Die Moppertaktik beim Spielen

Durch Nölen gewinnen

ein Spiele-Artikel von Riemi - 23.10.2014
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Spiele sind schon was Feines. Einmal gekauft oder vom Reich der Spiele geschickt, wird (meistens) im stillen Kämmerlein die Regel gelernt. Der nächste Spieleabend ist nicht mehr fern und man möchte natürlich gut vorbereitet seine neuste Errungenschaft präsentieren. Manchmal kann es auch sein, dass der nächste Spieleabend noch etwas hin ist und eine kleine Zeit vergeht. Aber egal, man freut sich und ist gespannt darauf, wie das neue Spiel ankommt. 

Am Spieleabend kommt die Moppertaktik: Es geht los ...

Der Abend naht. Auf die Frage: „Was wird gespielt?“ holst du dein Spiel heraus und legst es demonstrativ auf den Tisch. „Ich hab' da was Neues.“ Eine kleine Schrecksekunde folgt. Währenddessen wird das Cover begutachtet. „Müssen wir das spielen?“ In Gedanken ist man erst mal perplex. Was für eine Frage? Das ist neu. Sonst kann es doch nicht neu genug sein. Was ist mit dem Spiel? „Ich würde es gerne mal ausprobieren.“ Die Schachtel wird von außen und innen begutachtet. „Na gut. scheint ja nicht lange zu gehen“. So beginnt sie, die Moppertaktik.

Während die Regel erklärt wird, kommt leises Gemurmel über den Autor. Beim Regelnachfragen wird schon mal ein launisches: „Versteh ich nicht.“ in die Runde geworfen. Gefolgt von einem: „Was für ein Quatsch.“ In diesem Fall geht es um ein Kartenspiel. Woanders kann es ein Brettspiel sein. Nach dem Verteilen des Spielmaterials folgt Stirnrunzeln und Kopfschütteln. Dabei spielen die Mopperer eigentlich echt gern. Moppern kann unter Umständen auch der persönlichen Tagesform geschuldet sein. Für die anderen am Tisch ist es doof. Besonders für den, der für dieses Spiel verantwortlich ist. Aber nicht der Autor, Illustrator, die Redaktion oder der Verlag. Der Typ, der dieses Spiel angeschleppt hat, ist Ziel von netten Kommentaren wie: „Da hast du ja wieder einen Scheiß angeschleppt“. Danke!

Die Karten weden aufgedeckt: Der Mopperer siegt!

Das Spiel schleppt sich dann irgendwie dahin und man sehnt sich das Ende herbei. War ja dann nichts. Komischerweise sackt der Mopperer Runde um Runde Punkte ein. Wenn er darauf angesprochen wird, wird das verleugnet. Sieht nur so aus. Schnell noch ein Kommentar hinterher, dass das Spiel überhaupt keinen Spaß macht, und weiter geht es. Aber eigentlich ist die Luft raus und jeder ist froh wenn es vorbei ist. Dass der Mopperer gewonnen hat, interessiert nur am Rande. „Brauchen wir nicht mehr zu spielen.“ Sehr frustrierend für den, der solch ein Spiel mitgebracht hat.

Die kleine, fiese Spieletaktik für jederman

Ein paar Abende später wird dieses Spiel einer anderen Runde vorgestellt, und siehe da, es kommt an. Das, was vorher total öde war, ist jetzt richtig spannend. Tolles Spiel. Beim nächsten Mal bitte wieder mitbringen, oder besser noch, kaufe ich mir gleich selber. Um den Mopperer und seine vermeintliche Taktik in Schutz zu nehmen. Jeder moppert mal rum. Ich selber habe es auch schon getan. Müde, angeschlagen, überarbeitet und dann kommt einer mit einem Spiel um die Ecke, was schon von weitem nicht gefällt. Absichtlich spielen so nur wenige Menschen. Zum Glück.