Big Top

eine Spielerezension von Rainer Fieseler - 31.10.2005
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Big Top von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Die Spielanleitung zeigt deutlich, wie schwierig es sein kann, ein Spiel für jemanden, der es nicht kennt, klar zu beschreiben. Da hilft auch in Blick in die englische Regelversion nicht weiter, die deutsche ist eine 1:1-Übersetzung (allerdings mit mach seltsamen Vokabelzuordnungen). Auch die Tatsache, dass die Spieler in die Haut von Zirkusdirektoren schlüpfen sollen, um als solche das meiste Geld zu machen, hilft nicht weiter, denn im Grunde ist Big Top ein abstraktes Kartenspiel, dem dieses Thema übergezogen wurde; jedes andere hätte es auch getan. So bleibt letztlich nichts anderes, als sich auf Homepage des Verlags zu informieren, wo es dann doch klar wird, wie das Spiel funktioniert.

Es handelt sich dabei um eine Art Variante von 11er raus, eine gute noch dazu. Zwar geht es auch hier darum, die Karten zuerst loszuwerden, aber ein Tipp zu Beginn jeder Runde mit welcher Farbe einem das wohl am ehesten gelingen wird, bietet doch einen gewissen Einfluss auf das Spielgeschehen.

Man spielt so viele Runden wie Spieler teilnehmen (zu dritt jedoch sechs). Nach der Durchsicht der gegebenen Karten gibt jeder sein Gebot ab, welche Farben er zuerst los wird. (Er setzt verdeckt zehn, sieben ,fünf und drei Dollar auf die entsprechenden Farben.) In der Tischmitte schafft man Platz für das Ausspielen der Karten. Für jede Farbe startet die Ablage mit einer so genannten „P“-Karte, dann werden rechts und links davon weiße beziehungsweise schwarze Karten von eins bis sechs aufsteigend abgelegt. Das Spiel geht reihum.

Zunächst schiebt der Spieler am Zug eventuell auf seinem Tableau liegende Karten nach rechts. Dann hat er vier Möglichkeiten: Passt eine Karte von Tableau auf die Ablage in der Tischmitte, muss er diese spielen. Wenn nicht, kann er einer aus der Hand spielen (und Geld verdienen) oder eine Karte von der Hand auf das Tableau legen. Nur wenn gar nichts geht, darf/muss er passen.

Die Ermittlung der Punkte, die man beim Ausspielen erreichen kann, ist im Grunde einfach, aber nicht leicht in Worte zu fassen. Wenn ein Spieler eine Karte auf dem Tableau liegen hat, die er noch nicht spielen kann, weil in der Tischmitte entsprechende Karten fehlen, erhält der Spieler Geld, der einen solche „fehlende“ Karte spielt. Der Betrag ( bis zu drei Dollar) richtet sich danach, auf welchem Feld des Tableaus die Karte liegt, der man nutzt. Wenn mehrere Spieler von der gespielten Karte profitieren, kann es mitunter schon richtig viel Geld für eine Karte geben.

Wenn ein Spieler keiner Karten mehr hat – weder auf der Hand noch auf dem Tableau - endet eine Runde. Jeder erhält die Punkte, die er auf die Farben gesetzt hat, von in denen er keine Karten mehr hat, addiert die während der Ruder erworbenen Punkte dazu und notiert die Summe. Dann geht es in eine neue Runde, die genauso abläuft. Am Ende der letzten Runde zählt man alle Ergebnisse zusammen und derjenige mit den meistem Punkten gewinnt.

Beim eigentlichen Spiel merkt man, dass die Einflussmöglichkeiten dann doch nicht so groß sind, wie man dachte, aber da es sich zügig spielt und nicht vollkommen geistlos ist (man hat immer das Gefühl, noch etwas beeinflussen zu können – obwohl das manchmal gar nicht der Fall ist), stört der große Zufallsfaktor nicht sehr.

Die Grafik von Big Top ist zumindest „gewöhnungsbedürftig“ zu nennen. Vom Material her sind die Karten und die Ablagetableaus ganz in Ordnung, nur die Geldmarker sind reichlich fitzelig geraten und lassen sich trotzdem nicht anständig in der Schachtel unterbringen. Da hätte man in der sowieso völlig überdimensionierten Verpackung doch zumindest ein Fach für vernünftige Marker schaffen können.

So lässt sich als Fazit sagen: Big Top ist ein Spiel Mittelklasse, das man nicht spielen muss, aber durchaus mal auf den Tisch bringen kann. So wird es wohl ab und an eine Chance bekommen; ob es sich aber Angesichts vieler doch wirklich guter Spiele dauerhaft durchsetzen wird, ist eher zu bezweifeln.

 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
3 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Jahrgang: 
2004
Spielkategorisierung
Fotos
Big Top von Reich der Spiele
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