Reich der Spiele

Null bis 100

Null bis 100 - Ausschnitt - Foto von Scorpion Masque

Was haben sich Autor Antonin Boccara und der Verlag Le Scorpion Masqué (Asmodee) nur dabei gedacht? Der Titel Null bis 100 ist weder ein Rennspiel noch rennt er spielerisch.

Um es vorwegzunehmen: Dieses Schätzspiel ist leider halb abgekupfert und halb Mittelmaẞ.

Aber, natürlich, es kann einigen Spielefans dennoch Spaß machen. Für mich bleibt am Ende für Null bis 100 nur die Bewertung „allenfalls Mittelmaß“.

Darum geht es bei Null bis 100

Alle spielen in Teams. Die Teams erhalten jeweils drei Karten. Siegreich ist die Gruppe, die ihre Karten als erste erfolgreich loswerden kann.

Es geht darum, unbekannte Antworten auf bekannte Fragen auf einer Skala von 0 bis 100 besser als die Gegner einzustufen. Verstanden? Also: Genau genommen soll eine Fragekarte so gewählt werden, dass die Antwort möglichst nahe an eine bestehende Zahl heranreicht.

Das Material besteht aus einer Reihe von Karten. Die Karten zeigen vorn eine mehr oder weniger kuriose Frage und auf der Rückseite eine Antwort. Diese Antwort ist stets eine Zahl von 0 bis 100. Genau daher kommt auch der Titel des Spiels.

Anno Domini mit Zahlen

Nur ist das eben mehr oder weniger abgekupfert. Denn das Prinzip ist seit vielen Jahren bekannt – von der Schätzspielreihe Anno Domini. Der einzige Unterschied ist hier, dass vorn Fragen sind und hinten Zahlen sowie die Karte möglichst genau einen Wert treffen soll. Bei Anno Domini sind es vorn Ereignisse und hinten Jahreszahlen oder Zeitspannen und die Karte soll zwischen zwei andere passen.

Eingeschränkte Auswahl trotz Sonderkarten

Nun kommt der eigene Mechanismus. Anfangs liegt eine Karte mit der Frageseite aus. Das ist die Zielkarte. Die auf der Unterseite versteckte und somit unbekannte Zahl ist mit der eigenen Karte möglichst genau zu treffen. Alle wählen nun eine Karte aus ihrem Fundus. Das Problem: Die Teams kennen auch davon nur die Frageseite.

Es ist mit den eigenen Karten selbet bei Wissen um die eigene Antwort nicht immer befriedigend möglich, die Zielkarte zu treffen. Da helfen auch Sonderkarten nicht, mit denen das Ergebnis der eigenen Antwort um 20 oder 50 Punkte verändert werden darf. Hilfreich kann dagegen die Karte „voll ins Schwarze“ sein, die bei einer Abweichung der eigenen Antwortnummer von der der Zielkarte von maximal fünf zur Abgabe mehrere Karten berechtigt. Denn am Ende gilt es, möglichst schnell alle Karten loszuwerden.

Null bis 100 - Kartenbeispiele - Foto von Scorpion Masque

Hauptkritik: die merkwürdige Auswertung bei Null bis 100

Nachdem alle gewählt und die Karten umgedreht haben, stehen mehrere Dinge fest:

  • Die Antworten auf die Fragen auf den Karten.
  • Wer am dichtesten an der Zielkarte liegt.
  • Wer die Karte mit der größten Differenz zur Zielkarte gelegt hat.

Wer nun denkt, dass die Leute belohnt werden, deren Karte möglichst nahe an der Zielkarte liegt, irrt leider gewaltig. Es ist anders herum: Es wird das Team bestraft, dessen Antwort auf der eigenen Karte am weitesten von der Zielkarte entfernt ist. Ein unbefriedigender Mechanismus.

Dieses Team muss diese Karte als neue Zielkarte in die Mitte legen. Dafür zieht es eine neue Karte. Alle anderen Teams dagegen dürfen ihre letzte Karte abgeben. So reduziert sich die Auswahl der anderen. Sie kommen dem Sieg etwas näher.

Bloß nicht zu schlecht sein!

Es bringt also kaum etwas, möglichst richtig zu liegen. Es reicht aus, einfach nur nicht das schlechteste Team zu sein. Bei einer Auswahl von nur drei Karten ist das aber alles andere als einfach. Denn häufig sind die Antworten auf die Fragen relativ gut einschätzbar. Nur passen sie halt selten zur Zielkarte. Oder vereinfacht: Wer Kartenpech hat, wird kaum erfolgreich sein können.

Der Schätzmechanismus ist eher beliebig als gut

Durch die vom Zufall gesteuerte Kartenauswahl geht der Charakter eines Schätzspiels leider völlig verloren. Das, was zum Beispiel Anno Domini groß gemacht hat, bleibt hier völlig auf der Strecke. Denn die Teams können nicht bluffen. Sie können häufig selbst bei bestem Wissen um die Antworten auf der Rückseite und trotz vorhandener Aktionskarten keine sinnvolle Karte legen. Es geht nur darum, möglichst nicht noch schlechter als die Konkurrenz zu wählen. Weder ist hier wirklich Fingerspitzengefühl gefragt, noch macht das richtig Spaß.

Ohne das Vortäuschen von Wissen macht es keinen Spaß

Null bis 100 - Material und Schachtel - Foto von Scorpion Masque

Null bis 100 ist günstig. Es kostet im Handel derzeit ab ca. 11,89 Euro. Aber dem Titel fehlt so vieles von dem, was an den Reihen Anno Domini, Schätzen Sie mal … oder an Titeln wie Das Maß aller Dinge oder Wo ist bitte Umtata und selbst bei Fauna so spannend ist. Es fehlt das bluffende Element des Vortäuschens, etwas zu wissen. Und so spannend die Antworten sind: Die Neugier darauf, bleibt vom Mechanismus völlig unbeantwortet. Durch diese fehlenden Elemente verliert Null bis 100 enorm an Reiz. Die genannten Konkurrenztitel beinhalten all das und sind jeder für sich deutlich besser.

Infos zu Null bis 100

  • Titel: Null bis 100
  • Verlag: Le Scorpion Masqué
  • Autor: Antonin Boccara
  • Spieleranzahl (von bis): 2-12
  • Alter (ab oder von bis in Jahren): 12
  • Dauer in Minuten: 15
  • Jahrgang: 2022

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