Reich der Spiele

Kingdomino

Legespiel Kingdomino - Foto von Reich der Spiele

„Nett“ ist die kleine Schwester des Begriffs, der nicht auszusprechen ist. „Nett“ kann also nett sein oder bei einem Konfrontationen umschiffenden Menschen ein Hinweis auf etwas Langweiliges und Mieses. Das Legespiel Kingdomino von Bruno Cathala (Pegasus Spiele) ist nett im positiven Sinn. Und ein extrem friedliches Familienspiel. Ohne dass diese Mischung aus Puzzeln, Domino und Plättchenspiele a la Carcassonne wirklich ohne Ärgerfaktor auskommen müsste. Ein rundes Vergnügen. Oder ein quadratisches. Je nach Sichtweise.

Wie wird das Familienspiel Kingdomino gespielt?

Kingdomino hat seinen Namen nicht ohne Grund. Die Spieler bauen ein Königreich innerhalb eines Rasters von fünfmal fünf Feldern um das eigene Schloss herum. Idealerweise liegt dieses am Ende in der Mitte, das bringt Bonuspunkte. Ebenso ist es (meistens) ideal für die eigenen Punkte, alle Felder mit Plättchen auszufüllen. Das wiederum ist nicht immer ganz einfach, denn die darauf gezeigten Landschaften müssen passen. Die Plättchen haben wie Dominosteine zwei Enden. Auf jedem ist eine Landschaft, mit Glück auch eine Krone abgebildet. Diese Plättchen folgen beim Legen in das Königreich zwei einfachen Regeln: Mindestens eine Landschaft muss der jeweilige Spieler an eine bereits liegende gleiche Landschaftsart anlegen. Oder aber direkt an das Schloss. Alle anderen angrenzenden Landschaften sind nicht wichtig. Zumindest nicht nach den Legeregeln. Denn was Punkte angeht, sieht das ganz anders aus.

Kingdomino - das Königreich wächst - Foto von Reich der Spiele

Die Punkte berechnen sich nämlich aus der Anzahl der gleichen, miteinander verbundenen Landschaftsfelder mit der Anzahl der darauf abgebildeten Kronen. Daher ist es natürlich schon wichtig, welche Plättchen der Spieler wie und wo plattziert. Je größer das Gebiet einer Landschaftsart wird und je mehr Kronen darauf abgebildet sind, desto mehr Punkte erzielt der Spieler am Spielende. Beispiel zum Verdeutlichen: Sechs miteinander verbundene Seefelder mit insgesamt vier Kronen ergeben satte 24 Punkte. Das reicht in einigen Partien vielleicht schon fast zum Sieg.

Das eigentliche Taktikspiel bei Kingdomino: Plättchen geschickt wählen

Jetzt bleibt noch die wichtige Frage: Wie kommen die Plättchen zum Spieler? Hier hat Bruno Cathala einen alten Kniff genutzt. Die Plättchen nehmen die Spieler in aufsteigender Reihenfolge der Nummer. Je höher die Nummer, desto wertvoller sind diese potenziell. Allerdings liegen nur vier Plättchen aus, auf denen die Spieler ihre Ansprüche markieren. Weitere vier Plättchen liegen daneben. So erhält der erste Spieler in der Runde das verhältnismäßig wertlose Plättchen, darf aber anschließend frei aus den nächsten wählen und das für ihn am besten passende Plättchen reservieren, liegt aber die Runde danach wieder weiter hinten und muss schlimmstenfalls sehen, was übrig bleibt. Ein feiner Mechanismus.

Kingdomino - fertiges Königreich - Foto von Reich der Spiele

Wie gut ist das Legespiel Kingdomino?

Das ist wirklich nett! Und wirklich friedlich. Selbst dann, wenn jemand einem das gewünschte Plättchen vor der Nase wegschnappt, gibt es wenig Zündstoff am Spieltisch. Ein friedliches Landschaftsbauen für die ganze Familie. Dass es dabei hintergründig um knallharte Mathematikspielchen geht, bleibt beim Spielgefühl außen vor. Jeder legt friedlich und voller Freude über die entstehenden Landschaften vor sich hin und hat in erster Linie das Gefühl, das eigene Reich zu optimieren. Dass jeder bei der Wahl der Plättchen auch Gegner ganz hervorragend ärgern kann, bleibt vorerst unentdeckt. Erst nach und nach wird das taktische Verzichten auf wenige Punkte, um einen Mitspieler durch Wegschappen lukrativer Plättchen oder Übriglassen kontraproduktiver Landschaftsplättchen zu einer Option.

Nach der Plättchenwahl bei Kingdomino - Foto von Reich der Spiele

Der Weg zum Erfolg bei Kingdomino ist daher grundsätzlich einfach: Baue große Landschaftsflächen, angele dir möglichst viele Kronen und lass dir für die letzten Plättchen wenigstens eine Not-Hintertür zum Schloss offen. Dann sind die fünfmal fünf Felder gut vollständig zu befüllen und die Punkte zu maximieren. Dummerweise kommt in Spielrunden mit einer gewissen Spielerfahrung am Tisch eben die Ärgerkomponente hinzu. Dann wird das Optimieren des Königreiches zum – allerdings moderaten – taktischen Fintenschlagen. Wer auf eine Krone hier oder einen Ausbau seiner wertvollsten Landschaft da verzichtet, kann dem Gegner die Punkteoptimierung vermasseln. Im Spiel zu viert ist das nur punktuell möglich, da dieses Vorgehen meist mit einem eigenen Nachteil verbunden ist – zum Vorteil der zwei anderen Spieler. Im Spiel zu zweit – das übrigens hervorragend funktioniert – ist dies ebenfalls nur eingeschränkt möglich. Im Spiel zu dritt ist Kingdomino tatsächlich potenziell am konfrontativsten. Trotzdem bleibt Kingdomino ein friedliches Legespiel, bei dem die Plättchenvergabe zwar für Interaktion sorgt, aber sich der Ärger in Grenzen hält. In fünfmal fünf Felder großen Grenzen. Diese fast schon zu strikte Limitierung der Landschaftsfläche macht Kingdomino zu einem extrem schnellen Spiel. Die Verlagsangabe von 15 – 30 Minuten ist nach meiner Erfahrung selbst in Grüblerrunden deutlich zu hoch gegriffen. Mit 10 – 20 Minuten sollte jede Runde locker hinkommen.

Bei der nächsten Plättchenwahl bei Kingdomino - Foto von Reich der Spiele

Kingdomino ist ein schnelles, einfaches und sehr reduziertes Legespiel mit einer interessanten Kombination aus Domino und Taktik, mit erstklassigem Material und mit einem ansprechenden Thema. Das alles ist nett. Für viele im positiven Sinne, für einige im negativen. Für mich ist es ein absoluter Spieletipp als klassisches Familienspiel.

Spielanleitung zu Kingdomino

Infos zu Kingdomino

  • Titel: Kingdomino
  • Verlag: Pegasus Spiele
  • Autor: Bruno Cathala
  • Spieleranzahl (von bis): 2-4
  • Alter (ab oder von bis in Jahren): 8
  • Dauer in Minuten: 15-30
  • Jahrgang: 2016

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1 Kommentar

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Bernhard Zaugg 20. Dezember 2016 at 22:35

Kingdomino ist tatsächlich eine der positiven Überraschungen des laufenden Spielejahrganges – klein, aber fein!

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