Cardcassonne

Das Carcassonne-Kartenspiel

eine Spielerezension von Wolfram Troeder - 11.09.2010
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Cardcassonne von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Entgegen anderslautenden Gerüchten hat der Name des Spiels nichts mit dem famosen Spiel des Jahres 2001 zu tun, sondern beschreibt einen Teil des Mechanismus, da Karten (car(d)s, engl.) unter eine Truhe (cassone, ital.) gelegt werden. Auch die verwendeten Bezeichnungen „Gefolgsmann“, „Kloster“, “Stadt„ und „Wiese“ sind rein zufällig, und dahinter steht nicht im geringsten die Absicht, vom Ruhm des namensähnlichen Carcassonne profitieren zu wollen. Selbiges hat diese kleine, aber nicht unelegante Kartensammelspiel auch gar nicht nötig.

Die Regeln sind einfach und erfreulich kurz, die Freude dagegen, den Mitspieler zu bluffen und ihm eine Kartenreihe vor der Nase wegzuschnappen, lang. Und sollte einem selbst Solchiges widerfahren, ist die Spieldauer kurz genug, um eine sofortige Revanche zu ermöglichen. Aber, cave pedantem, notorische Kartenzähler oder an Analyse-Paralyse leidende Mitspieler vermögen diese Leichtigkeit im Nu zu zerstören.

Die Hauptrolle spielen in diesem Spiel die namensgebenden Karten, ihrer 130 an der Zahl. Grundsätzlich in vier Farben und drei Sorten unterteilt, gilt es, sie erst in eine gemeinsame Auslage abzulegen und möglichst gewinnbringend wieder an sich bringen.

Vor Beginn legt man die Wertungsleiste aus vier Teilen zusammen, gleichzeitig dient sie auch als Beginn der vier Kartenreihen, eine für jede Farbe. Die kleine Spielfigur (Meeple) jedes Mitspielers kommt auf den Anfang der Wertung, und der Geber legt zehn Karten offen, farblich passend, in die Reihen. Den großen Meeple, die Truhe und die Wertungshilfe behält jeder Spieler vor sich. Je nach Spieleranzahl werden nun zwischen vier und sechs Karten ausgeteilt. Da der gesamte Talon durchgespielt wird, endet das Spiel nach sechs, acht oder zehn Runden.

Die Karten werden nun der Spielerfolge nach einzeln in die gemeinsame Auslage der vier Reihen an der Wertungsleiste gespielt. Offene Karten müssen dabei mit der Reihenfarbe übereinstimmen. Die erste, obligatorisch verdeckt gelegte Karte muss diese Bedingung nicht erfüllen. Joker- und Bonus-Karten können in jede Reihe gelegt werden. Alternativ zum Legen einer Karte kann jeder Spieler auch einmal in der Runde seinen Meeple auf die aktuell letzte Karte einer Reihe stellen. Sind alle Karten gespielt und der letzte Meeple gesetzt, wird die Runde gewertet. Von der Wertungsleiste ausgehend, erhält jeder Spieler die links seines Meeples liegenden Karten. Nun kommt es auf die Kartensorte an. Am einfachsten sind Gebäudekarten, die kommen einfach erstmal unter die Truhe, Immobilien werfen eben nur langfristig Gewinn ab. Tierkarten, jede Farbe hat eine eigene Tierart, sind da kontinuierlicher. Diese kommen geordnet nach Farbe in die eigene Auslage und werfen jedesmal Siegpunkte ab, wenn eine Reihe neu ausgelegt oder erweitert wird. Personenkarten bieten nur kurzfristig Gewinn. Die Summe der Personenwerte wird addiert und mit der Personenanzahl multipliziert. Dies ergibt dann die teilweise erheblichen Siegpunkte. Dafür kommen diese Karten aber aus dem Spiel. Etwas schwieriger wird es mit fehlfarbigen Karten. Jede dieser Karten kann für zehn Siegpunkte abgeworfen werden. Es kann aber auch, bei den Gebäude- oder Tierkarten, lukrativer sein, die Karte (n) regulär zu werten, bzw. unter die Truhe zu legen. Nicht beanspruchte Karten rutschen dann nach links bis zur Wertungsleiste und bilden den Grundstock für die nächste Runde.

Anschließend wird derjenige, der als letzter seinen Meeple gesetzt hat, neuer Geber. Ist der gesamte Talon gespielt, werden noch die Gebäude gewertet. Die Karten werden zu Farbsätzen geordnet, d.h. jede Farbe ist im Satz nur einmal vertreten. Sätze mit vier Farben z. B. bringen 30 Punkte, Einzelkarten sind wertlos. Wer nun die meisten Siegpunkte sein eigen nennt, hat gewonnen. Unentschieden werden über die Anzahl der Gebäudekarten aufgelöst.

Cardcassonne ist ein schönes, kleines, kurzes Spiel, kein Fastfood, sondern eine Brotzeit, aber auch kein volles Mittagessen. Damit empfiehlt es sich für die Familienrunde, es ist nicht langatmig, einfach zu verstehen, für einen großen Altersbereich geeignet und verführt durchaus zum Zocken. Die Grafik ist gefällig anzusehen und gut erfassbar, das Material sollte auch häufigem Gebrauch standhalten. Durch den Glücksanteil und die kurze Dauer ist der Wiederspielfaktor hoch. Die Spielanleitung ist modern und demensprechend unauffällig, aber gut brauchbar. Den wiederholten Hinweis in der Anleitung jedoch, dass die Kartenfarben mit den Spielerfarben nichts zu tun haben, hätte man sich durch eine alternative Farbwahl bei den Spielfiguren einfach sparen können.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Jahrgang: 
2009
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
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