Second Screen beim Brettspiel

Über die Mediennutzung beim klassischen Brettspiel

ein Spiele-Artikel von Steffi Münzer - 05.01.2022
Smartphone mit laufender Timer-App, Foto: Steffi Münzer
Lesezeit: ca. 2 Minuten

In den letzten Jahren ist mir immer deutlicher geworden, wir sehr sich das Smartphone in meinen Alltag drängt. Für jede Gelegenheit gibt es zahlreiche Apps, die Effizienz versprechen und dann doch irgendwie zum Zeitfresser mutieren.

Klassische Brettspiele kommen ohne Smartphone aus ...

Anders beim klassischen Brettspiel. Vielleicht wird vorher nochmal ein Let's Play geschaut, wenn die Spielregeln beim Lesen nicht klar werden, aber während der Partie bleibt das Smartphone aus. Keine Sorge, ich werde nicht mit dem imaginären Spazierstock in der Hand fuchteln und dabei von den guten alten Zeiten murmeln.

... und immer häufiger ist eins erforderlich ...

Das erste Mal, dass ich das Smartphone als Spielbegleitung genutzt habe, war bei Safehouse, um den begleitenden Soundtrack zu hören. Das war schon in Ordnung, denn es lenkte ja nicht ab. Manchmal braucht es auch einen Zeitmesser und da ist die Timer-Funktion des mobilen Endgerätes auch praktisch.

Vermutlich war es auch die Ablenkungen durch das Smartphone, denn ich bin - very late to the party - jetzt erst auf 5-Minute Dungeon gestoßen. Hier braucht es auch einen Zeitmesser oder direkt die passende App. Die alte Frau (ich) war skeptisch, aber der Mann opferte sein Datenvolumen.

Kurze Erläuterung: Ein Sprecher eurer Wahl startet den Countdown, es läuft epische Kampfmusik, Minutenansagen erhöhen den Adrenalinspiegel. Die App spielt auch Pausenansagen und unterschiedliche Gewonnen- bzw. Verloren-Sprüche ab.

... und kann Spaß machen!

Spätestens als wir beim Pause drücken ein bayerisches „Ahh, jetzt wird’s g'mütlich!“ hörten, war der Bann gebrochen. Ich lieb's! Niemand braucht für jede Mini-Aufgabe oder für jedes Brettspiel eine App. Aber es kann auch durchaus bereichernd sein.

Welche Spiele mit Medienunterstützung sind eure liebsten? Ich freue mich über Tipps in den Kommentaren.

Kommentare

Für mich sind solche Spielereien unnötig. Wenn ich ein Online-Spiel oder PC Game spielen möchte, mache ich das. Zeitmesser sollten optional sein, ebenso "Atmosphäre" durch Sound.

Bei einigen Spielen geht es ohne App nicht. Das ist schade, denn damit ist der Titel häufig auch an technische Anforderungen geknüpft. Ohne App geht es nicht, bleibt ein Softwareupdate aus, kann das Spiel unnütz werden. Das finde ich unschön.

Anders ist es bei Puzzlen wie den Audio-Mystery-Spielen von Ravensburger. Da stellt sich eher die Frage, ob das noch ein Gesellschaftsspiel ist.

Für mich überwiegen insgesamt die Gegenargumente, auch wenn einige Ideen nur mit App machbar sind. Aber nicht immer ist eine Verknüpfung beider Welten auf Dauer auch besser als ein rein analoges Vergnügen.

Pauschal lehne ich die Veknüpfung von Digital und Analog nicht ab. Bereits vor Smartphones gab es hier Verbindungen. Man denke nur an Kinderspiele wie "Wer war´s" oder "Schnappt Hubi". Da war auch schon Technik dabei. Und den Kindern und uns Eltern hat das eine Menge Spaß gemacht. Bei den oben genannten Beispielen unterstütz das Smartphone auch nur und übernimmt nicht das Spiel.

In letzter Zeit habe ich viele Spiele Solo gespielt, wo das Smartphone den Automa übernimmt, sei es Dune: Imperium, Die verlorenen Ruinen von Arnak oder Great Western Trail. Das hat aber nichts vom ursprünglichen Feeling geraubt. Wenn man einmal davon absieht, dass sich solo immer ein wenig anders als mit Mitspielern anfühlt.

Anders sehe ich das bei Spielen, wo das Smartphone das Spiel massiv beeinflusst. Zuletzt habe ich vor der Entscheidung gestanden, ob ich mir das letzte Descent hole. Aber da schien mir dann doch zu viel digital abzulaufen und das analoge Spiel nur noch Beiwerk zu sein. Mag sein, dass ich das anders empfinde, wenn ich es dann mal spiele. Aber hier hat mich die Technik dann doch vom Kauf abgehalten.

Schade finde ich es auch, wenn die Technik eine Hürde darstellt. Die echoes Spiele von Ravensburger konnte ich beispielsweise nicht spielen, weil die App auf meinen Smartphone nicht lief. Gut, jetzt habe ich ein neues. Vielleicht probiere ich es jetzt doch noch mal aus. Aber ich habe häufig gelesen, dass Leute erst nach dem Kauf festgestellt haben, dass das Spiel mit ihrem Smartphone nicht spielbar war.

Hier fliegt auch noch In Search for planet X rum. Habe ich bisher auch nur Solo gespielt. Natürlich app-unterstützt. Auch mit mehreren Spielern ist die App zwingend erforderlich. Finde ich in dem Fall aber auch nicht schlimm. Das Spiel funktioniert nun einmal nicht ohne, aber das Spielerlebnis bleibt für mich dennoch ein analoges.

Ich bin gespannt, was da noch kommt. Sicherlich werde ich nicht alles gut finden, aber erst einmal bin ich hier entspannt.

Ich lese bei Dirk mit Verzückung, dass es tatsächlich mittlerweile Spiele gibt, die einen Smartphone Automa haben. Das halte ich tatsächlich für einen absoluten Gewinn, auch wenn Du (Dirk) recht hast, dass das nicht das richtige Spielen ersetzt. Zum Glück. Aber wenn es denn mal sein muss....

Ansonsten würde ich Spiele mit Apps nur dann spielen wollen, wenn sie dem Spiel einen Mehrwer verschaffen (eben vermuteterweise wie bei dem Automa). Bei den Unlock-Spielen (Space Cowboys) ist die technische Ungterstützung zum Beispiel notwendig, weil Lösungen, Hilfen und Strafen nur über die App erteilt und gleich chronologisch verarbeitet werden.

Bei Dune:Imperium kommt der Automa von offizieller Seite. Bei Great Western Trail ist die App inoffiziell wie der Automa (ursprünglich) auch. Bei Die verlorenen Ruinen von Arnak kommt die Solo Kampagne auch von offizieller Seite. Ich trau es mich gar nicht zu sagen, aber hier hat mir die Solo Kampagne beinahe mehr Spaß gemacht als das Spiel zu Dritt. Aber ich bin von Arnak auch nicht so euphorisiert wie viele andere. Gutes Spiel, aber auch nicht weltbewegend.
Zu Gloomhaven: Pranken des Löwen gibt es noch eine App, die das Zählen unterstützt. Aber da bin ich bisher nicht schlau draus geworden. Da muss ich noch mal ran.

Danke für die vielen Kommentare und Spielenennungen. Einige kenne ich auch noch nicht. Ergänzend ist mir vor kurzem noch der neue Tiptoi (inkl. Kartenspiel) der Nichte begegnet. Die Quizfragen werden vorgelesen und Punkte automatisch gezählt, was m.E. für Kindergartenkinder eine große Selbstständigkeit bietet.

Ich kenne das, wenn eine App oder ähnliches bei Spielen nur wie aufgesetzt scheint. Vor allem bei Timern geht es mir so. Was spricht dagegen, die gute alte Stoppuhr oder Armbanduhr zur Hilfe zu nehmen. Spart mir dann sogar noch Akku vom Smartphone/Laptop etc., den ich dann lieber bei hilfreichen Webunterstützungen draufgehen lasse. 

Als zusätzliche Möglichkeit, die einem durch diese unterstützenden Systeme gegeben wird, fällt mir ein weiterer Spielmodi ein (kommt einem Automa zum Teil sehr nah). So kann Descent in der zweiten Edition dann auch mal ohne Overlord und vollkooperativ gespielt werden. 

Aktuell erwarte ich sehnsüchtig die Übersetzung der Webapp von Etherfields, die bisher nur auf Englisch existiert. Sie wurde zunächst als inoffizielle App von Spielern entwickelt und mittlerweile von Awaken Realms als offizielle App ausgeschrieben. Im Endeffekt nimmt sie mir das lästige Hin-und Herblättern im Handlungsbuch ab, welches dadurch gänzlich von dem ohnehin schon sehr vollen Tisch verschwinden könnte. Hier verstehe ich sowieso nicht, warum ein solch riesiges Spiel nicht von Beginn an mit App auf den Markt gebracht wurde. 

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