Fabelhaft Brettspiel-Café eröffnet in Bonn

Vom Musiker zum Brettspieler

ein Spiele-Artikel von Axel Bungart - 06.10.2021
Betreiberwechsel im Spielecafe Bonn: Steffen Waltenberger übernimmt von Astrid Schröder und Jessica Kraus
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Das Voyager Fantasy-Pub/Spielecafé war bis zum Einsetzen des Lockdowns aufgrund der Corona-Pandemie ein Treffpunkt für Brett- und Rollenspieler in Bonn. Seit 2014 führten es Astrid Schröder und Jessica Kraus mit Engagement und Liebe zu ihren Spielen, Spielerinnen und Spielern. Die Coronabeschränkung bei Wiedereröffnung haben zwar auch dieses Unternehmen nicht eben gefördert. Doch selbst das konnte dem sich schon längst in der Bonner Spielerszene etablierten Treffpunkt nichts anhaben.

Umso betroffener waren die Gäste des Spielecafés, als sie im Juli 2021 von den Inhaberinnen erfahren mussten, dass diese das Voyager aus gesundheitlichen Gründen nicht weiterführen können. Auf Social-Media-Kanälen suchten sie einen Nachfolger – und wurden tatsächlich fündig.

Nachfolger der beiden wird Steffen Waltenberger. Steffen war eigentlich Musiker, doch auch ihm schlug das Schicksal ein Schnippchen, sodass er seine Saxophonliebe nicht mehr im gewünschten Umfang ausleben konnte. Seit rund fünf Jahren hat er sich nun intensiver den Brettspielen und ihrer Szene verschrieben.

Nun wird der 45-jährige Essener mit eigenem Spielevlog in Kürze das Spielecafé unter dem Namen Fabelhaft – Das Brettspiel-Café an alter Stelle neu eröffnen. Was sich vielleicht ändert und was unverändert übernommen wird, wie ein Musiker zum Brettspieler wird und trotzdem Bonn rocken will, lest Ihr im folgenden Interview

Wann eröffnet das neue Fabelhaft Brettspiel-Café?
„Wir eröffnen bereits am 9. Oktober. Das ist ein sehr sportlicher Termin, aber wir wollen, dass möglichst bald wieder gespielt wird.“

Wird es Veränderungen im Fabelhaft Brettspiele-Café geben? Was wird gleichbleiben?
„Das Voyager war vor allem in der Rollenspielszene bekannt. Unser Schwerpunkt liegt bei den Brettspielen. Wir frischen die Sammlung vor allem mit neueren Spielen auf und erweitern sie. Die Sammlung soll leben. Das heißt, wir werden immer wieder Spiele, die nicht oder nur sehr selten gespielt werden, aussortieren und dafür neue Spiele in die Sammlung aufnehmen.
Uns ist wichtig, unseren Gästen auch beratend zur Seite zu stehen, also Spiele empfehlen und vor allem auch erklären zu können. Selbstverständlich werden wir bei einer solch großen Sammlung nicht alle Regeln im Kopf haben, aber unser Anspruch ist es schon, möglichst viele verständlich erklären zu können.“

Gibt es eine bestimmte Zielgruppe, die Ihr ansprechen wollt?
"Insgesamt wollen wir ein breites Publikum ansprechen und auch gerade diejenigen ins Café holen, die mit modernen Brettspielen bisher nicht so viel zu tun haben. Ich mache selbst oft die Erfahrung, dass viele Menschen von Spielen fasziniert sind, sich aber oft von der schieren Masse und den vermeintlich komplizierten Regeln abschrecken lassen.
Erstaunlich viele, auch junge Menschen, denken bei Brettspielen immer noch an Monopoly und Risiko. Wir wollen dazu beitragen, das Hobby Brettspiele, aus der Geek-Ecke zu holen und einer breiteren Masse zugänglich zu machen."

Die Spielerinnen und Spieler mussten im Voyager weder hungern noch Durst leiden. Wird das so bleiben?
„Die Speisekarte wird sich auch ändern. Wir haben die Fritteuse in den Keller verbannt und werden auch keine Burger mehr braten. Stattdessen wird es Paninis und einen Eintopf des Tages geben. Später ist der Plan, die Karte noch mit Brot und selbstgemachten Aufstrichen zu erweitern. Und wenn der Platz es zulässt, kommt irgendwann ein Pizzaofen her. Insgesamt wird das vegetarische Angebot ausgebaut.
Wie alles andere auch, wird sich das aber nach und nach entwickeln, da wir auf Grund der Kurzfristigkeit, erst einmal kleinere Brötchen backen müssen (pun intended).
Was bleibt, wenn auch in etwas veränderter Form, ist das Sirup-Limonaden-Konzept, mit dem sich das Voyager einen Ruf gemacht hat.“

Du warst (bist) eigentlich Musiker. Was hat Dich dazu veranlasst, Dich sowohl in Deinem Youtube-Vlog, Unter Meeplen, als auch nun in dem Spielecafé mit Spielen zu beschäftigen?
„Ich habe tatsächlich die allermeiste Zeit meine Brötchen mit der Musik verdient. Da ich aber auch schon immer gern gespielt habe, hatte ich irgendwann einmal die (damals noch fixe) Idee eines Spielecafés. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass es dieses Konzept tatsächlich gibt, zumindest nicht in Deutschland. Ich habe begonnen, Konzepte zu schreiben und mir zu überlegen, wie so etwas funktionieren könnte.
2017 habe ich dann Silke (Christensen, Anm. der Red.) vom Würfel und Zucker in Hamburg kennengelernt, die genau das gemacht hat, was mir immer so als Idee vorschwebte. Sie war in den letzten Jahren eine große Unterstützung.
Die (zumindest berufliche) Abkehr von der Musik wurde leider durch eine Berufskrankheit eingeleitet, die mir das Saxophonspielen zumindest auf die Art und auf dem Level, wie ich es wollte, unmöglich gemacht hat.“

Welche Art von Spielen spielst Du (am liebsten)?
„In Vielspielerkreisen ist es ja oft üblich, nach Erstpartien die Spiele sehr kritisch zu beurteilen. Ich werde da gern etwas belächelt, mit den Worten, dir gefällt ja eh alles.
Das stimmt nicht ganz so, aber es ist richtig, dass mein Spielegeschmack sehr breit ist. Müsste ich mich aber auf eine einzige Art festlegen, würde ich wohl sagen, mittelschwere Euro-Games, wobei das auch gern mal in den „Expertenbereich“ gehen darf. Ich bin aber auch ein großer Fan von kleinen Spielen. Was mir nicht so liegt sind epische 4x games.“

Dein Wohnort ist derzeit Essen. Wirst Du im Spielecafé selbst anwesend sein oder es von Essen aus steuern?

„Ja, selbstverständlich werde ich anwesend sein. Das Café ist ja eine Herzensangelegenheit von mir. Da will ich natürlich auch selbst im Laden stehen und den Kundenkontakt haben. Die Frage ist aber durchaus berechtigt, denn ich wohne eigentlich in Essen und habe die letzte 3,5 Jahre auch hier nach einer Location gesucht. Dass es jetzt Bonn geworden ist, lag vor allem an der Gelegenheit und der Tatsache, dass ich das Gefühl hatte, dass sich Essen mit Händen und Füßen gegen ein eigenes Spielecafé gewehrt hat.
Selbst schuld, Essen. Jetzt rocken wir Bonn!“

Das ist - ganz uneigennützig ausgedrückt - eine fabelhafte Idee. Wir wünschen Dir viel Erfolg und das notwendige Glück.

Foto: Clipdealer

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