Azul: Die Gärten der Königin

eine Spielerezension von Markus Nussbaum - 24.09.2022
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Azul: Die Gärten der Königin - Logo - Foto von Asmodee
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Seit dem Erscheinen von Azul im Jahr 2017 und seiner verdienten Ernennung zum Spiel des Jahres 2018 erfreut uns Michael Kiesling nahezu jedes Jahr mit Variationen seines abstrakten Legespiels, welche er thematisch alle im Portugal des 16. Jahrhunderts ansiedelt. Waren es 2018 Buntglasfenster und 2019 der Sommerpavillon, sind es 2022 die Gärten der Königin Maria von Aragon, die durch uns Spieler möglichst schön und prachtvoll gestaltet werden sollen.

Neue Facetten für den Legespaß

Wieder gelingt es Michael Kiesling, dem bereits bekannten Spielprinzip weitere Facetten hinzuzufügen. Es gibt natürlich wieder die seit dem Erstling bekannten Spielsteine aus Kunstharz, diesmal aber nicht quadratisch oder rautenförmig, sondern hexagonal und mit unterschiedlichen Symbolen bedruckt. Diese gilt es auf unseren Gartenablagen sinnvoll zu verbauen. Zusätzlich besitzt jeder Spieler ein Lager, das nur eine begrenzte Zahl an Steinen und Gartenausbauten aufnehmen kann. Die Gartenausbauten sind eine der Neuheiten in der Azul-Reihe. Es handelt sich um sieben Felder große Plättchen, die wie Bienenwaben geformt sind und die wir ebenfalls auf unserer Gartenablage einbauen dürfen.

Wieder ein einfaches Prinzip, aber ...

Das Spielprinzip ist im Grunde wieder sehr einfach. Ist man am Zug, hat man vier Möglichkeiten. Zunächst darf man sich aus der Auslage, die hier zu Beginn auf einen mit vier Spielsteinen belegten Gartenausbau begrenzt ist, Steine in sein Lager überführen. Dabei muss man immer entweder alle Steine einer Farbe oder eines Symbols zu sich nehmen. Sobald man Steine heruntergenommen hat, wird der Gartenausbau samt den darauf verbliebenen Steinen in die Mitte gelegt und der nächste mit vier zufälligen Steinen belegt. Dies passiert so häufig, wie Gartenausbauten in dieser Runde zur Verfügung stehen. In einem Spiel zu viert wären das acht Ausbauten. Sind Gartenausbauten durch Entnahme aller Steine leergeräumt, werden sie umgedreht und können ab diesem Zeitpunkt ebenfalls ins Lager übernommen werden.

Grübeln beim Gartenbau

Azul: Die Gärten der Königin - Aufbau - Foto von Asmodee

Die zweite Möglichkeit wäre, im Lager vorhandene Steine in seinen Garten einzubauen. Und das ist schon mit mehr Grübelei verbunden, denn es gelten bestimmte Einsetzregeln, die mit den aufgedruckten Symbolen und den Farben der Steine zu tun haben. Spieler müssen das Einsetzen nämlich bezahlen. Die Symbole auf den Steinen bilden verschiedene Wertigkeiten ab. Der Baum hat den Wert eins, der Vogel zwei, die Schmetterlinge drei, die Blume vier, die Pflanze fünf und die Blütenkelche sechs. Setze ich einen Stein ein, muss ich so viele Steine aus meinem Lager zahlen, wie der Wert des Steins vorgibt. Dabei zählt der gesetzte Stein bereits mit. Das heißt, einen Baum kann ich immer gratis einsetzen, für einen Vogel benötige ich aber bereits einen weiteren Stein als Bezahlung. Um das Ganze aber noch zu erschweren, darf ich nicht mit beliebigen Steinen zahlen, sondern nur mit Steinen der gleichen Farbe oder den gleichen Symbolen. Und dabei darf der Stein, den ich eigentlich einsetzen möchte, in meiner Bezahlung nicht identisch vorkommen.

Als dritte Möglichkeit kann auch ein gelagerter Gartenausbau eingesetzt werden. Hierfür gibt es im Garten sechs freie Bauplätze. Auf jedem Gartenausbau ist in der Mitte ein Pavillon abgebildet und auf einem Randfeld immer ein vorgedrucktes Hexagon. Hier gelten dann die gleichen Regeln zur Bezahlung. Genauso darf man auch Ausbauten, die man nicht verwenden möchte, als Zahlungsmittel einsetzen.

Die vierte und letzte Möglichkeit ist das Passen. Wer passt, erhält den Startspielerstein, aber auch einen Minuspunkt auf der Siegpunktleiste.

Die Wertungen bei Azul: Die Gärten der Königin

Haben alle Spieler gepasst, endet die laufende Runde und es erfolgt eine Zwischenwertung. Auf dem Spielplan ist eine Drehscheibe angebracht, die pro Zwischenwertung anzeigt, welche drei Farben/Symbole gewertet werden. Sind alle vier Runden beendet, gibt es nach der letzten Zwischenwertung eine Schlusswertung. Hier werden dann nochmal sämtliche Farben und Symbole einzeln gewertet, aber nur dann, wenn es sich um eine Gruppe von mindestens drei Hexagonen handelt. Jede Gruppe, die sogar aus sechs Hexagonen besteht, erhält Bonuspunkte.

Azul: Die Gärten der Königin: Macht das größere Grübeln Spaß?

Wie man der Beschreibung entnehmen kann, ist von der ursprünglich sehr einfachen und eleganten Regel des originalen Azul nicht mehr viel übriggeblieben. Das Spiel ist eine ziemliche Grübelei, was sich auch in der längsten Spieldauer der gesamten Azul-Reihe niederschlägt. Das betrifft insbesondere die Einsatzphase, weil man sich hier sehr schnell verkalkuliert, was die Bezahlung der Hexagone und Gartenausbauten betrifft. Um die hochwertigen Pflanzen und Blütenkelche einsetzen zu können, ist schon sehr viel planerische Vorarbeit erforderlich. Und hierbei muss man auch abwägen, ob es das Risiko wert ist, denn bei Spieleende werden für jedes im Lager verbliebene Hexagon die Werte als Minuspunkte abgezogen.

Jeder Spieler erhält zu Beginn auch drei Joker-Hexagone in sein Lager, die er als Bezahlung einsetzen kann. Um wieder neue Joker zu erhalten, muss man bestimmte, auf den Ausbauten aufgedruckte, Gebäude vollständig umschließen. Dann erhält man bei einem umbauten Brunnen beispielsweise drei neue Joker, die man zur Bezahlung von teuren Hexagonen gut gebrauchen kann. Nicht verbrauchte Joker zählen bei Spielende einen Pluspunkt.

Es gibt es aber auch beim Einsetzen der Hexagone noch bestimmte Regeln, so dürfen diese beispielsweise nicht an Gruppen angelegt werden, in denen bereits ein gleiches Hexagon (Farbe und Symbol) enthalten ist.

Bekannte Details

Azul: Die Gärten der Königin - Schachtel - Foto von Asmodee

Viele Elemente des Spiels sind bereits aus den vorherigen Azul-Varianten bekannt, so z. B. der Turm, in den die gezahlten Hexagone geworfen werden, der schön bedruckte Stoffbeutel, aus dem sie gezogen werden und die wie immer gute grafische Gestaltung. Diese bildet die Bedeutung der Wertigkeiten der Hexagone und Wertungspunkte auf dem Spielplan und der Gartenauslage vorbildlich ab, sodass sich dazu ein Blick in die Regel erübrigt.

Persönlich hätte ich mir einen farbenfroheren Garten gewünscht. Bei der Farbgebung der Hexagone wurde aber nur ein eingeschränktes Spektrum (Gelb, Hellblau, zwei Grüntöne und zwei violette Farbtöne) herangezogen, was insbesondere bei den Grüntönen die Unterscheidung erschwert.

Wer sich von dem komplexeren Regelwerk nicht abschrecken lässt, erhält auch hier wieder eine sehr interessante Azul-Variante mit hohem Wiederspielreiz. Zudem bietet der Spielplan auf der Rückseite andere Wertungsvarianten, die andere Strategien nötig machen und noch zusätzlichen Anreiz bieten, das Spiel immer wieder auf den Tisch zu bringen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
1-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
45-60
Jahrgang: 
2022
Spielkategorisierung
Fotos
Azul: Die Gärten der Königin - Aufbau - Foto von Asmodee
Azul: Die Gärten der Königin - Schachtel - Foto von Asmodee

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