AquaSphere

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 03.06.2015
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Spielszene Brettspiel AquaSphere - Foto von Axel Bungart

In seinen früheren Spielen pflegte Stefan Feld seine Kunden, Jünger, Spieler oder auch Opfer ja arg zu piesacken und in Drangsal zu bringen. Da gab es Dürrezeiten und Brände, Ratten suchten das Geschehen heim und selbst im eigentlichen Spielmechanismus drohte Ungemach aller Art wie ein spezielles Würfelmanagement, ein widerspenstiger Würfelturm (Amerigo) oder auch nur das Vergällen der Freude an hohen Würfelwerten. Und doch zeigt gerade die jüngste Entwicklung in seinen Werken, dass Feld fast schon menschenfreundlich geworden ist und die früheren Katastrophen zunehmend durch profane, auch andernorts vorkommende und in Kauf genommene Verknappungen von Ressourcen und Möglichkeiten abgelöst werden.

Worum geht es bei AquaSphere?

Dieser Tradition folgt auch AquaSphere (Hall Games/Pegasus Spiele) mit seinen eher verdeckt lauernden Engpässen und Gemeinheiten. Wir betreuen ein Forscherteam in einer Unterwasserstation, in der es jedoch fast noch mehr zu tun gibt als über Wasser. Zwar gibt es da den Reiz des Exotischen und wenig Bespielten. Im Endeffekt herrschen dann aber trotzdem knallharte Optimierungsfragen vor und machen den geschickten Umgang mit den begrenzten zur Verfügung stehenden Ressourcen und Zeitbudgets zum zentralen Erfolgsfaktor - allzu weit von seinen Wurzeln und boshaften Neigungen will sich der Spielautor dann doch nicht entfernen …

Im Spiel gebieten wir einerseits über einen Ingenieur, der kleine Bots programmiert, die später in der Forschungsstation zum Einsatz kommen werden. Das erinnert ein bisschen an Robo Rally mit seinen Planungsprozessen und -abläufen, lässt aber doch einen gewissen Spielraum offen für kurzfristige taktische Abweichungen vom Masterplan der eigenen Spielstrategie. Und dazu kann es im Verlauf einer Partie vielfach und immer wieder kommen!

Zum Team zählt nämlich andererseits auch ein Wissenschaftler, der unentwegt in der Station mit ihren unterschiedlichen Sektoren rumwetzt, um Wissen aufzubauen (man könnte auch ganz profan vom Sammeln von Siegpunkten sprechen, aber wer will denn schon so pedantisch sein?). Dabei gibt es überall und viel zu tun. Doch die Arbeiten sind heftig umkämpft und die Konkurrenz groß. Und ganz speziell ist, dass in jeder der Stationen nicht bloß eine bestimmte, sondern gleich alle sieben Aktionsmöglichkeiten des Spiels zur Verfügung stehen. Das gaukelt mögliche Alternativen vor, führt in Tat und Wahrheit aber zu einem knallharten Wettstreit und Verdrängungskampf, da sich die Möglichkeiten im Endeffekt dann halt doch als unterschiedlich attraktiv für die jeweiligen Konstellationen im Spiel erweisen.

Wie wird AquaSphere gespielt?

In jedem Spielzug kann dabei entweder ein Bot programmiert oder aber ein bereits programmierter irgendwo in der Forschungsstation eingwsetzt werden. Und beides kann ziemlich schief laufen. Zum einen geben kleine Pfeile auf dem Programmiertableau vor, welche Schritte als nächste möglich sein werden. Es ist also nie alles nach eigenem Gutdünken möglich. Wer daher seinen Ingenieur etwas unbedacht lenkt, kann vielleicht die bevorzugte und dringend benötigte Aktion gerade nicht jetzt, sondern erst in der nächsten Runde ausführen. Und das kann dann vielleicht schon zu spät sein.

Es gilt nämlich zum anderen bei den Wissenschaftlern die schöne Devise, dass zuerst mahlt, wer zuerst kommt. In den diversen Sektoren der Station gibt es Zeitguthaben, Gewinnpunkte und andere Vorteile zu holen. Sind diese dabei von einem anderen Spieler bereits abgeschöpft worden, springen für die nachfolgenden nur noch die unterseerechtlich garantierten Minimalbelohnungen raus, was entsprechend weniger lukrativ ist. Allerdings kann das wilde Rumlaufen in der Station zum schnellen Besetzen von Sektoren wertvolle Zeitmarker kosten. Außerdem muss ein farblich passender Bot zur Verfügung stehen, womit wir wieder bei der guten Planung der Spielzüge wären.

Nach jeder Spielrunde, wenn alle gepasst haben, folgt eine kleine Zwischenwertung, in der Zeitguthaben und Gewinnpunkte ausgeschüttet werden, worauf die Station für die nächste Runde bereitgemacht und aufgefüllt wird. Die Ingenieure kommen an den Anfang des Forschungspfades zurück, um von dort aus weitere und allenfalls auch andere Bots zu programmieren, bis nach nur vier Spielrunden dann endgültig Schluss ist und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Wer gewinnt bei AquaSphere?

Der Erfolg bei Aquasphere fällt niemandem einfach so in den Schoß. Vielmehr muss Vieles gut geplant und rechtzeitig umgesetzt sein, um nicht zu kurz zu kommen. Und eben, die Widerwärtigkeiten lauern im Kleinen. So wird bei jedem Einsatz eines Bots ein allfälliger bereits dort platzierter in den Abstellbereich des Sektors verdrängt und fällt dort für die Zwischenwertung am Rundenende ausser Betracht. Andererseits kann auf der Punkteleiste nur vorankommen, wer an speziellen Stellen schwarze Kristalle (die zuvor ebenfalls gesammelt werden mussten) abgeben kann. Pech gehabt, wer da nicht gut geplant hat und seine raren Siegpunkte nutzlos verfallen sieht, weil sein Punktestein nicht weiter vorrücken darf.

Wie gut ist AquaSphere?

Das alles ist in seiner Gesamtheit anspruchsvoll und faszinierend, kann aber auch frustrieren. Und gerade für die erste Partie muss genügend Zeit eingeplant werden, bis die Mechanismen und Möglichkeiten einigermaßen verstanden sind und überblickt werden. Kein Spiel für jedermann also. Wohl aber eines für Könner und Tüftler, die sich gerne herausfordern lassen. Und die lassen sich dann auch nicht durch die etwas gar grelle Farbgestaltung des Spiels abschrecken, die anfänglich irritiert und unübersichtlich wirkt, sich dann aber rasch als Klarheit schaffend und damit durchaus sachdienlich erweist. Und das haben auch die Scouts der Spielmesse Essen erkannt, die Aquasphere auf Rang 1 der Neuheiten 2014 gesetzt haben. Spielerherz, was willst Du mehr?

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
60-100
Jahrgang: 
2014
Spielkategorisierung
Fotos
Brettspiel AquaSphere - Foto von Pegasus Spiele
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