7 Wonders: Architects

eine Spielerezension von Alexandra Fauth - 10.10.2022
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7 Wonders: Architects - Ausschnitt - Foto von Repos
Lesezeit: ca. 6 Minuten

Könnt ihr alle sieben Weltwunder aufzählen? Die Pyramiden von Gizeh fallen sicher den meisten als Erstes ein, schließlich ist das das einzige Weltwunder der Antike, das heute noch steht. 7 Wonders-Fans können bestimmt auch die übrigen aufzählen. Da gibt es die hängenden Gärten von Babylon, den Koloss von Rhodos, die Zeusstatue in Olympia …

Nach dem großen Erfolg des Kennerspiels 7 Wonders (unter anderem Kennerspiel des Jahres 2011) entwickelte Repos Production eine Spielefamilie dazu: Nach diversen Erweiterungen und 7 Wonders Duel für zwei Spielende gibt es nun mit 7 Wonders Architects eine Familienspielversion, die dementsprechend auch schon ab 8 Jahren spielbar sein soll; wie schon das allseits beliebte Kennerspiel erdacht von Antoine Bauza, diesmal unterstützt durch die liebevollen Illustrationen von Etienne Hebinger. Taugt 7 Wonders auch als Familienspiel? Und braucht man es, wo es doch schon das Kennerspiel gibt? So viel vorweg: Das Spiel findet sich verdient auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres 2022.

So spielt sich das Familienspiel 7 Wonders Architects

Was anders ist als beim Kennerspiel 7 Wonders? In aller Kürze: eigentlich alles. Natürlich stehen in beiden Versionen die sieben Weltwunder im Mittelpunkt, das Spielgefühl ist aber ein gänzlich anderes. Trotzdem erkennen 7 Wonders-Fans bestimmte Mechanismen wieder: die Interaktion (nur) mit den direkten Sitznachbarn, die Forschungskarten, die militärischen Konflikte und das Bauen der Weltwunder mit Rohstoffen.

Alle bekommen zu Beginn ein fünfteiliges Weltwunderset, das mit der Baugerüst-Seite nach oben ausgelegt wird, und ein Kartendeck, das offen zwischen einem selbst und dem linken Nachbarn platziert wird. In die Mitte kommt noch ein allgemeiner (verdeckter) Kartenstapel, außerdem Forschungsmarker und Friedenstauben (abhängig von der Zahl der Mitspielenden).

Wer an der Reihe ist, nimmt eine Karte aus der Mitte oder vom Kartenstapel links oder rechts (also vom eigenen Deck oder dem des rechten Nachbarn). Handkarten gibt es nicht, ebenso wenig das Kartendrafting aus dem Kennerspiel. Die gezogene Karte wird direkt verwendet bzw. in die eigene Auslage gelegt. Haben wir die notwendigen Rohstoffe für einen Bauabschnitt unseres Weltwunders, wird er direkt gebaut. Zur Belohnung gibt es Siegpunkte, manchmal auch individuelle Vorteile (abhängig vom Weltwunder – 7 Wonders-Fans wird auch das bekannt vorkommen). Mit den grünen Forschungskarten bekommen wir Fortschrittsmarker, die uns Vorteile (teilweise auch Siegpunkte) bringen, blaue Punktekarten bringen am Spielende weitere Siegpunkte, und bei zwischendurch stattfindenden Konfliktwertungen gibt es Siegpunkte für diejenigen, die mehr Militärstärke (in Form von roten Militärkarten) als ihre Sitznachbarn haben. Das Spiel endet, wenn das erste Weltwunder fertig gebaut ist.

7 Wonders: Architects - Material des Spiels - Foto von Repos

7 Wonders Architects: Spaß mit der Katze

Im Gegensatz zum ursprünglichen 7 Wonders gibt es zwar fünf unterschiedliche Rohstoffe (Glas, Papyrus, Holz, Stein und Lehm), für das Bauen der Weltwunderabschnitte braucht es jedoch keine bestimmte Rohstoffkombination, sondern eine bestimmte Anzahl, teilweise gleicher, teilweise unterschiedlicher Rohstoffe. Entsprechend begehrt sind die Goldkarten, die als Joker fungieren.

Dynamik kommt vor allem durch die Katze ins Spiel. Wie, Katze? Auf manchen der blauen Siegpunktkarten ist eine Katze abgebildet. Wer eine solche Karte bei sich ablegt, bekommt die Katzenfigur, die am Spielende zwei Extra-Punkte wert ist – besonders für Kinder ein tolles Element. Spielerisch bringt die Katze einen wertvollen Vorteil mit sich. Wer sie hat, darf die verdeckte Karte vom Kartenstapel aus der Mitte vorab ansehen. Immer hilfreich, besonders aber wenn die beiden offenen Stapel keine überragend passenden Karten bieten und man sich nicht entscheiden kann. Nur leider bleibt die Katze nie lange zu Gast. Irgendjemand zieht immer eine neue Katzenkarte. Taktisch nutzen lässt sich das also nur begrenzt, es bringt aber großen Spielspaß mit sich und lockert das Spiel immer wieder auf – nicht nur in Runden mit Kindern.

Übrigens kann es passieren, dass einer oder mehrere der Stapel, die wir zur Auswahl haben, tatsächlich ausgehen. Und nein, der Ablagestapel wird dann nicht neu gemischt (denn in dem sind ja die Karten aller Stapel bunt durcheinander). In unseren Runden kam es nie vor, dass jemand gar keinen Stapel mehr zur Verfügung hatte. Doch auch wenn wir noch einen Stapel übrig haben, ist das ein gewisser Nachteil den anderen Mitspielenden gegenüber, die teilweise vielleicht noch mehr Stapel zur Auswahl haben. Trotzdem empfanden wir das spielerisch nicht als störend, da es sich sehr gut in das Familienspiel-Konzept von 7 Wonders Architects einfügt, bei dem an mehreren Stellen das Glück eine Rolle spielt, sei es beim Besuch der Katze oder beim Ziehen der Karten. Eben das gehört zum Reiz des Spiels dazu. Wer alles durchplanen will, sollte lieber zum Kennerspiel 7 Wonders greifen.

Ein wenig vermisst haben wir einen Wertungsblock. Den braucht es nicht unbedingt, gerade beim Spiel mit Kindern wäre es aber schön gewesen. Sehr lobenswert sind dafür die Boxen, in denen die Weltwunder mitsamt den zugehörigen Karten aufbewahrt werden (nur schade, dass es so viel Plastik ist). So bekommen alle mit einem Handgriff alles nötige Material und das Spiel ist ruck zuck aufgebaut. Insgesamt ist die redaktionelle Umsetzung gelungen, zum Beispiel gibt es je Kartenfarbe ein eigenes Symbol, damit auch Spielende mit Farbsehschwäche gut zurechtkommen (leider noch nicht bei allen Brettspielen selbstverständlich).

Wer spielt hier - und wie viele?

Dass die Katze bei Kindern gut ankommt, versteht sich von selbst. Auch sonst ist das Spiel haptisch und illustrativ sehr gut für Familien geeignet. Die Anleitung ist übersichtlich und lockert die Texte gut mit Grafiken auf. Besonders hervorzuheben sind die Illustrationen von Etienne Hebinger, die kindgerecht, aber alles andere als kindlich sind. Auch den Erwachsenen gefallen sie (zumindest in unseren Spielerunden). Überhaupt ist 7 Wonders Architects eines dieser Spiele, die es schaffen, unterschiedliche Generationen gemeinsam an den Spieltisch zu bringen und dabei allen gleich viel Spaß zu machen. Die Altersangabe ist mit ab 8 Jahren passend und auch Oma und Opa spielen gerne mit.

Wie bei 7 Wonders darf das auch an einem größeren Tisch sein – gemäß den Weltwundern können bis zu sieben Personen mitspielen. Einzig zu zweit spielt es sich okay, aber eben nur das. Es braucht zwar anders als beim Kennerspiel 7 Wonders (in der ersten Edition) keine „freie Stadt“ als fiktiven dritten Spieler, aber die Dynamik, die den Reiz im Spiel mit größeren Runden ausmacht, geht hier verloren. 7 Wonders Architects spielt sich daher erst mit mehr Leuten so richtig gut und entfaltet auch erst dann seinen (hohen) Wiederspielreiz.

Kommt beim Familienspiel Architects 7-Wonders-Feeling auf?

Ja und Nein. Ja, weil es so viele Elemente gibt, die an 7 Wonders erinnern. Nein, weil es sich trotzdem gänzlich anders spielt. Oft reicht es bei solchen Nachfolgespielen, eines zu haben, das Original oder die neue Variante. In diesen Fällen werden Komplexität und Zielgruppe ein wenig angepasst, ansonsten ist es dasselbe Spiel. Hier nicht. Vielleicht liegt das daran, dass das Spiel spielerisch wie redaktionell bis in die liebevollen Details sehr gekonnt an die neue Zielgruppe - Familien - angepasst wurde. Es lohnt sich, beide Spiele zu haben. Und das nicht nur für Fans des Originals.

Ist 7 Wonders Architects ein gutes Familienspiel?

7 Wonders: Architects - Schachtel des Familienspiels - Foto von Repos

Bei allen oben erwähnten (kleinen) Kritikpunkten: Das ist Jammern auf hohem Niveau. 7 Wonders Architects steht wirklich verdient auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres und hätte fast auch bei den Nominierungen landen können. Die Baugerüste mit den Einzelteilen der Weltwunder haben schon rein haptisch großen Aufforderungscharakter und passen wunderbar zu einem Familienspiel. Die Katze ist dabei das spielerische I-Tüpfelchen, das die meisten sofort begeistert.

7 Wonders Architects ist ein tolles Spiel, das quer durch alle Altersgruppen und mit unterschiedlichsten Spielrunden großen Spaß macht. Da fallen die oben erwähnten Wermutstropfen (wie das weniger gute Zweierspiel) kaum ins Gewicht. Bei uns wird es jedenfalls noch oft auf den Spieltisch kommen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-7
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
25
Jahrgang: 
2021
Spielkategorisierung
Fotos
7 Wonders: Architects - Material des Spiels - Foto von Repos
7 Wonders: Architects - Schachtel des Familienspiels - Foto von Repos

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