Key to the City: London

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 06.07.2017
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Key to the City: London - Foto von HUCH!
Lesezeit: ca. 5 Minuten

1995 erschien mit Keywood das erste Spiel aus der mittlerweile sieben Spiele umfassenden Key-Serie des Autoren Richard Breese. Mit dem zweiten Spiel Keydom, welches in Deutschland allerdings besser unter dem Titel Morgenland bekannt ist, wurde nach Meinung vieler Spieler das Genre des Worker-Placement-Spiels begründet. In regelmäßigen Abständen wurde die Key-Serie durch neue, eigenständige Spiele ausgebaut. Alle Spiele sind zwar thematisch und spieltechnisch unterschiedlich aufgebaut, trotzdem konnte man eine kontinuierliche Weiterentwicklung erkennen. Höhepunkt und das Beste ist in meinen Augen das bisher letzte Spiel, das 2012 erschienene Keyflower. Es war auch kommerziell so erfolgreich, dass es zwei Erweiterungen spendiert bekam.

Was ist bei Key to the City: London besonders?

Nun erscheint mit Key to the City: London (HUCH! & friends) also erneut ein Spiel in der Key-Reihe. Dabei ähnelt Key to the City: London in Spielmechanik und Spielablauf extrem stark dem vorgenannten Keyflower. Auch die Autoren weisen bewusst darauf hin, dass man hier nicht unbedingt von einem neuen Spiel sondern eher einer Variante sprechen sollte. Griff Keyflower bei seinem Erscheinen thematisch die Besiedlung Neuenglands durch die so genannten Pilgerväter, die Gründung der ersten Dörfer auf amerikanischem Boden und deren weitere Entwicklung auf, so versetzt uns Key to the City London in die Jetzt-Zeit und bietet uns an, unsere eigenen Bezirke in London unter Verwendung fast aller Sehenswürdigkeiten zu gestalten. Dabei geht es darum, die einzelnen Gebäude in den vier Epochen (sprich Runden) so punkteträchtig wie möglich miteinander zu verbinden und dabei wichtige Gebäude aufzuwerten, um möglichst viele Siegpunkte zu generieren. Der Schlüssel zum erfolgreichen Spiel liegt dabei im effektiven Einsatz der eigenen Arbeiter.

Wie wird Key to the City: London gespielt?

Alle Spieler starten von eigenen Startplättchen mit identischen Eigenschaften und mit zehn zufällig gezogenen Meeple. Diese gibt es nunmehr nur noch in drei verschieden Farben, der grüne Über-Meeple ist nicht mehr mit an Bord. Abhängig von der Spielerzahl wird die entsprechende Anzahl von Gebäuden der jeweiligen Epoche zur Versteigerung bereitgelegt. Der Ablauf dieses grundlegenden Mechanismusses aus Keyflower wurde zum Glück unverändert übernommen.

Reihum führen die Spieler jeweils eine der Aktionen (Bieten, Nutzen oder Aufwerten von Gebäudeplättchen oder Passen) solange aus, bis alle Spieler nacheinander gepasst haben. Was passiert aber hier im Einzelnen? Mittels der Meeple wird auf Gebäude geboten und diese auf der eigenen Seite der Hex-Plättchen daneben gesetzt. Ein anderer Spieler kann dieses Gebot anzahlmäßig überbieten, darf allerdings nur Meeple der Farbe einsetzen die zuerst am Plättchen war, egal ob darauf geboten, die Eigenschaft genutzt oder das Gebäude aufgewertet wurde. Unterlegene Gebote können durch zusätzliche Meeple erhöht oder als Gruppe umgesetzt werden. Für die Anzahl der eingesetzten Meeple gibt es beim Bieten bzw. bei der Nutzung keinerlei Limit. Jeder Spieler darf die eigenen Gebäude, die der Mitspieler oder die zur Versteigerung bereitliegenden nutzen. Aber Obacht, die dafür eingesetzten Meeple gehen nach dem Ende der Epoche in das Eigentum desjenigen Spielers über, der das Gebäudeplättchen besitzt. Somit können sie von diesem in der darauffolgenden Epoche erneut eingesetzt werden. Um ein Gebäude aufzuwerten, sprich, es auf seine Rückseite drehen zu können, muss es durch einen eigenen Meeple aktiviert und die notwendigen Ressourcen abgegeben werden. Aufgewertete Gebäude sind effektiver oder generieren mehr Siegpunkte.

Statt der unterschiedlichen Rohstoffe aus Keyflower gibt es in Key to the City: London so genannte Verbindungsstücke, also Medien wie Wasser, Gas, Strom etc., mit denen die Gebäudeplättchen verbunden werden können. Diese werden in unterschiedlichen Kombinationen von Gebäuden gefordert, um diese aufzuwerten oder bei Spielende Punkte zu generieren. Dieses geht solange, bis alle Spieler gepasst haben und die Zugreihenfolge für die nächste Epoche feststeht.

Am Ende der Epoche erhalten die Spieler mit dem jeweils höchsten Gebot ihre ersteigerten Gebäudeplättchen und können mit diesen ihren Stadtbezirk erweitern. Die Höchstgebote an Meeple werden dem allgemeinen Vorrat hinzugefügt, unterlegene Gebote hingegen gehen an den Bieter zurück. Anschließend wird die nächste Epoche vorbereitet. Nach der vierten Epoche werden die auf vielfältige Art erworbenen Siegpunkte gezählt.

Im Vergleich zu Keyflower wurden bei der grafischen Gestaltung neue Wege eingeschlagen. Die Illustrationen sind nunmehr isometrische Architekturdarstellungen wichtiger und berühmter Gebäude. Für diese liegt sogar eine schön aufgemachte Informationsbroschüre mit allen wichtigen Fakten zu den einzelnen Bauwerken bei. Leider haben aber die in den einzelnen Epochen zu errichtende Gebäude keinerlei zeitliche bzw. historische Relevanz oder Reihenfolge. So kann man z. B. in Runde drei sowohl die Westminster Abbey als auch den Gherkin-Tower errichten. Insofern ist Key to the City: London leider kein Spiel zur historischen Stadtentwicklung Londons wie vielleicht der Begriff Epoche suggerieren könnte, sondern wirkt eher wie ein Auftragswerk des britischen bzw. Londoner Fremdenverkehrsamtes.

Lohnt sich das Worker-Placement-Spiel Key to the City: London?

Keyflower hatte sich 2012 schnell vom Geheimtipp zu einem meiner erklärten Lieblingsspiele gemausert. Innovative Spielelemente wie z. B. die Versteigerung wurden dabei mit bereits Bewährtem zu einem perfekt funktionierendem Spiel gemischt. Überall gibt es feine Stellschrauben, selbst das vorsorgliche Schielen auf den Nachschub konnte sich durchaus bezahlt machen. Umso gespannter war ich auf Key to the City: London. Der grundlegende Bietmechanismus bleibt glücklicherweise unangetastet, aber ansonsten wurde an sehr vielen Stellen der Rotstift angesetzt und das Spiel somit deutlich entschlankt. So entfielen z. B. der Warentransport, die Produktionsketten und auch die grünen "Über-Meeple" völlig. Das macht die Regelhürde deutlich kleiner, den Spielablauf schneller und das Spiel damit aufgrund des geringeren Anspruchs im Vergleich zu Keyflower für eine andere Zielgruppe interessant. Key to the city: London ist quasi ein Keyflower light. Vielspielern, die Keyflower besitzen und mögen wird Key to the City: London nicht unbedingt viel zu bieten haben. Ambitionierte Familienspieler hingegen, die einen Einstieg in komplexere Strategiespiele suchen, sollten hier unbedingt zugreifen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spielerzahl: 
2-6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
14-
Spieldauer (Minuten): 
90-120
Jahrgang: 
2016
Spielkategorisierung
Fotos
Key to the City: London - Spielaufbau - Foto von HUCH!
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