Echoes: Der Ring

eine Spielerezension von Alexandra Fauth - 25.10.2022
  Spiel kaufen kommentieren
Echoes: Der Ring - Ausschnitt vom Cover - Foto von Ravensburger
Lesezeit: ca. 6 Minuten

Escape-, Adventure-, Rätsel- und Deduktionsspiele stehen nach wie vor hoch im Kurs. Und gerade wenn man denkt, es gibt eigentlich schon alles, kommt wieder eine neue Idee. Es ist noch gar nicht so lange her, da hat MicroMacro: Crime City das neue Genre der Wimmelbild-Krimispiele begründet. Und Ravensburger brachte mit Echoes eine Rätselspielreihe auf den Markt, die sich auf Höreindrücke stützt. Zum Spiel des Jahres wurde es zwar (anders als MicroMacro 2021) nicht gewählt, aber Echoes (genauer gesagt die Folge Die Tänzerin) schaffte es immerhin auf die Empfehlungsliste 2022. Wir haben uns Echoes: Der Ring von Dave Neale und Matthew Dunstan näher angesehen beziehungsweise angehört. Wie spielt sich – Verzeihung, klingt – das Spiel denn so?

So funktioniert das Hörerlebnisspiel Echoes: Der Ring

„Das Audio Mystery Spiel“ steht auf der Schachtel. Das beschreibt schon recht treffend, worum es geht: ums Hören und um eine mehr oder weniger mystische Geschichte, die es zu erspielen gilt.

Neben dem haptischen Spielmaterial braucht es die zugehörige App, die in diesem Fall mehr als nur unterstützende Funktion hat. Anders als zum Beispiel bei der Exit-Reihe geht es nicht um atmosphärischen Soundtrack oder einen Timer, sondern um das Kernstück des Spiels: die Hörelemente. Ohne App also kein(e) Echoes. Der Spieltisch ist dennoch nicht leer: Dort liegen sechs Objekt-Tafeln aus fester, dicker Pappe und 18 (in der leichteren Variante 9) Objekt-Karten mit Bildern. Jedes davon hat ein zugehöriges Echo. Die einzelnen Bilder und Hörfetzen müssen kooperativ in die richtige Reihenfolge gebracht werden, damit sich das Rätsel löst. Die Tafeln dienen dabei als Kapitelmarker, bieten also Orientierung für das Zusammensetzen der Geschichte.

Echoes rund um einen alten Ring: Spielerisches Hörerlebnis

Echoes spielt sich etwas anders, als wir es im Vorfeld vermutet hatten. Erwartet hatten wir eigentlich diverse Geräusche, die man erkennen muss, um weiterzukommen (zum Beispiel ein Rasenmäher, ein Flugzeug, eine Hummel oder …). Tatsächlich klingt das Ganze aber eher wie ein Hörspiel. Es gibt zwar durchaus nicht nur Dialoge, sondern auch oft Geräusche; was man da eigentlich hört, ergibt sich aber meist direkt aus der (Hör-) Szene. Ist das einmal nicht der Fall, wird es spätestens durch die umgebenden Szenen, die weitere Geschichte oder die zugehörigen Bilder klar.

Eine so zentrale Rolle wie gedacht spielen einzelne Geräusche jedenfalls nicht. Stattdessen erinnert Echoes ein wenig an in Einzelsätze aufgeteilte Geschichten, die in die richtige Reihenfolge gebracht werden müssen, wie man sie zum Beispiel aus dem Fremdsprachenunterricht kennt – jedoch im positiven Sinne. Statt einzelner Sätze hört man ganze (oder Teil-) Szenen, die neugierig auf die restliche Geschichte machen.

Echoes: Der Ring - Soundpuzzle mit App - Foto von Ravensburger

Eine junge Frau erbt einen Ring, doch nach seltsamen Geschehnissen kommt die Frage auf, ob er verflucht ist. Die Spielenden sind dabei Ermittler mit fantastischen Fähigkeiten: Sie können Echos hören, die an Gegenständen haften, und so rekonstruieren, was in der Vergangenheit passiert ist. Die eigentliche Geschichte um den Ring ist stimmig und unterhaltsam, die Hintergrundstory zur Herkunft der Echos mag vielleicht etwas seltsam anmuten (ist aber Geschmacksache). Wenn man davon einmal absieht, fügt sie sich aber gut mit dem Spielprinzip zusammen.

Starten kann man mit einem beliebigen Bild und auch sonst gibt es keine Reihenfolge-Vorgaben. Karte einscannen, Hörszene anhören (bei Bedarf auch mehrmals) und überlegen, in welches Kapitel das wohl gehört beziehungsweise mit welchen anderen Hörfetzen das wohl zusammenhängt. Erst wenn die Spielenden glauben, eines der Kapitel richtig zusammengesucht zu haben, geben sie die Kombination in der App ein. Liegen sie richtig, können sie das gesamte Kapitel nochmals am Stück anhören – in erweiterter Fassung mit weiteren Hinweisen für die Gesamtgeschichte. Liegen sie falsch, gibt eine Zahl (0 bis 3) an, wie viele der Karten überhaupt in dieses Kapitel gehören. Auch das hilft bei der Lösung oft schon weiter. Erst ganz zum Schluss gilt es, die Kapitel in die richtige Reihenfolge zu bringen. Und am Ende weiß man dann auch, ob der Ring verflucht war und was dahintersteht.

Die App lässt sich intuitiv bedienen und funktioniert gut. Schade ist, dass das direkte Abscannen der Bilder auch bei neueren Handys nicht immer möglich ist, dafür gibt es aber eine alternative Eingabe über Codes. Etwas umständlicher, aber machbar, ohne den Spielfluss allzu sehr zu unterbrechen. Dank der großen Bildkarten und den (qualitativ hochwertigen) Audiosequenzen als Herzstück müssen nicht alle gleichzeitig über einer winzigen Karte grübeln, wie das sonst bei Rätsel- und Escapespielen oft der Fall ist. Dadurch spielt sich Echoes zu viert ebenso gut wie zu zweit. Auch solo ist das Abenteuer möglich.

Wie schwierig ist Echoes: Der Ring?

Spielen lässt sich in zwei unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Beim leichteren kommt zunächst nur die Hälfte der Objekt-Karten ins Spiel, die entscheidenden Geschichten-Bausteine erfährt man also frühzeitiger als im Profi-Modus. Zugleich behält man leichter den Überblick. Auch in der App lässt sich zusätzlich die Schwierigkeit auf „einfach“ einstellen, dann erhält man weitere Hinweise mittels Farbsymbolen. Diese lassen sich auch in Einzelfällen aufrufen, wenn man an einer bestimmten Stelle nicht weiterkommt. So sieht man, welche der Karten falsch (oder richtig, aber falsch positioniert) sind.

Der Schwierigkeitsgrad lässt sich also sehr individuell festlegen. Spätestens mit den Hilfestellungen eignet sich Echoes auch sehr gut für Gelegenheits- und Wenigspieler. Dank der übersichtlichen, kurzen Anleitung und dem Spielprinzip, das ohne große Vorbereitung auskommt, findet man schnell und gut ins Spiel. Kennerspielende und Rätselerfahrene sollten besser im Profi-Modus spielen und auch dann ist es so manchem vielleicht noch zu einfach zu lösen. Trotzdem entsteht eine schöne Atmosphäre und die Hörfetzen ziehen schnell ins Geschehen, sodass keine Langeweile aufkommt und auch Spiel- und Rätselerfahrene gerne in die Geschichte abtauchen.

Macht das Audiospiel Echoes: Der Ring Spaß?

Soundrätsel Echoes: Der Ring mit Material - Foto von Ravensburger

Wer gerne Hörbücher oder Hörspiele hört, wird Echoes mögen (vorausgesetzt, man ist Rätseln und Spielen gegenüber nicht gänzlich abgeneigt). Aber auch für alle anderen gilt: Es macht Spaß, nach und nach herauszufinden, was denn nun eigentlich passiert ist, und dabei selbst das Tempo zu bestimmen. Bauchspieler und Planer kommen hier beide auf ihre Kosten. Man kann taktisch vorgehen und die Bilder zuerst wählen, die am ehesten zu den vorigen Szenen passen, oder man lässt sich vom Gefühl leiten und wählt die Karten aus, die am meisten Neugier wecken. Interessanterweise führt beides wunderbar zum Ziel, was auch daran liegt, dass hier der Weg das Ziel ist.

Echoes bringt die unterschiedlichsten Spielgruppen an einen Tisch und zieht auch Spielmuffel in seinen Bann. Wer sich gerne von einer guten Geschichte unterhalten lassen und dabei selbst aktiv sein möchte, ist hier richtig. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Echoes: Die Tänzerin auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres 2022 steht, denn Echoes eignet sich wunderbar für Familien. Nur zu komplexe Rätsel (oder eine zu komplexe Geschichte) sollte man nicht erwarten. Das braucht Echoes aber auch gar nicht. Schade ist nur, dass es nach etwa einer Stunde schon um ist – gut, dass es Nachschub in Form weiterer Folgen gibt.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spielerzahl: 
1-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
14
Spieldauer (Minuten): 
40-60
Jahrgang: 
2022
Spielkategorisierung
Fotos
Echoes: Der Ring - Soundpuzzle mit App - Foto von Ravensburger
Soundrätsel Echoes: Der Ring mit Material - Foto von Ravensburger

Anzeige
kaufen Echoes: Der Ring kaufen bei:
Amazon
Spiele-Offensive

kommentar zum Anfang der Rezension