Pandemic: Hot Zone Europa

eine Spielerezension von Michael Weber - 06.02.2022
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Illustration - Ausschnitt - Pandemic Hot Zone Europa - Foto von Michael Weber
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Matt Leacock hatte vor einigen Jahren mit Pandemie (heute nur noch Pandemic) einen überraschenden Erfolg veröffentlicht. Der Titel simuliert Seuchenausbrüche und fordert die Spielgruppe auf, sich abzustimmen und möglichst effektiv und schnell gegen die startende Pandemie vorzugehen. Das war nicht nur eine beklemmende Blaupause für die Corona-Pandemie, sondern gehört zu den anspruchsvollsten und schwierigsten kooperativen Brettspielen. Gemeinsam mit Tom Lehmann hat er nach einigen anderen Ausgaben eine Kompaktreihe veröffentlicht, in der bei Z-Man Games neben Pandemic: Hot Zone Europa auch Pandemic: Hot Zone Nordamerika erschienen sind. Das Alleinstellungsmerkmal: Stark reduziert, einfacher und zugleich extrem schwer zu gewinnen.

Die wichtigen Unterschiede

Pandemic: Hot Zone Europa weist zahlreiche Unterschiede zum Original auf. Im Kern ist alles reduziert und auf das Wesentliche gekürzt. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Ausgabe weniger fordernd oder interessant ist. Im Gegenteil. Doch dazu später mehr.

Spielbrett Pandemic Hot Zone Europa - Foto von Michael Weber

Alles reduziert

Es beginnt mit der Schachtel. Diese ist im Kleinformat und beinhaltet unter anderem einen kleinen Europaplan. Darauf sind 24 Städte eingezeichnet, je acht in Rot, Gelb und Blau. Ein Alleinstellungsmarkmal nimmt Genf ein. Denn nur hier kann die Spielgruppe die erforderlichen Heilmittel finden. Davon gibt es wie von den Seuchen nur jeweils drei. Die Gruppe gewinnt, sobald alle drei Heilmittel im Labor in Genf gefunden wurden. Aber: Anders als beim Original führen Heilmittel nicht zum sofortigen Entfernen aller Würfel dieser Seuchenfarbe. Die Gruppe muss diese weiterhin entfernen, kann aber beim Seuchenbekämpfen nicht einen, sondern alle Würfel in einer Stadt entfernen.

Nur vier Spezialisten

Spezialisten bei Pandemic Hot Zone Europa - Foto von Michael Weber

Das sind bereits wichtige Unterschiede zum Original. Weitere ergeben sich aus der reduzierten Kartenzahl und den nur maximal vier nutzbaren Rollenkarten. Dabei können Quarantänespezialistin, Pilot, Virologin und Eindämmungsspezialist besondere Aktionen wählen, um die Seuchen einzudämmen.

Dieses Spiel kann man nur verlieren

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei Pandemic: Hot Zone Europa ist der Zeitfaktor. Wie immer bei diesem kooperativen Spielsystem können sich alle miteinander absprechen und in aller Ruhe ihre Züge ausführen. Allerdings gewinnt die drohende Niederlage mit jedem weiteren Zug an Kontur. Durch die geringere Kartenzahl kann die Runde irgendwann nicht mehr nachziehen. Dann ist die Partie sofort verloren. Die Zeit drängt also. Eine Niederlage droht auch, wenn es zu viele Ausbrüche gab oder der Vorrat an Seuchenwürfel aufgebraucht ist. Heißt: Das Infektionsgeschehen auf dem Brett ist besonders ausgeprägt.

Der Ablauf bleibt ähnlich

Spielkarten Pandemic Hot Zone Europa - Foto von Michael Weber

Aus den Änderungen ergibt sich eine deutlich kürzere Spieldauer. Diese bedingt, dass sich alle sehr genau überlegen müssen, welche Aktionen sie wählen. Denn Fehler lassen sich in diesem Szenario kaum noch korrigieren, dazu ist die Partie zu schnell vorbei. Wie bei Pandemic werden anfangs Ausbruchsherde bestimmt und einige Karten an die Runde verteilt.

Die Rollen bieten ähnliche Vorteile wie in der Originalausgabe. Diese lassen sich überwiegend als Aktionsoption oder als Zusatzeigenschaften nutzen. Wer an der Reihe ist, darf vier Aktionen ausführen. Neben der eigenen Sonderaktion gehören dazu verschiedene Formen des Reisens, Entfernen von Seuchenwürfeln in den erreichten Städten, der Kartentausch mit einem Mitstreiter in der gleichen Stadt sowie das Finden eines Heilmittels in Genf.

Ausbruch, Ausbreitung und neue Infektionsherde

Während alle ihre Aktionen in Abstimmung untereinander möglichst optimal planen und durchführen, schlägt am Ende jedes Zuges der Mechanismus unbarmherzig zu. Es kommen neue Seuchenausbrüche hinzu. Sobald ein vierter Seuchenwürfel in eine Stadt gelegt werden müsste, kommen stattdessen neue Würfel in alle umliegenden Städte. So breiten sich die drei Seuchen ständig weiter aus und flammen erneut auf.

Der Mechanismus ist unbarmherzig

Spielsituation Pandemic Hot Zone Europa - Foto von Michael Weber

Zum Tragen kommt an diesem Punkt wieder der bekannte und fordernder Pandemic-Mechanismus. Sobald es beim Nachziehen zu einer erneuten Epidemie kommt, entsteht nicht nur ein neuer Seuchenherd. Vielmehr kommen alle bereits genutzten Städtekarten gemischt wieder oben (!) auf den Nachziehstapel. Dadurch brennt es an den gleichen Orten immer und immer wieder, während zusätzlich neue hinzukommen. Daher ist das konzentrierte und abgestimmte Vorgehen so wichtig. Denn sonst geht die Gruppe schnell komplett unter.

… und dann noch die Mutationen

Erschwerend kommen in dieser Ausgabe Mutationskarten als Variante hinzu. Diese befeuern den Seuchenverlauf zusätzlich. Wer sich für diese Regelvariante entscheidet, sollte bereits etwas Erfahrung haben. Die Mutationen steigern die Chance auf eine Niederlage deutlich.

Wow! Das ist hart!

Schachtel Pandemic Hot Zone Europa - Foto von Michael Weber

Pandemic: Hot Zone Europa ist wie die nach gleichen Regeln funktionierende Schwesterausgabe Pandemic: Hot Zone Nordamerika eine wahnsinnig fordernde und extrem gut komprimierte Variante zum Original.

Der Einstieg ist überraschend einfach, es sind nur wenige Regeln zu beachten. Dann aber entfaltet sich der bekannte Spielreiz und die Herausforderung wird offensichtlich.

Die Seuchen breiten sich überall aus und die Gruppe kommt kaum nach. Je weniger Spieler dabei sind, desto schwieriger wird es. Dadurch ist das Spielgefühl trotz des reduzierten Ablaufs ähnlich intensiv wie bei Pandemic oder den erstklassigen Legacy-Ausgaben wie zum Beispiel bei Pandemic Legacy Season 0.

Es ist unglaublich, wie anspruchsvoll diese anfangs fast unscheinbar wirkende Ausgabe ist. Pandemic: Hot Zone Europa fesselt, setzt Hürden und deprimiert immer mal wieder. Sicher spielt der Zufall beim Nachziehen von Karten in den Ablauf hinein. Das ist aber ein kalkulierbares Risiko, auf das die Gruppe eine Antwort finden muss. Mehr noch als das Original verzeiht diese Ausgabe keine Fehler oder Alleingänge. Und genau das macht Pandemic: Hot Zone Europa zu einem erstklassigen und ungemein einsteigerfreundlichen Erlebnis der besonderen Art. Mit nur rund 20 Minuten ist das ein Spiel für Zwischendurch, aber keine Aufgabe zum Abschalten.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
20
Jahrgang: 
2021
Spielkategorisierung
Fotos
Schachtel Pandemic Hot Zone Europa - Foto von Michael Weber
Spezialisten bei Pandemic Hot Zone Europa - Foto von Michael Weber
Spielkarten Pandemic Hot Zone Europa - Foto von Michael Weber
Spielbrett Pandemic Hot Zone Europa - Foto von Michael Weber
Spielsituation Pandemic Hot Zone Europa - Foto von Michael Weber

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Kommentare

...wenn es kein Corona geben würde. Wir hatten uns angewöhnt, in der Pause Spiele bis max. 30 Minuten zu spielen. War wirklich sehr entspannend. Jetzt ist gerade Käfigeinzelhaltung ohne soziale Kontakte in der Pause angesagt. Aber so bald es wieder geht...