The Mind

Lasst uns eins werden...!

eine Spielerezension von Verena Segert - 23.05.2018
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Kartenspiel The Mind - Foto von NSV
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Stille. Spannung liegt in der Luft. Die Blicke schweifen hin und her. Niemand rührt sich. Plötzlich ein Zucken. Soll ich es wagen? Bin ich an der Reihe? Kann ich mich auf mein Gefühl verlassen? 

In dem kooperativen Kartenspiel von Wolfgang Warsch versuchen zwei bis vier Spieler ab acht Jahren ihre Handkarten in der richtigen Reihenfolge abzulegen und das, ohne miteinander zu sprechen oder sich geheime Zeichen zu geben. Verrückt? Ja, irgendwie schon. Aber genau deshalb ist The Mind (Nürnberger Spielkartenverlag) zurzeit in aller Munde.

Wie wird The Mind gespielt? 

Die 100 Zahlenkarten, welche die Werte von eins bis einhundert haben, werden gut gemischt und an die Spieler verteilt. In Level 1 erhält jeder Spieler eine Handkarte, in Level 2 dann entsprechend zwei Handkarten. Es können bis zu 12 Level gespielt werden. Alle Spieler schauen sich ihre Handkarten verdeckt an und legen ihre Hand in die Tischmitte, sobald sie bereit sind. Nun haben die Spieler gemeinsam die Aufgabe, ihre Karten auszuspielen. Dabei müssen die Karten in aufsteigender Reihenfolge in die Tischmitte gelegt werden, ohne sich abzusprechen, wer an der Reihe ist. Wurden alle Karten in der richtigen Reihenfolge ausgespielt, steigen die Spieler ein Level auf und erhalten dadurch regelmäßig Belohnungen in Form von Leben oder Wurfsternen. Wurde hingegen eine Zahl zu früh ausgespielt, wird das Spiel unterbrochen, alle niedrigeren Werte werden zur Seite gelegt und das aktuelle Level wird fortgesetzt. Das Team verliert in diesem Fall jedoch ein Leben. Diese werden je nach Spieleranzahl zu Beginn des Spiels ausgelegt, ebenso wie eine bestimmte Anzahl an Wurfsternen. Wurfsterne können jederzeit im Spiel eingesetzt werden. Möchte ein Spieler den Wurfstern einsetzten und alle anderen stimmen zu, darf jeder Spieler seine niedrigste Handkarte offen beiseitelegen. Anschließend wird das Spiel fortgesetzt. Das Spiel endet, sobald das Team seine Leben verloren oder alle Level gemeistert hat.

Variante für Profis

Hat ein Team alle Level geschafft und will sich einer noch größeren Herausforderung stellen, wird im Blind-Modus weitergespielt. Hierbei werden die Karten verdeckt in der Tischmitte abgelegt. Erst bei Levelende werden diese umgedreht und auf die richtige Reihenfolge überprüft. Diese Variante ist selbst für eingespielte Teams eine wahre Prüfung.

Lohnt sich das Kartenspiel The Mind? 

The Mind erinnert im ersten Moment an The Game und doch ist es irgendwie ganz anders. Auch wenn hier ebenso Zahlenkarten in einer bestimmten Reihenfolge abgelegt werden müssen, geht es hier um mehr. The Mind ist ein Kommunikationsspiel, obwohl genau diese untersagt ist. Die Spieler müssen sich auf das Spiel einlassen, damit es funktioniert. Genau dann ist es aber genial. Die Spannung, die mit diesem so simplen Prinzip erzeugt wird, ist berauschend. Das Spiel fesselt und macht süchtig. Vor allem dann, wenn auch ganz eng beieinanderliegende Karten in der richtigen Reihenfolge abgelegt werden.

The Mind ist in wenigen Minuten erklärt, kann von Jung und Alt gespielt werden und macht zu zweit ebenso Spaß wie zu viert. Die Spieldauer variiert dabei stark je nach Gruppenzusammensetzung und nach den Werten der gezogenen Handkarten. Und auch die Art und Weise der „Nicht-Kommunikation“ unterscheidet sich von Gruppe zu Gruppe. In einem Team starren sich die Mitspieler nur in die Augen, in einem anderen Team lehnen sich die Spieler auch schonmal zurück oder legen Karten vor sich auf dem Tisch ab. Was erlaubt ist, muss wohl jede Gruppe selbst entscheiden.

Wer auf der Suche nach einem kleinen kooperativen Spiel ist, das einfach ein bisschen anders ist, sollte sich The Mind unbedingt anschauen. In meinen Testrunden hat das Spiel schnell gezündet und Nichtspieler wie auch Gelegenheitsspieler gepackt. Lediglich Brettspieljunkies waren skeptisch, wie oft The Mind letztendlich auf den Tisch kommen würde. Dennoch wurde häufig eine weitere Runde angehängt, um das zuletzt erreichte Level zu überbieten. Und hat sich ein Team erst einmal ein wenig aufeinander eingelassen und synchronisiert, können bei The Mind unglaubliche Dinge passieren, sodass es scheint, als würde irgendwer das Spiel lenken. Natürlich kann The Mind auch ebenso schnell frustrieren, wenn das Team nicht zusammenfindet. Das ist bei mir aber bisher zum Glück ausgeblieben. Dafür gab es in einer Partie einen regelrechten Höhenflug, als ich es im ersten Spiel mit meiner Schwester direkt bis Level 11 schaffte. Eine gewisse Verbundenheit der Spieler ist sicher hilfreich, diese kann aber auch wunderbar durch das Spiel gefördert werden. So kann The Mind auch gut in Teamtrainings eingesetzt werden, um das Gefühl der Teammitglieder füreinander zu sensibilisieren.

The Mind ist eine klare Empfehlung für alle, die Lust darauf haben, sich auf andere einzulassen und gemeinsam eine tolle Spielerfahrung zu haben. Bei diesem Spiel geht es nicht um den eigenen Sieg, sondern um ein Erlebnis. Und wenn es tatsächlich gelingt, auch die kniffeligsten Handkarten in korrekter Reihenfolge abzulegen, dann geht The Mind ins Gehirn - mit Endorphinen pur!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
20
Jahrgang: 
2018
Spielkategorisierung
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