Reich der Spiele

Café

Gesellschaftsspiel Cafe - Logo - Foto von HUCH!

Der liebliche Duft frisch gemahlener Kaffeebohnen lockt mich in die Küche. Das Wasser blubbert sprudelnd vor sich hin, auf dem Tisch flackert das Licht einer kleinen Kerze, die Tassen stehen bereit. Ich greife nach der Kaffeemühle und nehme mit einem tiefen Atemzug noch einmal ganz bewusst diesen wunderbaren Geruch auf. Gibt es eigentlich etwas, was mehr Gemütlichkeit verspricht, als frisch gemahlener Kaffee?

Wir setzen uns bei Kerzenlicht und mit dampfenden Kaffeetassen an unseren Küchentisch, während draußen der Regen gegen das Fenster prasselt. Ich stelle meine Tasse ab und öffne die kleine braune Schachtel, deren glänzende Schrift die tänzelnde Flamme unserer Kerze reflektiert. In der ansprechend illustrierten Box befinden sich neben der Spielanleitung, 56 großformatige Spielkarten, kleine Holzwürfel sowie eine große goldene Spielfigur. Wir legen das wertige Spielmaterial auf unserem Tisch aus und träumen uns mit dem Gesellschaftsspiel Café von Rôla und Costa (HUCH!) in exquisite portugiesische Kaffeehäuser Anfang des 20. Jahrhunderts.

Vom Anbauen, Trocknen, Rösten und Liefern

Cafe - Spielmaterial - Ausschnitt - Foto von Huch

Das Spiel starten wir mit nur einer Karte vor uns. Sie bildet ein zunächst sehr überschaubares Firmengelände ab. Durch geschicktes Anlegen neuer Karten erweitern wir Runde für Runde unseren Spielbereich um Plantagen, Trockenfelder und Röstereien.

Ziel ist es, mithilfe verschiedener Aktionen nach und nach Lager und Kaffeehäuser mit unterschiedlichen Kaffeesorten zu beliefern. Der Spielablauf gliedert sich dabei in zwei Phasen.

 

Die erste Phase bei Café: Karte wählen

Zu Beginn jeder Spielrunde wählt man aus drei möglichen Karten eine aus, die das eigene Gelände erweitert. Die Wahl sollte gut durchdacht sein, denn beim Anlegen müssen mindestens zwei bis maximal vier Felder von bereits ausliegenden Karten überdeckt werden. Um sich dadurch nicht die eigenen Produktionsketten zu unterbrechen, ist Köpfchen gefragt.

Die zweite Phase bei Café: Aktionspunkte ausgeben

Anschließend geben alle ihre Aktionspunkte aus, um Bohnen anzubauen, diese zu trockenen, zu rösten oder zu liefern. Eine clevere Anordnung der Firmenkarten zahlt sich hierbei mehr als aus, denn zusammenhängende Felder werden wie eines behandelt. So können mit nur einem Aktionspunkt große Plantagen bepflanzt oder aus einer großen Rösterei verschiedene Kaffeesorten ausgeliefert werden.

Am Ende belohnt der Mechanismus vorausschauendes Agieren

Spielsituation beim Gesellschaftsspiel Cafe - Foto von Verena Segert

Nach der achten Runde endet das Spiel, danach geht es ans Ermitteln der Siegpunkte. Und spätestens an dieser Stelle rechnet sich eine kluge Vorausschau. Denn neben den belieferten Kaffeehäusern geben auch die Kaffeesorten im Lager Siegpunkte. Allerdings werden nur zwei Kaffeesorten gewertet: Die, von der am wenigsten eingelagert wurde und die, mit den zweitwenigsten Würfeln. Das Spiel entscheidet für sich, wer die meisten Siegpunkte hat.

Mit Köpfchen zum Sieg

Café überzeugt durch Cleverness und unerwarteten Tiefgang. Denn trotz recht überschaubaren Materials schafft es das Gesellschaftsspiel, alle Beteiligten ins Grübeln zu bringen. Wie lege ich meine Karten geschickt an? Welche Kaffeesorten produziere ich als nächstes? Beliefere ich mein Lager oder die Kaffeehäuser? Was stelle ich mit meinen sehr begrenzten Aktionen an?

Neidisch auf die Konkurrenz blicken

Während manche am Spieltisch bereits riesige, ineinander verzahnte Produktionsketten am Laufen haben, unterhalten andere noch kleine unabhängige Röstereien. Ein Blick nach links und rechts kann inspirieren oder auch schnell frustrieren.

Wenig interaktiv

Darin liegt aber auch schon die gesamte Interaktion mit den anderen am Tisch. Bei Café puzzeln alle vor sich hin, wie der eigene Plan optimiert werden kann. So friedlich das scheint, so ärgerlich ist es, wenn wichtige Felder überbaut werden müssen. Machmal hilft da nur ein Abwägen, was weniger blöd ist. Wer davon nicht zu sehr geknickt ist, kann es in einer zweiten Runde gleich noch einmal testen. Denn mit nur etwa 30 Minuten Spielzeit und den sich immer wieder neu ergebenden Spielfeldern hat Café einen gewissen Wiederspielreiz.

Café ist ein zauberhaftes Gesellschaftsspiel

Schachtel des Spiels Cafe - Foto von HUCH

Mich hat das bei Huch! erschienene Spiel nicht nur durch die Aufmachung, das Thema und die Qualität des Spielmaterials verzaubert, vor allem die Größe und der Grübelfaktor haben mich abgeholt. Das in einer so kleinen Packung ein recht komplexes Spiel versteckt ist, hätte ich nicht vermutet.

Bei mir darf Café gerne bleiben. Für verregnete Nachmittage, an denen ich keine große Lust auf Interaktion beim Spielen habe, für einen gemütlichen Sonntagmorgen, wenn der Kaffee erst noch seine Wirkung entfalten muss, für die Reise mit leichtem Gepäck.

Ob alleine, zu zweit, zu dritt oder zu viert, Café ist was für Menschen, die auf der Suche nach einem Spiel mit Köpfchen sind. Schnell erlernt, dennoch hier und da herausfordernd. Nach meinem Geschmack wie ein Pott Kaffee, nicht unbedingt außergewöhnlich, zum Wachwerden und Entspannen aber bestens geeignet.

Infos zu Café

  • Titel: Cafè
  • Verlag: HUCH!
  • Autor: Rôla, Costa
  • Spieleranzahl (von bis): 1-4
  • Alter (ab oder von bis in Jahren): 10
  • Dauer in Minuten: 30
  • Jahrgang: 2021

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2 Kommentare

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Linda 24. Januar 2023 at 21:22

Schön geschrieben! Ich fühle mich fast schon wohl beim Lesen. Das muss eine Kritik erstmal schaffen. Es riecht nach Kaffee. Toll. Ach und kaufen werde ich es auch.

Antwort
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BorSchm 25. Januar 2023 at 12:32

Ja, heute ist hier mein Entdeckertag. Nach Igel nun auch Cafe. Auf anderen Seiten oder gar in der Spielbox findet man solche „Familienthemen“ leider selten. Danke!

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