North American Railways

eine Spielerezension von Markus Nussbaum - 29.03.2017
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North American Railways - Foto von Spielworxx
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Die Neugier auf North American Railways (Peer Sylvester/Spielworxx) war bei mir als Fan von Eisenbahnspielen groß. Als Unternehmer im Zeitalter der Industrialisierung Eisenbahngesellschaften aufzubauen und Streckennetze anzulegen, das klang in meinen Ohren nach Spielen wie First Class, Russian Railroads oder der 18xx-Reihe.

Die erste Überraschung ist die Schachtelgröße, denn ein Spielplan wie man ihn von anderen Entwicklungsspielen kennt, kann nicht enthalten sein. Das Material besteht hier aus Karten, Spielgeld und einigen Holzmarkern, immerhin in Form von Loks.

Wie wird North American Railways gespielt?

Wir haben es hier in erster Linie mit einem Wirtschaftsspiel zu tun, denn wir machen zunächst nichts anderes, als Aktien der fünf Eisenbahngesellschaften zu kaufen. Dadurch erhalten wir Anteile an den Gesellschaften, deren Erträge wir wiederum dazu verwenden, profitable Streckennetze zu bauen um - Überraschung - möglichst reich zu werden.

Das Besondere an North American Railways ist, dass sämtliche Aktien offen in einem 4 x 7 Felder großen Raster ausgelegt werden und die einzelnen Spekulanten jederzeit erkennen können, welche Kaufoptionen im Spielverlauf zur Verfügung stehen werden. Kauft man zu Beginn des Spiels eine Aktie, wird man automatisch zum Gründer und Direktor der entsprechenden Gesellschaft. Da man aber immer nur die unterste Aktie einer Spalte erwerben darf, steht man nach kurzer Zeit vor dem Problem, Anteile einer Gesellschaft erwerben zu müssen, bei der bereits ein Mitspieler Direktor ist. Da heißt es dann Angebote im Rahmen des eigenen Vermögens zu unterbreiten, denn der fremde Direktor darf entscheiden, ob er das Angebot annimmt oder lieber selbst zuschlägt.

In der ersten Phase des Spiels, geht es zunächst nur um den Handel und dessen Möglichkeiten, die in der Regel glücklicherweise in einem Infokasten zusammengefasst werden. Trotzdem kam es in den ersten Runden immer zu Nachfragen, wer nun an wen was zu zahlen hat. Leider ist die deutsche Regel merkwürdigerweise unpräzise, was den Kaufpreis einer Aktie angeht. Es heißt dort nämlich, dass man zahlen kann, soviel man möchte, es muss lediglich ein Vielfaches von 100 $ sein. Das würde nach Lesart meiner Spielrunde einen Preis von exakt 100 $ ausschließen. In der beiliegenden englischen Regel ist es eindeutiger, denn dort heißt es mindestens 100 $ und so haben wir es auch gespielt. Zieht man beim Handel mit der Aktienanzahl eines anderen Direktors gleich, übernimmt man dessen Gesellschaft.

In der zweiten Phase geht es um den Ausbau von möglichst lukrativen Strecken. Dazu kauft man aus einer 4 x 9 Karten großen Auslage Städtekarten, bis jeder Spieler passt. Hier gelten die gleichen Kaufregeln wie bei Aktien, also immer nur die Städtekarten aus der untersten Reihe einer Spalte. Die amerikanischen Städte kosten unterschiedlich viel und generieren in der dritten Phase des Spiels Erträge für die Gesellschaften, an die sie angeschlossen sind. Außerdem haben manche ein bis drei sogenannte Coast-to-Coast-Symbole aufgedruckt, die sie bei der Endabrechnung besonders wertvoll machen. Auch hierbei kam es in den Spielrunden trotz Regelstudiums immer wieder zu Unklarheiten bezüglich des Verteilschlüssels. Das Spiel endet beim Eintritt von drei möglichen Optionen und nach einer Schlusszahlung gewinnt der reichste Spieler.

Lohnt sich North American Railways?

Freunde von Handelsspielen werden an North American Railways sicherlich Spaß haben. In meinen Augen hat das Spiel leider einige Schönheitsfehler. Die Regelunklarheiten und daraus folgenden Diskussionen stoppen den Spielfluss, die merkwürdige Farbgebung der Holzloks (die weißen Loks gehören zu der lilafarbenen Gesellschaft) verwirrt zu Beginn und wenn man das eigene Vermögen möglichst vor den anderen Spielern verheimlichen soll, warum wurden die Scheine dann doppelseitig bedruckt? Eine echte Kaufempfehlung mag ich daher nicht aussprechen. Da das Spiel in einer Auflage von nur 600 Stück hergestellt wurde und es eine zweite Auflage laut Verlag nicht geben wird, kann man es ohnehin nur noch auf Auktionsplattformen oder einzelnen Händlerseiten erhalten.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
3-5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2016
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
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