Eine neue Macht am Gesellschaftsspiele-Himmel

Ein Trio will mit einer neuen Spiele-Datenbank mehr Öffentlichkeit schaffen

ein spielerischer Artikel von Michael Weber - 26.01.2015
Eine neue Spieledatenbank für mehr Spielen

Seit Monaten gab es immer wieder erst Gerüchte, dann vorsichtige Andeutungen und schließlich Ankündigungen. Eine neue Plattform für Gesellschaftsspiele soll entstehen. Dabei kooperieren die w. nostheide verlag gmbh (Herausgeber des Fachmagazins Spielbox), Sebastian Wenzel (Betreiber von zuspieler.de, spielama.de und ludoversum.de) und die Mediatrust GmbH & Co. KG (Betreiber von spielen.de). Sichtbarstes Produkt dieser Zusammenarbeit ist eine neue Spieledatenbank. Diese ist als Beta-Version bereits im Einsatz und speist unter anderem die Liste der Spieleneuheiten für Frühjahr 2015 auf der Webseite der Spielbox. Doch es soll noch viel mehr folgen.

Reich der Spiele hat zum Thema recherchiert und die Beteiligten sowie Betroffene befragt. Es zeigt sich, dass speziell die Spieledatenbank nicht überall nur auf offene Arme trifft.

Wie kam es zur Kooperation?

Wenn drei Mitspieler miteinander die Spieleszene mit einem so gewaltig angelegten Projekt bereichern möchten, lohnt sich ein Blick auf die Entstehungsgeschichte. „Gewaltig“, weil es im September 2014 in einer Erklärung der Kooperation hieß:

„Spielen ist ein Kulturgut, das gilt auch für Gesellschaftsspiele. In den digitalen Medien wird das Kulturgut Gesellschaftsspiel allerdings bisher nicht ausreichend professionell als zentrale Spielgattung dargestellt und präsentiert. Die Mediatrust GmbH & Co. KG, der freie Journalist Sebastian Wenzel und die w. nostheide verlag GmbH als Vertragspartner wollen das ändern und ihre Aktivitäten im Bereich Gesellschaftsspiele bündeln. Sie wollen mit ihrer Kooperation ein für den Massenmarkt breites und nützliches digitales Angebot rund um Gesellschaftsspiele planen, umsetzen und nachhaltig vermarkten.“

Von Synergienutzung zur Spieledatenbank

Anfangs ging es nur darum, Synergien besser zu nutzen. So vereinbarten Jens Junge, Geschäftsführer von Mediatrust, und Sebastian Wenzel eine Zusammenarbeit, als sie sich kennenlernten. Ihre Idee, Gesellschaftsspiele als Thema breiter aufzustellen, präsentierten sie dem w. nostheide verlag. Geschäftsführer Jens Nostheide war davon begeistert und zeigte sich offen für eine Kooperation. Den dabei verfolgten Ansatz erklärt Sebastian Wenzel mit den Worten: „Wir möchten mit unserer Datenbank neben den Kennerspielern auch Menschen erreichen, die mit Spielen nur selten in Berührung kommen. Das gelingt meines Erachtens nur, wenn diese Menschen zufällig im Netz über Spiele stolpern. Das heißt, wenn sie nicht danach suchen, sondern auf spielfremden Seiten thematisch passende Vorschläge bekommen. Man könnte zum Beispiel auf einem Kochportal alle Gesellschaftsspiele zum Thema Ernährung anzeigen oder auf der Seite einer Hamburger Zeitung alle Spiele, die in Hamburg spielen.“

Er sieht dabei die deutschen Webseiten zum Thema Gesellschaftsspiele als ein Angebot, das sich in erster Linie an „Kennerspieler“, also erfahrene Spieler richtet. Daher finden nach seiner Meinung dort vorrangig die Menschen Informationen, die gezielt nach Gesellschaftsspielen suchen. Er möchte mit der Zusammenarbeit aber eben andere Kanäle erschließen.

Die Beta-Version der Spieledatenbank

Die Spiele-Grenzen überwinden

Genau an der Stelle kommt Mediatrust ins Spiel. Denn das Unternehmen betreibt mit spielen.de eine der größten Webseiten zum Thema Browserspiele im deutschsprachigen Internet. Dabei kooperiert es unter anderem mit den Portalen bildspielt.de und t-online.de zusammen. Sebastian Wenzel glaubt daher, dass die „Netzdurchdringung“ der neuen Datenbank wahrscheinlich professioneller sein wird als die der bereits bestehenden Portale.

Trotz der bisherigen Fokussierung auf Browserspiele ist Jens Junge als Geschäftsführer von Mediatrust alles andere als ein Neuling im Bereich der Gesellschaftsspiele. Er war schon bei der Entstehung der Spielemesse in Essen in der – damals noch - Essener Volkshochschule einer der Helfer und bindet als Dozent für die Studiengängen Medieninformatik und Kommunikationsdesign immer wieder Gesellschaftsspiele in seine Seminare und Vorlesungen ein. Zudem ist er Gründer des Berliner Instituts für Ludologie.

Warum die Spielbox mitmacht

Jens Nostheide, Geschäftsführer des w. nostheide verlages und damit quasi der personifizierte Herausgeber der Spielbox, sieht in einer eben solchen Konstellation eine Chance für die Spielbox als weltweit führendes Gesellschftsspiele-Magazin und griff beim Angebot sofort zu. „Wir wünschen uns, dass in Zukunft noch mehr Menschen darauf (Red.: auf die Spielbox) aufmerksam werden.“ Er betont jedoch, dass die Webseite der Spielbox kein Teil von spielen.de wird. Er beabsichtigt allerdings, Inhalten der Datenbank auf der Spielbox-Seite einzubinden. Diese werden dabei dem Design der Spielboxseite angepasst. Nicht ganz unabhängig davon soll noch Mitte 2015 der von Lesern immer wieder gewünschte Relaunch der Seite mit einem zeitgemäßen Layout kommen. Neben der Datenbank soll auch ein gemeinsames Forum für die neue Webseite genutzt werden.

Hier müssen sich die bisherigen Forumsnutzer der Spielbox-Seite scheinbar auf Änderungen einstellen. Denn das Forum wird ebenso wie die Neuheitenliste in eine gemeinsame Plattform aufgehen. Dort werden nach Aussagen von Sebastian Wenzel auch Ludoversum, Spielama und vermutlich Zuspieler eingegliedert. Schon jetzt sind erste Inhalte hinterlegt. Ob das ein kluger Schachzug für die Spielbox ist, bleibt abzuwarten. Denn hinter vorgehaltener Hand erklären besonders Vielspieler, spätestens dann endgültig zur Konkurrenz wie zum Beispiel dem Forum von unknowns.de abzuwandern.

Die neue Spieledatenbank – was ist das?

Bleibt die Frage, was ist diese Spieledatenbank eigentlich, um die es als Kernstück der Kooperation geht? Dabei handelt es sich zunächst um eine Kopie der Basisdaten von luding.org. Das Portal ist in der Spieleszene sehr bekannt und wird von verschiedenen Webmastern, auch von Reich der Spiele, mit Angaben wir Titeln, Spieldauer, Altersangaben, Spielerzahl, Spieleautoren und Grafikern sowie Verlagen bestückt. Diese Webmaster hinterlegen dort außerdem Links zu ihren Rezensionen zu den eingetragenen Gesellschaftsspielen. Die Kopie dieser Daten konnte vom ehemaligen Betreiber der Datenbank gekauft werden. Darin waren jedoch nicht die Rezensionslinks enthalten. Sebastian Wenzel als verantwortlicher Redakteur der Datenbank macht deutlich: "Die Kopie der Luding-Datenbank ist EINE Grundlage unserer neuen Datenbank. Wir haben die Kopie der Luding-Datenbank mit Ludoversum-, SpieLama-, Spielbox- und Zuspieler-Daten ergänzt sowie die Daten mit viel Aufwand bereinigt. In der Luding-Datenbank existieren unter anderem zahlreiche doppelte Einträge bei Autoren und Verlagen.“

Kein zweites Luding?

Die Webseite von luding.org

Die so ergänzte Datenbank hat seiner Aussage nach eine völlig andere Zielgruppe als die inzwischen von Hall9000 betriebene Luding-Datenbank oder Angebote wie boardgamegeek.com und spiele-Check.de. Die Meinungen hierzu gehen jedoch auseinander. So stimmt dem Frank Gartner, Herausgeber von Hall9000 und luding.org, grundsätzlich zu. Er wusste bereits bei der Übernahme von Luding von der Kopie der Datenbank, sah diese jedoch nicht als Konkurrenz. Er erklärt: „Wir machen beide Websites, Hall9000 und Luding aus reinem Idealismus und nicht aus kommerziellem Interesse. Es gibt diverse Rezensionsseiten, die aus gleichen Idealismus heraus handeln. Diese sehen wir nicht als Konkurrenz zu Hall9000, wir betrachten uns als eine Community. Jede Seite hat seinen eigenen Stil und dementsprechend seine berechtigten Fans. In Summe bieten wir den Lesern unterschiedliche Meinungen zu Spielen und unterschiedliche Herangehensweisen. Das finde ich gut und genau diesen Gedanken greift Luding auf. Luding zieht den roten Faden zu allen Rezensionsseiten und lebt von der aktiven Beteiligung all dieser Websites.“

Allerdings räumt er ein, dass er eine Anfrage von den Betreibern der neuen Datenbank erhalten hat, alle Datenbankinhalte aus Luding übernehmen zu dürfen. Diese lehnte er ab. Allerdings gibt es auch einen Nachteil. Denn bisher hatte Hall9000/Luding die Spieledaten der Neuheiten von der Spielbox in einer ganz bestimmten Form übernommen. Dieser Austausch findet zukünftig nicht mehr statt.

Kritik an der neuen Konkurrenz

Die Webseite spielphase.de von Andreas Keirat

Kritik kommt von anderen Webmastern. Andreas Keirat, Herausgeber von spielphase.de, der vielleicht umfassendsten Rezensionswebseite über Gesellschaftsspiele, sieht sich fast ein bisschen seiner Arbeit beraubt. Er hat einen nicht unwesentlichen Teil der Daten eingegeben. Zwar sei rechtlich nichts zu beanstanden, er meint jedoch: „Bei mir hat das moralisch gesehen etwas ‚Geschmäckle‘.“ Er kann derzeit noch nicht den Sinn der neuen Datenbank erkennen: „Was bringt die großartig mehr als Luding? Derzeit nichts.“ Insbesondere die (Stand Beta-Version) aufdringliche Werbung und die Seitenaufteilung sowie die derzeit schlechte Mobiltauglichkeit der neuen Datenbank findet bei ihm keinen Zuspruch.

Thorsten Pohl, Betreiber von Spiele-Check, steht nach eigenen Worten der neuen Konkurrenz neutral gegenüber. Er sagt jedoch: „Natürlich fragt man sich, ob neben Boardgamegeek, Luding, Cliquenabend, Reich der Spiele, den ganzen Shops (Amazon, Online-Shops) usw. mit ihren vielen Datenbanken und Bewertungen noch ein weiteres Portal erforderlich ist.“ Er ergänzt: „Sie haben sicherlich den Vorteil, dass die mit dem Portal nicht von null anfangen. Ob es viel Neues geben wird, wage ich aber zu bezweifeln.“

Thorsten Pohl erkennt dabei schon, dass die Kooperation mit ihrem Angebot eine deutlich größere Reichweite erzielen kann. Allerdings sieht er es in diesem Sinne auch als Konkurrenz für alle anderen Webseiten. Denn „natürlich zieht ein neues ähnliches Angebot immer Traffic von der eigenen Webseite ab.“ Sein Vorteil deckt sich mit dem vieler anderen Webmaster der Spieleszene: Er betreibt sein Portal als Hobby und muss damit kein Geld verdienen. Aus eigener Erfahrung weiß er, wie wichtig der persönliche und engagierte Kontakt zu den Lesern und Nutzern ist. Daher ist er gespannt, wie sich das neue Portal entwickeln wird.

Die Webseite von spiele-check.de

Auch Frank Gartner äußert vorsichtig Kritik. Denn laut Betreibern der neuen Plattform steht die Datenbank für eine Verlinkung von Rezensionen zukünftig allen Webseiten zur Verfügung. „Ich würde es als traurig empfinden, wenn wirklich versucht wird, die Ideen von Luding einfach zu kopieren, anstelle etwas Eigenständiges aufzubauen“, meint er. Dazu ergänzt er: „Letztendlich muss aber die Community der idealistischen Rezensionsseiten entscheiden, ob sie sich an einem profitorientierten Duplikat beteiligen wollen.“

Chancen der neuen Plattform

Ingo Hackenberg, Herausgeber von spielkult.de, sieht eben diese Entwicklung dagegen eher positiv. Er meint: „Begrüßen würde ich auf jeden Fall eine Anbindung aller anderen Spieleseiten durch das optionale Setzen von Links zu den eigenen Testberichten, so wie bei Boardgamegeek oder eben bisher luding.org.“ Er sieht die neue Plattform als Chance, denn Luding wirke etwas spartanisch und werden eher von Vielspielern wahrgenommen. Allerdings kritisiert er den ursprünglichen Ansatz dennoch. Der pauschale Satz, Spiele würden bislang nicht ausreichend professionell dargestellt, sei fragwürdig. „Das klingt für viele Spieleseiten schon wie ein Schlag ins Gesicht für deren jahrelange Arbeit“, so Ingo Hackenberg.

Die Webseite Spielkult.de

Die Spieleautoren haben Erwartungen

Tendenziell positiv sehen auch die Spieleautoren die neue Plattform. Aaron Haag, Sprecher der Spieleautorenzunft, erklärt für den Vorstand: "Grundsätzlich sehen wir es positiv, wenn unsere Autoren mit ihren Spielen in solchen Datenbanken gelistet sind. Es erleichtert Interessierten die Suche nach Spielen und weiterführenden Informationen.“ Allerdings hat die Spieleautorenzunft auch Vorstellungen. Er führt aus: „Portale dieser Art leben von ihrer Aktualität und Unabhängigkeit. Das sind daher unsere Erwartungen an das neue Portal.“ Inhaltlich müssten die Betreiber des neuen Portals gegenüber den bestehenden Portalen einen deutlichen Mehrwert liefern, da diese in vielen Fällen eine bemerkenswert hohe Qualität hätten. „Ob die erwähnte Zentralisierung und Professionalisierung des Auftritts dazu ausreicht, wird sich zeigen“, so Aaron Haag. Eine Orientierungsmöglichkeit bieten hier nach Auffassung der Spieleautorenzunft bestehende Datenbanken wie Luding, die österreichische Datenbank Ludorium oder Boardgamegeek, die alle einen Mehrwert bieten.

Breites Einbinden der Datenbank geplant

Jens Junge von Mediatrust will vor allem die „Sichtbarkeit von Spielen im Internet erhöhen“. Daher wird Mediatrust die Datenbank anderen Webseiten und Portalen zur Nutzung anbieten. Das soll nach aktuellen Aussagen kostenlos erfolgen. Er erklärt: „Dadurch steigt zwar die Reichweite, dies ist jedoch nicht das vorrangige Ziel, sondern nur ein angenehmer Nebeneffekt. Uns geht es darum, Daten zu erfassen und zu pflegen, von denen alle profitieren können. Es ist aus unserer Sicht ineffektiv, wenn jeder Webseitenbetreiber sich selbst die Arbeit macht und Spiele erfasst.“ Er ergänzt, dass damit die anderen Webseitenbetreibern ebenfalls mehr Reichweite erzielen können. „Wir sehen uns als Partner der Spiele-Seiten im Netz, nicht als Konkurrenten“, so Jens Junge.

Allerdings ist das Angebot durchaus diskussionswürdig. Es besteht aus zwei Teilen, die beide zumindest kritisch zu hinterfragen sind:

  • Verlinkung der Rezensionen von anderen Webseiten,
  • Einbindung der Datenbank auf anderen Webseiten.

Eine verlockende Offerte …

Die Verlinkung der eigenen Rezensionen in der neuen Datenbank ist ein schönes Lockmittel. Allerdings profitieren in erster Linie die Betreiber, also Mediatrust und Nostheide sowie Sebastian Wenzel. Denn jeder Link und jede Info mehr ist auch ein Stück Mehrwert für diese Datenbank, von dem die Betreiber über Besucher und Werbeeinnahmen profitieren. Denn die Datenbank ist letztlich ein kommerzielles Projekt. So nennt Jens Nostheide seine Hoffnung: „Die Datenbank soll sich unter anderem durch Werbebanner und Affiliate-Programme refinanzieren.“ In welchem Umfang dies gelingt, lässt sich auch für ihn nicht abschätzen. „Für den Anfang wären wir froh, wenn wir die Arbeit, die wir in die Datenbank stecken, refinanzieren können“, meint er.

Auch Webmaster wie Ingo Hackenberg sehen in der Verlinkung von Rezensionen und anderen Inhalten eine potenzielle Win-Win-Situation. Der kommerzielle Aspekt schreckt jedoch auch viele ab. Andreas Keirat beispielsweise sieht das sehr viel kritischer: „Ich werde bei Luding bleiben und dort ist auch ein automatisiertes System integriert, welches das Einpflegen von Spielen über meine Webseite stark vereinfacht. Warum sollte ich auch eine offensichtlich für Werbezwecke dienlichen Plattform mit meinen kostenlosen Testberichten unterstützen, ohne selbst etwas davon zu haben? Oder gibt es etwa eine Vergütung für Einträge/Testberichte in diesem System?“

Das ist nicht geplant. Sicher ist hingegen, dass mit dem Erfolg der Datenbank auch Webseiten von ihren dort hinterlegten Rezensionslinks profitieren könnten. Speziell in der „Hobbyszene Gesellschaftsspiele“ ist jedoch von vielen Nutzern eine kommerzielle Ausrichtung durchaus ungern gesehen, wie auch Reich der Spiele aus eigener Erfahrung weiß.

… und ein unmoralisches Angebot

Unabhängig von eingetragenen Rezensionen ist ein Vorteil die Einbindung der Datenbank in die eigene Webseite. Hierbei kann jeder Webmaster nach aktuellem Stand der Entwicklung die Datenbank zukünftig kostenlos einblenden. Das Layout wird sich dabei an dem von spielen.de orientieren. Hinweis: Auch diese Webseite wird noch einen Relaunch bekommen, sodass die aktuelle Layout-Fassung nicht mit der später zur Verfügung stehenden übereinstimmen muss.

Das Einbinden erfolgt dabei per iFrame. Das bedeutet, dass die Datenbank bei spielen.de (oder einer anderen Mediatrust-Webseite) verbleibt und nur eingeblendet wird. Damit finden die Nutzer der anzeigenden Webseite zwar mehr Informationen über Spiele auf dieser Seite, die Inhalte sind aber beispielsweise für Suchmaschinen nicht existent. Bessere Platzierungen in den Suchmaschinen durch neue Inhalte dürfen Webmaster also nicht erwarten. Das jedoch wäre notwenig, um mehr eigene Reichweite für die einblendende Webseite zu erzielen. Diese zusätzliche Reichweite erzielen somit nur die Betreiber der Datenbank über die einblendenden Webseiten. Nach aktuellem Recherchestand enthalten die angezeigten Daten außerdem Werbung, von der die Betreiber profitieren.

Vorsicht Falle!

Potenziell gefährlich für die Webmaster wird jedoch ihre Gegenleistung. Denn sie sollen einen Link zum Portal der Betreiber setzen. Das klingt nach einer Kleinigkeit, enthält aber einen gefährlichen Fallstrick. Denn Suchmaschinen wie Google strafen Webseiten durch Herabstufung in den Suchergebnissen algorithmisch und manuell ab, die Links als Gegenleistung setzen.

Björn Tantau, Experte für Internet Marketing, Fachbuchautor, Speaker und Blogger Dazu hat Reich der Spiele Björn Tantau, Experte für Internet Marketing, Fachbuchautor, Speaker und Blogger befragt. Er gilt als einer der führende Köpfe für alles rund um Internet-Marketing und die Optimierung für Suchmaschinen in Deutschland und darüber hinaus. Der Experte erläutert: "Google ist mittlerweile sehr gut darin, bestimmte Arten von Links zu bewerten. Ein Link, der nicht freiwillig, sondern deswegen gesetzt wird, weil ein Angebot es verlangt, ist kritisch zu betrachten. Ganz besonders dann, wenn sich Linkziel und Linktext auf vielen Seiten wiederholen, was bei solchen Angeboten sehr oft der Fall ist.“ Das wiederum betrifft sowohl den Linkgeber als auch den Linkempfänger. Auch wenn im Einzelfall individuell zu prüfen ist, welche Auswirkungen zu erwarten sind, kann allein ein solcher Link zu Rankingverlusten und damit zu Besucherverlusten (via Suchmaschinen) führen.

Fazit: Das neue Portal muss sich beweisen

Die Datenbank befindet sich erst in der Beta-Phase. Dennoch ist bereits eine klare Tendenz abzusehen, wohin die Reise geht. Es entsteht ein kommerzielles Angebot, das eine große Reichweite und damit Verbreitung der Spieledaten anstrebt. Das ist grundsätzlich zu begrüßen, denn je mehr Menschen mit Gesellschaftsspielen in Berührung kommen, desto besser ist es für diese Hobbywelt insgesamt. Auch wenn die Spieleverlage und die Jury Spiel des Jahres als weitere Organisationen in der Branche der Gesellschaftsspiele nicht geäußert haben bzw. nicht äußern wollten und viele Webmaster Statements nur anonym abgeben wollten, ist eine gespannte Erwartungshaltung in der gesamten Spieleszene zu spüren.

Nach den vielen Andeutungen und Ankündigungen müssen die Betreiber der neuen Datenbank nun Taten folgen lassen und zeigen, dass sie tatsächlich einen deutlichen Mehrwert zu bestehenden Angeboten liefern können. Dennoch bleiben Fragen:

  • Wie wird die neue Webseite der Spielbox aussehen, wenn das Forum samt Spieledaten nur noch eingeblendet werden?
  • Ist der w. nostheide verlag wirklich gut beraten, die bisher eigenen Daten auszugliedern?
  • Können Portale wie Ludoversum, Zuspieler und Spielama allein genug Input für die neue Plattform liefern?
  • Werden trotz kritischer Stimmen, kleiner Fallstricke und einer klaren Kommerzialisierung andere Webseiten auf den Zug aufspringen und die Datenbank einbinden und füttern?
  • Akzeptiert und unterstützt die restliche Spieleszene ein kommerzielles Angebot dieser Art?
  • Was geschieht dann aus der direkten Konkurrenz wie Luding, Spiele-Chek oder anderen Gesellschaftsspielwebseiten?
  • Können die Betreiber nach einem holprigen Start mit fehlenden Inhalten und mangelhafter Mobilversion auch tatsächlich inhaltlich überzeugen und dem eigenen Anspruch gerecht werden?
  • Gelingt es damit wirklich, eine neue Zielgruppe zu erschließen?

Antworten auf diese Fragen müssen insbesondere die Betreiber der neuen Plattform liefern. Die Spieleszene verfolgt nach unserer Recherche jedenfalls sehr genau und durchaus kritisch, was dort geplant und umgesetzt wird.

Kommentare

Vielen Dank für die umfassende Szenebeschreibung. Uns ist sehr bewusst, dass hier zwei Welten "aufeinanderprallen". Mit der Bündelung der oben beschriebenen Kräfte soll ein Angebot für Zielgruppen entstehen, die sich eben nicht auf ehrenamtlich gepflegten Szeneportalen einfinden würden.

Natürlich ist es das Ziel, ein Angebot zu gestalten, das zumindest kostendeckend arbeiten kann. Würde man mit der Rezension von Gesellschaftsspielen reich werden können, gäb' es noch viel mehr Webseiten zu dem Thema... wir fanden es einfach an der Zeit, den Versuch zu starten, aus dem Fachverstand heraus mehr Menschen mit diesem schönen Thema des miteinander Spielens, live und real, digital über verschiedene Kanäle aktuell ansprechen zu können. Das ist Arbeit und soll eben nicht (nur) nebenbei geschehen.

 

für Zielgruppen entstehen, die sich eben nicht auf ehrenamtlich gepflegten Szeneportalen einfinden würden

Ich glaube, hier unterschätzt du die offene Ausrichtung einiger Portale deutlich. Es gibt klare Szene-Blogs und echte Communities. Es gibt aber auch Magazine wie unseres oder auch Spielkult.de mit einer sehr viel offeneren Ausrichtung. Ihr bekommt also keine andere Zielgruppe, sondern holt eine bestimmte Zielgruppe "lediglich" auf einem anderem, noch zu ergründenden Weg ab.

Abgesehen davon, sind zumindest wir auch auf themenfremden Portalen oder vereinzelt in bekannten Zeitschriften als Quelle zu finden, was immer wieder Besucher anzieht. So ganz stimmt die Aussage also nicht, denn bei allem Anspruch an uns selbst sind wir ein "ehrenamtliches gepflegtes Portal" - durchaus auch, aber lange nicht nur für die Szene.

Vielen Dank für diesen lesenswerten Artikel, der das neue Portal von vielen Blickwinkeln hinterfragt und dabei viele Personen zu Wort kommen lässt.

Wir haben einen kleinen Blog mit wöchentlichen Artikeln. Eine Einbindung des neuen Portals kommt für uns nicht in Frage. Ob wir einen Link setzen werden, wird sich durch unser eigenes Nutzerverhalten entscheiden. Sprich wenn wir selbst beginnen sollten, das neue Portal zu verwenden, würden wir es auch unseren Lesern als Link anbieten. Dasselbe gilt für das Eintragen unserer Links in die neue Datenbank.  Wir warten also erstmal gepflegt ab...

Habe ich das richtig gelesen, dass die Spielbox zukünftig kein eigenes Forum mehr haben wird? Wie wird das neue aussehen? Aber bitte nicht mit irgend welchen Browserspiel-Hanseln zusammen???

Kein eigenes, eins im Sinne von einem übergreifenden, das wohl auf mehreren Webseiten laufen wird. So habe ich das verstanden. Also vielleicht doch mit den "Hanseln". Wobei ich mir vorstellen kann, dass das die Sache etwas belebt.

Ich brauche kein Forum, das die Brettspielszene mit Impulsen aus den Browser-Spielen belebt. Ich denke, das schafft die Brettspiel-Szene ganz gut alleine. Wenn ich mich nicht irre, dürften es inzwischen so ca.2000 User sein, die im SB-Forum schreiben - das ist doch schon eine gute Auswahl und die verstehen alle - mehr oder weniger - viel von Brettspielen. Ein User eines Hunde- oder Marmeladen-Forums kann da sicher keine Impulse bringen.

 

Just my 2 cents, Carsten

Wow, dass sind ja mal gut rescherchierte Einblicke. Für mich ist diese Kommerzk*** ein ganz schöner Klopfer. Erst die Daten abkaufen und dann konkurrenz machen und ganz am Ende auch noch durch Werbung auf anderen Seiten verdienen. Gut zu wissen !

Das ist alles Wirwarr. Wie heißt denn nun die neue Datenbank und wieso ausgerechnet Ludoversum und solche B-Seiten, die sich zudem noch an Freaks richten? Was haben die denn mit der Spielbox zu tun? Qualitativ ist das doch ein Rückschritt. Ich kann Andreas Keirat und Frank Gartner gut verstehen. Irgendwie ist das alles nicht so der feine Zug.

Ich möchte an dieser Stelle eine kleine Klarstellung bringen. Im Spielama-Forum wird behauptet, der Bericht sei negativ. Es gibt tatsächlich negative Meinungen (offenbar mehr als positive), meine eigene Meinung habe ich hoffentlich weitgehend zurückgestellt.

Der Artikel versteht sich als kritische Bestandsaufnahme. In dem Sinne haben die Betreiber der neuen Datenbank bisher ein paar Vorlagen geliefert, die kritisch zu betrachten sind, und die Latte für das eigene Handeln sehr hoch gehängt. Das ganze Vorhaben hat natürlich Chancen und interessante Perspektiven, aber wir stehen erst ganz am Anfang einer Entwicklung. Es bleibt daher abzuwarten, was passiert.

- da denkt man, man habe alles im Griff und es ändere sich nicht viel und dann so was. Vielen Dank für den umfassend recherchierten und sehr gut geschriebenen Artikel. Er gibt Einblick in Hintergründe und Abläufe, die "von aussen" kaum zu sehen oder gar zu verstehen sind. Und bleib unbedingt dran, das Thema interessiert sehr!

Oha, habe das gerade eben erst auf spielama.de entdeckt. Dort diskutieren ja schon alle die neue Datenbank. Schlimm!

Der Artikel hat mir noch den Rest gegeben. Ich weiß ja nicht, ob die mit dem Projekt erfolgreich werden, aber ganz sicher ohne mich!

Und ob die Lamas und Ludoversums alle wissen, daß sie jetzt einem kommerziellen Anbeiter kostenlos zuarbeiten? Ich kann mir nicht vorstellen, daß Ben, Basti, Carsten usw. zukünftig Geld mit ihren Tests verdienen. Ein arg schiefes Bild!

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