Patchwork

eine Spielerezension von Michael Weber - 23.08.2015
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Patchwork - 2-Personen-Spiel - Foto von Lookout Spiele
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Patchwork? Stofffetzen zusammenbasteln? Knöpfe sammeln? Ja, bin ich hier in der Nähschule? Nein! Mitnichten. Im Gegenteil: Eher bei einem wirklich fluffigen Gesellschaftsspiel für zwei Personen. Von Uwe Rosenberg? Ja, genau! Von dem, der auch Agricola und solche Schwergewichte fabriziert hat. Überraschung: Der kann auch ganz anders (was übrigens Kenner wissen, aber meistens verdrängen).

Worum geht es bei Patchwork?

Beim Brettspiel Patchwork (Lookout Spiele) spielen zwei Spieler gegeneinander, indem sie Plättchen (Flicken) möglichst so auf ihr Tableau (entstehende Decke) ablegen, dass sie dieses bis Spielende vollständig abdecken und während der Partie über Wertungen immer wieder an Knöpfe kommen. Denn diese zählen als Punkte und nebenbei als Währung beim Kauf der Plättchen. Am Spielende gewinnt also der Spieler mit den meisten Knöpfen abzüglich zweier Knöpfe für jedes nicht abgedeckte Feld seines Tableaus. Ganz einfach!

Wie wird Patchwork gespielt?

Und so einfach sind auch die Regeln. Es gibt drei Ebenen im Spiel. Das eigene Tableau, den Zeitplan (für Zugreihenfolge, Wertungen und Restspieldauer) und die Flicken. Letztere bestehen aus verschiedenen mehr oder weniger an Pentominos erinnernde Plättchen und werden um den Zeitplan platziert. Eine Spielfigur kommt hinter das einzige einfache Zweierplättchen und schon geht es los.

Variante A: Nichts machen und vorwärts ziehen

Wer am Zug ist, kann nun wählen. Entweder er rückt auf dem Zeitplan vor bis an die Spitze, also ein Feld vor den Stein des Mitspielers. Dafür gibt es Knöpfe in Anzahl der zurückgelegten Felder. Nebenbei können noch Knopfwertungen ausgelöst werden oder ein paar attraktive Flicken in der Größe von nur einem Feld eingesammelt werden. Diese eignen sich wunderbar, um die beim Legen der Flickenplättchen entstehenden Lücken zu schließen.

Variante B: Plättchen kaufen und legen

Das wiederum geht ebenso im Vorbeigehen mit der zweiten Aktion. Dabei wählt der Spieler einen der nächsten drei ausliegenden Flicken aus. Dazu zahlt er den dort aufgedruckten Preis in Knöpfen und zieht anschließend die Anzahl der ebenfalls aufgedruckten Felder auf dem Zeitplan vor.

Nun sind bei dieser Aktion mehrere Dinge zu beachten. Zum einen wird die große Figur in die gerade entstandene neue Lücke zwischen die Flicken gesetzt. Damit gibt es beim nächsten Zug eine neue Auswahl von drei Flicken. Hier lauert schon eine fiese Falle. Denn damit bestimmt der Spieler immer zugleich notgedrungen oder aus eigenem Antrieb die Auslage des Mitspielers. Allein die Plättchenwahl eröffnet taktische Möglichkeiten, die die Spieler anfangs unterschätzen.

Dann muss der Spieler seinen Flicken auf dem Tableau platzieren. Das ist anfangs leicht, wird aber wegen der Form der Flicken im Laufe des Spiels (meistens) immer schwieriger. Wer will schon an eine mühsam genähte Patchworkdecke ein sperriges, Lücken reißendes Plättchen legen. Aber: Je unvorteilhafter das Plättchen ist, desto mehr Knöpfe sind dort (meistens) aufgedruckt. Das ist wichtig, denn jeder Knopf auf einem Plättchen, das bereits auf der eigenen Decke liegt, bringt bei den Wertungen einen Knopf Einnahme. Wer möglichst früh „kompliziert“ baut, verhagelt sich also das leichte Anbauen, profitiert aber von mehr Knöpfen (oder auch kleineren Sprüngen auf der Zeitleiste, was ebenfalls serh gut ist). Ein fieses Dilemma.

Abschließend schaut der aktive Spieler noch, ob sein eigener Zählstein jetzt den gegnerischen überholt hat. Ist dies der Fall, ist der Mitspieler am Zug. Ist dies nicht der Fall, darf er einen weiteren Zug machen. Auch hier wieder ein nicht neuer, aber schöner Teilmechanismus, der das Spiel spannend macht. Denn die wertvollen Plättchen befördern den Zählstein weit voraus, womit der Mitspieler anschließend potenziell mehr Züge haben könnte.

Spielende von Patchwork

So geht es, bis am Ende beide Zählsteine im Zielfeld angekommen sind. Bei der abschließenden Wertung kommt zusätzlich noch ein Sonderplättchen zum Einsatz. Dieses bringt sieben Punkte und geht während des Spiels an den Spieler, der als erstes ein vollständig abgedecktes Deckenstück von sieben mal sieben Feldern gelegt hat.

Wie gut ist das Zwei-Personen-Spiel Patchwork?

Nein, wir sind nicht in der Nähschule. Aber nach einer kurzen Anleitung weiß jeder Spieler, wie die Decke zusammengenäht wird. Die Regeln sind sehr einfach und die Mechanismen wirken in der Kombination frisch. Selbst mit Gesellschaftsspielen wenig vertraute Menschen verstehen nach ein, zwei Zügen, wie die (übrigens – zur Klarstellung – natürlich nicht im Spiel enthaltene) Nadel laufen muss, um eine wunderschöne Decke und genug Knöpfe zu bekommen. Ein tadelloses Spiel, das den Titel verdient. Denn mit den nicht gänzlich neu erfundenen Teilmechanismen kreiert Uwe Rosenberg ein neues Werk, das eigenständig und schön anzuschauen ist.

Mir hat Patchwork extrem gut gefallen. Es macht großen Spaß, die richtigen Plättchen zu wählen, diese ebenso richtig und sinnvoll anzulegen und dabei noch auf die Ressource der Knöpfe zu achten. Aber selbst dann wartet ja noch die Zeitleiste. Denn attraktive Plättchen sind eben nicht nur teuer, sondern kosten auch Züge. Oft genug erkennt man das Dilemma erst, wenn der Mitspieler plötzlich gleich dreimal an der Reihe ist und dabei kleine, günstige und gut auf die Decke passende Plättchen sammelt. Am Ende springt er dann vor den eigenen Stein und raubt noch den dort vielleicht gerade liegende Einer-Flicken. Der Mitspieler wiederum ärgert sich, dass er nicht genug Knöpfe in der nächsten Wertung erhält, hat aber beim „Einkauf“ schon gespart und eben sein Tableau besser bebaut. Oder eben doch nicht?

Patchwork ist ein tolles Mit- und Gegeneinander mit einem unverbrauchten Thema, das hervorragend zum Mechanismus passt. Dieses Zwei-Personen-Spiel ist ein wunderbar geknüpftes Spielevergnügen der Extraklasse, das mit einfachen, aber trickreichen Mechanismen zu begeistern weiß. So einfach ist Spielen!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2014
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
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