Gutenberg

eine Spielerezension von Axel Bungart - 04.07.2022
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Gutenberg - Buchdruck-Brettspiel - Ausschnitt - Foto von HUCH
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Wäre es Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert nicht gelungen, aus beweglichen Lettern, etwas Farbe und einer Maschinerie den Buchdruck zu erfinden, würde das Spiel heute vielleicht Schneider oder Müller-Lüdenscheid heißen. So aber lautet der Name Gutenberg, und fast jeder weiß, was ihm die Menschheit verdankt.

Wir verdanken das Spiel zunächst mal den Autoren Katarzyna Cioch und Wojciech Wiśniewski sowie in erster Instanz dem polnischen Verlag Granna und danach Huch!, die es auf Deutsch herausbracht haben. Der Titel ist derzeit für Preise ab ca. 35,90 Euro erhältlich. In dem Spiel um den Druck und die Gestaltung von möglichst vielen Büchern spielen 2-4 Spieler um Siegpunkte, die sie für jedes „gedruckte“ Buch erhalten.

Tolles Spielmarterial

Gutenberg fängt einen zunächst mal mit seinem Spielmaterial ein: einem schön gestalteten Spielplan, Spielertableaus, diversen Markern, Münzen und Zahnrädern aus dicker Pappe, ferner Karten sowie zuvorderst den aus Holz gefertigten Lettern, die – originalgetreu – spiegelverkehrt gestaltet sind. Wenngleich die Karten im ungewöhnlichen Querformat erscheinen, passen sie sich damit prima in den Spielplan ein, wo sie anfangs ausliegen.

Gutenberg - Spielbrett und Material - Foto von Axel Bungart

Worum geht es in Gutenberg?

Die Spieler sollen aus Lettern, Tinte(nplättchen) und Fertigkeiten über die Gestaltung von Büchern eben jene herstellen, für die sie Geld und Punkte erhalten. Mittelbar erhalten sie weitere Siegpunkte über Gönnerkarten, sofern sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen (bestimmte Buchstaben/Tinten/Fertigkeiten vorweisen können). In jeder Runde liegen Ressourcen aus, die sich die Spieler in einer Art Worker-Placement-Mechanik sichern können. Hinter einem Sichtschirm setzen sie dazu Steine in ein Skalentableau ein; wer in den verschiedenen Skalen die meisten Steinchen einsetzt, hat den ersten Zugriff auf den Ressourcenbereich. Hilfreich ist für die Spieler, dass das Skalentableau so angeordnet ist, wie die dazugehörigen Bereiche auf dem Spielbrett, sodass man beides von oben nach unten abarbeiten kann.

So werden Aufträge und Tinte eingesammelt, Fertigkeiten gesteigert und mit Zahnrädern die Druckerei verbessert. Die Zahnräder bringen einem im günstigsten Fall jede Runde weiter Ressourcen. Lettern kauft man für zunehmend teures Geld extra ein.

Gutenberg - die Zahnräder und Aufträge - Foto von Axel Bungart

Mit alldem versucht man, die Aufträge zu erfüllen. Wer sowohl die obligatorisch geforderten Lettern als auch die optionalen Verschönerungen (Fertigkeitsstufen) für die Aufträge vorweisen kann, erhält Geld, Siegpunkte und einen Bonus, der unterschiedlich ausfällt. Es gewinnt, wer nach sechs Runden so die meisten Siegpunkte erdruckt hat.

Wie spielt sich Gutenberg?

Wie immer haben die Götter auch bei Gutenberg den Schweiß vor den Erfolg gesetzt. In die Spielertableaus müssen – zum Glück nur - vor dem ersten Spiel runde Holzzylinder in entsprechende Aussparungen gedrückt werden, um die sich später die Zahnräder drehen. Dabei kommt man schon ins Zweifeln, ob das eine Runde in das andere passt und es gibt wenigstens einen roten Daumen.

Bei der Spielregel muss aber nicht mehr geschwitzt werden. Sie definiert gut und fehlerfrei das, was im Spiel zu tun ist. Reichhaltig bebilderte Beispiele ergänzen und verdeutlichen alle Sachverhalte.

Gutenberg - Lettern für Aufträge angeordnet - Foto von Axel Bungart

Gut verpackt zeigt sich der Mechanismus, mit dem man sich Ressourcen holt. Die geheime Abstimmung mit kleinen Würfelchen, die man in Skalen eines Tableaus legt, ist nichts anderes als ein Arbeiter-Einsetz-Mechanismus, allerdings fällt er nicht so platt aus. Spannung verspricht er allemal, denn wer die Mehrheit in einer Spalte hat, darf zuerst wählen. Das stellt einen jedes Mal vor die Frage, worauf man am ehesten verzichten kann, um etwas anderes zu forcieren. Zumal die Anzahl der verfügbaren Würfelchen von Runde zu Runde variiert, weil sie von der Spielerreihenfolge abhängt. Doch das lässt sich mit ein bisschen Planung steuern. Wer sich einmal einen Tintenvorrat angelegt hat, kann diese Ressource einmal vernachlässigen und sich auf andere konzentrieren. Ein echter Ressourcenmangel herrscht kaum einmal. Eher, dass einem hier oder da mal ein Tintenplättchen fehlt, mit dem man noch einen weiteren Auftrag in einer Runde abwickeln könnte.

Entscheidungsvielfalt

Mehr Kopfzerbrechen bereiten einem die vier Fertigkeiten, welche man ebenfalls auf Skalen weiterentwickelt. Sie bringen direkt bei Erreichen eines bestimmten Levels kleine Boni und am Spielende Punkte. Für die Erfüllung von Aufträgen sind Sie zwar nicht zwingend notwendig, doch auf Dauer wird man ohne sie nicht erfolgreich, da sie die Punkteausbeute deutlich erhöhen. Auch können die vier Fertigkeiten später beim Erhalt von Gönnerkarten dienen, die einem jeweils acht Punkte einbringen.

Das Ressourcenmanagement ist entscheidend

Brettspiel Gutenberg - Schachtel - Foto von HUCH

Dieses Management ist auch die größte Herausforderung, die Gutenberg an die Spieler stellt. Insgesamt ist das übersichtlich, durchaus planbar und nur selten wird man einen Auftrag nicht erfüllen können. Entscheidend ist aber die optimale Nutzung der Ressourcen: Wer in jeder Runde einen Auftrag erfüllt, fühlt sich in seiner Druckerrolle gut aufgehoben, kommt aber bald zu der Erkenntnis, dass andere weit vor ihm liegen. Somit besteht die Herausforderung darin, möglichst viele Aufträge zu erfüllen. Die Kunst liegt damit in der Optimierung der Ressourcen. Tinte verbraucht sich, muss also immer wieder beschafft werden. Lettern und Fertigkeiten jedoch sind dauerhafte Produktionsfaktoren, die es geschickt einzusetzen gilt. Die an verschiedenen Stellen zu erhaltenen kleinen Belohnungen können hier den bedeutenden Unterschied machen.

Mir macht Gutenberg Spaß, eben weil es nicht einen Wust an Siegpunktquellen gibt, die man über ein Dutzend Werkzeuge anzapfen muss. Es ist geradlinig, ohne dass es immer denselben Weg vorschreibt.

Das Thema ist stimmig umgesetzt. Einen Glücksfaktor gibt es, da Karten und Tintenplättchen zufällig ausgelegt werden. Doch lassen sich Alternativen erspielen, die auch dieses Glück relativieren. Auch die vielen kleinen Boni, die man u. a. regelmäßig von den Zahnrädern einsammeln kann, sorgen zwischendurch für kleine Erfolgserlebnisse und stopfen immer wieder kleine Löcher. Mit dem wirklich schönen Spielmaterial finde ich Gutenberg daher überzeugend und von der Spieldauer her angemessen. Und wenn man es mit ein paar Glassteinchen anstelle der Tintenplättchen aus Pappe und einem Satz Metallmünzen ein wenig pimpt, mag man es kaum mehr weglegen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spielerzahl: 
1-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
60-120
Jahrgang: 
2021
Spielkategorisierung
Fotos
Brettspiel Gutenberg - Schachtel - Foto von HUCH
Gutenberg - Spielbrett und Material - Foto von Axel Bungart
Gutenberg - die Zahnräder und Aufträge - Foto von Axel Bungart
Gutenberg - Lettern für Aufträge angeordnet - Foto von Axel Bungart

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