Wie man gegen sich selbst spielt

Gesellschaftsspiele alleine probiert

ein spielerischer Artikel von Michael Weber - 14.09.2002
Ebbe und Flut von Adlung Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Es gibt so viele Gesellschaftsspiele. Doch manchmal ist einfach gerade niemand da, der Lust hat, ein Spiel zu spielen. Da ist es doch eine tolle Sache, wenn es einige Spiele gibt, für die die Autoren und Verlage eine Solo-Variante entwickelt haben. Aber alleine ein Spiel spielen, macht das denn Spaß?

Es macht. Die Solo-Varianten sind meistens zum Spiel passend und interessant genug, dass man damit mal einen Tag ohne Mitspieler überleben kann. Es soll jedoch nicht verschwiegen werden, dass Gesellschaftsspiele in der Regel für mehrere Spieler entwickelt werden, sodass die Solo-Varianten manchmal nur Notlösungen für diese Spiele sind. Es gibt aber auch andere Fälle, wie unten beschrieben wird. Doch welche Spiele kann man denn überhaupt alleine spielen?

Einer der Klassiker ermöglicht das Spiel allein: Das verrückte Labyrinth. Statt mit- oder gegeneinander ist es natürlich auch problemlos möglich, die Schätze alleine zu sammeln und nacheinander alle Gänge zu den Schätzen frei zu machen. 

Etwas interessanter scheint da schon die Möglichkeit, den eigenen Highscore bei Ebbe & Flut oder FlowerPower zu übertreffen zu versuchen. Ob man nun die Blumenbeete bei FlowerPower so setzt, dass man möglichst viele Punkte erreicht oder die Gezeitenkarten bei Ebbe & Flut ins Ziel schiebt, es bleibt einfach interessant. Wenn das Spiel gut läuft, erreicht man eine hohe Punktzahl. Läuft es schlecht, ist man selbst der Schuldige. Die Spieler, die keine Lust auf eine Punktejagd haben, können immer noch die Solo-Variante nutzen, um die eigene Spielkunst zu verbessern. Beide Spiele eignen sich jedenfalls ganz hervorragend für Solo-Versuche.

Kreuzweise von Reich der SpieleFast schon eher zu den klassischen Solo-Spielen (nämlich Legespielen) sind Mad Nooks und Kreuzweise zu rechnen. Bei beiden Spielen muss man eigenwillig geformte Kartenplättchen farblich passend aneinander legen, was leichter klingt, als es getan ist. Beide Spiele setzen durchaus einen Schwerpunkt auf die Solo-Varianten und sind möglicherweise sogar ursprünglich für einen Spieler entwickelt worden. Mad Nooks ist schwer genug, doch bei Kreuzweise findet selbst ein gestandener Tüftler eine echte Herausforderung. Es soll erst einen einzigen Spieler geben, der die Lösung der höchsten Ebene nachweislich geschafft hat ...

Eine ähnliche Aufgabe erwartet den Spieler auch bei Blokus. In der Solo-Variante müssen hier alle Pentomino-Abarten so auf unter Berücksichtigung der Legeregeln das Brett gebracht werden, dass möglichst kein Stein übrig bleibt. Das ergibt nicht nur ein schönes Muster, sondern ist auch nicht so einfach zu lösen, obwohl mehr Platz vorhanden ist, als die Plättchen benötigen.

Eine ganz und gar andere Möglichkeit, sich alleine mit einem Spiel zu beschäftigen, bietet Geschichten aus 1001 Nacht. Das Spiel ist bereits in der Mehrspielervariante nicht ganz so wie andere Spiele. Es geht nicht um das Gegeneinander, sondern um das gemeinsame Erleben von märchenhaften Geschichten. Das Konzept geht bei diesem Spiel auch für einen Spieler auf: Man "liest sich selbst vor", was passiert, wenn man auf eine vorgegebene Situation mit einer der möglichen Handlungen reagiert. So kann man eine Art Solo-Märchen-Lese-Spiel erleben, bei dem es sogar möglich ist, das Spiel zu verlieren.

Insgesamt gibt es sicher noch andere Facetten und viele andere Spiele, die für einen Spieler alleine gut und interessant spielbar sind. Die hier getroffene Auswahl kann nur ein kleiner Appetitanreger sein

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