Spielgefühl: Madame Ching

Leichtes Mädchen, schwere Regellücken!

ein Spiele-Artikel von Hendrik Breuer - 10.01.2015
Madame Ching, Spielszene - Foto: Hendrik Breuer
Lesezeit: ca. 2 Minuten

Piratenspiele sind momentan ja ganz groß in Mode, und es gibt überraschenderweise sogar ziemlich viele neue Spiele mit Seeräuber-Thematik, die richtig gut sind. Ich sage nur Black Fleet und Skull King! Madame Ching fällt bei diesen cartoonhaften Spielen thematisch etwas aus der Reihe, immerhin ist die besagte Madame eine reale, wenn auch legendenumrankte, Piratin, die Anfang des 19. Jahrhunderts im südchinesischen Meer ihr Unwesen trieb.

Madame Ching: Super innovative ... Regelgestaltung!?

Das ist mal eine interessante Geschichte, zumal Frau Ching ihre Karriere—ganz brettspieluntypisch—als Prostituierte begann. Madame Ching sieht auch phänomenal gut aus, also das Spiel jetzt. Und auch die Anleitung ist vorbildlich gestaltet mit einem ausklappbaren Übersichtsplan, den man beim Lesen des Heftes ständig vor Augen hat. Das ist ganz großes Tennis und sollte unbedingt auch von anderen Spieleverlagen so gehandhabt werden.

Madame Ching - Foto: HurricanWeniger toll ist die Anleitung inhaltlich, und obwohl das Spiel nicht sonderlich komplex ist, durchschaut man es nach erstem Regelstudium nicht ganz. Zudem schlagen wir ständig die Bedeutungen der Begegnungskarten nach, auch diese sind hübsch, aber eben nicht intuitiv gestaltet. Es gibt eine ganze Reihe an Ungeklärtem, die Verwirrung ist groß. Nee, irgendwie läuft es nicht rund, echter Spielspaß kommt so nicht auf, zumindest vorläufig nicht.

Chance vertan, ich spiele weiterhin Black Fleet!

Schlecht ist das Spiel allerdings nicht. Man bricht mit seinem Schiff (mit „Kartenantrieb“) zu verschiedenen Expeditionen auf, erfüllt Missionen, erwirbt Fertigkeiten, häuft einen Schatz an. Das geht so eine knappe Stunde lang, bis die Madame dem ersten Spieler, der vier Fertigkeiten erwirbt, das Kommando über ihr bestes Schiff, die „China Pearl“, überträgt.

Das hätte bei entsprechender redaktioneller Bearbeitung sicherlich ein richtig gutes, familientaugliches Piratenspiel werden können, in der derzeitigen Form ist es wegen des schwierigen Einstiegs und der Regellücken nur bedingt zu empfehlen. An Black Fleet und Skull King kommt Madame Ching bei uns leider nicht heran, da ist es dann auch egal, wie grandios die Gute aussieht.