plan zu setzen. Nein, wir „parken“ das Gebaute auf dem Dach unseres Zuges und erst an anderer Stelle gibt es die Möglichkeit, alles einzusetzen. Eine Sinnlücke, in welcher ein Lkw parken könnte, aber gut, das gehört eben zum Spielkonzept, steht auch in der Regel. Aber so versteckt, in nur einem Satz, dass er vollkommen untergeht und nur Verwirrung schafft. 

Städte verbinden

Durch das Legen von Schienen, Brücken und Tunneln verknüpfen wir vorgegebene Städte. Dort können wir Bahnhöfe setzen, die den Baustofferwerb verstärken, was aber in der neunteiligen Stadt an anderer Stelle auch möglich ist. Mittels der ersten drei Bahnhöfe können wir jeweils unser eigenes Zugdisplay um Abteile verlängern, was zusätzlichen Platz auf den Dächern schafft. 

Viele Wege führen zum Siegpunkt

Ich will jetzt nicht auf alle Details eingehen, wichtiges Element im Spiel ist die Optimierung des Baustofferwerbs, der Umwandlung und Platzierung. Dafür gibt es verschiedene Wege und das ist ein reizvoller Aspekt. Es gibt zehn verschiedene Möglichkeiten, um Punkte zu gewinnen: Bei den Eingangs erwähnten Bauwerken gibt es noch die Telegraphenleitungen, dann Waggonverbesserungen, der Kongress usw. Also eine Menge an Variationen, was zum Ausprobieren einlädt, auch das gefällt mir.

Das Spielmaterial ist einwandfrei. Rohstoffmanagement, Optimierung der Spielzüge und das Einsetzen von Arbeitern ist natürlich nichts Neues. Aber der Wettlaufcharakter und die verschiedenen Stellschrauben im Spiel schaffen einen schönen Spannungsbogen. Der Interaktionsgrad ist moderat und bezieht sich im Wesentlichen auf das Wegschnappen von Positionen in der Stadt und das Anschließen von Städten auf dem Plan. 

Macht Pacifi Rails Inc. Spaß?

Nach mehreren Anläufen, die Regel zu verstehen und nach zwei Spielabbrüchen hatte ich nach der dritten Partie endlich das Gefühl: Ja, es steht eigentlich alles drin. Die Hauptaufgabe einer Anleitung, mich in das Spiel einzuführen, scheitert leider. An vielen Stellen entsteht schnell Verwirrung. Der Begriff des Vorarbeiters lenkt ab von der Zugabwicklung. Die Definition des kürzesten Weges ist mit so viel Unklarheit wie nur denkbar beschrieben. Wird eine Stadt erstmalig angeschlossen, ist jedes Stück Strecke zwei Punkte wert, fertig. Stattdessen lese ich von mehreren möglichen kürzesten Wegen. Das wäre theoretisch nur dann möglich, wenn ich von der Startstadt zur neuen Zielstadt in einer Runde mehrere Verbindungen lege, was völlig unsinnig wäre. Warum sollte ich das tun? Es ist immer lukrativer, neue Städte anzuschließen. Auch die bebilderten Baubeispiele zeigen Möglichkeiten, die zwar regeltechnisch erlaubt, aber albern sind, da mein Schieneneinsatz in keinem Verhältnis zu den gewonnenen Punkten steht. Das wird leider nicht erwähnt.

Schachtel des Brettspiels Pacific Rails Inc. - Foto von Kobold Spiele

Unter dem Strich werden die gemeinen ErstspielerInnen im Regen stehen gelassen. Es gibt nirgends einen Hinweis "Achtung wichtig!" oder "Achtet zu Beginn hierauf oder darauf". Mitunter stehen Halbwahrheiten in der Anleitung. Beispiel: „Alle Aktionen können auf zwei Arten verbessert werden“. Nein, Produktionsaktionen auf vier. Ich kann das Risiko verstehen, die Regel wird geschrieben von jemanden, welcher das Spiel dutzende Male gespielt hat, dem es in Fleisch und Blut übergegangen ist. Wie wichtig ist es doch, jemanden die Regel lesen zu lassen, der/die das Spiel nicht kennt, bevor sie gedruckt wird. Im Idealfall: Profis machen lassen!

Ich finde Pacific Rails Inc. zu zweit am stärksten, da fallen die Wartezeiten am geringsten aus. Zu viert sollten es alle gut kennen, sonst wird es schnell zäh. Nach Abzug der Quälerei mit der Regel kann ich das Spiel trotzdem empfehlen!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
14
Spieldauer (Minuten): 
45-60
Jahrgang: 
2020
Spielkategorisierung
Fotos
Pacific Rails Inc. - Material des Eisenbahnspiels - Foto von Kobold Spiele
Schachtel des Brettspiels Pacific Rails Inc. - Foto von Kobold Spiele

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