Böhmische Dörfer

eine Spielerezension von Axel Bungart - 07.09.2016
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Böhmische Dörfer - Foto von dlp Games
Lesezeit: ca. 4 Minute

Wenn man einem Thema irgendwie nicht folgen und ihm auch nichts abgewinnen kann, was dem Umstand Abhilfe schaffen könnte, ist man geneigt, es zu ignorieren. Gelegentlich bezeichnet man es dann schulterzuckend als "Böhmische Dörfer", womit das Thema erledigt ist.

Warum Reiner Stockhausen (im Eigenverlag dlp games) sein Spiel ausgerechnet diesem Ausdruck der Verständnislosigkeit gewidmet hat, verstehe ich nicht. Ach so! Vielleicht liegt ja da der Schlüssel.

So wird Böhmische Dörfer gespielt

Egal. In Böhmische Dörfer versuchen die Spieler, Gebäude verschiedener Orte zu besetzen und diese entweder schnell wieder loszuwerden oder möglichst bis zum Spielende zu behalten, damit Sie einem Geld einbringen. Dazu wirft man in jeder Runde vier Würfel und kann deren Punkte (fast) nach Belieben addieren, um so in die entsprechend nummerierten Häuser einzuziehen. Das Spielfeld besteht dabei aus (je nach Spielerzahl) sechs bis neun Dörfern (Tafeln), auf denen jeweils bis zu neun verschiedene Gebäude abgebildet sind. Bis zu zwei beliebige Häuser kann man in einem Zug besetzen. Wer keine Spielfiguren mehr einsetzen kann, wenn er an die Reihe kommt, bewirkt damit das Spielende, und dann wird ausgezählt, wer das meiste Geld besitzt. Derjenige ist der Sieger.

Legale Hausbesetzer bei Böhmische Dörfer

Das Spielprinzip ist ganz einfach, aber es ist trickreich. Wenn die Mitspieler clever sind, erhält man immer wieder mal ein paar seiner Figuren zurück. Manche Häuser werden nämlich gewertet, wenn alle ihrer Art besetzt sind. Dafür gibt’s zwar Geld, aber eben auch die Einwohner zurück, und die Häuser können neu besetzt werden. Andere Einwohner bleiben bis zum Ende des Spiels in ihren Domizilen, müssen dann aber bestimmte Bedingungen erfüllen, damit die Häuser Geld einbringen. So müssen z. B. die Häuser eines Ortes komplett bewohnt sein, damit ihr Rathaus den versprochenen Bonus abwirft. Andere Häuser bringen jede Runde ein kleines Einkommen – wenn man daran denkt, bevor man würfelt. Eine unfreundliche Regelung, mit der man im Schnitt 30 % des auf diese Weise erzielbaren Einkommens verschenkt, weil man eben erst nach dem Würfeln daran denkt.

So gut ist Böhmische Dörfer

Böhmische Dörfer ist ein schnelles Spiel, zu dem man a) Dank der guten und übersichtlichen Spielregel und b) der geringen Komplexität schnell Zugang erlangt. Das Brettspiel läuft rund, da man mit seinen Würfeln immer irgendetwas anfangen kann. Und sei es nur, dass man ein Plättchen nimmt, das einem erlaubt, einen Würfelwurf zu wiederholen. Geringe Komplexität heißt aber nicht, dass es anspruchslos oder gar banal wäre. Im Gegenteil: Es geht darum, sowohl die eigenen Figuren so gewinnbringend wie möglich einzusetzen und dabei vor allem zu beobachten, was die Mitspieler so treiben. Seine eigenen Figuren wird man durchaus schnell los, wenn man will. Der Kniff bei Böhmische Dörfer liegt aber im Timing, das Spielende einzuleiten oder zu verhindern. Denn nicht, wer zuerst alle Figuren eingesetzt hat, gewinnt. Also versucht man, die Spielfiguren der Gegner wieder aus den Häusern zu verdrängen, was aber alleine kaum gelingen kann. Die Spieler sollten zwischendurch Gemeinsamkeiten finden, wenn sie gegen einen Gegner vorgehen wollen. Das klappt ab drei Spielern ganz gut, optimal besetzt spielt man aber zu viert oder fünft. Zwar hat man bei weniger Spielern mehr Figuren, die man loswerden muss. Dennoch: Zu zweit fehlt es naturgemäß etwas an Mitteln und der Spaß hält sich in Grenzen.

Das Spielmaterial ist durchweg einwandfrei. Schön gezeichnete Häuser, dicke Pappmünzen und Spielhilfen, die die Funktionen der Häuser übersichtlich darstellen. Keine Einwände. Auch das Maß an Interaktion ist recht groß. Das Verdrängen der Figuren, aber auch der Kampf um das schnelle Einkommen, das einem nur bestimmte Zusatzplättchen und Häuser liefern, machen aus einem bloßen Einsetzspiel einen Wettkampf mit direktem Kontakt mit dem Gegner. Autor und Verleger Reiner Stockhausen spricht von einer Mischung von Glück und Strategie, wobei sich m. E. der Glücksanteil trotz Würfelkomponente stark zurückhält. Die Altersempfehlung (ab acht Jahren) halte ich daher nur dann für korrekt, wenn die Kinder ein gewisses Talent für diese Art von Spielen mitbringen. Mit einer Dauer von rund einer halben Stunde fand das Spiel in meinen Runden viel Anklang. Und bisher spiele ich Böhmische Dörfer immer wieder gerne.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2016
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
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