Reich der Spiele

QE

QE - Ausschnitt - Foto von BoadGameTables

Spielenamen sollten prägnant und einladend sein und möglichst schon eine Idee davon vermitteln, worum es im Spiel geht. So wie – QE. Da weiß man gleich, hier geht es um … um … na … (*google*) … Quantitative Easing! Aha. Zu Deutsch: Quantitative Lockerung. Jetzt klar?

Wer jetzt gegoogelt hat, kommt vielleicht auf die Idee, in QE von Strohmann Games (Gavin Birnbaum, Original bei Lucky Duck Games/Bord Game Tables) ginge es also um konventionelle und expansive Geldpolitik, Anleiheverkäufe und Zinspolitik? Zum Glück nicht.

Beim Thema Geldschöpfung nähern wir uns aber dennoch dessen, was bei QE passiert. Wenn auch, so viel sei verraten, höchst amüsant. Bis zu fünf Spieler verkörpern Staaten, die systemrelevante Unternehmen vor der Pleite retten wollen. Dazu kaufen sie diese und erhalten dafür Punkte.

So spielt man QE

Jeder Spieler erhält ein Spielertableau, auf dem er im Laufe des Spiels Siegpunkte in verschiedenen Kategorien ankreuzt, eine Art Scheck, ebenfalls zum Beschreiben und einen Folienstift. Im Spiel werden, je nach Spieleranzahl, 15 oder 16 Unternehmen verkauft. Die Unternehmen werden durch dicke runde Pappscheiben symbolisiert, die wie das Spielermaterial mit einer abwischbaren Oberfläche versiegelt sind. Nach sehr kurzer Erklärung kann es losgehen. Das erste Unternehmen wird aufgedeckt und der Startspieler schreibt offen einen Betrag auf seinen Scheck, den er für das Unternehmen bieten möchte. Wie hoch? Egal. Es gibt keine Regel, kein Limit – null Vorgaben.

QE - Kaufgebot - Foto von Axel Bungart

Alle anderen Spieler schreiben nun verdeckt ebenfalls einen Betrag auf ihre Schecks und geben sie dem Startspieler. Der sieht sie sich an (alles verdeckt) und verkündet sodann, wer das höchste Gebot abgegeben hat. Die anderen Spieler erfahren jedoch nicht, wie hoch der Betrag war. (Sie wissen nur, dass er höher gewesen sein muss als das eigene Gebot.)

Der Sieger erhält die Scheibe des Unternehmens, auf dessen Rückseite der Betrag notiert wird, den er dafür bezahlt hat. So kann man später ermitteln, wer wie viel ausgegeben hat. Jetzt erhält der Gewinner 1-4 Siegpunkte und eventuell weitere Punkte für die Nation des Unternehmens und den Wirtschaftsbereich, in den es gehört. Wer so am Ende in verschiedenen Kategorien die meisten Punkte sammeln konnte, gewinnt.

QE - Ausschnitt des Spielerboards - Foto von Axel Bungart

Wo ist der Gag bei QE?

Klingt öde? Jo. Denn bis hier wäre es ein Gag ohne Pointe.

Das Witzige bei QE ist, dass derjenige, der am Ende das meiste Geld ausgegeben hat, raus ist. Er kommt nicht in die Wertung.

Und schon wird aus jeder der vermeintlich haltlosen und ungezügelten 15 (16) Bietrunden ein taktischer und psychologischer Ritt auf der Rasierklinge. Wird anfangs noch eher zurückhaltend geboten, steigern sich die Beträge von Runde zu Runde merklich. Hat jemand eine Million für ein für ihn attraktives Unternehmen ausgegeben, wird er bei nächster Gelegenheit ein ebenso hohes Startgebot aufrufen, um damit wenigstens einen der Mitspieler ebenfalls zum Geldausgeben zu zwingen. So schaukeln sich die Gebote immer höher.

Das kann aber auch in die Hose gehen, wenn nämlich die anderen nicht mitziehen und dem Startspieler das Unternehmen ebenfalls überlassen. Damit gehen zwar Siegpunkte verloren, aber die Wahrscheinlichkeit, dass einer damit mit seinen Ausgaben durch die Decke geht, steigt. Hier ist in der Tat ein kleiner Knick in der Spiellogik, denn man könnte tatsächlich einen Spieler theoretisch früh ausbooten, was den Reiz des weiteren Spielverlaufs gen Null senken würde. In keiner meiner Spielrunden ist das jedoch passiert.

Vielmehr wurde es mit jedem Unternehmen spannender, was wohl geboten wird. Wobei man den Betrag ja nie erfährt (bzw. erst am Spielende). Und immer wieder macht es einen kirre, dass andere das eigene Angebot noch überboten haben müssen, ohne zu wissen, wie weit man unterlegen war. Witzigerweise hatte ich als Startspieler einmal Gebote von 1.200.000, 1.200.001 und 1.200.005, die für ein Unternehmen geboten wurden. Als Höchstbietender würde man sich glatt ins Fäustchen lachen – wenn man es denn wüsste … Geht indes auch das fünfte und sechste Unternehmen an einem vorbei, steigert das die Ungeduld und gleichermaßen die gefährliche Bereitschaft, noch mehr auszugeben.

Macht QE Spaß?

So kurz und doch gleichsam sperrig der Name QE ist, so kurzweilig und abwechslungsreich ist eine Partie, die kaum mehr als eine halbe Stunde dauert. Selten habe ich ein Spiel gespielt, das einem erstmal fast nichts vorschreibt, man sich aber dennoch sofort im Rahmen dessen einordnen kann, was geht und was nicht. Dem widerspricht auch nicht, dass das Bietverhalten der Spieler zunächst im Wesentlichen davon abhängt, ob die Spieler das Spiel bereits kennen oder nicht. Neulinge beginnen die erste Runde meist mit einem lächerlichen dreistelligen Betrag, was erfahrene Spieler gleich auszunutzen versuchen, um sich ein billiges Unternehmen zu sichern.

Ein Kniff ist übrigens noch, dass man auch 0-Gebote abgeben kann. Eines pro Runde. Das bringt sogar Punkte und schont die virtuelle Soll-Seite des Kontos. Das Besondere daran ist aber, dass man theoretisch sogar mit einem Betrag, der nur wenig über dem Startgebot liegt, den Zuschlag erhalten kann.

Wer ist der Gierhals des Abends?

QE - Material des Brettspiels - Foto von BoadGameTables

Am Ende wird es noch mal richtig spannend: Dann stellt es sich heraus, wer tatsächlich wie viel ausgegeben hat, wer zu gierig war und wer am sparsamsten. Letzterer erhält noch einen Punktebonus, während ersterer ernüchtert ausscheidet.

QE ist für mich ein echtes Highlight des Jahrgangs, über das auch auf und nach der SPIEL ‘22 bereits viel zu hören war. Das Material ist einwandfrei, die Spielregel kurz und bündig, vielleicht mag man über das Design der Unternehmensscheiben diskutieren, aber das ist nebensächlich. Strohmann Games hat sich mit QE ein gutes Spiel an Land gezogen, das ich immer gerne mitspielen würde.

Infos zu QE

  • Titel: QE
  • Verlag: Strohmann Games
  • Autor: Gavin Birnbaum
  • Spieleranzahl (von bis): 3-5
  • Alter (ab oder von bis in Jahren): 10
  • Dauer in Minuten: 30
  • Jahrgang: 2022

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2 Kommentare

Riemi
Riemi 30. Dezember 2022 at 08:54

Diese Rezension macht Lust auf QE. 🙂
Ich habe mich spontan an das kribblige Spielgefühl beim lautstarken Börsenspiel Pit https://www.reich-der-spiele.de/kritiken/pit (Winning Moves) erinnert.

Antwort
Axel Bungart
Axel Bungart 30. Dezember 2022 at 10:36

Ja, vielleicht nicht ganz so turbulent und laut. Aber ebenso unterhaltsam.

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