Vor den Toren von Loyang

eine Spielerezension von Stephan Kurschat - 05.09.2010
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Vor den Toren von Loyang von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Wir befinden uns in der Stadt Loyang in China vor ca. 2.000 Jahren und sind Bauern, die in der Stadt ihre Waren verkaufen müssen. Und puhhhh ...., das ist gar nicht so einfach, das Leben eines Bauern. Da gilt es, die korrekten Waren anzubauen und diese bei anderen Händlern geschickt zu tauschen, sodass man möglichst die Laufkundschaft bedienen kann und zusätzlich noch seine Stammkunden beliefert, weil diese sonst ziemlich sauer werden.

Aber jetzt mal ganz in Ruhe: Jeder Spieler beginnt mit einem Feld, auf dem er genau eine Warenart anbauen kann und bekommt in jedem Zug ein weiteres Feld hinzu. Die Felder unterscheiden sich in der Größe, die sich umgekehrt zur Güte des Feldes verhält. Je kleiner das Feld, desto höherwertigere Waren können auf dem Feld angebaut werden. Das Startfeld hat die maximale Größe von neun Parzellen, kann dafür aber nur Weizen, Kürbisse oder Rüben aufnehmen. Auf anderen Feldern können dann noch Chinakohl, Bohnen und Lauch angebaut werden, wobei Lauch nur auf den kleinen Äckern mit drei Parzellen angebaut werden kann. Nach dem man nun auf einem Feld etwas angebaut hat (das Saatgut muss man sich auch noch teuer im Laden erkaufen), kann man jede Runde eine Parzelle jedes Ackers abernten. So gelangt man an seine Waren. Diese müssen nun den Kunden verkauft werden. Bei diesen wird unterschieden zwischen Stammkunden und Laufkunden. Die Laufkunden wollen einfach nur drei bestimmte Waren haben, zahlen dafür und sind danach zufrieden und ziehen von dannen. Stammkunden sind da etwas anspruchsvoller. Diese wollen vier Runden lang jede Runde die gleichen zwei Waren haben und zahlen anfangs eher schlecht, in den weiteren Runden aber sehr ordentlich für diese Waren. Wenn diese aber wiederholt nicht bedient werden, so werden sie ziemlich sauer, und man muss eine Strafe an die Stammkunden bezahlen. Stammkunden sind aber auch noch aus einem anderen Grund wichtig. Bedient ein Bauer zu wenig Stammkunden, so trauen ihm die Laufkunden nicht über den Weg und zahlen geringere Preise.

Aber was tun, wenn man nicht die Waren hat, die die Kunden benötigen? Immerhin kann man ja nicht immer die korrekten Waren auf dem Markt anbieten, insbesondere da man die Waren aufgrund der fehlenden Lagermöglichkeiten nicht einfach in die nächste Runde mitnehmen kann. Hier kommen dann die Händler ins Spiel. Die tauschen die Waren des Bauerns gegen eigene Waren ein, aber auch deren Angebot ist beschränkt. Und es gibt noch Helfer, die den Bauern beispielsweise die Interaktion mit den Mitspielern erlauben (meist zu deren Unwohl).

Aber wie kommt man eigentlich an die Kunden, Händler und Helfer heran? Diese werden mit einem ziemlich raffinierten Mechanismus ersteigert. Jeder Spieler bekommt vier Karten, von denen er aber nur eine behalten darf , sowie eine zweite Karte aus der Mitte. Dabei müssen sich die Spieler reihum entscheiden, ob sie zuschlagen und die Handkarte, sowie die Karte aus der Mitte nehmen, oder noch warten und dafür eine eigene Karte in die Mitte legen, die dann die Mitspieler ggf. gebrauchen können.

Ziel des Spieles ist es, den größten Wohlstand zu erarbeiten. Dafür gibt es den sogenannten Wohlstandspfad, auf dem es möglichst weit nach vorne zu gelangen gilt. Dabei ist der erste Schritt auf dem Pfad in jeder Runde für nur einen einzigen Käsch (die damalige Währung) zu haben. Jeder weitere Schritt in der entsprechenden Runde ist aber wesentlich teuer und ist abhängig davon, wie weit man schon auf dem Pfad fortgeschritten ist. So gilt es, jede Runde zu entscheiden, ob man das erwirtschaftete Geld lieber behält, um sich Saatgut oder zusätzliche Äcker zu kaufen und nur den einen günstigen Schritt geht, mit dem Wissen im Hinterkopf, dass die späteren Schritte viel teurer werden, oder ob man gleich tief in die Tasche greift und unter den neidischen Blicken der Mitspieler einen zusätzlichen Schritt nach vorne geht.

Vor den Toren von Loyang ist ein relativ taktisches Spiel mit einigen netten Mechanismen. Sehr gut hat mir die Auswahlart der Karten gefallen und das Prinzip der Stammkunden bzw. Laufkunden. Es ist auch sehr angenehm, dass die Spielzüge eines Spielers nicht allzu lange dauern, sodass bei den Mitspielern keine Langeweile aufkommt. Einzig etwas negativ aufgefallen ist, dass unter den Spielkarten, die versteigert werden einige (jedenfalls in unseren Partien) überdurchschnittlich starke Karten vorhanden sind. Aber das kann man natürlich auch als einen Glücksfaktor in dem ansonsten eher taktischen Spiel ansehen. Insgesamt ist das Spiel bei allen Probanden sehr gut angekommen.

 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
1 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
120
Jahrgang: 
2009
Spielkategorisierung
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